Der Geist von Smolensk

Jaroslaw Kaczynski hat den Tod seines Bruders Lech nie überwunden. Nun sieht er eine neue Chance, die Tragödie aufzuklären. Oder sinnt er nur auf Rache?

15.11.24-witek-smolensk Regierungssprecherin Elżbieta Witek sieht Donald Tusk vor einem Tribunal.

Eine nationale Tragödie

Vor fünf Jahren war der damalige Staatschef Lech Kaczynski beim Absturz der Präsidentenmaschine in Smolensk ums Leben gekommen. Mit ihm starben damals 95 Menschen – es war eine nationale Tragödie. Der polnische Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski hat immer wieder verlauten lassen, Russland trage eine Mitschuld. Zudem wirft er Donald Tusk vor, als Ministerpräsident in der Tragödie nachlässig gehandelt zu haben.

Nun entfacht die neue konservative Regierung Polens eine neue Debatte über den Flugzeugabsturz. Die Untersuchungsergebnisse staatlicher Ermittler sind inzwischen nicht mehr im Internet zugänglich. Und die Regierungssprecherin Elżbieta Witek sagte am Mittwoch, sie glaube, der damalige Ministerpräsident Donald Tusk sollte wegen seiner Handlungen nach dem Absturz vor das Staatstribunal gebracht werde. Sie fügte an, das sei nur ihre private Meinung. Dieser Meinung schloss sich aber Adam Lipiński aus dem Büro des Premierminister an. Auch er forderte, dass Tusk vor einem Staatstribubal aussagen solle, weil er “viele Fragen zu beantworten” habe.  Hier der Link zur Berichterstattung

Böse Erinnerungen werden wach

Das alles erinnert sehr an die Zeiten, als Lech und Jaroslaw Kaczynski ihre politischen Gegner mit einem fast fanatischen Eifer verfolgten. Damals trieben die Zwillinge einen tiefen Keil in die polnische Gesellschaft. Nun wird offensichtlich, dass auch in der Bevölkerung die Wunden noch nicht verheilt sind. Sicher ist: Polen stehen wieder unruhige Zeiten bevor.

Der Absturz neu vor Gericht

Schon vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass die Justiz den Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Russland wieder aufrollen wird: Zwei Offiziere der russischen Luftraumüberwachung sollen sich wegen der Katastrophe vor Gericht verantworten, teilte Staatsanwalt Ireneusz Szelag mit.

Nach dem Absturz waren viele Verschwörungstheorien im Umlauf. Grund war auch, dass bei den Ermittlungen nach der Katastrophe zu einer Reihe von Pannen gekommen war: Der auf polnischer Seite federführenden Militärstaatsanwaltschaft wurde vorgeworfen, aus Dilettantismus oder bösem Willen die Wahrheit zu verschleiern. Selbst der sozialistische Abgeordnete Ryszard Kalisz, ein bekennender Kaczynski-Gegner, erklärte die Staatsanwälte für unfähig.

Auch die russischen Ermittler haben zahlreiche Fehler gemacht. So fehlte im Abschlussbericht der russischen Untersuchungskommission aus dem Januar 2011, dass der Militärflughafen in Smolensk für eine Landung bei dichtem Nebel ungeeignet war. Zudem versorgten die Lotsen das Cockpit mit falschen Daten und warnten die Piloten zu spät.

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