Die Erregung im Netz über #ThisIsACoup

Das Netz ist empört! Wieder einmal, möchte man fast schon einwenden. In diesem Fall gilt der Zorn den Gläubigern von Griechenland – genauer gesagt Deutschland.

15.07.13-coup

#ThisIsACoup

Unter dem Twitter-Hashtag „#ThisIsACoup“ („Das ist ein Putsch“) wurde vor allem über die Rolle Deutschlands und besonders von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in teils sehr harschen Worten diskutiert. Der Strom der Protest-Tweets riss auch nach der Einigung auf dem Eurogipfel nicht ab. Von Sonntagabend bis Montagnachmittag gab es mehr als 335 000 Twitter-Nachrichten mit dem Hashtag. Das als Gegenbewegung gedachte Schlagwort „#ThisIsnotACoup“ kam laut Webanalysedienst Topsy nur auf einige hundert Treffer.

Die Souveränität Griechenlands

Hauptargument der Kritiker ist, dass die Euro-Partner unter Führung Deutschlands die griechische Regierung ihrer Souveränität beraubt hätten. Auf besondere Ablehnung stieß in diesem Zusammenhang die Idee eines außerhalb Griechenlands angesiedeltem Privatisierungsfonds, in den Staatsvermögen im Volumen von rund 50 Milliarden Euro eingebracht werden sollte. „Was diese Bundesregierung anrichtet, ist einfach nur beschämend“, twitterte ein deutscher User. „So viele Goethe-Institute kann man gar nicht bauen, um den Schaden dieses Wochenendes wieder zu beheben“, kommentierte ein anderer.

Die Quelle des Shitstorms

Der erste Tweet der Kampagne kam vom Profil eines Nutzers mit dem Namen Sandro Maccarrone, der Lehrer in Barcelona sein soll. „Der Vorschlag der Eurogruppe ist ein verdeckter Staatsstreich gegen das griechische Volk“, hieß es zur Erklärung des Hashtags am Sonntagabend.

In den folgenden Nachrichten wurde den Gläubigern von Dutzenden Twitter-Nutzern vorgeworfen, Griechenland erniedrigt und die Demokratie verletzt zu haben. Einige riefen zum Kampf gegen europäische Institutionen auf. Mehrfach wurden Parallelen zum Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzung Griechenlands gezogen.

Krugmanns Kritik

Unterstützung kam vom amerikanischen Wirtschaftsfachmann Paul Krugman, der schon früher die Position der Gläubiger-Institutionen kritisiert hatte. Er schrieb in seinem Blog vor der Einigung: „Der Trend-Hashtag „ThisIsACoup“ stimmt exakt.“ Die Liste der Forderungen sei „Wahnsinn“ und ein Verrat am europäischen Projekt. „Das europäische Projekt – ein Projekt, das ich immer gelobt und unterstützt habe – hat gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten. Und was immer man von (der griechischen Regierungspartei) Syriza oder Griechenland hält – die Griechen haben es nicht verbockt.“

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