Der Papst bezieht Stellung

Während die EU-Staaten weiter um Länderquoten für Flüchtlinge streiten, hat Papst Franziskus einen eigenen Schlüssel für ihre Verteilung ins Spiel gebracht: „Jede Pfarrei, jede Gemeinschaft, jedes Kloster und jeder Wallfahrtsort möge eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen.“

15.09.08-papst

Mehr als nur predigen

Der Papst hat sich zu Wort gemeldet – endlich. Zwar helfen die Kirchengemeinden an der Basis den Flüchtlingen, seit die verzweifelten Menschen in Europa ankommen, doch fehlte ein weithin sichtbares Zeichen aus Rom.  Angesichts des Leids der Zehntausenden von Menschen, die „in der Hoffnung auf Leben“ Krieg und Hunger zu entkommen versuchten, reiche es nicht, „Mut, Geduld“ zu predigen, sagte Papst Franziskus. Ihm geht es um „konkrete Gesten“.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff lobt die große Resonanz in der deutschen Kirche auf den Aufruf von Papst Franziskus, in Pfarreien und Klöstern Flüchtlingsfamilien aufzunehmen. „Der Appell fällt auf fruchtbaren Boden, bei unserer Hotline zum Beispiel rufen viele Menschen an und bieten Wohnraum an“, sagte Puff am Dienstag im WDR: „Diese große Welle der Hilfsbereitschaft ist ein eindrucksvoller Beweis für eine gute Willkommenskultur!“

Fragen an Viktor Orban

Doch es geht nicht nur um Deutschland. Wichtig ist, wie der Aufruf in den anderen Ländern der Europäischen Union aufgenommen wird. Ungarns Regierungschef Victor Orban kommt in Erklärungsnöte. Er will keine Muslime in seinem Land aufnehmen, sondern nur Christen. Nun hat ihm der Papst höchstselbst deutlich gemacht, dass es ein Gebot von Menschlichkeit ist, den Flüchtlingen zu helfen. Und auch die Regierenden in Warschau werden sich fragen müssen, ob sie weiter bei ihrer harten Haltung bleiben werden, keine Flüchtlinge aufzunehmen.

Ungarns Bischöfe haben bereits reagiert. Sie wollen nach einem Aufruf des Papstes Pfarreien und katholische Einrichtungen für Flüchtlinge öffnen. Die Kirche werde dem Wunsch „mit Freude und Bereitwilligkeit“ nachkommen, erklärten Ungarns Primas Kardinal Peter Erdö und der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Andras Veres, am Montag laut dem katholischen italienischen Pressedienst SIR.

Bei einem anderen Bischof in Ungarn ist dieser Appell offenbar nicht angekommen. „Das sind keine Flüchtlinge. Das ist eine Invasion“, sagte László Kiss-Rigó der Washington Post. „Die kommen hier an und schreien ‚Allahu Akbar‘. Sie wollen die Kontrolle übernehmen.“ Hier der Link zum entsprechenden Text in der SZ

Zeichen an die Ehrenamtlichen

Die Botschaft von Franziskus ist aber nicht nur an die Regierenden gerichtet. Er gibt auch den tausenden Ehrenamtlichen ein weithin sichtbares Zeichen. Ihnen sagt er damit, dass ihre Arbeit unschätzbar wertvoll ist. Diese Menschen zeigen, was christliche Nächstenlieben ist, sie verharren nicht in Gebeten, sondern packen an, wo es zu helfen gilt. Das ist die Kirche, wie Christus sie gewollt hat.

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