„Ich befürchte eine Welle der Islam-Feindlichkeit“

Nach den Anschlägen in Paris zeigen sich auch die Muslime in Deutschland bestürzt. Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, verurteilt die Attacken mit deutlichen Worten. Im Interview befürchtet er eine neue Welle der Islam-Feindlichkeit.

 15.11.15-sofouglu

Herr Sofuoglu, wie schätzen Sie das Attentat von Paris ein?

Die Nachrichten aus Paris von der Anschlagserie sind bestürzend. Solch verheerende Angriffe zählen zu den schlimmsten Katastrophen, die in einem Land passieren können. Vor wenigen Wochen sind ja schon in Ankara bei Bombenattentaten über 100 Menschen ums Leben gekommen. Ich sehe da ähnliche Muster und angesichts der Grausamkeit in beiden Fällen befürchte ich, dass die Terroristen jegliches Gefühl der Menschlichkeit verloren haben.

In Paris hat sich der IS zu den Anschlägen bekannt. Ist das ein Kampf der Islamisten gegen den christlichen Westen? Dagegen spricht, dass auch bei den von Ihnen erwähnten Attentaten in der muslimischen Türkei offensichtlich IS-Terroristen die Drahtzieher waren.

Ich glaube das ist eher ein Kampf des IS gegen den Rest der Welt. Alle Menschen, die sich nicht den fanatischen Glaubengrundsätzen des Islamischen Staates unterwerfen sollen offensichtlich bestraft werden.

Werden die Anschläge Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen in Deutschland haben?

Ich befürchte, dass die Attentate von Paris eine neue Welle der Islam-Feindlichkeit hervorrufen werden. Im Moment herrscht in Deutschland wegen der Flüchtlingskrise sowieso eine sehr angespannte Situation und rechtspopulistische Gruppen wie Pegida oder die AfD werden das für sich ausnutzen. Sie werden sich in ihrer Anschauung und in ihren Argumenten bestärkt fühlen und damit auch noch lauter in der Öffentlichkeit auftreten.

Was können die Muslime in Deutschland nun tun?

Die Muslime und auch die muslimischen Verbände müssen sich nun ausdrücklich gegen die Gewalt richten. Es ist an der Zeit, dass klare Worte gegen den Terror des IS formuliert werden. Fehl am Platz wären jetzt besänftigende Sätze in der Art, dass der Islam im Grunde eine Religion des Friedens ist und solche Gewaltexzesse nicht gutheißt. Wir Muslime müssen den Terror jetzt entschieden und für jeden laut hörbar verurteilen.

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