Presseschau zur Griechenland-Krise

Die Krise um Griecheneland hält Europa in Atem. Jedes Land hat einen anderen Blick auf die Situation. Hier eine kleine Auswahl an Kommentaren aus verschiedenen Zeitungen:

15.07.01-standaard

Die belgische Tageszeitung „De Standaard“:

„Dass ein Mitglied der Eurozone zum Verstoß gegen seine Zahlungsverpflichtungen getrieben wurde, ist eine beschämende Niederlage für alle betroffenen Führer. Der Euro ist kein Marktinstrument, das nur dem Gesetz von Angebot und Nachfrage gehorcht. Er ist der konkrete Ausdruck des Willens von Hunderten Millionen Europäern, ihr Schicksal miteinander zu verbinden. Die Art und Weise, wie damit in den letzten Monaten gespielt wurde, berührt die Glaubwürdigkeit des gesamten europäischen Projekts. Mitgliedsstaaten haben damit gedroht, dass die Zukunft des Euro auf dem Spiel steht, in der Illusion, damit nationalen Interessen zu dienen. Das ist eine Schande, die man nicht mehr ungeschehen machen kann. Egal ob es am Sonntag nun ein Referendum gibt und wie die Griechen sich dann entscheiden: Mit diesem unglaublichen Fehler muss Europa weiter leben.„

Die liberale slowakische Tageszeitung „Sme“:

„Der griechische Antrag auf neues Geld aus dem Euro-Stabilitätsmechanismus käme selbst dann zu spät, wenn er wenigstens hoffnungsvoll wäre. Aber die selben Finanzminister, deren Vorschläge die griechische Regierung am Samstag ablehnte, können nicht drei Tage später einem neuen Rettungspaket zustimmen. Die Griechen wollten ihre Vorschläge nicht annehmen. Also können die Minister schon deshalb keine neuen Milliardenkredite zulassen, weil sie damit ihre eigene Glaubwürdigkeit verlieren würden.“

 Die bulgarische Zeitung „Standart“:

„Was mit Griechenland geschehen wird, ist die komplizierteste Frage in diesem Augenblick, weil es (Athen) nicht ganz klar zeigt, was es genau tun möchte. Einerseits will Griechenland in der Eurozone bleiben, aber andererseits will es die dafür notwendigen Auflagen und Reformen nicht umsetzen. Einerseits möchte es ein Abkommen mit den Gläubigern, andererseits aber ein Referendum, um dieses Abkommen abzulehnen. Dies sind total chaotische und entgegengesetzte Handlungen. (.) Das Wichtigste ist allerdings, was die griechischen Wähler beim Referendum am Wochenende sagen werden. Sollte es eine große Mehrheit für den Verbleib in der Eurozone geben, dann würde es viel leichter für Griechenland sein, Reformen umzusetzen und nach vorne zu gehen. Bei einer großen Mehrheit gegen die Eurozone wird es Griechenland leichter fallen, sie bei allen Risiken und Problemen zu verlassen.“

 Die tschechische, liberale Wirtschaftszeitung „Hospodarske noviny“:

„Das griechische Problem würde unter anderen Umständen nicht mit Kapitalverkehrsbeschränkungen gelöst, sondern beispielsweise mit einer bewaffneten Intervention und der Errichtung einer Besatzungsmacht, bis alle Forderungen einschließlich Zinsen bezahlt sind. Die europäische Integration verhindert eine solche Machtlösung. Deshalb hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Recht, wenn sie sagt, dass das europäische Projekt ohne die Fähigkeit zum Kompromiss sein Fundament verlieren würde. Rein technisch lässt sich ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone realisieren, die schwersten Folgen wären aber politischer Natur. Denn wenn die Deutschen ihren Glauben an das europäische Projekt nicht verlieren sollen, was bisher noch als Selbstverständlichkeit galt, dann müssen auch alle anderen daran glauben. Es genügt, sich vorzustellen, was geschehen würde, wenn die Deutschen ähnliche Forderungen in ähnlicher Form wie die Griechen an Europa stellen würden.“

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