Das Internet und eine angebliche Vergewaltigung

Das Internet zeigt wieder einmal, was in ihm steckt: unbegründete Verdächtigungen, wilde Beleidigungen und ein gerüttelt Maß an Hysterie. Der Hintergrund: mehrere Migranten sollen ein 13-jähriges Mädchen aus Marzahn-Hellersdorf entführt und vergewaltigt haben. Die Tatsache: die Geschichte ist offensichtlich frei erfunden. Doch der Volkszorn im Internet kochte.

16.01.18-entführung-Berlin

Keine Chance gegen den virutellen Mob

Die Polizei in Berlin versucht dem virtuellen Mob mit Fakten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In einer Erklärung heißt es: „Fakt ist – nach den Ermittlungen unseres LKA gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung.“

Das Mädchen aus Marzahn-Hellersdorf wurde demnach am Montag vor einer Woche als vermisst gemeldet und tauchte am Dienstag nach 30 Stunden wieder auf. Vergebens, nach den Übergriffen in Köln ist die Stimmung aufgeheizt. Die Polizei versuchte, auf Facebook den Verlauf zu moderieren, scheint aber keine Chance zu haben.

 

 

Ein fatales Interview der Tante

Also dann noch die Tante des Mädchens einem russischen Fernsehsender ein Interview gab und im Netz am Sonntag mit deutschen Untertiteln verbreitet wurde, schossen die Verschwörungstheorien ins Kraut.  Dem ersten russischen Fernsehkanal 1TV war die vermeintliche Vergewaltigung eine große Geschichte wert – dort wurde es allerdings als Fakt hingestellt.

HINWEIS: Das Video des ersten Kanals wurde nach einigen Tagen wieder entfernt. Aus diesem Grund ist es an dieser Stelle nicht mehr zu sehen.

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Diese Chance wollte sich die rechtsextremistische NPD nicht entgehen lassen. In einem Videofilm ist zu sehen, wie eine junge Frau sich auf einer NPD-Kundgebung in Mahrzahn als Cousine des Mädchens bezeichnet und behauptet, die Polizei habe das Opfer unter Druck gesetzt und seine Aussagen ignoriert, um den Fall unter den Teppich zu kehren.


Viele Fragen, kaum Antworten

Die Polizei macht aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes für die 13-Jährige keine weiteren Angaben zu dem Fall, bezeichnet die Darstellung der Cousine aber indirekt als falsch. Ob es sich bei der Frau aus dem Video tatsächlich um die Cousine des Mädchens handelt, wurde aber nicht bestätigt.

Nach einem Bericht der Zeitung „B.Z.“ ließ die Kriminalpolizei ein Gutachten eines Arztes erstellen. Das Mädchen soll zuerst die Entführungsversion berichtet haben und seine Aussagen später bei der Vernehmung durch die Polizei verändert haben. Die Familie soll aber weiterhin an die Entführung glauben. Hier der Link zur Berichterstattung in der B.Z.

Nachtrag:

Die Berliner Polizei hat im Zusammenhang mit der angeblichen Entführung und Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens am Montagabend eine Versammlung von rund 250 Menschen in Berlin-Marzahn verhindert. Da es laut Polizei nicht zu den Taten gegen die Jugendliche gekommen ist, gebe es für eine Demo keine Grundlage, sagte ein Polizeisprecher.

Nachtrag II:

Hier noch ein sehr guter Beitrag von Daniel Bouhs im Medienmagazin „Zapp“ über die Aufregung in der russischsprachigen Community nach Falschmeldungen des russischen Fernsehens über die angebliche Vergewaltigung de jungen Mädchens.

Hier geht es zu dem Beitrag

16.01.21-NDR

Ein Kommentar zu “Das Internet und eine angebliche Vergewaltigung

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