Wieder ein Goebbels-Vergleich – Empörung ist fehl am Platz

Er hat es getan: Pegida-Chef Lutz Bachmann hat Justizminister Maas mit Goebbels verglichen. Das ist empören! Oder doch nicht?

-Vergleich: versteht die Aufregung nicht – die Sendung extra3 geht die Sache saitirisch an. Hier der Tweet von extra3

Bachmann ist nicht der erste

„Ein Hetzer ist er! Seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land!“ Nein, das sind nicht die Worte von Pegida-Chef Lutz Bachmann. Dieser Goebbels-Vergleich stammt von Willy Brandt, der sich am 12. Mai 1985 in der „Bonner Runde“ mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl stritt. Der Gobbels-Vergleich ist so etwas wie der „rote Knopf“ der deutschen Innenpolitik: der Skandal ist programmiert und für Empörung reichlich gesorgt.

Gezielte Provokation

So muss auch der Bachmann’sche Satz eingeordnet werden. Der Mann hat gezielt provoziert und er hat einen Treffen gelandet, als er bei der Montagsdemo in Dresden Justizminister Heiko Maas mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglich. Der erste, der sich meldete war SPD-Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel. Er sagte der dpa: „Verfassungsfeinde wie Bachmann sind ein klarer Fall für den Staatsanwalt und schon lange für den Verfassungsschutz.“

Auch SPD-Bundesvize Ralf Stegner reagierte empört auf Bachmanns Rede in Dresden: „Der verurteilte Straftäter und PEGIDIOT Bachmann vergleicht Heiko Maas mit Goebbels – dieser ekelhafte Brandstifter gehört vor den Kadi!“, schrieb Stegner bei Twitter.

Der Sieger heißt: Lutz Bachmann

Die Empörer sollten aber einen Moment innehalten, denn ihre Empörung nutzt nur einem: dem Pegida-Chef. Bachmann wird sich im stillen Kämmerlein die Hände reiben. Hat er es den linken und verkrusteten Systemparteien doch wieder einmal so richtig gezeigt.

Auch der Ruf nach dem Staatsanwalt ist wohlfeil, denn alle wissen, dass der Goebbels-Vergleich immer ohne juristische Konsequenzen geblieben ist. Weder Konrad Adenauer (verbaler Ausfall gegen Kurt Schumacher), noch Herbert Wehner (Breitseite gegen Franz Josef Strauß – der den Vergleich  dann selbst gegen linke Demonstranten verwendete) wurden belangt. Und auch als Helmut Kohl den damaligen sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow mit Goebbels verglich, schwappte die Empörungswelle hoch, war aber auch nur der Beginn einer wunderbaren Politiker-Freundschaft, die am Ende in der deutschen Einheit mündete.

Lediglich eine Randnotitz

Empörung ist im Fall der wohl kalkulierten Provokation Bachmanns der falsche Weg – zumal der Pegida-Chef genau weiß und einkalkuliert, dass das alles ohne rechtliche Konsequenzen für ihn bleibt. Der Satz gehört historisch eingeordnet – das ist dann aber allenfalls eine Randnotiz in der langen Liste der Pegida-Dummheiten.

Lohnender ist es, sich unermüdlich und ohne Schaum vor dem Mund mit dem politischen Programm des Mannes auseinander zu setzen. Schnell kommt dabei ans Licht: Pegida hat kein tragfähiges Programm. Das gehört deutlich aufgeschrieben und klug erklärt – wieder und immer wieder. Die dumpfe Pegida-Empörung kann nicht mit demselben Empörungspotential gekontert werden – das hat der Goebbels-Vergleich von Lutz Bachmann gezeigt.

Mehr Goebbels gibt es hier:

Wer sich noch einige Goebbels-Vergleich zu Gemüte führen will. Der „Spiegel“ hat sich schon vor einigen Jahren die Mühe gemacht, einige Beispiel zusammen zu sammeln. Hier ist der Link zum SPIEGEL

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