Antisemitismus in Paris

Großes Entsetzen in Paris. Auf das Schaufenster des Geschäftes Bagelstein wurde der Schriftzug „Juden“ geschmiert. Die Suche nach den Tätern hat begonnen. 

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Schmiererei in Paris bei Bagelstein

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Ein Mann war am Samstagmorgen über die l’Île Saint-Louis durch das 4. Arrondisement gegangen und hatte den Schriftzug entdeckt. Ein Post auf Facebook macht sofort die Runde, wurde aber schnell wieder gelöscht. „Die Reaktionen darauf waren zu extrem – in beide Richtungen“, sagte er auf Nachfrage des „Figaro“. Bagelstein ist eine Kette, die sich auf Bagels spezialisiert hat. Der Besitzer hat inzwischen Anzeige erstattet. Gilles Abecassis erklärte, dass solche Schmierereien schon öfter auf den Schaufenstern der Bagels-Kette aufgetaucht seien.

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Auch die Ligue contre le racisme et l’antisémitisme (LICRA) hat den Post aufgegriffen und ihn mit einem Bild aus dem Berlin der 1930er Jahre zusammengestellt. Auch die Vertretung der Juden in Frankreich (Conseil Représentatif des Institutions Juives de France) zeigte sich zutiefst bestürzt über die Schmiererei an dem Geschäft. Der französische Innenminister Christophe Castaner erklärte, dass alles getan werde, um den Schuldigen zu finden und dafür zu verurteilen.

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Im Internet wurden sofort die „Gilets Jaunes“ für die Schmiererei verantwortlich gemacht. Allerdings gibt es auch Nutzer, die sagen, dass die Teilnehmer an der Demo vom Samstag nicht in der Gegend unterwegs gewesen seien. Außerdem sei der Schriftzug bereits am Freitag in der Nacht auf das Fenster geschmiert worden, die Demo war aber erst am Samstag.

Der Provokateur aus dem Elsass

Der französische Zeichner und Karikaturist Tomi Ungerer ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Die Twitter-Seite von Tomi Ungerer nach seinem Tod.

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Die Provokation war Tomi Ungerers liebstes Metier. Mit seinen Zeichnungen und Karikaturen trieb er nicht nur den Sittenwächtern seiner Zeit die Schamesröte ins Gesicht. Auch vor den Allerjüngsten machte der Elsässer nicht halt. In seinen berühmten Kinderbüchern konfrontiert Ungerer die kleinen Leser nicht nur mit den unbeschwerten Seiten des Lebens. Kinder seien kleine Erwachsene, so seine Überzeugung, man müsse sie herausfordern, neue Dinge zu lernen. Das war auch sein eigenes Motto. Ungerer sah sein Leben als ständige Herausforderung, sich weiter zu entwickeln. Nun ist er im Alter von 87 Jahren im Haus seiner Tochter in Irland gestorben.

Geboren wurde er als Jean-Thomas Ungerer im Jahre 1931 als jüngster Sohn einer renommierten Uhrmacherfamilie in Straßburg. Als Kind erlebte er den Zweiten Weltkrieg, die deutsche Besatzung, die Befreiung durch die Franzosen. Bei den einen durfte er nicht mehr Französisch sprechen, bei den anderen nicht mehr Deutsch – und Elsässisch war sowieso verpönt.

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Vielleicht sind es diese Erlebnisse, die Ungerer gelehrt haben, sich nie zu sehr an eine einzige Heimat zu klammern. Nach dem Krieg trieb es ihn rastlos durch die Welt. Mitte der 50er Jahre wanderte er aus in die USA. Es war die Zeit der mächtigen Zeitschriftenverlage. Es gelang ihm, sich in der Szene mit seinen witzigen, provozierenden und bisweilen auch verletzenden Karikaturen einen Namen zu machen. Auftraggeber waren die „Times“ oder auch der „New Yorker“. Unger sah aber auch kein Problem darin, Werbeplakate für die Industrie zu zeichnen. „Ich will nicht identifiziert sein für eine Sache oder eine andere Sache“, sagte Ungerer einmal. „Ich mag, Kinderbücher zu machen an einem Tag, und dann am nächsten Tag mache ich vielleicht Plakate oder Reklamen.“   Wegen seiner Plakate gegen den Vietnamkrieg geriet Ungerer am Ende allerdings ins Visier des FBI und seine freimütigen sexuellen Darstellungen überforderten das amerikanische Publikum. Ungerer entschied damals, dass die Zeit gekommen sei, sich wieder auf den Weg zu machen. So zog er weiter durch die Welt und ließ sich nie auf ein Genre von Zeichnungen festlegen. Vielen Menschen in Deutschland ist Ungerer vor allem als Autor von Kinderbüchern bekannt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Die drei Räuber“ und „Der Mondmann“.

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Ungerer war ein Weltenbummler, dennoch blieb er seiner elsässischen Heimat verbunden. Zeitlebens setzte er sich für die deutsch-französische Freundschaft ein, wofür er 1993 das Bundesverdienstkreuz bekam. „Er war nicht nur ein großer Künstler, er verkörperte auch die Komplexität des Elsass, seiner Doppelkultur. Wir haben uns vorgestellt, dass es ewig ist, und jetzt verlässt er uns“, sagte Alain Fontanel, stellvertretender Bürgermeister von Straßburg angesichts der Todesnachricht.

In seiner Geburtsstadt wurde ihm schon zu Lebzeiten ein Tomi-Ungerer-Museum eingerichtet. Ein Besuch dort lässt erahnen, mit wie viel Eifer, Furor und Freude dieser Mann gearbeitet hat. Ungerer hinterlässt über 40.000 Zeichnungen, mehr als 150 Bücher, zudem zahllose Bilder, Lithographien und Skulpturen. ENDE-ENDE

Explosive „Kartoffel“

Das ist Globalisierung: Chinesische Arbeiter einer Chips-Fabrik finden deutsche Granate in einer Lieferung französischer Kartoffeln. 

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Die Arbeiter einer Chips-Fabrik in Hongkong machten große Augen. In einer Kartoffellieferung aus Frankreich fanden sie einen äußerst seltsamen, kugelförmigen Gegenstand. Den herbeigeeilten chinesischen Fachleuten fiel es nicht schwer, das metallene Etwas zu identifizieren: es war eine deutsche Handgranate aus dem ersten Weltkrieg. „Die Granate befand sich in einem sehr instabilen Zustand, da sie entsichert war“, erklärte Polizeisprecher Wilfred Wong Ho-hon in Hongkong. Um weitere Gefährdungen zu vermeiden, wurde die Handgranate von Spezialisten gesprengt. Nach Angaben von Historikern, wurde die nun Waffe wahrscheinlich während des Ersten Weltkrieges in einem Schützengraben zurückgelassen, der durch einen Kartoffelacker verlief.

Es ist nicht das erste Mal, dass in der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong Alarm geschlagen wird gegen alter Munition. In der Regel handelt es ich dann allerdings um nicht explodierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Erst im vergangenen Jahr mussten die Arbeiten an der neuen Metro unterbrochen werden, weil zwei Kriegsbomben entdeckt worden waren. Für die Chipsfabrik war der Bombenalarm allerdings eine Premiere.

Reden reicht nicht!

Die „Gelbwesten“ wollen von Emmanuel Macron soziale Wohltaten – doch der will im Moment nur reden. Ein Kommentar:

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Die Forderungen sind sehr klar formuliert – doch Macron zögert

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Gelbwesten protestieren seit November

Wieder haben in Frankreich die „Gelbwesten“ protestiert und wieder macht eine Seiten die jeweils andere für die seit Monaten andauernden Krise verantwortlich. Die Fronten zwischen den Demonstranten und der Regierung sind verhärtet und keiner scheint bereit, auch nur einen kleinen Schritt auf den anderen zuzutun.

Die Hilflosigkeit Emmanuel Macrons angesichts der Proteste ist fast schon mit Händen zu greifen. Zwar hat der Präsident eine nationale Debatte über die Zukunft Frankreichs angestoßen und seine Minister fahren demonstrativ kreuz und quer durch das Land, um an Bürgerdialogen teilzunehmen.

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Doch die „Gelbwesten“ wollen nicht reden, sie wollen Taten sehen. Sie wollen Steuerentlastungen, höhere Renten und sie wollen, dass die Reichen wieder stärker zur Kasse gebeten werden. Die Demonstranten fordern, dass mehr von oben nach unten umverteilt wird, um die seit Jahrzehnten immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern. Wie ihre Forderungen finanziert werden sollen, kümmert sie allerdings wenig. Die „Gelbwesten“ wollen die Quadratur des Kreises: die Steuern verringern und die Sozialausgaben erhöhen.

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Das macht es für Macron so schwierig zu handeln, weswegen er im Moment noch vor weitreichenden, konkreten Schritten zurückscheut. Er will zuerst einmal den Menschen zuhören, zeigen, dass er nicht der abgehobene „Präsident der Superreichen“ ist, wie ihm immer wieder vorgeworfen wird. Das aber wird nicht genügen, die inzwischen stark radikalisierten „Gelbwesten“ zu besänftigen.

Macron muss im April liefern

Der Präsident hat mit der von ihm angeschobenen nationalen Debatte etwas Zeit gewonnen. Im April will er die Ergebnisse seiner Gespräche dem Volk präsentieren. Spätestens dann muss Emmanuel Macron liefern. Dann muss er konkret benennen, wie er die sozialen Ungerechtigkeiten in Frankreich abbauen will. Die Erwartungen sind sehr hoch. Werden die Menschen abermals enttäuscht, stehen Frankreich und seinem Präsidenten sehr schwere Zeiten ins Haus.

Ekelfleisch aus Polen in Frankreich aufgetaucht

Ekelfleisch aus Polen ist in Frankreich aufgetaucht: Die französischen Lebensmittelbehörden schlugen am Freitag Alarm wegen fast 800 Kilogramm verdorbenen Fleisches, das in neun weiterverarbeitende Betriebe gelangt sei. Landwirtschaftsminister Didier Guillaume sprach von einem „schrecklichen Betrugsfall“.

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Von dem Rindfleisch-Skandal sind nach Angaben des polnischen Veterinäramts auch neun weitere EU-Länder betroffen. Die polnische Staatsanwaltschaft hatte Alarm geschlagen, weil ein Schlachthaus das Fleisch kranker Rinder auch ins Ausland geliefert haben soll. Das Veterinäramt des Landes erklärte, 2,7 Tonnen seien in zehn EU-Länder gelangt, darunter auch Ungarn, Schweden, Spanien und die Slowakei. Deutschland und Österreich wurden nicht genannt.

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EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andiukaitis kündigte daraufhin eine Inspektion in Polen für die kommende Woche an. Polen ist ein Großlieferant für Fleisch in Europa. Das polnische Landwirtschaftsministerium geht von einem „Einzelfall“ aus. Der Skandal war durch einen investigativen Fernsehbericht bekannt geworden. Ein Reporter hatte unter falscher Identität drei Wochen in einem Schlachthaus in Kalinowo im Nordosten des Landes recherchiert. Er filmte offensichtlich kranke Rinder, die zur Schlachtung vorbereitet wurden.

Paris – das Reiseziel der Superreichen

Sie planen einen Städtetrip nach Paris? Mit dieser Idee sind Sie allerdings nicht alleine. Paris hat 2018 mit rund 24 Millionen Besuchern einen neuen Rekord verzeichnet. Und nehmen Sie Geld mit – viel Geld. Die Besucher in Frankreich sind nach neusten Erhebungen am spendabelsten. Der Grund: sehr viele Touristen fahren nach Paris, um in den zahlreichen Edelboutiquen Luxusmarken zu shoppen. Diese Daten wurden von Global Blue veröffentlicht, ein weltweit agierendes  Unternehmen zur Erstattung von Steuern beim Einkauf von Touristen.

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Die Galeries Lafayette – ein Ort, um sehr viel Geld auszugeben. 

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Die Superreichen gehen nach Paris

Im Jahr 2018 gab jeder Tourist im Schnitt 2148 Euro aus. Zum Vergleich: in Großbritannien waren es 2133 Euro, in Italien 1904 Euro. Doch es sind nicht die Durchschnittstouristen, die auf den Champs-Élysées die Kassen klingeln lassen. Nach Angaben von Global Blue zieht es sehr viele wohlhabende Reisende nach Paris, die dann im Durchschnitt 25.000 Euro für Juwelen, Luxuskleidung oder teure Lederwaren ausgeben. Die meisten dieser Superreichen stammen aus den Golfstaaten, China oder den USA.

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Die Heimat der Luxusmarken

Paris als Heimat zahlreicher Luxusmarken und seinen bombastischen Modeschauen habe noch immer eine sehr große Anziehungskraft, sagt Yan Mortreux, Chef von Global Blue. Befeuert werde dies allerdings auch durch die Inhaber der Geschäfte, die sich gegenseitig mit ihrem Service und dem Angebot übertrumpfen wollen. Ein Concierge in Uniform öffnet eilfertig die Tür und zum VIP-Service gehört natürlich der Transport in der Luxuslimousine zurück zum Hotel. Auch die Angestellten sind entsprechend geschult. Sie verkaufen keine Tasche aus einfachem Leder, sie verkaufen ein Erlebnis und erzählen bisweilen fantastische Geschichten um das sündhaft teure Stück. Wie das Leder mit viel Liebe ausgesucht und mit allergrößter Hingabe verarbeitet wurde.

Die teils gewaltsamen Demonstrationen der sogenannten Gelbwesten in Paris haben das Bild etwas eingetrübt. Im Dezember kamen etwas weniger Besucher nach Paris, zur Freude der Geschäftsbesitzer haben diese dann aber wesentlich mehr Geld ausgegeben.

Frankreich holt Dschihadisten aus Syrien zurück

Frankreich reagiert auf den angekündigten Rückzug der US-Truppen aus Syrien. Innenminister Christophe Castaner hat angekündigt, rund 130 in Nordostsyrien inhaftierte mutmaßliche Dschihadisten in den kommenden Wochen nach Frankreich zu holen.

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Dschihadisten kommen in Haft

„Alle, die nach Frankreich zurückkehren, werden strafrechtlich verfolgt“, unterstrich Castaner im Interview mit dem Nachrichtensender BFM TV am Dienstag. Die meisten von ihnen würden dann inhaftiert. „Einige sind bereits zurückgekehrt und sitzen im Gefängnis, wir kennen sie“, so der Minister weiter. Das bedeutet eine Wende: bisher lehnte die Regierung in Paris eine Rückkehr der Kämpfer ab.

Die Männer und Frauen stehen im Verdacht, Frankreich verlassen zu haben, um sich in Syrien der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Im Nordosten des Landes werden sie nach Angaben des Senders „unter kurdischer Aufsicht“ festgehalten. Französische Behörden befürchten, dass bei einem Rückzug der US-amerikanischen Truppen aus Ostsyrien dort eine Lage entstehen könnte, in der die mutmaßlichen Dschihadisten freikommen könnten. Deshalb sollen sie nun in Frankreich vor Gericht kommen.

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Die Opposition kritisiert Castaner

Die Opposition hat sich natürlich auch schon zu Wort gemeldet und kritisiert den Schritt des Ministers scharf. So erinnert Laurent Wauquiez, Chef der konservatien Partei Les Républicains daran, dass Castaner schon vor einem Jahr gesagt habe, dass er die Terroristen aufnehmen wolle. Wauquiez selbst fordert hingegen, allen die Rückkehr zu verbieten, die in Syrien gekämpft haben.

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In französischen Gefängnissen sind derzeit rund 500 Dschihadisten inhaftiert, die sich in Syrien und dem Irak verschiedenen islamistischen Terrorgruppen angeschlossen haben. Der auf nationale Sicherheit spezialisierte US-amerikanische Thinktank „The Soufan Center” schätzt, dass seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 2011 rund 2.000 Franzosen dem IS beigetreten sind.

US-Präsident Donald Trump hatte kurz vor Weihnachten angekündigt, die in Syrien stationierten 2.000 US-Soldaten abzuziehen und erklärt, der IS sei besiegt. Experten halten die Terrormiliz in Syrien zwar für massiv geschwächt, aber noch lange nicht für geschlagen.