Russlands Angst vor dem Iran

Russlands Wirtschaft steht am Abgrund. Das Problem ist schnell benannt: der Ölpreis. Regierungschef Medwedew kündigt nun an, die Einnahmen zu erhöhen. Gelingt ihm das nicht, dürften seine Tage gezählt sein. 

16.01.18-ölpreis

Russland hängt vom Öl ab

Russlands Wohl und Wehe hängt am Öl. Aber seit Monaten sinkt der Preis für die Nordseemarke Brent. Zuletzt war er zwischenzeitlich auf 27,70 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen – den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Russland ist abhängig vom Ölexport – und hatte seinen aktuellen Haushaltsentwurf auf einem mittleren Preis von 50 Dollar aufgestellt. Der Handel mit Öl und Gas beeinflusst Experten zufolge rund 50 Prozent des russischen Staatshaushalts. Seit Beginn des drastischen Ölpreisverfalls hat auch die russische Landeswährung Rubel massiv abgewertet. Erstmals seit rund einem Jahr brach der Wechselkurs am Montag auf mehr als 79 Rubel je Dollar ein.

Und als hätte der Kreml damit nicht schon Schwierigkeiten genug, wurden nun auch die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. Die darauf folgende Ankündigung Teherans, den Ölexport anzukurbeln dürfte den Verantwortlichen in Moskau das Blut in den Adern frieren lassen.

Der Iran will mehr Öl fördern

Zwar muss der Iran zuerst noch weite Teile seiner Ölindustrie modernisieren, etwa um die Transportkapazitäten zu erhöhen, doch im Haushalt, der vom Beginn des persischen Jahres am 20. März 2016 an gilt, plant die Regierung bereits mit einer 28-prozentigen Erhöhung der Exporte. Noch höhere Ausfuhren würden weitere Preissenkungen zur Folge haben, was aber kein Ziel für den Iran sei, betonen Analysten. „Wir haben natürlich auch immer einen Blick auf den Markt und die Preise“, betonte der Leiter der internationalen Abteilung beim Staatsunternehmen National Iranian Oil Company, Mohsen Ghamsari.

16.01.18-Dollarkurs

Moskau muss sparen

Und doch muss Russland reagieren und der Ölpreis-Einbruch zwingt die Rohstoffmacht zu einer raschen Anpassung des Staatshaushalts. Regierungschef Dmitri Medwedew kündigte am Montag in Moskau dringende Maßnahmen an, um die Einnahmen zu erhöhen. Das Finanzministerium hatte zuvor eine Teilprivatisierung des Energiekonzerns Rosneft ins Spiel gebracht.

Vor dem Premier hatte bereits Finanzminister Anton Siluanow angekündigt, den Staatshaushalt 2016 an die krisenhafte Entwicklung anzupassen und um zehn Prozent zu kürzen. „Ansonsten wird sich die Krise von 1998 wiederholen“, warnte der Minister.

Russland stellt sich auf seine langfristige Krise ein. Russische Energiefachleute erwarten eine weitere Talfahrt der Preise, sobald der Iran beginnt, sein Öl auf den Weltmarkt zu pumpen. „Wir müssen verstehen, dass der niedrige Ölpreis einen langfristigen Charakter hat“, betonte Energieminister Alexander Nowak in der Zeitung „RBK“.

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