Eine tödliche Gefahr in der Idylle

An bretonischen Stränden werden tonnenweise Algen angeschwemmt und verrotten. Dabei werden hochgiftige Gase freigesetzt, die wohl auch schon Menschen getötet haben.

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Yves-Marie Le Lay überprüft, wie viele giftige Gase sich an den Stränden gebildet haben.

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Ein fiepender Ton zeigt die tödliche Gefahr

Die Bucht La Lieue de Grève erscheint wie eine Idylle aus dem Tourismusprospekt – stünde da nicht dieser Mann mit seiner furchterregenden Gasmaske am Strand. In geflickten Gummistiefeln stapft er mühsam durch den Morast, der sich bei Ebbe in den kleinen Senken gebildet hat. Hie und da hält er inne, gräbt kurz mit einer kleinen Gartenschaufel und hält ein gelbes Messgerät in das Loch. Ein fiepender Ton ist zu hören, der nur eines bedeuten kann: Gefahr!

Es ist heiß, keuchend kämpft sich Yves-Marie Le Lay zurück. „Wenn ich die Maske nicht tragen würde, könnte ich hier sterben“, sagt er. „Die Konzentration an Schwefelwasserstoff ist enorm.“ Todesgefahr? An diesem wundervollen Ort, an diesem harmlosen Strand am westlichen Zipfel der Bretagne?  Yves-Marie Le Lay kennt diesen zweifelnden Blick und hebt an zu einem kurzen Vortrag.

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Bei Ebbe werden die Algen freigelegt und verfaulen in der Sonne

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Die Algen bilden Schwefelwasserstoff

„Der ganze Strand ist bei Ebbe bedeckt mit Unmengen grüner Algen“, erklärt er und macht mit dem Arm eine weit ausholende Bewegung. „Wenn die Sonne darauf scheint, beginnen die zu verrotten. Die oberste Schicht trocknet und schließt die darunterliegende Schicht luftdicht ab, wie eine Art Plastikplane. Die Algen darunter zersetzen sich aber weiter und bilden dabei Schwefelwasserstoff, ein hochgiftiges Gas. Wenn nun jemand auf diesen kleinen Algenberg tritt, kann das Gas schlagartig entweichen und wenn die Konzentration ausreichend hoch ist, kann das bis zum Tod führen.“ Wie zum Beweis stapft er durch eine kleine Algenansammlung, ein übelriechender Geruch nach faulen Eiern und Verwesung macht sich breit. „Schwefelwasserstoff“, sagt er zufrieden.

An den Stränden hat es schon Tote gegeben

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Umweltschützer Yves-Marie Le Lay

Dieses Phänomen sei natürlich nicht überall zu beobachten, erklärt Yves-Marie Le Lay, aber in den vergangenen Jahren hat es in der Region an einigen Stränden Tote gegeben, auch Tiere verenden immer wieder auf unerklärliche Weise. In diesen Tagen ist nur wenige Kilometer von La Lieue de Grève entfernt ein 18 Jahre alter Austernzüchter bei der Arbeit gestorben. Es gab zwar eine Autopsie, doch die brachte nur zu Tage, dass er keinem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. „Viele Faktoren sprechen dafür, dass er sich vergiftet hat“, sagt Yves-Marie Le Lay, „aber das Interesse der Industrie und der Politik ist nicht allzu groß, die Wahrheit ans Licht zu bringen.“

Yves-Marie Le Lay ist das, was man in Frankreich einen „écolo“, einen Umweltschützer, nennt und was nicht immer nett gemeint ist. Auf das Dach seines Hauses in Locquirec hat er Solarzellen montiert, in seinem Garten wuchern wegen der Artenvielfalt die Pflanzen und er fährt einen kleinen, gasbetriebenen Renault Clio. „Wenn man etwas Großes verändern will, muss man bei sich selbst anfangen“, sagt der ehemalige Philosophielehrer. Fast sein ganzes Leben lang habe er sich für den Naturschutz eingesetzt, erzählt der drahtige grauhaarige Mann. 1976 hat er die Umweltgruppe „Sauvegarde du Trégor” mitbegründet, die damals gegen den Bau eines geplanten Atomkraftwerkes in Beg an Fry an der Westspitze der Bretagne protestierten – mit Erfolg.

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Doch der Kampf für einen schonungsvolleren Umgang mit der Natur ist für Yves-Marie Le Lay nie zu Ende. Seit inzwischen fast zwanzig Jahren macht er auf die Gefahren durch die „algues vertes“, die grünen Algen, aufmerksam – ohne einen wirklich durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Als Philosoph gefällt ihm der Vergleich mit Sisyphos – „die Leute würden aber eher sagen, ich bin eine Nervensäge“, sagt der Umweltschützer. Das Problem seien die Überdüngung der Felder und die Mastbetriebe an der bretonischen Küste, erklärt er. Die Flüsse und Bäche würden das überschüssige Nitrat aus dem Inland an die Strände spülen, weswegen sich die Algen dann jedes Frühjahr explosionsartig vermehren.

Schilder warnen vor der Gefahr

Einige wenige Strände an der weit über 1000 Kilometer langen bretonischen Küste sind inzwischen gesperrt worden. Auch in La Lieue de Grève hängen Warnschilder, die bei der herrschenden Hitze von den zahlreichen Touristen allerdings ignoriert werden. Bei Ebbe donnern Männer mit schwere Traktoren und großen Anhängern über den Strand. Ihre Aufgabe ist es, die Algen zu sammeln, aufzuladen und wegzufahren. Angesichts der Größe der Bucht allerdings kein wirklich erfolgsversprechendes Unterfangen. „La Lieue de Grève ist der ideale Ort für die Algen“, erklärt Yves-Marie Le Lay. „Die Bucht hat die Form eines Hufeisens, deshalb ist der Wasseraustausch mit dem offenen Meer eher gering, sie ist sehr flach und zwei nitratbelastete Bäche münden in die Bucht. Hinzu kommt im Moment die ungewöhnliche Hitze, die seit Wochen herrscht und das Wachstum noch weiter fördert.“

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Mit solchen Maschinen werden die Algen eingesammelt

Das Problem der “algues vertes” ist allerdings nicht neu. Yves-Marie Le Lay präsentiert ein Dokument von 1971, in dem die Gemeinde von St.-Michel-En-Grève die Verantwortlichen der Region dazu auffordert, etwas gegen die stinkende Masse zu unternehmen, die schon damals seit einigen Jahren beobachtet wurde. „Diese Plage hat erst mit der Massentierhaltung und vor allem mit der intensiven Landwirtschaft begonnen“, kommentiert der Umweltschützer das Papier. Die Lösung des Problems sei deshalb ganz einfach, erklärt Yves-Marie Le Lay, man müsse beides verändern.

Das aber ist nur schwer zu machen in einer Region, in der die Landwirtschaft und der Tourismus das Einkommen der Leute sichert. Die Bauern möchten ihre Produktionsweisen nicht umstellen und die Hotel- und Restaurantbesitzer wollen nicht, dass das Problem der Algen an die große Glocke gehängt wird. „Hinzu kommt, dass hier irgendwie jeder mit jedem verbandelt ist“, sagt der Umweltschützer. Was das konkret heißt, zeigt sich in einer Crêperie, idyllisch gelegen in einer kleinen Bucht. Lange war die Besitzerin in der bretonischen Umweltbewegung aktiv, das Engagement schlief jedoch ein, als ihre Tochter einen Landwirt aus der Region heiratete.

Die Behörden reagieren sehr langsam

Nach Jahrzehnten der Untätigkeit haben angesichts der ungeklärten Todesfälle an den Stränden der Bretagne auch die Politik und die Behörden reagiert. Von öffentlicher Seite wir immer wieder darauf verwiesen, dass vor knapp zehn Jahren der erste Aktionsplan ins Leben gerufen worden ist. Damals wurden tatsächlich viele Millionen Euro in die Aufklärung der Landwirte und die Säuberung der Strände investiert, allerdings ohne wirklichen Erfolg. 2017 wurde aus diesem Grund ein zweiter Fünf-Jahres-Plan im Kampf gegen die Algenplage konzipiert.
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Für 55 Millionen Euro werden auch dieses Mal als konkrete Maßnahme die Strände gesäubert und weil die politisch Verantwortlichen offensichtlich die hohe Nitrat-Belastung der Flüsse als Hauptgrund ausgemacht haben, sind abermals die Bauern das Hauptziel der Kampagne. Einschneidende und verpflichtende Maßnahmen oder Veränderungen werden von ihnen allerdings nicht gefordert. Die Landwirte werden aufgefordert, ihre Produktionsweise auf „Bio“ umzustellen oder auch einfach die Felder weniger zu düngen. Auf der offiziellen Internetseite „Algues Vertes Info“ der Region ist zu lesen, es müsse versucht werden, die wirtschaftlichen und ökologischen Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Die Hartnäckigkeit eines Bretonen

Yves-Marie Le Lay kann angesichts solcher Aussagen nur den Kopf schütteln. Nach einigen weniger schönen Äußerungen über Politiker und Behörden, wird er sehr fundamental in seiner Kritik. „Wir müssen den Kapitalismus grundlegend verändern“, fordert der Aktivist. „Das System zeigt, dass es nicht zukunftsfähig ist.“ Die Algenplage an den Stränden der Bretagne sei nur ein beispielhafter Ausschnitt des großen Ganzen. Der Umweltschützer weiß, dass er sich mit seinem Einsatz für die Ökologie nicht viele Freunde macht. „Ich erwarte nicht, dass man mir ständig applaudiert“, sagt Yves-Marie Le Lay, aber er wolle einfach nur seinen Kindern eine intakte Natur übergeben. Allein dafür lohne es sich, eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag zu legen. In Frankreich gelten die Bretonen als ganz besondere Sturköpfe, sagt Yves-Marie Le Lay. „In diesem Fall bin ich ganz Bretone.“

Carnaval Tropical in Paris

Ausgelassene Stimmung und super Wetter beim Carnaval Tropical in Paris. Mehrere Dutzend südamerikanische Gruppen ziehen an zehntausenden Zuschauern vorbei über die Champs-Élysées.

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In Paris herrscht für einige Stunden Stimmung wie an der Copacabana. Der Grund: Jedes Jahr im Juli findet auf den Champs-Élysées der Carnaval Tropical statt. Die Straße ist zwar nicht das Sambadrom, aber Teilnehmer und Zuschauer haben dennoch großen Spaß an der Sache.

Monatelang bereiten sich die Gruppen für den Auftritt auf der Pariser Flaniermeile vor. Das heißt vor allem: Kostüme nähen und Tanzschritte üben. Wie jeden ersten Sonntag im Monat ist auch dieses Mal die Straße für den Autoverkehr gesperrt. Und wieder einmal wird deutlich, wie viel Lebensqualität eine Stadt ohne Fahrzeuge bringt. Die Menschen flanieren entspannt auf den Champs-Élysées, haben Spaß, machen Fotos und begutachten ihre Einkäufe.

Schwimmbad im Hafenbecken von Paris

Paris stöhnt unter der Hitze. Im Stadtteil La Villette können sich die Menschen in die Fluten stürzen. Dort wird seit drei Jahren jeden Sommer ein provisorisches Schwimmbad aufgebaut. Alles gratis: Eintritt, Wasser, Sonne, Spaß! 

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Vier Becken hat das 100 Meter lange Schwimmbad. Für die Nichtschwimmer gibt es ein Becken mit 40 Zentimeter Wassertiefe, auf die Schwimmer warten über zwei Meter. Die gesamte Konstruktion ist aus Holz und lagert im Winter in einer Fabrikhalle.

Vor drei Jahren wurde das Schwimmbecken zum ersten Mal aufgebaut und es war sofort ein großer Erfolg. Rund 100.000 Gäste kamen zum Schwimmen. Es hätte wahrscheinlich auch mehr sein können, aber es dürfen aus Sicherheitsgründen nur einige Hundert Badende gleichzeitig ins Schwimmbad. Geboten werden Umkleidekabinen, Duschen, sanitäre Anlagen und natürlich eine Liegewiese mit Liegestühlen.

Und die Qualität des Wassers? Die ist auch nicht schlechter als an den Stränden im Mittelmeer erklärt einer der Verantwortlichen lakonisch. Allerdings werden jeden Tag Proben genommen und analysiert. Also alles im grünen Bereich. Allerdings kann es auch vorkommen, dass das Baden wegen der ungenügenden Wasserqualität verboten wird.

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Fantastische Illusionen im Hafenbecken

Das Bassin de la Villette ist ein beliebtes Ziel für die Bewohner von Paris. Vor allem an heißen Tagen verspricht das alte Hafenbecken nicht nur Abkühlung, sondern auch einiges an Abwechslung. 

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Ein ziemlich fantastisches Spektakel wurde den Zuschauern kurz vor Mitternacht von der Compagnie Ilotopie geboten. Autos kreuzten auf dem Wasser durch das Hafenbecken, brennende Fährmänner irrlichterten über das Wasser, eine Sängerin thronte hoch über dem Wasser. Begleitet wurde das Spektakel von Musik und einem imposanten Feuerwerk.

Für die Stadt haben solche Veranstaltungen zwei Ziele. Zum einen sollen natürlich die Leute unterhalten werden. Allerdings soll damit auch der Ruf des Viertels La Villette im 19. Arrondissement aufpoliert werden. Dort haben nämlich an vielen Ecken die Drogendealer das Sagen. Auf diese Weise werden sie zumindest für kurze Zeit von der Bildfläche vertrieben.

In Paris werden Brunnen zu Schwimmbädern

Frankreich stöhnt unter der Hitzewelle. Klimatisierte Museen bekommen unter diesen Umständen einen ganz neuen Reiz.

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Der Warschauer Brunnen am Trocadéro wird zum Freibad

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Leiden unter der großen Hitze

Die Touristen in der langen Schlange vor dem Louvre stöhnen unter der gewaltigen Hitze. Einige haben Regenschirme aufgespannt, um sich vor der sengenden Sonne zu schützen. Das weltbekannte Museum ist für die Wartenden in diesen Tagen nicht nur wegen der einzigartigen Kunst ein Sehnsuchtsort, sondern vor allem auch wegen der Klimaanlage. Auf 40 Grad soll das Thermometer in Paris klettern, eine große Herausforderung nicht nur für die Besucher der Metropole.

Behörden reagieren auf Hitzewelle

Die französischen Behörden haben auf die außergewöhnliche Hitzewelle bereits reagiert. In 51 Départements wurde die zweithöchste Alarmstufe „orange“ ausgerufen. Der französische Bildungsminister kündigte an, die für Ende dieser Woche angesetzten Abschlussprüfungen an Sekundarschulen auf die kommende Woche zu verschieben. In Betracht gezogen wurde auch, die Schule ganz ausfallen zu lassen. Von diesem Plan haben die Verantwortlichen allerdings wieder Abstand genommen, da es für die Eltern wegen der Betreuung des Nachwuchses zu viele Probleme mit sich gebracht hätte. Die Schulen wurden aber aufgefordert, in den Pausenhöfen kleine Fontänen aufzustellen, unter denen sich die Schüler abkühlen können.

Brunnen werden zu Freibädern

Auch auf vielen Plätzen in Paris sind inzwischen Wassersprinkler aufgestellt, die von den Passanten gerne für eine erfrischende Dusche genutzt werden. Die meisten Brunnen sind von den Einwohnern längst zu öffentlichen Badeanstalten umfunktioniert worden. Sehr gut besucht sind auch die gut klimatisierten Kaufhäuser in der Innenstadt und die Zeitungen veröffentlichen Listen mit den Métro-Linien, deren Züge eine Klimaanlage haben.

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Vom französischen Gesundheitsministerium wurde eine kostenlose Info-Hotline zum Thema Hitze eingerichtet. Dort können sich die Anrufer unter anderem Tipps holen, wie man sich am besten schützt. In vielen Städten werden die Behörden auch selbst aktiv und rufen besonders bedürftige, vor allem ältere Menschen an, um regelmäßig nachzufragen, ob es ihnen gut geht.

Auch die staatliche Bahngesellschaft SNCF hat sich auf die Hitzewelle vorbereitet. Sie hat sich vorsorglich mit fast einer halben Million Wasserflaschen und 200.000 Essenspaketen eingedeckt, die an die Fahrgäste verteilt werden, sollte es wegen des Wetters zu größeren Verspätungen kommen.
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Besondere Probleme in der Bretagne

Mit einem besonderen Problem haben die Menschen an einigen Stränden der Bretagne zu kämpfen. Dort wurden Massen von Algen angeschwemmt, die nun in der Sonne verrotten. Dabei werden giftige Gase freigesetzt, die auch für den Menschen gefährlich sind. Vorsorglich wurden einige Strände gesperrt.

Natürlich gibt es auch Gewinner der außergewöhnlichen Hitzewelle. Der Elektrogerätehändler Fnac-Darty vermeldet einen 300-prozentigen Anstieg bei der Nachfrage nach Ventilatoren und mobilen Klimaanlagen im Vergleich zum vergangenen Juni.

Und hier die Tipps, um gut durch die Hitze zu kommen:
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Das Ende des alten Métro-Tickets

Wer die U-Bahn von Paris nutzen will, muss in Zukunft eine Plastikkarte kaufen. Die muss vor der Fahrt aufgeladen werden.

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Das Ende des alten Métro-Fahrschein

Es heißt Abschied nehmen. Nach fast 120 Jahren wird es für die Métro von Paris bald keine Fahrscheine aus Papier mehr geben. Das heißt allerdings nicht, dass der Nahverkehr in der französischen Metropole zum Nulltarif angeboten wird. In Zukunft wird mit einer kleinen Plastikkarte bezahlt, die mit bis zu 30 Einzelfahrten aufgeladen werden kann. „Wir hinken in diesem Bereich der Entwicklung hinterher, wir müssen aufholen“, sagt Valérie Pécresse, Chef des Nahverkehrs in Paris (Ile-de-France Mobilités). Großes Vorbild ist London mit seiner sogenannten Osyter Card, die ausgelegt ist auf Touristen und Gelegenheitsnutzer der U-Bahn.

Die Preise werden nicht erhöht

Im Grunde bedeutet die Neuerung für die Besucher von Paris nicht allzu viel Veränderung. Die Karte mit dem Namen „Navigo Easy“ kann in den Métro-Stationen und den üblichen Verkaufsstellen für zwei Euro gekauft werden. Danach muss sie allerdings an speziellen Automaten erst aufgeladen werden. Valérie Pécresse verspricht, dass sich die Preise durch die Einführung des neuen Zahlsystems nicht ändern. Das heißt: eine Fahrt kostet weiter 1,90 Euro. Wer ein sogenanntes „Carnet“ mit zehn Tickets kauft, bezahlt dafür 14,90 Euro – es ist also wesentlich billiger.

Die alten Tickets gelten vorerst weiter

Maximal können 30 Einzelfahrten geladen werden Aber Vorsicht: Jeder Fahrgast muss seine eigene Navigo-Easy-Karte haben. Es geht also etwa nicht, dass Eltern ihre Kinder auf ihrer Karte mitfahren lassen. Und, so heißt es von Ile-de-France Mobilités, überzählige Fahrten können am Ende des Urlaubes nicht „zurückgegeben“ werden, allerdings verlieren sie auch nicht ihre Gültigkeit. Wichtig für Touristen: auf das „Navigo Easy“-Ticket können auch Fahren zu den Flughäfen mit dem OrlyBus und RoissyBus geladen werden. Dasselbe gilt für Tages- und Wochenend-Tickets. Sollte noch jemand alte Métro-Tickets aus dem letzten Urlaub bei sich zu Hause haben, verlieren die nicht sofort ihre Gültigkeit. Die können voraussichtlich noch bis Ende 2021 benutzt werden.

Ein Schritt für den Umweltschutz

Métro-Chef Valérie Pécresse unterstreicht, dass die Einführung von „Navigo-Easy“ auch ein Schritt in Richtung Umweltschutz ist. Rund 550 Millionen Tickets werden in Paris jedes Jahr an den Automaten entwertet, von denen viele danach achtlos weggeworfen werden. „Ein Ticket benötig ein Jahr um zu verrotten“, sagt Pécresse. Das neue „Navigo-Easy“ sei aber noch nicht das Ende der Entwicklung, verspricht er. Bald werde es auch möglich sein, alles auf sein Smartphone zu laden. Die Schranke am Bahnsteig erkenne dann den Fahrgast und öffne sich automatisch. Das allerdings ist noch Zukunftsmusik, sagt der Métro-Chef. Jetzt müssten sich die Fahrgäste zuerst einmal an das neue System gewöhnen. ENDE-ENDE

Ein 91 Jahre altes Hit-Wunder

Ein Lied des Veteranen Jim Radford über die Landung in der Normandie steigt in Großbritannien in die Charts. Vom Erfolg ist der Mann nun selbst überrascht. 

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Der Friedhof am Utah Beach in der Normandie

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Viele Tausend Tote auf beiden Seiten

Jim Radford musste sehr lange auf den Erfolg warten. Der berührende Song des 91 Jahre alten Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg ist in diesen Tagen zum Hit geworden, 75 Jahre nachdem der Brite als Junge bei der Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie dabei war.

In „The Shores of Normandy“ erzählt Radford, was er am Morgen des D-Day erlebt hat. Über 150.000 Soldaten landeten damals an der französischen Küste und griffen die deutschen Stellungen an. Auf beiden Seiten gab es viele Tausend Tote, doch es war der Anfang vom Ende der Nazi-Herrschaft.

Der jüngste Soldat des D-Day

Der Brite war mit 15 Jahren der jüngste D-Day-Soldat. Die britische Armee hatte zwar ein Mindestalter von 16 Jahren für den Einsatz festgesetzt, doch es gelang Radford dennoch, auf dem Handelsschiff „Empire Larch“ anzuheuern. Seine Aufgabe war es, beim Bau des provisorischen Hafens zu helfen, über die am sogenannten Gold Beach in Arromanches-les-Baines Truppen und schweres Gerät ausgeladen wurden. Jim Radford erinnert sich an die unzähligen Leichen, die im Wasser trieben und am Strand lagen, das viele Blut der Toten habe alles rot gefärbt.

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Erst 25 Jahre später besuchte Jim Radford erneut den Strand an der französischen Küste. „Ich dachte, dass die Erinnerungen nach so langer Zeit verblasste sind“, erzählt der Veteran. „Man gewöhnt sich daran, man geht weiter und lebt sein Leben nach dem Krieg.“ Doch als er eine Gruppe Kinder sah, die an jener Stelle lachend im Sand spielten, wo damals seine Kameraden starben, brachen die so lange unterdrückten Gefühle aus ihm heraus. Radford schrieb die Zeilen zu dem Lied „The Shores of Normandy“. Die Melodie stammt von dem irischen Volkslied „The Dawning of the Day”.

Vom Erfolg selbst überrascht

Seit 1969 spielte er den Song immer wieder. „Ich war erstaunt, dass Menschen zu mir sagten, dass sie von dem Lied überwältigt seinen“, erzählt Radford. Doch der Erfolg kam erst mit den Gedenkfeiern 75 Jahre nach dem D-Day. Der Brite beschloss, das Lied neu aufzunehmen und mit den Einnahmen ein Denkmal für die gefallenen britischen Soldaten in der kleinen Stadt Ver-sur-Mer an der Küste der Normandie zu unterstützen. Darin sind die Namen von 22.442 britischen Soldaten eingraviert, die bei der Offensive gegen die deutschen Truppen starben. Jim Radford sagt, er sei glücklich, nach so langer Zeit, noch etwas für seine getöteten Kameraden zu tun. ENDE-ENDE