Russland kämpft gegen die Krise

Die russische Notenbank greift dem Bankensektor angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise länger unter die Arme. Die gelockerten Regeln würden bis zum 1. Oktober beibehalten, teilte die Zentralbank am Freitag, 15.05.2015, mit. Die im Dezember eingeführten Hilfen sollten ursprünglich am 1. Juli auslaufen.
15.05.15-russland-supermarktIn einem Supermarkt in Moskau
 Reaktionen auf die Wirtschaftskrise
Konkret nennt die Notenbank neue Wechselkurse, die die Geldhäuser bei der Bewertung ihrer Risikopapiere nutzen dürfen. Laut der Notenbank sind diese Kurse allerdings nicht mehr ganz so vorteilhaft für die Banken wie noch im Dezember. Darüber hinaus müssen die Finanzinstitute weiterhin keine Rückstellungen für Kredite vornehmen, die wegen der westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts gefährdet seien. Nach einem dramatischen Sinkflug hat sich auch die Landeswährung Rubel mittlerweile stabilisiert: Sie legte zum Dollar in diesem Jahr bereits rund 18 Prozent zu. Im ersten Quartal war die russische Wirtschaft um zwei Prozent im Jahresvergleich geschrumpft.

Putin wird vom Volk verehrt

Trotz dieser Probleme wird Präsident Wladimir Putin wird vom Volk verehrt. Er gibt den Menschen das Gefühl, wieder Teil einer Weltmacht zu sein. Wie die Nachricht der Notenbank aber wieder einmal zeigt, steht diesem politischen Erfolg eine drohende wirtschaftliche Katastrophe gegenüber. Die Investoren orientieren sich nicht an den markigen Sprüchen des Kremlherrschers, sondern interessieren sich eher für harte Zahlen – und die sind schlecht. Die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der Ölpreisverfall lasten schwer auf dem Land und haben inzwischen eine Rekord-Kapitalflucht aus Russland ausgelöst. Im vergangenen Jahr zogen Investoren netto 151,5 Milliarden Dollar aus dem Schwellenland ab, wie die russische Zentralbank mitteilte. Damit kehrten mehr Anleger Russland den Rücken als die Notenbank erwartet hatte. In ihrer jüngsten Prognose war die Notenbank von 134 Milliarden Dollar ausgegangen. 2013 waren lediglich 61 Milliarden Dollar aus Russland abgeflossen. Während der Finanzkrise 2008 belief sich die Kapitalflucht auf 133,6 Milliarden Dollar.

Hoffen auf das Konjunkturpaket

Der Kreml versucht die Wirtschaftskrise unter Kontrolle zu bekommen. Zu diesem Zweck wurde vor einigen Monaten ein Konjunkturpaket geschnürt. Größenordnung: rund 30 Milliarden Euro. Größte Maßnahme ist die bessere Ausstattung von Banken mit Kapital durch die Ausgabe von Staatsanleihen, erklärte die Regierung in Moskau zu ihren Plänen. Die staatliche Förderbank VEB soll zudem rund vier Milliarden Euro erhalten, um die Kreditvergabe an die Unternehmen anzuschieben. Daneben sollen Staatsgarantien für Investitionsprojekte aufgestockt werden. Auch eine Bad Bank für problematische Geschäftsbereiche von Kreditinstituten ist vorgesehen.

Haushaltsreserven als Hiflsmittel

Finanziert werden soll das Programm zum einen durch den staatlichen Vermögensfonds. Der ist mit umgerechnet gut 70 Milliarden Euro ausgestattet. Zum anderen sollen Einsparungen neuen Spielraum für Investitionen schaffen. Auch könne die Regierung auf Haushaltsreserven zurückgreifen, hatte Finanzminister Anton Siluanow signalisiert.

Sanktionen treffen Russland 

Westliche Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der Verfall des Ölpreises treffen das lange Zeit aufstrebende Schwellenland hart. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfen wird. 2016 soll es um ein Prozent nach unten gehen.

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