Pegida ist kein Exportschlager

Das war er also, der machtvolle Aufmarsch der „besorgten“ Bürger Europas gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“! Knapp 8000 Anhänger von Pegida versammelten sich in Dresden zu einer Kundgebung, die öffentliche und medienwirksame Vernetzung mit Gruppen in anderen Ländern schlug jedoch kläglich fehl.

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Probleme mit der Technik

Bei dem Aufmarsch in Dresden mussten die Pegida-Verantwortlichen eine entscheidende Erfahrung machen: es ist einfach, zu jammern und zu maulen – schwerer gestaltet es sich, wenn etwas tatsächlich auf die Beine gestellt werden soll. Sinnbild dafür war in Dresden die missglückte technische Verbindung in einige „Partnerstädte“. Die Leitung nach Prag stand für einige Minuten, brach aber immer wieder zusammen. Andere Orte wurde schon gar nicht mehr angefunkt.

Doch nicht nur technisch war der „Aktionstag“ eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Orgie. So schien es als schlechtes Omen, dass Pegida-Front-Mann Lutz Bachmann wegen einer Krankheit das Bett hüten musste und nicht zu den „Massen“ sprechen konnte. So hatte Versammlungsleiter Siegfried Däbritz die Rolle, sich immer wieder zu entschuldigen, wenn wieder einmal etwas nicht funktionierte.

 

Die üblichen Parolen

Natürlich treffe Pegida keine Schuld, versuchte Däbritz die Pannen immer wieder zu überspielen – fragt sich nur, wer dann das Chaos zu verantworten hatte. Angela Merkel? Die immer wieder mit Merkel-Raus-Rufen bedacht wurde? Die „Lügenpresse“? Die störungsfrei von dem Treffen in Dresden in ihren Nachrichtensendungen berichtete?

Während der Veranstaltung in Dresden wurde denn auch vermieden, die Teilnehmerzahlen in den anderen Ländern zu erwähnen – die waren nämlich aus Sicht von Pegida enttäuschend. Bis auf Prag, wo am Samstag etwa 1500 Islam-Gegner aufmarschierten, kamen in den anderen Städten meist nur wenige Hundert zusammen – wenn überhaupt.

 

16.02.08-Pegida-Amsterdam

„Besorgte Bürger“ bei der Pegida-Demo in Amsterdam

Rechtspopulisten in der Regierung

Die geringe Beteiligung in den anderen europäischen Städten am Aktionstag „Festung Europa“ dürfte auch daran gelegen haben, dass die Flüchtlingskritik dort längst von größeren Parteien und Bewegungen als Thema besetzt oder – wie in Ungarn und Polen – inzwischen Regierungspolitik ist.

In Breslau trat ein zentraler Konstruktionsfehler der „Festung Europa“ ganz deutlich zutage. In der polnischen Stadt musste die Pegida-Aktion abgesagt werden, weil polnische Nationalisten die Organisatoren bedrohten und eine „Germanisierung“ befürchteten. Das kann passieren, wenn Nationalisten und Nationalisten treffen.

Pegida-Demo wird zum Rohrkrepierer

So wurde der Export von Pegida-Gedankengut zum Rohrkrepierer. Deutlich ist, dass die Bewegung seit Monaten auf der Stelle tritt. Zwar kommen noch immer einige Tausend Menschen zu den regelmäßigen Demos, doch droht den Verantwortlichen der schleichende Tod. Auch zeigte der Aktionstag, dass die Bewegung intellektuell und ideologisch nur schwach unterfüttert ist. Außer den üblichen Parolen gegen Merkel, die Presse und den Islam hatten die Organisatoren nichts zu bieten.

Das scheinen die Rechtspopulisten in anderen Ländern ähnlich zu sehen. Die Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, zeigte Bachmann bislang ebenso der kalte Schulter wie der schon mehrfach als Pegida-Redner angekündigte österreichische FPÖ-Chef Heinz-Christian „HC“ Strache.

Pegidas Strahlkraft reicht offensichtlich nur zur Mobilisierung einiger Nazi-Gruppen und einiger „besorgter Bürger“. Der Versuch, der Bewegung mehr Substanz zu geben und auch neues Feuer einzuhauchen ist in Dresden kläglich gescheitert.

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