Auto-Ballett im Talbachkreisel

Frauenfeld ist ein eher beschauliches Städtchen – vor allem nachts. Doch Sonntagnacht kurz vor drei Uhr in der Früh‘ war plötzlich alles anders. Das Unvorstellbare wäre nicht an die Öffentlichkeit gelangt, hätte nicht der Kameramann Beat Kälin zufällig am Talbachkreisel gestanden und alles für die Nachwelt aufgezeichnet.

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Der tückische Talbachkreisel

Der Reporter kam nach eigenen Worten gerade von einem Wohnungsbrand zurück, als er ein Fahrzeug mit eingeschalteten Warnblinkern sah. Die Polizei war schnell alarmiert, doch die Beamten ließen sich offensichtlich viel Zeit. Denn Kälin filmt in den nächsten Minuten, wie ein Auto nach dem anderen durch den völlig vereisten Kreisel schlittert.

Auch das hätte keinen interessiert, wäre der kurze Clip nicht auf der Facebook-Seite von Tele Züri gelandet.  Hier geht es zu dem Clip auf der Facebook-Seite . Zu den Klängen des Schneewalzers knallt ein Fahrzeug nach dem anderen in die Rabatten – zum Glück bleibt es immer bei kleinen Blechschäden. Und plötzlich war Beat Kälin ebenso berühmt wie die 25 000-Einwohner-Stadt Frauenfeld im Kanton Thurgau. Über 300.000 Mal ist das Filmchen bisher angeklickt worden – wohl gemerkt: Tele Züri hat nur rund 15.000 Follower.

 

16.01.22-telezürich

Die Schattenseiten des Ruhmes

Der schnelle Ruhm hat allerdings auch seine Schattenseiten. Denn der Beat Kälin muss sich in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke auch allerlei Vorwürfe anhören. Da heißt es:

 

„Die echos aus diesen unfällen resultierend zeigen einmal mehr in erschreckender weise die dekadenz dieser gesellschaft auf und sind nichts anderes als ein armutszeugnis – allen voran dieser fimlchendreher und klatschspaltenjäger“

 

Ein anderer Kommentator empört sich:

 

„Sensationsgeilheit  Der verehrte Herr Kälin hätte die Autofahrer auch warnen können…“

 

Schaulustige auf dem Balkon

Der Reporter wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er habe zuerst die Polizei informiert und dann die Kamera ausgepackt, sagt er TeleZüri. Und im Schweizer „Tagblatt“ wird er zitiert:  „Es sind immer wieder auch Autos ohne Probleme durch den Kreisel gefahren“. Er berichtet sogar davon, wie auf einem Balkon Schaulustige es sich mit Wolldecken bequem gemacht haben und applaudierten, wenn’s wieder mal krachte. „Sie haben mir sogar einen heissen Tee vorbeigebracht“, sagt Kälin, der bis gegen 5 Uhr am Kreisel stand.

Auch der Stadtpräsident schaltet sich in die Diskussion ein, stellt klar: Da ist im Fall auch ein Räumfahrzeug vorbeigefahren und hat Salz gestreut. Die Ehre – zumindest der Stadtwerke – wäre also gerettet.

Hier der Link zum Text in der Stuttgarter Zeitung

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