Türkische Gemeinde warnt nach Anschlag vor Gewalt auch in Deutschland

Der Anschlag von Ankara hat die Spannungen in der Türkei verschärft, wo in knapp drei Wochen Neuwahlen anstehen. Droht der Konflikt nun auch auf Deutschland überzugreifen?

15.10.12-türkei

Parallelen zur Türkei

Nach  dem  schweren Attentat in Ankara hat die Türkische Gemeinde vor Gewaltakten in Deutschland gewarnt. Die Stimmung zwischen Kurden und nationalistischen Türken sei aufgeheizt, sagt der Vorsitzende der Interessenvertretung, Gökay Sofuoglu. „Auch bei friedlichen Demonstrationen suchen vor allem junge Leute die Konfrontation mit der anderen Seite.“ Sofuoglu sieht eine eindeutige Parallele zu der politischen Entwicklung in der Türkei. Die Polarisierung habe auch in Deutschland begonnen, als Recep Tayyip Erdogan Staatspräsident wurde.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde beobachtet schon seit einiger Zeit, dass sich zwei Gruppierungen gebildet hätten. Auf der einen Seite stünden die sogenannten Osmanen in Deutschland. Sie sehen sich selbst als Verteidiger des Türkentums. Auf kurdischer Seite hätten sich die Apo-Anhänger organisiert. „Apo“ ist die Abkürzung für Abdullah Öcalan, den inhaftierten Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Beide Gruppen seien zwar noch immer in der Minderheit, aber sehr gewaltbereit.

Kein Problem der Integration

Ein Integrationsproblem der Jugendlichen sieht Sofuoglu, im Hauptberuf Sozialarbeiter, nicht. „Diese jungen Leute sind integriert, sie sind in Deutschland geboren, haben einen Job und sind auf ihre Weise Teile der Gesellschaft.“ Was diese jungen Kurden und Türken suchen würden, sei eine Idee, mit der sie sich identifizieren könnten. Sofuoglu vergleicht diese Entwicklung mit der Radikalisierung in salafistischen Kreisen in den vergangenen Jahren. Auch dort habe man lange ignoriert, dass es immer mehr Jugendliche in Deutschland gebe, die bereit sind, die frühislamischen Ordnungsvorstellungen auch mit Gewalt durchzusetzen.

Angesichts dieser bedenklichen Entwicklung hatten die Türkische Gemeinde und die Kurdische Gemeinde in Deutschland schon Anfang September Türken und Kurden in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, den Konflikt nicht nach Deutschland zu tragen. „Politische Probleme müssen politisch gelöst werden. Gewalt jeglicher Art kann keine akzeptable Lösung bei Konflikten sein, weder in der Türkei noch in Deutschland“, heißt es in den Aufruf. Gökay Sofuoglu fordert, dass sich Parteien und Verbände gerade in dieser spannungsgeladenen  Situation sehr deutlich von der Gewalt distanzieren. „Wir sind nach dem Attentat natürlich alle bestürzt, aber gerade jetzt brauchen wir Stimmen der Vernunft, die die Emotionen kontrollieren.“

Einen unguten Einfluss hätten in diesem Fall die sozialen Medien im Internet, beobachtet Gökay Sofuoglu. Dort seien wüste Beschimpfungen der politischen Gegenseite an der Tagesordnung. Zudem werde sehr schnell von allen Seiten zu Demonstrationen aufgerufen die gar nicht genehmigt sind.

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