Die wichtigste Frage bleibt ungeklärt

15 Monate nach dem Absturz der Flugs MH17 über der Ostukraine liegt der Abschlussbericht der niederländischen Ermittler vor. Die Frage danach, wer die Passagiermaschine mit 298 Menschen an Bord abgeschossen hat, bleibt darin offen.

15.10.13-reportMH17

Konkrete Beweise fehlen

Wer ist Schuld am Absturz des Fluges MH 17 im Juli 2014? Diese  Frage ist noch immer nicht geklärt. 15 Monate nach dem Unglück über der Ostukraine steht jetzt aber  die Ursache offiziell fest. Die Ermittlungen haben den  Verdacht bestätigt, dass die Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord von einer Rakete vom russischen Typ Buk abgeschossen worden ist. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten der Niederländischen Flugsicherheitsbehörde (OVV) in ihrem Abschlussbericht zu der Katastrophe. „Die Buk-Rakete wurde in Russland produziert, heißt es. Ganz konkrete Beweise dafür aber fehlen nach wie vor. Der Untersuchungsbericht hält aber fest: ,,Der Schaden im vorderen Teil des Flugzeugs weist darauf hin, dass das Flugzeug von einem Geschoss von außen getroffen wurde,‘‘ stellt der OVV-Vorsitzende Tjbbe Joustra fest.

Vieles bleibt im Dunkeln

Weiterhin im Dunkeln bleibt allerdings, ob das Flugzeug von prorussischen Separatisten oder Einheiten der ukrainischen Armee abgeschossen worden ist. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, für die Katastrophe verantwortlich zu sein. Wie die Ermittler bereits in der Vergangenheit immer wieder betont haben, war es nicht ihre Aufgabe zu klären, welche Seite Flug MH 17 abgeschossen hat. Auch von welchem Gebiet aus die Rakete gestartet wurde, bleibt weiter offen. Die Schuldfrage ist Gegenstand noch laufender strafrechtlicher Ermittlungen, die allerdings noch länger andauern werden.

Die meisten Passagiere waren sofort tot

Ziemlich genau beschrieben werden kann nun allerdings, was in der Luft passierte. „Flug MH 17 stürzte in Folge der Explosion eines Sprengkopfes außerhalb der Maschine links vom Cockpit ab“, sagte OVV-Chef  Joustra auf dem Luftwaffenstützpunkt Gilze-Rijen, wo die Wrackteile untersucht wurden. Durch die Detonation sind die Piloten getötet worden, das Vorderteil der Boeing 777 brach ab, die meisten Insassen der Fluges, der sich von Amsterdam nach Kuala Lumpur befand, waren wahrscheinlich sofort tot, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Da die Mehrzahl der Toten aus den Niederlanden stammte, leitete das Land auch die Untersuchungen.

15.10.13-bild01-mh17 Screenshot aus dem Video der Ermittler

Mehrere Ursachen untersucht

Obwohl schon kurz nach der Tragödie der Verdacht aufgekommen war, dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete des russischen Typs Buk getroffen wurde, haben die Ermittler bei ihren Untersuchungen mehrere mögliche  Ursachen für den Absturz untersucht. Am Ende sei aber klar geworden, dass ein Anschlag mit einer Bombe, ein Angriff eines Kampfflugzeugs, der Einschlag eines Meteoriten oder auch technische Probleme als Gründe ausgeschlossen werden konnten. Geklärt ist auch, dass weder die Piloten noch die Passagiere das Unglück ahnen konnten. Aus der Auswertung der Black Box, die die Gespräche der Piloten und den Flugverlauf aufzeichnet, sei hervorgegangen, dass es ,,keine ungewöhnlichen Ereignisse‘‘ im Cockpit gab. Vielmehr sei der Flug bis zum Absturz ,,ganz normal‘‘ verlaufen.

Schwere Vorwürfe richten die Experten an die Flugbehörden. Die Ermittler kommen zu dem Schluss, dass die Ukraine den Luftraum über dem Gebiet hätte sperren müssen. Schließlich seien dort seit Wochen schwere Gefechte zwischen Regierungssoldaten und Separatisten im Gange gewesen. Offenbar habe von den Verantwortlichen niemand an die Risiken für die zivile Luftfahrt gedacht. Staaten, die in derartige Konflikte verwickelt sind, müssten mehr für die Sicherheit tun. Der Bericht wurde von der niederländischen Flugsicherheitsbehörde OVV mithilfe von Experten aus sieben Ländern erfasst.

Russlands Kritik

Russland hatte die Untersuchung immer wieder als voreingenommen kritisiert. Auch der staatlich kontrollierte russische Raketenhersteller Almas-Antei widerspricht mit einer eigenen Untersuchung zum Absturz von Flug MH 17 über der Ostukraine den Ergebnissen der niederländischen Ermittlungen. Vermutlich sei die Passagiermaschine nicht von einer Buk-Rakete aus russischer Produktion abgeschossen worden, sondern von einem älteren Modell, sagte Unternehmenschef Jan Nowikow noch vor Veröffentlichung des niederländischen Berichts bei einer Pressekonferenz. Außerdem sei das Geschoss aus dem Dorf Saroschenske abgefeuert worden, das damals unter der Kontrolle der Regierung gewesen sei. Das allerdings widerspricht Vermutungen westlicher Experten, die davon ausgehen, dass die Rakete aus dem Rebellenort Schischne abgefeuert worden sei.

Nowikow selbst machte keine genauen Angaben zum Inhalt des niederländischen Berichts und sagte auch nicht, ob er vorab einen Blick darauf werfen konnte. Allerdings betonte er, dass die Ermittler Beweise seines Unternehmens nicht berücksichtigt hätten. Unter anderem seien Raketen auf Aluminiumplatten sowie auf ein ausgemustertes Großraumflugzeug vom Typ Iljuschin Il-86 abgeschossen worden. Die Experimente würden auf ein älteres Raketenmodell schließen lassen, sagte Nowikow.

Trauer bei den Angehörigen

Nun ist also ziemlich zweifelsfrei geklärt, was in der Luft passiert ist, doch die Suche nach den Schuldigen der MH 17-Katastrophe geht unvermindert weiter. Die Ukraine und die Niederlande haben in dieser Sache eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Das teilte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Dienstag in Kiew nach einem Telefonat mit dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte mit.  Bevor der OVV-Chef Tjbbe Joustra vor die Presse trat, hatten die niederländischen Ermittler die Angehörigen der Opfer über ihre Ergebnisse informiert. „Sie haben uns Splitterteile gezeigt, die im Inneren des Wracks gefunden wurden“, berichtete Robby Oehlers, dessen Cousine in der Maschine gesessen hatte. Im Raum habe Entsetzen und Trauer geherrscht. „Es war so still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.“ Für die Hinterbliebenen sei besonders die Frage wichtig gewesen, ob ihre Angehörigen von ihrem bevorstehenden Tod gewusst oder gelitten hätten, berichtete Oehlers weiter. „Sie haben uns gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen an Bord irgendetwas gemerkt oder gefühlt haben, bei null Prozent liegt.“

Der gesamte Report zum Download

Hier ein Twitter-Account zum Thema MH17

Hier der Twitter-Account des Ermittlerteams

Und hier noch die Erklärung des Auswärtigen Amtes zum Ermittlungsergebnis

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