Ein „Diktator“ in Riga

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die sehr tief blicken lassen. Beim Gipfeltreffen in Riga war das ein Geplänkel zwischen Jean-Claude Juncker und Viktor Orban. Der Punktsieg ging ganz eindeutig an den EU-Chef.

15.05.24-Orban

EU-Kommissionspräsident Juncker schien viel Spaß beim Begrüßen der Gäste zu haben. Oder ist das schon die Verzweiflung über einige europäische Partner, die sich in Sarkasmus die Bahn bricht? Ziel seines Spotts war vor allem der immer autoritärer auftretende Victor Orban.

„Hallo Diktator!“

Als sich der ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zum Handschlag näherte, raunte Juncker auf Englisch die Worte „Der Diktator kommt“ in das Foyer der lettischen Nationalbibliothek. Ziemlich verdutzt beobachtete Lettlands Ministerpräsidentin Laimdota Straujuma das kleine Geplänkel. Doch Juncker setzte nach und wiederholte das Wort „Diktator“ noch einmal – beim Handschlag. Danach bekam Orban dann noch eine freundschaftliche Ohrfeige des EU-Chefs und stand vor den Augen der Welt da wie ein kleiner, abgewatschter Schuljunge.

Es war alles ganz anders

Aber natürlich war alles ganz anders, das zumindest wird aus den Kreisen des ungarischen Regierungschefs verkündet. Orban antwortete nach Angaben seines Sprechers: „Hallo Großherzog“ – eine Anspielung auf Junckers Heimat Luxemburg, eines der kleinsten Länder der Welt. Orbans Sprecher Bertalan Havasi sagte, beiden Männern habe das Wortgeplänkel gefallen. „Orban begrüßt Juncker in der Regel so. Das ist schon seit Jahren so.“

Diese ironische Art Junckers ist wohl der richtige Weg mit Politikern wie Orban umzugehen, die versuchen, zu Hause jede Kritik im Keim zu ersticken.

Orbans politischer Irrlauf 

Orbán hat die EU in den vergangenen Jahren mehrfach provoziert. Er sorgte zuletzt bei einer Debatte im Europaparlament für Wirbel, als er ein Quotensystem für die Verteilung von Flüchtlingen als „Wahnsinn“ kritisierte. Er beharrte zugleich darauf, in Ungarn eine Debatte über die Wiedereinführung der Todes führen zu dürfen. Dies brachte ihm harsche Kritik aus allen Fraktionen ein.

Nicht der erste verbale Angriff

Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hatte Orbán einst im EU-Parlament vorgeworfen, er sei auf dem besten Weg, ein „europäischer Hugo Chavez“ zu werden.

Der republikanische US-Senator John McCain hatte Orban im vergangenen Dezember als „neofaschistischen Diktator“ bezeichnet, „der sich mit (dem russischen Präsidenten) Wladimir Putin ins Bett legt“. Diese verbale Attacke fand Orban allerdings weniger nett. Er ließ das ungarische Außenministerium den obersten diplomatischen US-Vertreter im Land einbestellen.

Hier der Link zum Video auf Facebook mit dem Auftritt von Juncker und Orban

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