Christo – der Paris-Verpacker

Das Centre Pompidou zeigt eine Schau des verstorbenen Verhüllungskünstlers, die er selbst noch vorbereitet hat.

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Gezeigt werden im Centre Pompidou auch Werke aus der Pariser Zeit in den 60er Jahren. Hier das eingepackte Pferd.

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Ein Jahrhunderkunstwerk ist im Entstehen

Wenn es in der Kunst Wunder gibt, dieses Projekt wird als eines in die Geschichte eingehen. Im September 2021 wird in Paris der Arc de Triomphe verhüllt werden. Das Monument wird für 15 Tage unter 25.000 Quadratmeter silbern schimmerndem Stoff verschwinden, allein diese Vorstellung hat etwas Gewaltiges. Zum Jahrhundertkunstwerk macht das Projekt aber seine Entstehungsgeschichte. Seit Anfang der 60er Jahr trug der Künstler Christo die Idee mit sich herum, das französische Wahrzeichen zu verpacken, bevor sie in diesem Jahr verwirklicht werden sollte. Doch dann geschah das Unvorhersehbare: die Corona-Pandemie stoppte die Vorbereitungen nur Wochen vor dem erfolgreichen Abschluss. Das endgültige Aus schien mit der Nachricht vom Tode Christos am 13. Juni gekommen, er war in New York kurz vor seinem 85. Geburtstag gestoben. Doch dann zeigte sich, was wirklich große Kunst ausmacht, die sich von ihrem Erschaffer löst und auf faszinierende Weise weiterlebt.

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„Christo und Jeanne-Claude – Paris!“

Die Pragmatiker unter den Kunstliebhabern können einwenden, dass der bis zu seinem Tod verbissen arbeitende Christo das Projekt akribisch vorbereitet hatte und die Umsetzung nur noch eine Art künstlerisches Handwerk darstellt. Sie können sich in einer Werkschau im Pariser Centre Pompidou allerdings auch vom Gegenteil überzeugen, dass dieses Projekt mehr ist, als nur ein paar Tonnen Stoff über ein Denkmal zu werfen. Unter dem Titel „Christo und Jeanne-Claude – Paris!“ ist der Arbeit des Künstlerpaares eine Ausstellung gewidmet, die nun auch zu einer Hommage ihres Wirkens geworden ist. Bei der Vorbereitung der Schau, die eigentlich bereits im März hätte eröffnet werden sollen, habe man noch eng mit Christo zusammengearbeitet, sagte Museumsdirektor Bernard Blistène bei der Eröffnung am Mittwoch im Centre Pompidou.

Die Pariser Jahre von Christo

Schwerpunkt der Ausstellung sind die Pariser Jahre des Künstlers und dessen Frau Jeanne-Claude. Christo war nach seiner Flucht aus dem kommunistischen Bulgarien in die französische Hauptstadt gezogen, wo er zwischen 1958 und 1964 lebte und seine in Casablanca geborene Partnerin kennenlernte. Zu sehen ist im Centre Pompidou auch ein Porträt von Jeanne-Claude – natürlich kunstvoll verpackt. Damals begann Christo die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände zu verhüllen wie Dosen, Flaschen, Stühle oder, Kinderwagen. Er wollte zeigen, dass jedes Objekt einen Platz in der Kunst hat. Wie bei den meisten Vertretern des Neuen Realismus (Nouveau Realisme), die er in Paris kennengelernt hatte, ging es ihm darum, existierenden Dingen eine neue Wahrnehmung zu verleihen. Seine damals geborene Idee zu verwirklichen, nämlich den Arc de Triomphe zu verpacken, schien zu jener Zeit für den noch unbekannten Künstler eine verwegene Utopie.

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Ein sehr aufschlussreicher Dokumentarfilm

Zurück nach Paris kamen Christo und Jeanne-Claude in den 80er Jahren. Ihr Projekt, dem der weitaus größte Teil der Ausstellung im Centre Pompidou gewidmet ist: das Verpacken der Pont-Neuf hinter 40 876 Quadratmetern Polyamidgewebe. Zu sehen sind unzählige Skizzen und Fotos, die den mühsamen Weg hin zur Realisierung minutiös dokumentieren. Auch einige Bahnen des Stoffes werden präsentiert, Spanngurte und Winden. Besonderes sehenswert ist ein rund einstündiger Dokumentarfilm. Zu beobachten ist ein wie aufgedreht wirkender Christo, der wie besessen daran arbeitet, das Projekt zu verwirklichen. Als ihm gesagt wird, dass er die einfachen Pariser Leute überzeugen muss, zieht der Künstler kurzerhand durch die Straßen, spricht wildfremde Menschen an, setzt sich in Bistros an die Tische und bricht Diskussionen über den Sinn von Kunst im Allgemeinen und seinem Projekt im Speziellen vom Zaun. Unermüdlich erklärt er, dass es ihm beim Verpacken nicht um das Verstecken eines Gegenstandes gehe, im Gegenteil, sein Ziel sei es, dessen eigentliche Linien wieder sichtbar zu machen.

Vielsagend bis an den Rand der Komik

20.07.01-Christo02Vielsagend bis an den Rand der Komik ist die Rolle des damaligen Pariser Bürgermeisters und späteren französischen Präsidenten Jacques Chirac. Er steht der ganzen Geschichte sehr distanziert gegenüber und wagt es nicht, sich dafür stark zu machen. Der Grund: seine politischen Gegner könnten es ausschlachten. Doch als sich der Erfolg der Aktion abzeichnet, hat Chirac kein Problem, sich mit Christo im Scheinwerferlicht ausgiebig feiern zu lassen. „Ich habe den Eindruck, die Politiker spielen Pingpong und wir sind die Bälle“, entfährt es der entnervten Jeanne-Claude in einer Szene. 1985 wurde das Werk schließlich realisiert.

Christo liebte die Unabhängigkeit

Die Macher der Verpackung des Arc de Triomphe versichern immer wieder, dass Christo und dessen Frau Jeanne-Claude, die bereits im Jahr 2009 gestorben ist, ausdrücklich geäußert hätten, dass ihre laufenden Kunstaktionen auf jeden Fall fortgesetzt werden sollen. Noch im März fertigte Christo Zeichnungen des Pariser Projekts an und sicherte auf diese Weise dessen Finanzierung. Denn wie immer legte er großen Wert darauf, unabhängig von Sponsoren zu sein. Das nötige Geld kommt also auch in diesem Fall über den Verkauf von Drucken und Zeichnungen zusammen. Auch dieses profane, aber sehr wichtige Detail dürfte letztendlich dafür gesprochen haben, den Arc de Triomphe auch nach dem Tode des Künstlers zu verpacken.

Die Pariser entdecken ihre eigene Stadt

Wegen der Corona-Pandemie bleiben die Touristen aus, die französische Metropole zeigt sich von einer ganz neuen Seite

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Im Moment kann man den Blick vom Eiffelturm ziemlich alleine genießen

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Einsam auf dem Eiffelturm

Marlène Aubry ist zum ersten Mal in ihrem Leben auf dem Eiffelturm. Lächelnd erklärt die junge Französin, dass sie vor über zehn Jahren nach Paris gezogen ist. „Ich lebe hier nebenan im 15. Arrondissement“, sagt sie und zeigt mit dem Finger in Richtung ihrer Wohnung, die nur einen Steinwurf entfernt liegt. „Ich hatte es mir tausendmal vorgenommen hochzufahren, aber ich hatte keine Lust, mich stundenlang in die Warteschlange der Touristen einzureihen.“ Nun aber hat die Corona –Pandemie das Leben in der Stadt radikal verändert. Weit über 17 Millionen Touristen haben Paris zuletzt jedes Jahr geflutet, doch das Virus hat diesen Strom über Nacht zum Erliegen gebracht.

Die entschleunigte Stadt

Nach dem Ende der sehr strengen, mehrwöchigen Ausgangssperre fanden die Einwohner der Metropole an der Seine eine völlig veränderte, entschleunigte Stadt vor. Der Straßenverkehr war plötzlich erträglich geworden, weil viele Pendler weiter im Homeoffice arbeiten und sich keine Touristenbusse durch die Straßen drängen. Der Blick auf den Louvre, die Basilika Sacré-Coeur oder das Panthéon wird nicht von einer quirligen und quasselnden Touristenmasse verstellt, die kleine Ewigkeiten auf den Einlass wartet. „Es ist ja ein bisschen makaber, aber ich profitieren von der Corona-Pandemie“, sagt Marlène Aubry und genießt vom Eiffelturm den atemberaubenden Blick über die träge dahinfließende Seine ohne Ausflugsschiffe und den fast menschenleeren Trocadéro.

 

 

 

Paris wird von den Einwohnern neu entdeckt

Nach dem ersten Erstaunen haben viele Einwohner von Paris begonnen, ihre Stadt für sich neu zu entdecken. „Paris ist eine Weltstadt, die aber für die Menschen, die dort wohnen und arbeiten nur schwer zu erfassen ist“, erklärt Corinne Menegaux, Chefin der Tourismusbehörde. „Auf unserer Internet-Seite bieten wir inzwischen geführte Spaziergänge für Einheimische durch die einzelnen Viertel der Stadt an“, erklärt sie. So können etwa die Teilnehmer rund um die Métro-Station Barbès-Rochechouart im 18. Arrondissement die afrikanische Kultur entdecken, die dort blüht, wie in sonst keinem anderen Stadtteil. Der Grund: Während des Baus des nahen Gare du Nord kamen viele Arbeiter aus den ehemaligen französischen Kolonien nach Paris und ließen sich dort nieder.

 

Die Stimmung hat sich etwas normalisiert

Nachdem die Bistros in der Stadt Ende Mai zumindest ihre typischen Terrassen öffnen durften, hat sich auch die Stimmung in den Straßen wieder normalisiert. Die allgegenwärtige Depression ist in diesen Wochen langsam der bekannten Pariser Leichtigkeit gewichen. Da nicht alle der weit über 20.000 Restaurants und Cafés über einen Außenbereich verfügen, dürfen die Wirte in diesem Sommer ihre Tische und Stühle einfach auf die Gehwege und die Parkplätze vor den Bistros stellen. Einige kleine Straßen wurden ganz für den Verkehr gesperrt. Das hat allerdings zur Folge, dass sich dort bereits mancher Anwohner über den nächtlichen Lärm der Gäste beschwert, da sich kaum jemand an die 20-Uhr-Sperrstunde hält.

Nicht alle Bistros werden den Lockdown überleben

Zumindest äußerlich scheint inzwischen wieder eine gewissen Normalität Einzug gehalten zu haben. Doch der Schein trügt. Im bei Touristen sehr beliebten Pariser Viertel Marais, wo in den vollbesetzten Restaurants am Abend bisher ein vielsprachiges Stimmengewirr aus der ganzen Welt zu hören war, wird nun fast ausschließlich Französisch gesprochen. „Uns fehlen vor allem am Tag die Gäste“, räumt ein Bistro-Besitzer ein. Er ist überzeugt, dass nicht alle seiner Kollegen dieses Krisenjahr überleben werden. Dann fügt der Mann selbstkritisch hinzu, dass viele in Paris bisweilen gerne über die Masse an Touristen stöhnen – doch nun bleiben sie weg und das sei auch nicht gut.

 

Einige Infos zur Lage in Paris:

PANDEMIE: Die Einreise aus Deutschland nach Frankreich ist inzwischen wieder ohne Probleme möglich. Hotels, Jugendherbergen und Campingplätze sind wieder geöffnet, genauso wie Restaurants, Bars und Cafés. Allerdings gelten bestimmte Hygienevorschriften. Zum Beispiel: Nicht mehr als zehn Personen pro Tisch, mindestens ein Meter Abstand zwischen den Tischen, Maskenpflicht.

MÉTRO: Auch die Métro in Paris läuft wieder im Normalbetrieb. Aber auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht Maskenpflicht – das gilt auch für Taxis. Passagiere sollten darauf achten, einen möglichst großen Abstand zu anderen Reisenden einzuhalten.

SEHENSWÜRDIGKEITEN: Auch Museen und andere Sehenswürdigkeiten werden nach und nach wieder geöffnet. Auch dort gelten die üblichen Hygienevorschriften. Zudem muss der Besuch in der Regel Online reserviert werden, da die Zahl der Besucher streng reglementiert ist.

TOURISTEN: Im Jahr 2019 wurde in Paris (innerhalb der 20 Arrondissements) ein Rekord von über 17 Millionen Touristen verzeichnet. Im Großraum Paris waren es über 50 Millionen Besucher. Jedes Jahr besuchen weit über eine Million Deutsche die französische Hauptstadt. Nur aus den USA, Großbritannien und China kommen mehr Touristen.

Ende der Corona-Pause am Eiffelturm

Zum ersten Mal seit über drei Monaten kann die Sehenswürdigkeit in Paris wieder besichtigt werden. Dafür braucht es allerdings eine gute Kondition, denn der Aufstieg ist nur über die Treppe erlaubt.

 

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Ein steiler Weg bis zum Glück

Fast 700 Stufen sind es bis zum großen Wow-Effekt, dann liegt dem staunenden Besucher Paris zu Füßen. Über drei Monate war der Eiffelturm in der Corona-Krise geschlossen, am Donnerstag durften zum ersten Mal wieder Besucher bis zur zweiten Aussichtsplattform in 115 Metern Höhe hinaufsteigen. Das war an dem heißen Sommertag mit über 30 Grad allerdings eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Aufzüge, die in normalen Jahren rund sieben Millionen Besucher auf die verschiedenen Etagen befördern, bleiben wegen der strengen Hygiene-Regeln in Frankreich vorläufig noch geschlossen.

Ein überwältigender Ausblick über Paris

Allerdings ist die Anstrengung angesichts der überwältigenden Aussicht schnell vergessen. Vom Eiffelturm aus wird die Schönheit von Paris noch einmal deutlich. Die ungewohnte Vogelperspektive macht die Achse vom Marsfeld hin zum Trocadéro erst wirklich begreifbar, in einiger Entfernung thront die weiße Basilika Sacré-Coeur im gleißenden Sonnenlicht erhaben auf dem Montmartre, im verwirrenden Häusermeer der Île-de-la-Cité erheben sich etwas behäbig die beiden Türme von Notre-Dame und die Seine verschwindet sich träge schlängelnd irgendwo am Horizont.

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Auch die Mitarbeiter sind erleichtert

Selbst die Männer und Frauen des Sicherheitspersonals scheinen diese grandiosen Aussicht vermisst zuhaben und lassen ihren Blick am ersten Tag der Eröffnung immer wieder über die Stadt schweifen. Sébastian Dupré arbeitet seit fast 24 Jahren auf dem Eiffelturm, doch so lange Zeit musste er noch nie pausieren. Die mehr als dreimonatige Schließung des Eiffelturms wegen der Corona-Pandemie sei die längste seit dem Zweiten Weltkrieg. „Wir alle sind glücklich, wieder hier zu sein“, sagt er sichtlich zufrieden und hofft, dass nun wieder ein weiteres, kleines Stück Normalität in das Leben der Stadt Einzug hält.

 

Beschränkungen in den ersten Wochen

Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis der Alltag am Eiffelturm zurückehrt. Die Zahl der täglichen Besucher ist in den kommenden Monaten begrenzt und wer nach oben will, muss sein ihr Ticket vorab im Internet reservieren. Der Aufstieg erfolgt zudem über eine andere Treppe als der Abstieg, um einen Mindestabstand zwischen den Besuchern sicherzustellen. Das Konzept scheint zu funktionieren. Victoria Klahr, die Sprecherin der Betreibergesellschaft, erklärt, dass für die ersten Tage bereits mehrere Hundert Tickets verkauft worden seien. Vor allem aus Deutschland und Belgien laufe die Nachfrage bereits wieder an. Aber auch viele Einwohner von Paris würden die Gelegenheit nutzen, um ihr Wahrzeichen zu besuchen, bevor wieder die ganz großen Touristenströme wieder einsetzen.

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Nicht alle Pariser mochten den Turm

Die Pariser sind natürlich sehr stolz auf ihren Turm, doch viele hatten zu Beginn ein eher zwiespältiges Verhältnis zu dem Bauwerk. Gebaut wurde es für die Weltausstellung, die am 6. Mai 1889 ihre Pforten öffnete. Vor allem die Intellektuellen schimpften über die kühle Stahlkonstruktion, in den Zeitungen fanden verbale Schlachten statt – von „Geschmacklosigkeit“ und „tragischer Straßenlaterne“ war die Rede. Eigentlich sollte der Turm nur für die Dauer der Weltausstellung stehenbleiben. 1909 drohte schließlich endgültig der Abriss. Doch Gustave Eiffel wollte das Bauwerk retten und hatte eine Idee: Er startete Funkversuche von dessen Spitze. Der Eiffelturm wurde schließlich zum Sendemast – und entging so dem Abriss.

Dem Namensgeber Gustave Eiffel (1832-1923) ist es auch zu verdanken, dass der gigantische Bau überhaupt realisiert wurde. Die ursprüngliche Idee für den Turm stammt vor allem vom Elsässer Maurice Koechlin. Er war in Eiffels Ingenieur-Büro angestellt und entwickelte das Konzept maßgeblich. Eiffels Verdienst war es, mit diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit den Bau gegen Widerstände und Konkurrenzprojekte durchzusetzen.

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Seit dem Jahrtausendwechsel funkeln am Abend zu jeder Stunde 20.000 Glühbirnen fünf Minuten lang. Bereits seit 1985 erhellen Lichtstrahlen den Turm im Dunkeln von innen heraus. So ist der Eiffelturm auch zu später Stunde von fast überall in Paris zu sehen.

Neue Ideen für die alte Dame

Auch nun hat die Betreiberfirma die Zeit der Corona-Schließung genutzt, um sich Gedanken über die Zukunft der Sehenswürdigkeit zu machen. „Man muss den Eiffelturm neu erfinden“, sagt Partick Branko Ruivo, Generaldirektor der Betreibergesellschaft. Es genüge nicht mehr, das Bauwerk nur ansehen zu können. Aus diesem Grund wird auf der ersten Etage eine Art Erlebnisraum eingerichtet, in dem mittels interaktiver Bildschirme und Infoboxen die Geschichte begreifbar gemacht wird. Zudem werden dort in Zukunft auch Musikevents stattfinden und eine neue Brasserie soll die Gäste verpflegen.

Der nächste größere Einschnitt ist ebenfalls schon geplant. Der insgesamt 324 Meter hohe Eiffelturm soll bald einen neuen Anstrich erhalten. 60 Tonnen Farbe werden dafür benötigt und die Arbeiten werden fast zwei Jahre dauern. Pünktlich zu den Olympischen Spielen in Paris im Jahr 2024 soll das Wahrzeichen der Stadt dann im neuen Kleid erstrahlen.

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INFOS zum Eiffelturm

BAUWERK: Der Eiffelturm wurde für die Weltausstellung gebaut – sie wurde am 6. Mai 1889 eröffnet. Er ist 324 Meter hoch – inklusive der Antenne auf der Spitze des Bauwerks. Auf der ersten Etage befinden sich Besucher in 57 Metern Höhe, auf der zweiten in 115 Metern. Die oberste Aussichtsplattform befindet sich auf 276 Metern Höhe. Die Stahlkonstruktion allein wiegt 7300 Tonnen, insgesamt wiegt das Bauwerk 10.000 Tonnen. Mehr als 18.000 Eisenteile wurden verwendet, rund 2,5 Millionen Nieten halten ihn zusammen.

ANSTRICH: Der Turm wurde seit dem Bau mehrfach komplett neu gestrichen. Die offizielle Farbe „Eiffeltum-Braun“ trägt er seit 1968. Dieser bronzefarbene Anstrich ist von oben nach unten in drei Schattierungen von hell nach dunkel abgestuft – so soll Leichtigkeit vermittelt werden. Zuvor war der Stahlbau auch schon Venedig-Rot und ockerfarben angemalt. Für den Anstrich werden 60 Tonnen Farbe verbraucht. Im Schnitt dauert das 18 Monate und kostet vier Millionen Euro.

LICHT: Am Abend funkelt der Turm zu jeder Stunde. Auch finden doch immer wieder Lichtshows statt. Alle Lichtinstallationen sind urheberrechtlich geschützt. Fotos davon dürfen zwar für den privaten Gebrauch gemacht werden. Wer die Bilder verbreiten will, braucht dafür aber eine Genehmigung.

TERROR: Nach der islamistischen Anschlagsserie, die Frankreich in den vergangenen Jahren erschüttert hat, wurde der Eiffelturm nachgerüstet. Seit 2018 schützen kugelsichere Glaswände den Stahlturm vor Terrorangriffen. Sie sind drei Meter hoch und stehen einmal auf der Seite zur Seine und gegenüber, Richtung Marsfeld. An den Längsseiten sind Metallzäune hinzugekommen. Die neuen Sicherheitsvorkehrungen waren durchaus umstritten, ist der Turm doch auch ein Symbol der Freiheit. Laut Betreiber waren sie aber notwendig.

Und wer ein Ticket buchen will: Hier draufklicken!

 

Das Baguette – eine Gefahr für Leib und Leben?

Das legendäre französische Stangenbrot schmeckt lecker, hat unter Ernährungswissenschaftlern allerdings einen eher zweifelhaften Ruf

 

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Zu viele Baguettes können der Gesundheit abträglich sein. 

Die Baguette sind ein Stück Lebensgefühl

Das Baguette gehört zum Leben eines Franzosen wie die Luft zum Atmen. Kein Frühstück ohne dieses typische Weißbrot, das natürlich auch zu allen anderen Mahlzeiten gereicht wird. Doch in diesem Tagen machen beängstigende Meldungen die Runde. In einem Bericht der Tageszeitung „Le Parisien“ wird sogar davor gewarnt, zu viel Baguette zu essen und im Laufe der Lektüre entsteht der Eindruck, der Genuss dieses für Frankreich so typischen Brotes führe geradewegs ins Grab. Wortführer der Baguette-Kritiker ist Réginald Allouche. Der Arzt ist Autor einiger populär-medizinischer Bücher und hat sich in Frankreich einen Namen gemacht als hartnäckiger Kämpfer gegen Übergewicht und Diabetes.

Der Genuss eines Baguette schlägt auf die Leber

Er schreibt, das Lieblingsbrot der Franzosen werde aus Mehl hergestellt, das einen plötzlichen Anstieg des Glukosespiegels im Blut verursache. Die Insulinproduktion durch die Bauchspeicheldrüse werde angekurbelt, was bei manchen Menschen langfristig das Risiko für Diabetes, Fettleibigkeit und Leberüberlastung stark erhöhen könne. Damit nicht genug: ein Baguette liefere dem Körper keine Ballaststoffe und sei für das wichtige Gleichgewicht der Darmflora eher schädlich. Ganz zu schweigen von den nicht-natürlichen Zutaten, die beim Backen sonst noch beigemengt werden. Das Urteil des Arztes ist vernichtend: Das normale Baguette „heißt Brot, es hat die Form von Brot, aber es ist etwas Anderes“.

Der Kenner setzt auf Tradition

Jedem Franzosen müsste nun der Bissen im Halse stecken bleiben. Doch Réginald Allouche kann seine Landsleute beruhigen, denn es gibt einen kulinarischen Ausweg: das „pain de tradition française“. Auch das ist ein Baguette, das allerdings auf althergebrachte Weise zubereitet wird. Der Teig wird nicht tiefgekühlt, als natürliche Treibmittel sind nur Hefe oder Sauerteig erlaubt und es enthält keine chemischen Zusätze wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsmittel.
Die Franzosen können also aufatmen und weiter ihr geliebtes Baguette genießen. Und für das Wohl ihrer Bauchspeicheldrüse und der Darmflora sind sie sicher bereit, in der Boulangerie ein paar Cent mehr für ein „pain de tradition française“ auszugeben.

Bildersturm in Frankreich – Dieses Mal trifft es Voltaire

Auch in Frankreich werden inzwischen Statuen beschädigt oder gestürzt. In diesem Fall hat es Voltaire und Hubert Lyautey getroffen. Beide Taten haben mit der Rolle der Männer während der französischen Kolonialzeit zu tun.

 

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Eine Statue von Voltaire ist in Frankreich mit roter Farbe begossen worden. Der Denker aus der Zeit der Französischen Aufklärung hatte einen Teil seines Vermögens mit dem Handel während der Kolonialära gemacht. Seine war eine von zwei Statuen in Paris im Zusammenhang mit der Kolonialherrschaft von Frankreich, die am Montag rot bemalt wurden. Die Aktion ereignete sich angesichts Forderungen von Anti-Rassismus-Aktivisten, Denkmäler zu Ehren von Persönlichkeiten abzubauen, die Verbindungen zum Sklavenhandel oder dem Kolonialismus hatten.

 

 

 

Die andere Statue war von Hubert Lyautey. Lyautey war in Marokko, Algerien, Madagaskar und Indochina tätig, als diese von Frankreich kontrolliert wurden. Lyautey war später Kriegsminister von Frankreich während des Ersten Weltkriegs. Die Statue befindet sich nahe dem Invalidendom, in dem sich das Grab von Napoléon Bonaparte befindet.

 

 

Die Aktionen kommen nach weltweiten Protesten, die von dem Tod von George Floyd in den USA am 25. Mai ausgelöst wurden.

Buhrufe für Marine Le Pen – PR-Gau für die Rechtsauslegerin

Marine Le Pen ist Ablehnung gewöhnt. Aber diesen Auftritt hatte sich das dann doch anders vorgestellt. Beim Gedenken an General de Gaulle auf der île de Sein wurde sie von den Bewohnern unschön empfangen.

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Marine Le Pen spaziert durch ein leeres Dorf

Es sollte ein PR-Coup werden. Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Rassemblement National, gedenkt an historischer Stätte dem General de Gaulle. Auf der île de Sein hielt sie eine kurze Rede und legte medienwirksam einen Kranz an einem Denkmal nieder. Soviel zur medialen Inszenierung, doch die Bilder, die dann die Runde machten, sind ganz andere.

Zu sehen ist, wie Marine Le Pen durch eine Geisterstadt spaziert. An ihrer Seite nur ihre eigenen Getreuen. Im regnerischen bretonischen Wetter legt sie einen Kranz nieder. Beim Rückweg zum Hafen geht sie an einer Gruppe von Einwohnern vorbei – die hat ihre jedoch den Rücken zugekehrt. Zu hören sind Buh-Rufe. Kurz zusammengefasst: dieser Besuch ist ein Fiasko. Der von ihr abgelegt Kranz wurde übrigens innerhalb von Minuten im Müll entsorgt.

 

Marine Le Pen beschuldigt die „Antifa“

Die Wut ist bei Marine Le Pen groß. Das sei eine Aktion der „Antifa“ gewesen, beklagt sich die Rechtsauslegerin und sie versucht zu erklären, dass auch sie das Recht habe, den 18. Juni feierlich zu begehen. Schließlich sei sie Nachkommin eines bretonischen Seemanns, der für Frankreich im Zweiten Weltkrieg gefallen ist.

„Je ne vois pas en quoi le fait de venir commémorer le 18 juin pourrait être de la part de quelque Français que ce soit une provocation. Particulièrement de la part d’une petite-fille de marin breton mort pour la France en 1942 et dont le nom est inscrit sur le monument aux morts d’une commune bretonne.“

 

Die Sache mit General de Gaulle ist kompliziert

So einfach ist die Sache allerdings nicht, denn der Rassemblement National – zuvor hieß die Partei Front National – hat ein eher gespaltenes Verhältnis zu General de Gaulle. Dazu muss man auch in die Familiengeschichte der Le Pens durchstöbern.

 Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, verspottete Charles de Gaulle stets als „Landesverräter“ und eigentlicher Erzfeind aller wahren Franzosen. Der Grund: der General gewährleistete einst den Rückzug Frankreichs aus Algerien. Auf Parteitagen des damaligen Front National wurden gerne auch Schweigeminuten für Jean Bastien abgehalten, einen rechtsradikalen Offizier und Organisator eines – misslungenen – Anschlags gegen De Gaulle. Bastien wurde deswegen 1963 hingerichtet.

 

Marine Le Pen wirft ihren Vater aus der Partei

Bei der Gründung des Front National im Jahr 1972 waren übrigens viele ehemalige Kollaborateure der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg mit von der Partie. Auch alte Partisanen aus Algerien fanden damals eine neue politische Heimat.

Marine Le Pen aber hat sich, nachdem sie ihren Vater aus der Partei geworfen hatte, auch in Sachen Vorbilder neu orientiert. Sie beruft sich nun auf General Charles De Gaulle, den Exil-Führer des Widerstands gegen Hitler-Deutschland und späteren Staatschef. Doch auch wenn Marine Le Pen immer wieder mit ihren Anhängern an das Grab des Generals pilgert, haben die Franzosen den Hass nicht vergessen, der über Jahre von den extremen Rechten über den in Frankreich verehrten General niederging.

Die Île de Sein – eine sehr besondere Insel

Warum sich der Streit gerade auf der île de Sein hochkochte, muss man etwas zurück in der jüngsten Geschichte Frankreichs. Am 18. Juni 1940 verlas General Charles de Gaulle über die BBC seinen berühmten Appell, um die Franzosen zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen. Am 18. Juni finden in Frankreich auch heute noch viele Feiern statt, im Gedenken an die Kämpfer gegen die Faschisten.

Dabei spielt die Insel Île de Sein eine besondere Rolle. Die Einwohner waren besonders häufig in der Résistance zu finden. Unmittelbar nach dem Aufruf von Charles de Gaulle  – die Île de Sein war, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von der deutschen Wehrmacht besetzt – legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die im Zivilberuf Fischer waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreich an. Sie machten anfangs ein Viertel der Forces Navales Françaises libres („Freie Französische Marine“, kurz FNFL) aus und veranlassten de Gaulle zu der Bemerkung: „Die Insel Sein ist ein Viertel Frankreichs“.

 

 

Der Bürgermeister war gegen den Besuch

Didier Fouquet, Bürgermeister der Insel im Atlantik, hatte schon vor dem Besuch Marine Le Pens erklärt, dass die Politikerin nicht willkommen sei. Das ist doch nur ein PR-Coup von Marine Le Pen, um von sich reden zu machen, sagte er. Nun sprechen tatsächlich viele über den Auftritt der Rechtsauslegerin – allerdings auf eine andere Weise, als der womöglich lieb sein dürfte.

Tempo 30 für Paris?

Anne Hidalgo sorgt wieder einmal für Aufregung. Die Bürgermeisterin von Paris will eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die ganze Stadt. Autos sollen in Zukunft nur noch 30 km/h fahren dürfen. Auf der Stadtautobahn sollen 50 km/h erlaubt sein. Das Ziel für Paris: die Lebensqualität verbessern. Da Ziel für Anne Hidalgo: ihre Wiederwahl als Bürgermeisterin am 28 Juni.

 

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Weniger Autos – weniger Hektik

In der Bäckerei am Place Victor Hugo im schicken 16. Arrondissement von Paris herrscht überraschende Einigkeit. Die Idee mit der Geschwindigkeitsbegrenzung sei eine gute Sache. Man habe dann mehr Ruhe in der Stadt, weniger Hektik, heißt es immer wieder. Vor allem eine ältere Dame ereifert sich, allerdings würde sie gerne alle Autos aus der Stadt verbannen. Einen eigenen Wagen hat sie nicht, sie nimmt immer den Bus, da sie die steile Treppe hinunter zur Métro nicht mehr schaffe. Einen Aufzug gibt es dort nicht. Aber im Grunde bleibe sie sowieso lieber im Viertel.

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In diesen Zonen der Stadt gilt bereits Tempo 30 – die Karte stammt von „Le Parisien“

 

Ein jüngerer Mann erklärt, dass es sich in den vergangenen Wochen während der Ausgangssperren wegen der Corona-Krise gezeigt habe, dass man auch ohne Auto zurechtkomme. Er hat sich ein Fahrrad gekauft und wäre auch froh, wenn der Autoverkehr „entschleunigt“ würde. Seinen Wagen nimmt er nur noch ab und an.

 

Verlierer sind die Einwohner der Vororte

Wer sich über die Idee aufregt, wohnt vor allem in den Vororten, den berühmten Banlieue von Paris. Diese Menschen sind oft auf ihren Wagen angewiesen, um in die Stadt oder einen anderen Vorort zu kommen. Zwar nehmen auch von diesen Bewohnern viele die Nahverkehrszüge und die Métro, die die Menschen jeden Morgen zu Millionen ins Zentrum schaufeln, doch ist das System hoffnungslos überlastet. Sie würden vor allem davon getroffen, wenn auf der Stadtautobahn eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt würde. Allerdings steht dort der Verkehr fast jeden Tag am Abend und am Morgen auf Hunderten von Kilometern. Die freie Fahrt für freie Franzosen ist auch dort nur Wunschdenken.

Anne Hidalgo will weniger Verkehr in Paris

Es ist nicht das erste Mal, dass Anne Hidalgo mit einem Vorschlag in Sachen Verkehrsberuhigung für Aufregung sorgt. Sie hat die Straße entlang der Tuilerien sperren lassen und Radspuren angelegt, musste sie dann aber wieder zumindest teilweise öffnen, weil sie nach Ansicht eines Gerichtes eigenmächtig gehandelt hat. Während der Corona-Pandemie hat die amtierende Bürgermeisterin rund 50 Kilometer Radwege im Stadtzentrum angelegt – und auch dafür hat sie dem Autoverkehr Spuren abgezwackt. So ist die Rue Rivoli inzwischen eine Einbahnstraße und nur noch für Busse und Taxis frei – drei Spuren wurden für Radfahrer freigemacht.

Generell wurden vor allem Radwege von den Métro-Stationen am Stadtrand in Richtung Stadtmitte angelegt. Die Aktion wurde so gut angenommen, dass Anne Hidalgo überlegt, diese provisorischen Radwege auf Dauer anzulegen. Nun also Tempo 30!

 

 

Das Kalkül der Bürgermeisterin

Das Kalkül der Bürgermeisterin ist ziemlich durchsichtig. In Paris besitzt weit über die Hälfte der Haushalte kein eigenes Auto mehr. Wenn sie für Ruhe, grüne Plätze und weniger Verkehr sorgt, trifft sie den Nerv vieler gestresster Einwohner der Millionenmetropole. Ähnlich agiert sie, wenn es um die Begrenzung des Tourismus in der Stadt geht. Die von Anne Hidalgo angestrebten rigiden Restriktionen für den Wohnungsvermittler Airbnb werden von den meisten Parisern begrüßt. Die Preise für die Wohnungen in Paris sind nicht zuletzt werden solcher Agenturen in astronomische Höhen geschossen. Die Chancen auf eine zweite Amtszeit stehen für Anne Hidalgo nicht schlecht.

Corona-App in Frankreich – Ernüchterung nach dem großen Hype

Die Corona-Warn-App ist nun auch in Deutschland verfügbar. Die Aufregung ist groß! In Frankreich wurde die App bereits vor rund zwei Wochen zum Download freigeschaltet, auch dort schlugen die Wellen hoch, allerdings hat sich die Lage ebenso schnell wieder beruhigt. Inzwischen macht sich auch in den Reihen der Verantwortlichen eine gewisse Ernüchterung breit.

 

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StopCovid ist in den ersten Tagen der Hit

Frankreichs Coronavirus-Warn-App nennt sich „StopCovid“ und wurde in den ersten Tagen zum Hit. Nach Angaben der Regierung wurde die Erwartungen übertroffen. Innerhalb von vier Tagen sei die App eine Million Mal aktiviert worden, schrieb der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, auf Twitter. Ähnlich wie in Deutschland wurde zuvor mächtig die Werbetrommel gerührt. Die französische Regierung erklärte immer wieder, damit die App wirksam sei, müsste sie von mehreren Millionen Französinnen und Franzosen genutzt werden.

 

Der Hype ist schnell verflogen

Doch der Hype um die App war schnell verflogen. Cédric O, Staatssekretär für Digitales, erklärte in diesen Tagen, dass mit dem Abflauen der Pandemie auch die Bereitschaft deutlich nachlasse, sich die App auf das Smartphone zu laden. Auch mit Aussagen über die Zahl der belegten „Treffer“ hielt sich der Politiker zurück. Es habe eine „eine Handvoll“ Benachrichtigungen durch die App gegeben.

Das Problem ist Bluetooth

Ein zentrales Problem ist offenbar technischer Natur. Es genügt nicht, sich die App zu installieren. Die Nutzer von StopCovid müssen ihre Bluetooth-Funktion aktiviert haben, sonst funktioniert die App nicht. „Wir wissen nicht, wer sein Bluetooth aktiviert oder nicht,“ erklärt Cédric O. Die ersten Zahlen machten allerdings keine große Hoffnung.

Allerdings wehrt sich der Staatssekretär auch immer wieder gegen Meldungen, dass mindestens 60 Prozent der Menschen die App geladen und aktiviert haben müssten, damit sie verlässlich funktioniert.

 

 

 

„StopCovid“ soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind. Bürger sollen dann gewarnt werden, falls sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. „Wir haben kein genaues Ziel, aber wir wissen, dass diese Anwendung vor allem für Stadtbewohner nützlich ist, die zu Stoßzeiten die U-Bahn nehmen, die in Bars und Restaurants gehen, die mit vielen Menschen in Kontakt stehen“, sagte der Staatssekretär jüngst dem Sender RMC.

Die Kritik an der App ist groß

Experten hatten bereits kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten. Das kann zu Problemen wie höheren Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen.

Die Kritik richtet sich allerdings nicht nur an die Technik der App. Datenschützer haben zwar immer wieder versichert, dass die Anwendung sicher sei und die Daten auch nicht verwendet werden könnten, um Menschen zu verfolgen. Dennoch schürt die App offensichtlich Ängste, die bisweilen nicht genau zu fassen sind.

 

 

Der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich

Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Marine Le Pen ist auf der Île de Sein nicht willkommen

Marine Le Pen ist nicht willkommen auf der die Île de Sein – schon gar nicht am 18. Juni. Didier Fouquet, der Bürgermeister der Insel, macht der Chefin des rechtsextremen Rassemblement National den unschönen Vorwurf, dass die Feiern an jenem Tag von der Politikerin schlicht gestohlen würden. Fakt ist: er würde Marine Le Pen am liebsten das Anlegen verwehren.

 

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Der Appell von General Charles de Gaulle

Um diesen Streit zu verstehen, muss man etwas zurück in der jüngsten Geschichte Frankreichs. Am 18. Juni 1940 verlas General Charles de Gaulle über die BBC seinen berühmten Appell, um die Franzosen zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen. Am 18. Juni finden in Frankreich auch heute noch viele Feiern statt, im Gedenken an die Kämpfer gegen die Faschisten.

Dabei spielt die Insel Île de Sein eine besondere Rolle. Die Einwohner waren besonders häufig in der Résistance zu finden. Unmittelbar nach dem Aufruf von Charles de Gaulle  – die Île de Sein war, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von  der deutschen Wehrmacht besetzt – legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die im Zivilberuf Fischer waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreich an. Sie machten anfangs ein Viertel der Forces Navales Françaises libres („Freie Französische Marine“, kurz FNFL) aus und veranlassten de Gaulle zu der Bemerkung: „Die Insel Sein ist ein Viertel Frankreichs“.

 

De Gaulle, das Hass-Objekt der extremen Rechten

Besonders kompliziert wird die ganze Angelegenheit mit den Feierlichkeiten durch die Halten der extremen Rechten in Frankreich. Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, verspottete Charles de Gaulle stets als „Landesverräter“ und eigentlicher Erzfeind aller wahren Franzosen. Der Grund: der General gewährleistete einst den Rückzug Frankreichs aus Algerien. Auf Parteitagen des damaligen Front National wurden gerne auch Schweigeminuten für Jean Bastien abgehalten, einen rechtsradikalen Offizier und Organisator eines – misslungenen – Anschlags gegen De Gaulle. Bastien wurde deswegen 1963 hingerichtet.

Marine Le Pen aber hat sich, nachdem sie ihren Vater aus der Partei geworfen hatte, auch in Sachen Vorbilder neu orientiert. Sie beruft sich nun auf General Charles De Gaulle, den Exil-Führer des Widerstands gegen Hitler-Deutschland und späteren Staatschef. Doch auch wenn Marine Le Pen immer wieder mit ihren Anhängern an das Grab des Generals pilgert, haben die Franzosen den Hass nicht vergessen, der über Jahre von den extremen Rechten über den in Frankreich verehrten General niederging.

 

Der Bürgermeister will Marine Le Pen nicht auf der Insel

Bürgermeister Didier Fouquet hatte sich nach eigenen Aussagen über eine kleine Feier auf der Insel gefreut, die 80 Jahre nach dem Appell angehalten wird. Erwartet wird auch ein Schoner der französischen Marine und einige Vertreter des Staates sollten die Rolle der Inselbewohner während des Zweiten Weltkrieges ins Gedächtnis rufen. „Vor der Ankunft von Frau Le Pen wird es hier auf der Insel eine kleine Zeremonie im kleinen Kreis geben“, sagt Didier Fouquet. „Wir werden einer Feier beraubt, die eigentlich ganz nett sein sollte “, klagt er.

Der rechtsextreme Rassemblement National will sich die Gelegenheit aber nicht nehmen lassen, auf der Insel selbst zu feiern. Marine Le Pen werde am 18. Juni auf die Insel reisen, um an den 80. Jahrestag von General de Gaulles Aufruf zum Kampf gegen Nazi-Deutschland zu erinnern, heißt es aus der Partei. Marine Le Pen selbst erklärt, dass der Rassemblement National die die Ideen von General de Gaulle verkörpere, obwohl ihre Partei früher dagegen gekämpft hat.

Und was macht der Bürgermeister? „Wir Frau Le Pen bitten, nicht zu kommen, aber wir können es nicht verhindern“, sagte Didier Fouquet. In seinen Augen ziele der Besuch nur darauf ab, dem Rassemblement National schöne Bilder für die eigene Propaganda zu liefern. „Es wird niemanden aus dem Rathaus geben, der sie willkommen heißt“, sagte der Bürgermeister. Dann fügte der hinzu, dass er erfahren habe, dass eine Gruppe von Inselbewohnern bereit sei, gegen den Auftritt Marine Le Pens zu protestieren.

Pilgern auf dem Jacobsweg ist wieder möglich

Urlaub in Frankreich und Spanien ist wieder möglich. Noch vor wenigen Wochen hätten das viele nicht für möglich gehalten. Aber am 15. Juni sind die Grenzkontrollen nach Frankreich wieder aufgehoben worden. Das heißt, dass deutsche Urlauber ab diesem Datum nach Frankreich reisen können. In Frankreich haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber wieder geöffnet.

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Die Hauptrouten des Jacobsweges. Eine Karte der Stadt Wendlingen am Neckar

Madrid öffnet die Grenze am 1. Juli

Das heißt auch, dass auf dem Jakobsweg wieder gepilgert werden kann – zumindest in Frankreich. Die Strecke war seit Mitte März wegen der Corona-Sperren komplett nicht begehbar. Die Regierung in Madrid hat angesichts des Abflauens der Pandemie einen Stufenplan beschlossen, danach ist die Einreise aus der EU ab dem 1. Juli wieder möglich. Zudem müssen die Einreisenden nicht mehr in Quarantäne. Praktisch bedeutet das, dass nun die gesamte Strecke wieder frei ist. Frankreich und Spanien waren beide sehr stark von dem Virus betroffen. Es sind rund 60.000 Menschen daran gestorben.

Wer nicht schon auf den vier Strecken in Frankreich mit der Pilgerreise beginnen will, der kann ab dem 1. Juli auch mit dem Flugzeug wieder etwa in das nordspanische Bilbao fliegen. Von dort begeben sich viele Pilger auf die Küstenroute oder fahren mit dem Linienbus ins Landesinnere, wo wie auf der Hauptroute weiterwandern.

Strenge Hygiene-Regeln auf dem Jocobsweg

Natürlich wird nicht sofort der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden können. Noch immer sind einige Corona-Regeln zu beachten. „Etwa zwei Drittel der Herbergen werden Anfang Juli, wie auch die Kathedrale in Santiago, wieder öffnen“, sagt Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, der Vereinigung privater Pilgerherbergen am Jakobsweg. Allerdings müssen auch die geöffneten Herbergen wegen der neuen Hygiene- und Abstandsregeln ihre Kapazitäten reduzieren. Die Pilger müssen damit rechnen, dass nur 70 Prozent der Plätze belegt werden können.

Betreiber müssen sich mit Schutzmasken eindecken

Auch für die Betreiber der Unterkünfte müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Vor der Öffnung müssen sie sich mit genügend Desinfektionsgel und Schutzmasken eindecken. Zudem müssen angesichts der Vorgaben durch die Behörden die Betten mit Wegwerflaken und auch die Kopfkissen mit Hüllen zur einmaligen Benutzung überzogen sein. Auch müssen die Duschen nach jeder Benutzung desinfiziert werden.

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Viele Wege führen ans Ziel. Dieser wird vorgeschlagen von der Jacobusbrüderschaft in Köln

Es ist davon anzugehen, dass die Mehrkosten auf die Besucher umgelegt werden, da die meisten Herbergen am unteren Limit kalkulieren. Signifikante Preiserhöhungen dürfte es aber dennoch nicht geben. Konkret heißt das etwa, dass die Herbergen den Übernachtungspreis von elf auf zwölf Euro anheben werden.

 

Run auf den Jacobsweg nach Corona?

Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, hofft dass sich der Pilgerbetrieb im Laufe des Sommers wieder normalisiert. Ein neuer Rekord wie 2019, als das Pilgerbüro von Santiago de Compostela insgesamt 347.578 Ankömmlinge registrierte, wird in diesem Jahr gewiss nicht fallen. Doch es herrscht Nachholbedarf. Gerade jetzt werden viele Pilger auf dem Weg Glaube, Hoffnung, spirituellem Trost und ein neues Freiheitsgefühl suchen. Jesus Fernandez Gonzalez, Weihbischof in Santiago de Compostela, drückte das in einem Interview mit der galicischen Zeitung „La Voz de Galicia“ unlängst so aus: „Ich habe den Eindruck, dass sich der Pilger regelrecht auf den Jakobsweg stürzen wird.“

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INFO:

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem „heiligen Ort“, an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Der „Weg der Deutschen“, die „Via Lemovicensis“, ging von Vezelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Weiter östlich verliefen die „Via Turonensis“ über Paris, Tours und Bordeaux, die „Podiensis“ über Le Puy und Conques, die „Tolosana“ über Arles und Toulouse sowie der sogenannte Pyrenäenweg über Beziers und Foix.

Die angebliche Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich neben Rom und Jerusalem im Mittelalter zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser „europäischen Kulturbewegung“ eingesetzt, wie die zuletzt immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. Die Corona-Pandemie dürfte allerdings für deutliche Einbrüche in der Statistik sorgen.

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Hier gibt es weitere Infos zum Pilgern auf dem Jacobsweg:

Deutsche St. Jacobus-Gesellschaft

Zum Planen für den Jacobgsweg

Einige Infos zum Jacobsweg

Uns hier noch die 16 wichtigsten Tipps für den Weg von Travelbook

Und die sieben besten Bücher zum Jacobsweg nach Ansicht von Hillwalk Tours

Und hier die besten Hörbücher zum Jacobsweg