Neue Mauern

Mit dem Fall der innerdeutschen Grenze verband sich die Hoffnung auf eine Welt ohne Mauern. Es kam anders – wie unsere Übersicht über die neuen Mauern und Grenzzäune in Europa und weltweit zeigt, die in jüngster Zeit hochgezogen wurden.

Am 13. August 1961 begann die DDR-Regierung, eine Mauer zu errichten, die fortan Europas Westen vom Osten trennte. Als sich die innerdeutschen Schlagbäume 1989 für immer hoben, keimte eine große Hoffnung auf: dass die Zeiten, in denen sich Staaten mit Zäunen und Mauern abschotten, zu Ende gehen.

Es blieb eine Hoffnung. Inzwischen werden an vielen Stellen der Welt, gerade auch in Europa, neue Sperren errichtet. Das Motiv ist klar. Es geht darum, das eigene Territorium zu sichern: vor Gewalttätern, vor der Aggression eines anderen Staates – aber immer öfter auch vor Menschen, die eine neue Chance suchen oder vor den Kriegswirren in ihrem Heimatland fliehen.

Neun Beispiele dokumentieren, wo weltweit Mauern errichtet werden.

Calais (Frankreich)

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In Calais wurden im Laufe der vergangenen Monate die Sicherungsanlagen um den Eurotunnel und die Zufahrt zum Fährterminal ständig ausgebaut. Inzwischen ragt dort ein Doppelzaun in den Himmel, drei Meter hoch der erste, vier Meter der zweite, gekrönt von einer Lage Nato-Draht, zusätzlich gesichert mit Alarmanlagen und Videokameras. Mehrere Hundert Polizisten schieben rund um die Uhr Wache.

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Da die in Calais lebenden Flüchtlinge nach Großbritannien wollen, will nun auch London für den Ausbau der Anlagen auf französischer Seite Sorge tragen. Premier David Cameron sagte, Großbritannien werde Frankreich mit noch mehr Sicherheitszäunen und Spürhunden unterstützen, um die Zufahrt zum Eurotunnel in Calais besser zu sichern.

Ungarn/Serbien

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Mit einem vier Meter hohen Zaun will Ungarn seine 175 Kilometer lange Grenze zu Serbien absichern. Die Regierung sei fest entschlossen, Ungarn vor dem Einwanderungsdruck zu schützen, heißt es aus Budapest. Ungarn ist eines der Transitländer für die Flüchtlingsströme aus Nahost und Afrika. In diesem Jahr trafen in Ungarn bereits mehr als 50 000 Flüchtlinge ein, 2012 waren es nur 2000.

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Die Errichtung des Zauns an der ungarischen Grenze hat einen hohen symbolischen Wert. Im August 1989 wurde der Grenzzaun zwischen Österreich und Ungarn für kurze zwischen Österreich und Ungarn für kurze Zeit geöffnet. Hunderten DDR-Bürgern gelang die Flucht in den Westen.

Griechenland/Türkei

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Fast elf Kilometer lang ist der Sperrzaun an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei. Der Zaun ist vier Meter hoch und soll ohne Ausrüstung unüberwindbar sein. Der Zaun verläuft an dem einzigen Abschnitt, an dem die Grenze nicht vom Fluss Evros gebildet wird.

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Während vor der Errichtung des Zaunes in manchen Nächten bis zu 400 Migranten nach Griechenland kamen, ist die Zahl der Flüchtlinge seither um 96 Prozent zurückgegangen. Der Zaun hat zu einer Verlagerung der Migrantenströme geführt. Immer häufiger bringen die Schleuser die Flüchtlinge jetzt über die Ägäis.

Bulgarien/Türkei

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Bulgarien hat eine rund 30 Kilometer lange Absperrung an der Grenze zur Türkei errichtet. Mit der Schutzmauer auf dem kritischsten Grenzabschnitt möchte Bulgarien erreichen, dass Flüchtlinge aus Syrien nicht mehr illegal ins Land gelangen. Angestrebt wird, dass die vom Bürgerkrieg in Syrien vertriebenen Menschen künftig nur über die offiziellen Grenzübergänge in die EU kommen. Ziel sei es, so heißt es von Seiten der Regierung, die Flüchtlingsströme unter Kontrolle zu bekommen, ansonsten kollabiere das Sozialsystem des Landes. Außerdem wird vor einem Anstieg organisierter Kriminalität und dem Eindringen von Terroristen zusammen mit den Flüchtlingen gewarnt.

Ukraine/Russland

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Der staatliche Grenzschutz der Ukraine hat mit der Errichtung einer Mauer entlang der ukrainisch-russischen Grenze begonnen. Betroffen sind insbesondere die Gebiete Charkiw und Lugansk. Der schmale, mit Klingendraht bedeckte Zaun ist die erste Verteidigungslinie an der ukrainischen Ostgrenze gegen die von vielen befürchtete russische Invasion. Es folgen mit Holz befestigte Gräben, in denen sich Soldaten verschanzen können. Hinzu kommen auf den Feldern sperrige Metallhindernisse, ineinander verschlungen mit Stacheldraht, um vorrückende Panzer und Infanterie aufzuhalten.

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Doch die Zweifel wachsen. Große Teile der Ostukraine befinden sich in den Händen der Separatisten, so dass es dort unmöglich ist, die Grenze zu sichern. Feindliche Truppen könnten dort unbehelligt auf ukrainisches Gebiet gelangen.

USA/Mexiko

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Mit viel Aufwand versuchen die USA, ihre Grenze zu Mexiko dicht zu halten. Illegale Einwanderer hält das seit vergangenem Herbst aus ihren mittelamerikanischen Heimatländern über den Rio Grande in die USA geflohen.

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Der Zaun entlang der Südgrenze zu Mexiko ist mittlerweile fast 700 Meilen lang. Er wird von mehr als 20 000 Beamten der Grenztruppe bewacht. Die Politiker in Washington sagen, das werde die illegale Einwanderung aus Lateinamerika stoppen.

Ceuta und Melilla (Spanien)

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Nur wenige Meter liegen zwischen Armut und Aufbruch: Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla gehören zu Europa, liegen aber in Afrika. Die spanische Exklaven Ceuta und Mililla gehören zu Europa, liegen aber in Afrika. Seit Flüchtlinge vor sechs Jahren massenhaft die Zäune stürmten, haben sich die Städte mit Hightech-Anlagen noch stärker abgeschottet.

Israel

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Als Sperranlagen bezeichnet man eine 759 Kilometer lange Mauer entlang der Grenzlinie zwischen Israel und dem Westjordanland. Die Absperrung verläuft zum überwiegenden Teil auf dem Territorium des Westjordanlandes. Mit einem ersten Bauabschnitt wurde am 16. Juni 2002 begonnen.

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2004 erklärte der Internationale Gerichtshof in einem von der UN-Vollversammlung in Auftrag gegebenen Gutachten, dass Israel mit dem Bau der Anlagen gegen Völkerrecht verstoße.

Irak/Bagdad

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Eine Mauer in Bagdad trennt ein sunnitisches Stadtviertel von einem Stadtviertel der Schiiten. In der irakischen Hauptstadt wurde die knapp drei Meter hohe Mauer um den Stadtteil Adhamija gebaut, um die Gewalt zu beenden. Die Spirale der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten drohte vor dem Bau der Mauer völlig außer Kontrolle zu geraten, heißt es von Seiten der Regierung. Man habe keine andere Möglichkeit gesehen, für ein Mindestmaß an Sicherheit zu sorgen.

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Die Sperranlage wird von lokalen Gemeindevertretern scharf kritisiert. Da es jeweils nur einen Ein- und Ausgang gibt, sei die Bewegungsfreiheit der im Viertel lebenden Menschen stark eingeschränkt.

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