Mord an einem Hoffnungsträger

Der russische Oppositionspolitiker und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow ist am Freitagabend in Moskau in der Nähe des Kremls erschossen worden. Er sei von vier Kugeln aus einer Pistole in den Rücken getroffen worden, sagen die Ermittler. Über die Hintergründe wird spekuliert.

Hier mein Kommentar zu dem Mord an Boris Nemzow:

Natürlich verurteilt Präsident Wladimir Putin den „brutalen Mord“ an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Der Kremlherrscher verspricht Aufklärung durch den russischen Innlandsgeheimdienst. Solche Worte klingen wie Hohn in den Ohren der Putin-Gegner. Auch dieser Mord wird wohl nie vollständig aufgeklärt werden, ähnlich wie der Tod der Kreml-Kritikerin Anna Politkowskaja vor neun Jahren. Natürlich wird niemand direkt dem Präsidenten die Schuld am Tod des charismatischen Politikers geben. Doch jeder in dem Land spürt, dass Putin durch seine Rhetorik in der russischen Gesellschaft ein Klima der Angst und der Aggression geschaffen hat. Politisch Andersdenkenden wird mit Hass begegnet. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind konstruktive Diskussionen unter politischen Gegnern kaum mehr möglich, Kompromisse sind ausgeschlossen, die politische Welt in Russland teilt sich in Freund oder Feind. Das ist das Werk der Kreml-Propaganda, die seit Jahren in die Köpfe der Russen gehämmert wird.

Und die Opposition? Sie erscheint bisweilen wie ein versprengter, machtloser Haufen, der der allmächtigen Führung nichts mehr entgegenzusetzen hat. Nur wenige Kritiker finden noch das Gehör des Volkes – einer von ihnen war Boris Nemzow. Er war es, der bis zu seinem Tod das laut aussprach, was kaum jemand zu sagen wagte: Putin fürchtet die Maidan-Bewegung in der Ukraine. Sie könnte auch in Russland eine Bewegung auslösen, die die Modernisierung des in Korruption und Kleptokratie erstarrten Staatsapparates auslösen würde.

Am Sonntag wollte Nemzow an einem Marsch gegen den Krieg in der Ukraine teilnehmen. Die Demonstranten wollten Putin auffordern, die russische Aggression in dem Nachbarland zu stoppen. Die Gegner des Präsidenten werden die Ukraine-Demonstration nun zu einem Trauermarsch machen. Der Tod von Boris Nemzow ist ein schwerer Schlag für die Opposition. Mit ihm stirbt ein Stück Hoffnung auf ein moderneres und demokratischeres Russland.

Hier der Link zum Kommentar in der Stuttgarter Zeitung:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.boris-nemzow-schwerer-schlag-fuer-die-opposition.7f0ed072-6bab-4b27-9780-6fa93240904a.html

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