Terrormilizen bedrohen ganze Staaten

Die Zahl der gewaltsamen Konflikte in der Welt hat 2014 zugenommen. 424 Konflikte zählte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung im vergangenen Jahr, wie aus seinem „Conflict Barometer 2014“ hervorgeht. Das sind zehn Konflikte mehr als im Jahr davor. 21 dieser Konflikte wurden wegen ihrer Schwere und Intensität als Kriege eingestuft, nach 20 im Jahr davor.

15.03-HIIK

Mit der Ukraine-Krise sei Europa erstmals seit dem Georgien-Krieg 2008 wieder Schauplatz eines Krieges geworden, erklärten die Konfliktforscher. Die schlimmste Gewalt erschütterte dem „Barometer“ zufolge den Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika südlich der Sahara mit jeweils neun Kriegen. Im Gaza-Streifen sei wieder die Stufe eines Krieges erreicht worden, während die Gewalt zwischen Regierung und Opposition in Libyen zu einer Spaltung des Landes führte, heißt es in der Studie.

Das Kriegsgeschehen durch den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien und im Irak breitete sich auf weit mehr Staaten aus. „Im Mittleren Osten erhielt der syrische Bürgerkrieg durch die Organisation IS, die im Juni das Kalifat ausrief, eine neue Qualität“, erläuterten die Konfliktforscher. Der IS führt sowohl Krieg gegen die syrische Regierung als auch gegen Teile der Opposition und die Kurden im Norden. Im benachbarten Irak eroberte sie Gebiete im Westen und Nordwesten des Landes.

Boko Haram treibt sein Unwesen

Auch in Westafrika wurden durch die Gewalt der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram wie Kamerun und der Niger weitere Staaten in das Kriegsgeschehen hineingezogen. „Mit mindestens 10.000 Todesopfern und einer Million Vertriebenen markierte dies das gewaltsamste Jahr des seit 2009 andauernden Konflikts“, erklärte das Institut.

Wie die Terrormilizen „Islamische Staat“ und Boko Haram bestimmten viele nichtstaatliche Gruppen die sehr gewaltsamen Konflikte. Das habe insgesamt zu einer Ausweitung der Gewalt über Landesgrenzen hinaus beigetragen. „Konflikte finden öfter losgelöst von staatlichem Machstreben statt“, erläuterte Jason Franz, einer der Autoren der Studie. Vielmehr werde das Staatssystem selbst dabei infrage gestellt.

Viele zwischenstaatliche Krisen

Zu den zwischenstaatlichen Krisen zählten die Forscher die Konflikte zwischen Indien und Pakistan, zwischen Russland und den USA, der Nato und der EU sowie zwischen China und den Philippinen. In Lateinamerika wurden neun gewaltsame Konflikte mit kriminellen Organisationen erfasst, darunter die Krise in Kolumbien. Der Krieg in Mexiko zwischen Drogenkartellen und der Regierung blieb in den Augen der Forscher der einzige, der nicht aus ideologischen Gründen oder Machtstreben geführt wurde, sondern vor allem um Profit.

Von den insgesamt 424 Krisen wurden 46 als hochgewaltsame Konflikte und Kriege eingestuft. 166 innerstaatliche Konflikte wurden laut den Heidelberger Forschern mit mittlerer Gewaltintensität ausgetragen, wie in Thailand, Bangladesch, Pakistan und Venezuela. Die meisten von ihnen seien um nationale Macht und Veränderungen des politischen Systems ausgetragen worden.

Über das Konfliktbarometer

Das Konfliktbarometer erscheint seit 1992 einmal jährlich. Darin analysieren die Forscher aus Heidelberg das globale Konfliktgeschehen. Dazu zählen gewaltlose und gewaltsame Krisen, Kriege, Staatsstreiche sowie Friedensverhandlungen. Im Jahr 2013 hatte das Institut insgesamt 414 Krisen gezählt, von denen 45 mit hoher Gewalt verbunden waren. Darunter waren 20 Kriege.

Hier der Link zum HIIK und der Studie 2014

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