Heidenau ist überall – auch im Westen

„Bei uns gibt es so etwas nicht!“ Mit diesem Worten kommentierte in diesen Tagen ein älterer Mann aus Stuttgart während eines idyllischen Waldspazierganges die fremdenfeindlichen Krawalle in Heidenau. Hat er Recht? Gibt es so etwas bei uns wirklich nicht? Sind wir die Besser-Wessis?

15.08-heidenau

Anschläge auch im Westen

Ein Blick auf die Liste der Aufmärsche und Anschläge beweist das Gegenteil. Auch im reichen Bayern und im ebenso wohlhabenden Baden-Württemberg kam es zu Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Regierungschefs von Brandenburg (Dietmar Woidke), Thüringen (Bodo Ramelow) und Sachsen (Stanislaw Tillich) haben Recht, wenn sie davor warnen, Fremdenhass als vornehmlich ostdeutsches Problem einzustufen. „Wir reden von einem gesamtdeutschen Problem, das wir gesamtdeutsch bekämpfen müssen“, forderte Ramelow in der „Welt am Sonntag“.

Zu einfach gemacht

Wie so oft in den vergangenen Jahren machen es sich viele Menschen im Westen zu einfach und zeigen mit dem Finger in Richtung Osten. Offensichtlich ist aber, dass dort die Konflikte schneller ausbrechen, die auch im Westen der Republik unter der Oberfläche gären.

Mit der Haltung „Bei uns gibt es so etwas nicht!“ verschließt man aber die Augen vor dieser Entwicklung. Was es braucht ist ein gesamtdeutsches Bündnis von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik – ein Bündnis, das weit über bloße Verbalbekundungen hinausgeht.

Großes Integrationskonzept

Politik und Verbände müssen neue, groß angelegte Integrationskonzepte entwickeln. Unterstützt von Staat und Politik müssen sich die Bürger ermutigt fühlen, sich für die Flüchtlinge einzusetzen.

Das muss zügig und mutig angegangen werden, denn das „Problem Flüchtlinge“ wird sich nicht von alleine lösen. Die Menschen sind hier und die meisten werden hier bleiben. Und auch die Probleme in den Herkunftsländern werden weiter anhalten.

Bessere Rechtsverfahren

Ein Anfang wäre, dass den Flüchtlingen anständige Rechtsverfahren geboten werden. Was spricht dagegen, Menschen aus Syrien, die angesichts des Krieges in ihrer Heimat sowieso nicht abgeschoben werden können, aus dem Asylverfahren herauszunehmen? Sie müssen so schnell wie möglich eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie ihren Asylantrag zunehmen. Dieser Schritt würde ihnen auch den Weg zu geregelten Arbeitsplätzen ermöglichen.

Am einfachsten wird die Integration den Kindern der Flüchtlinge gelingen. Sie müssen so schnell wie möglich zur Schule gehen. Dort lernen sie nicht nur die Sprache, sondern können auch auf ihr Leben in der neuen Heimat Deutschland vorbereitet werden.

Die Aufnahme der Flüchtlinge ist eine gewaltige Herausforderung, sie kann nur von der gesamten Gesellschaft gemeistert werden. Eines aber ist klar: diese Menschen zu integrieren ist kein Gutmenschentum, das gebietet uns die Vernunft.

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