Was passiert mit dem Rubel?

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen sich alle wichtigen und superwichtigen Akteure der Finanzwirtschaft. Doch eine Person fehlt: die  russische Notenbankchefin Elvira Nabiullina. Sie hat ihren für Freitag (22.01.2016) geplanten Auftritt abgesagt. Über den Grund kann nur spekuliert werden, denn die Nationalbank hüllt sich in Schweigen. Zu vermuten ist aber, dass das Fernbleiben mit den seit Tagen anhaltenden massiven Kursverlusten des Rubel zu tun hat.

 

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Der Rubel-Kurs unter Druck (Quelle: finanz.net)

 

Der Rubel im Sinkflug

An der Moskauer Börse kostete ein US-Dollar am Donnerstag zeitweise mehr als 85 Rubel. Das war der tiefste Wert seit der Währungsumstellung 1998. Auch der Wechselkurs zum Euro fiel deutlich: Mit bis zu 92,56 Rubel für einen Euro sank er auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2014.

Der Kreml versucht immer wieder, Befürchtungen vor einem weiteren Verfall des Rubels zu dämpfen. „Der Kurs ändert sich tatsächlich, aber das ist bei weitem kein Absturz“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Die Zentralbank zögert ihr Eingreifen noch hinaus – offiziell heißt es, man sehe insgesamt keine Gefahr für die finanzielle Stabilität des Landes. So ruhig scheint die Lage allerdings nicht zu sein. Am Donnerstagabend habe sich Nabiullina mit Vertretern russischer Geschäftsbanken treffen, meldete die Agentur Interfax.

Manche Stimmen sehen den Verfall sogar positvi. Der Regierung komme die schwache Währung sogar gelegen, heißt es. Der niedrige Ölpreis reißt riesige Löcher in den russischen Haushalt, weshalb Moskau gezwungen ist, den Rotstift anzusetzen und sogar sein Tafelsilber zu verkaufen. Der niedrige Rubel hilft ein wenig aus dieser finanziellen Klemme, da er die Staatsausgaben im Vergleich zu den (in US-Dollar notierten) Rohstoff-Einnahmen reduziert. Dennoch: ganz wohl kann es den Regierenden angesichts der Rubel-Schwäche nicht sein.

Die Moskauer Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ schreibt dazu:

„Der Führung des Landes fällt es immer schwerer, die Russen davon zu überzeugen, dass sie sich nicht um den Rubelkurs sorgen sollen. Während Präsidentensprecher Dmitri Peskow sagte, es gebe keinen Absturz der nationalen Währung, stieg der Dollar im Handel zeitweise auf mehr als 86 Rubel. Der Verfall des Rubels nützt weder der Bevölkerung noch vielen Branchen der Wirtschaft. Er nutzt aber offenbar wie schon früher dem Staatshaushalt. Um ihn auszugleichen, lässt die Politik den Rubel nicht nur treiben, sondern ertrinken.“

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Die Ursachen liegen auf der Hand

Die Ursache für den schwachen Rubel-Kurs liegen auf der Hand: es ist unter anderem der Preisverfall für Erdöl auf dem Weltmarkt. Weil der Iran nach Aufhebung von Sanktionen als weiterer Ölexporteur auf den Markt kommt, wird die Konkurrenz für Russland noch größer. Die Volkswirtschaft Russlands ist vor allem auf den Export von Öl und Gas angewiesen. Der Kreml hat es seit Jahren versäumt die Wirtschaft zu diversifizieren. Auch die grassierende Korruption trägt zur wirtschaftlichen Instabilität bei. Auch die Sanktionen gegen Russland wegen des Konflikts in der Ukraine entfalten allmählich eine immer größere Wirkung und verschärfen die Krise.

 

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Der Öl-Preis im Abwärtstrend

 

Angesichts der hohen Belastungen des russischen Staatshaushalts  durch den niedrigen Ölpreis und den schwachen Rubel plant die Regierung nach Informationen aus Insiderkreisen einen deutlich abgespeckten Rettungsplan für die staatliche Entwicklungsbank VEB. Dieser könnte mit 2,4 Milliarden Dollar nur einen Bruchteil der früher veranschlagten Summe kosten, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Zuletzt waren Finanzhilfen für die VEB in Höhe von mehr als einer Billion Rubel (rund zwölf Milliarden Dollar) vorgesehen.

Das Problem der faulen Papiere

Die VEB wurde viele Jahre lang genutzt, um politisch motivierte, aber unrentable Projekte zu finanzieren, darunter die Infrastruktur für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Derzeit sitzt sie nach Schätzungen von Analysten auf sogenannten faulen Papieren im Volumen von 12,6 Milliarden Dollar. Zudem besteht das Risiko, dass die Bank Zahlungsverpflichtungen an ausländische Gläubiger nicht mehr nachkommen könnte. In diesem Jahr sind das rund 900 Millionen Dollar.

Das jetzt diskutierte Szenario sieht den Informationen zufolge vor, dass die VEB liquide Vermögenswerte wie Anleihen verkauft. Dabei entstehende Verluste sollen vom Staatshaushalt kompensiert werden. Die gesamte Operation könnte dem Staat in diesem Jahr nach den Worten eines Insiders 100 bis 200 Milliarden Rubel kosten. Ein anderer sagte, die Aktion solle nicht mehr als 100 Milliarden Rubel erfordern. Das bisherige Szenario sah staatliche Finanzhilfen für die Bank in Höhe von einer Billion Rubel vor.

 

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Jüngst kamen neuen Rubel-Scheine auf den Markt – mit Motiven der Krim

Angespannte Lage der Weltwirtschaft

Analysten gehen davon aus, dass die VEB liquide Vermögenswerte wie Bargeld und Anleihen in einem Volumen von 600 Milliarden Rubel besitzt. Hinzu kämen Aktien im Wert von rund 200 Milliarden Rubel. Wegen der angespannten Lage der Weltwirtschaft und der verunsicherten Märkte ist der Zeitpunkt jetzt allerdings nicht gerade günstig, diese Vermögenswerte zu veräußern. Theoretisch könnte die VEB auch Immobilien verkaufen, die sie über ihre Tochter Globex Bank hält. Doch auch dieser Markt ist in Russland momentan im Abschwung.

Einige Experten geben auch zu bedenken, dass mit dem Asset-Verkauf die Probleme der VEB zwar hinausgeschoben, aber nicht gelöst werden, insbesondere das grundlegende Problem der faulen Papiere, bei denen die Ausfallwahrscheinlichkeit besonders hoch ist.

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Und hier noch eine kleine Umfrage von forbes.ru:

 

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