Hoffnungslosigkeit wird zu Hass

Schon wieder ein Anschlag, schon wieder müssen unschuldige Menschen sterben. Dieses Mal hat sich ein Selbstmordattentäter in einem beliebten Touristenviertel in der Altstadt von Istanbul in die Luft gesprengt. Mindestens zehn Menschen wurden getötet, darunter viele Ausländer. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagt, die Spur des Attentäters führe nach Syrien.

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Das Ziel der Attentäter

Attentate auf Urlaubsziele verursachen nicht nur einen immensen wirtschaftlichen Schaden für die Reiseveranstalter und die Händler vor Ort, sie haben auch einen hohen symbolischen Wert. Es ist die Zeit, in der die Menschen Sorglosigkeit und Entspannung suchen, doch Terroristen säen Tod und Verderben.

Über das Ziel der Terroristen herrscht kein Zweifel. Sie wollen Angst und Schrecken verbreiten, sie wollen, dass wir unsere Freiheit einschränken, sie wollen damit unsere demokratische Gesellschaft ins Mark treffen. Das dürfen wir nicht zulassen.

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Hier ist der Hinweis des Auswärtigen Amtes und hier geht es zur Seite des Auswärtigen Amtes:

„Am späten Vormittag des 12. Januar ist es auf dem At Meydani in der Innenstadt von Istanbul zu einer Explosion gekommen. Dabei sind auch Menschen zu Schaden gekommen. Reisenden in Istanbul wird dringend geraten, Menschenansammlungen auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen vorläufig zu meiden und sich über diese Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten.“

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Hilft mehr Polizei?

Der Ruf nach schärferen Überwachungsgesetzen – nach mehr Polizeistaat – wird nun auch in Deutschland wieder laut werden. Dieser Reflex ist verständlich, doch das hieße, den Terroristen nachzugeben. Sie wollen, dass wir aus Angst vor weiteren Anschlägen unsere Freiheit selbst von ihnen aushöhlen.

Natürlich muss die Polizei ihre Arbeit erledigen – angesichts der immer vielfältiger werdenden Aufgaben ist das für die Beamten aber kaum mehr möglich. Hier muss angesichts der aktuellen Entwicklung von der Politik nachgebessert werden. Die Demokratie muss zeigen, dass sie sich auch wehren kann.

Das aktuelle Beispiel in Istanbul zeigt, dass es trotz des massiven Einsatzes der Polizei praktisch nicht möglich ist, alle Anschläge zu verhindern. Kaum ein anderes Land in Europa hat ein so gut ausgebautes Überwachungssystem wie die Türkei. Es muss also sehr viel mehr für die Prävention getan werden, die Wurzel des Übels muss bekämpft werden. Das heißt, es ist sehr genau zu analysieren, woher die Täter kommen und weshalb sie zu Terroristen werden.

Die meisten dieser Menschen werden getrieben von Hoffnungslosigkeit, die irgendwann in Hass umschlägt.

Keine Unstützung für Diktaturen

Wer Diktaturen unterstützt, unterstützt die Hoffnungslosigkeit. Im Arabischen Frühling hat sich dieser Zorn des Volkes nach innen entladen und Regime in den Abgrund gerissen. Naiv war zu glauben, dass sich die Demokratie in der Region ohne Geburtswehen ausbreiten wird. Es wird noch lange dauern, bis sich die Staaten wieder stabilisiert haben. Falsch aber ist es, deshalb neue Diktatoren – wie im Moment in Ägypten – vorbehaltlos zu unterstützen, nur weil sie für den Moment Stabilität verheißen.

Der Westen muss gezielt Druck auf die Regierungen ausüben, damit sie sich in Richtung Demokratie und freier Wirtschaft entwickeln. Aber: Blaupausen kann es nicht geben! Der Westen muss auch akzeptieren, dass sich eine „arabische Gesellschaft“ in gewisser Weise von einer „europäischen Gesellschaft“ unterscheiden kann. Die arabischen Staaten müssen – unterstützt vom Westen – ihren eigenen Weg in Richtung Freiheit und Demokratie finden. Gelingt das, wird das Volk auch wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft schöpfen.

 

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Hier noch eine Infobox zum Stadtteil Sultanahmet, wo der Anschlag stattfand:

Der Stadtteil Sultanahmet in Istanbul gilt als eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Türkei für Touristen aus aller Welt. Benannt ist er nach Ahmet I., der als Sultan von 1603 bis 1617 über das Osmanische Reich herrschte. Das Altstadtviertel liegt auf einer Halbinsel im europäischen Teil Istanbuls. Hier befand sich auch das Zentrum des historischen Konstantinopels. In der Nähe des zentralen Sultanahmet-Platzes stehen mit der Blauen Moschee, der Hagia Sophia und dem Topkapi-Palast die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auf dem Platz steht auch der Deutsche Brunnen, der im Andenken an einen Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Istanbul im Jahre 1898 errichtet wurde. 1985 erklärte die Unesco das Viertel zum Weltkulturerbe.

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