Lukaschenkos verkniffene Lobrede

Na also, geht doch! Alexander Lukaschenko hat einige Zeit gebraucht, um die richtigen Worte zu finden. Aber dann hat er der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch doch noch gratuliert – und es muss dem Autokraten richtig weh getan haben. Hier der Link zu der Eloge auf die Nobelpreisträgerin

15.10.10-luka

Zweideutige Sätze des Lobes

Am Donnerstagabend hat der weißrussische Präsident doch noch einige anerkennend-verkniffene Sätze über die neue Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch verloren. „Ich freue mich aufrichtig über Ihren Erfolg“, erklärte der autoritär regierende Staatschef in Minsk. Allein aus diesem Satz ist die große Freude Lukaschenkos über die Auszeichnung zu lesen. „Ich hoffe sehr, dass Ihre Auszeichnung unserem Staat und unserem weißrussischen Volk dienen wird.“ Das allerdings ist eine sehr zweideutige Aussage. Denn im Sinne von Lukaschenko dürfte das Werk Swetlana Alexijewitschs dem Volk sicherlich nicht dienlich sein. Die Schriftstellerin engagiert sich für Menschenrechte und kritisiert offen die autoritären Regierungen in der Ex-Sowjetunion. „Ihr Schaffen hat nicht nur Weißrussen, sondern auch Leser in vielen Ländern der Erde nicht gleichgültig gelassen“, schrieb Lukaschenko schließlich noch – und damit hat er angesichts der vielen Proteste gegen sein die Demokratie verachtendes Regime sicher Recht.

Russland eingeschränkte Freude

Schon vorher hatte in Russland Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagiert. Natürlich gratuliere man Alexijewitsch zum Nobelpreis, sagte er, kritisierte aber zugleich Äußerungen von ihr zur Ukraine. „Es sieht ganz so aus, als habe Swetlana nicht alle Informationen, um positiv das einschätzen zu können, was in der Ukraine passiert“, sagte Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Alexijewitsch hatte das Vorgehen Russlands in der Ostukraine als Okkupation bezeichnet.

Der Literaturnobelpreis ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem politischen Preis geworden. Das ist eine Entwicklung, die nicht wirklich gut zu heißen ist – aber angesichts der verkniffenen Reaktionen der Autokraten aus Weißrussland und Russland, hat das Komitee dieses Mal wohl eine richtige Wahl getroffen.

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