Jesiden – das vergessene Volk

14.11-irak11

Im Nordirak leben noch immer tausende Jesiden in einem Lager in der Nähe der türkischen Grenze. War die Aufregung über den Genozid des IS vor einigen Monaten noch groß, sind sie nun aus den Schlagzeilen verschwunden. Sie haben das Sindschar-Gebirge verlassen. Sie sind den Gräueltaten der IS-Kämpfer entkommen und wissen nun nicht, was ihre Zukunft die Zukunft bringt.

Eine kleine Erklärung:

Das Jesidentum ist die Ursprungsreligion der Kurden, inzwischen sind die Jesiden eine religiöse Minderheit unter den mehrheitlich muslimischen Kurden. Die monotheistische Religion vereint Elemente altorientalischer Religionen, ihr Ursprung geht auf die vorislamische und vorchristliche Zeit zurück. Gott gilt als allwissend und mächtig, einen Widersacher hat er nicht. Im jesidischen Glauben steht vor allem ein Engel im Mittelpunkt: der Engel Pfau, den Gott als seinen Stellvertreter ernannt hat. Eine verbindliche religiöse Schrift, wie etwa die Bibel oder den Koran, haben Jesiden nicht. Der Glaube wird mündlich überliefert. Die Gläubigen gelten bei radikalen Muslimen als Teufelsanbeter und werden deshalb verfolgt.

Als Jeside wird man geboren, dabei müssen beide Elternteile jesidischer Abstammung sein. Es gibt keine Möglichkeit, zum Jesidentum zu konvertieren – deshalb wird auch nicht missioniert. Mitglieder heiraten nur Gläubige ihrer Religion.

Der wichtigste heilige Ort der Jesiden liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Iraks, nicht weit von Mossul entfernt. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Die Mitglieder der Jesiden sind meist Kurden, sie sprechen das nordkurdische Kurmadschi als Muttersprache. Ursprünglich siedelten sie im Norden des Irak an, im nördlichen Syrien und im Südosten der Türkei. Heute leben sie auch in anderen Ländern. Weltweit gibt es Amnesty International zufolge etwa 800.000 Jesiden, offizielle Zahlen liegen nicht vor. Die größte Gruppe sind die irakischen Gläubigen, die vor allem in zwei Regionen im Nordirak leben. In Deutschland leben laut der Föderation jesidischer Vereine mehr als 100.000 Gläubige, andere Quellen sprechen von 60.000.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s