Die Gefahr eines großen Krieges

Die Welt bewegt sich am Rande eines nicht mehr zu kontrollierenden Krieges. Dieser Satz ist kein Alarmismus, denn die Fakten sprechen eine bedrohliche Sprache. Russland und die Türkei stehen sich im Syrien-Konflikt scheinbar unversöhnlich gegenüber – und damit ist auch die Nato Teil des Spiels, denn ein Angriff auf Ankara könnte den Bündnisfall auslösen.

Zwei Egomanen führen Krieg

Zentrales Problem ist, dass Wladimir Putin und Tayyip Recep Erdogan wie zwei Egomanen ihre politischen Ziele verfolgen. Das ging so lange gut, wie sich die beiden Präsidenten auf die Innenpolitik ihres jeweiligen Landes beschränkten. Doch nun sind die beiden dabei, nach demselben Prinzip Außenpolitik zu betreiben – und fahren in Syrien scheinbar unbeirrt ihren Konfrontationskurs. Vor allem Putin scheint durch das Zögern Europas im Fall der Ukraine noch bestärkt, seine Spielchen weiter zu treiben, um die Staatengemeinschaft zu provozieren und so die eigenen Grenzen auszutesten.

Es geht also längst nicht mehr um den Frieden in Syrien oder in der Region – es geht um den Frieden in der Welt. Sollte tatsächlich der Nato-Bündnisfall ausgerufen werden, wären auch die USA, Deutschland und die anderen Staaten verpflichtet, gegen Russland in den Kampf zu ziehen. Denn ein Angriff auf ein Nato-Land ist als Angriff auf alle Nato-Staaten zu verstehen. So steht es im Paragrafen des Nordatlantik-Vertrags, dem immer wieder zitierten Artikel 5. Das wäre der Anfang einer Eskalation mit ungeahnten Folgen.

15.12.02-nato

Am Rande der Eskalation

Schon einmal hat die Türkei in der Region einen russischen Kampfjet abgeschossen und damit gezeigt, dass Erdogan nicht bereit ist, die Provokationen aus Moskau hinzunehmen. Doch anstatt die Lage an der syrischen Grenze zu entspannen, macht Ankara noch weiter militärischen Druck. Nach den jüngsten Anschlägen in der Türkei befürchten die kurdischen Milizen einen Einmarsch der Türkei in Nordsyrien. Das türkische Militär intensivierte zuletzt noch einmal den grenzüberschreitenden Beschuss von kurdischen Gebieten in dem Nachbarland.

Zudem droht Ankara seit Tagen, in den Norden des Landes einzumarschieren. Das aber würde sehr wahrscheinlich militärische Reaktionen aus Russland provozieren, das in der Syrienkrise längst Kriegspartei ist. Der heiße Krieg, in dem sich das Nato-Mitglied Türkei befindet, könnte so ganz schnell auf die Bündnispartner überspringen.

 

Russland will keinen Frieden

Diese höchstexplosive Situation sollte jenen Experten zu Denken geben, die das Eingreifen Russlands in Syrien begrüßt haben, weil endlich wieder Bewegung in den Friedensprozess gekommen sei. Auf den ersten Blick mag das so ausgesehen haben, doch Wladimir Putin dachte zu keiner Zeit an den Frieden in dem vom Bürgerkrieg zerstörten Land – er verfolgte von Anfang an russische Ziele und dachte ausschließlich in der Kategorie von „Einflusszonen“. In diesem Fall will er den russischen Einfluss in Syrien nicht verlieren, wo Moskau am Mittelmeer mehrere Militärbasen unterhält.

Auch im Nato-Hauptquartier in Brüssel dürften sich die Experten längst sehr intensiv Gedanken über die Lage gemacht habe. Ob Artikel 5 in der aktuellen Situation – dass die Türkei von Syrien aus angegriffen wird – gelten könnte, darüber gibt es von der Nato bislang keine Auskunft. Aber Sicherheitsexperten halten es nicht für ausgeschlossen, dass die Türkei die Nato um Beistand bitten würde.

Die Angst der Balten

Aus diesem Grund muss Recep Tayyip Erdogan klar gemacht werden, dass ein Einmarsch der Türkei in Nordsyrien und eine daraus folgende Eskalation mit Russland nicht automatisch die Beistandsverpflichtung der Nato auslösen würde. Allerdings wäre das auch eine enorme Schwächung der Nato, wenn es ein Mitgliedsland im Kriegsfall im Regen stehen lassen würde. Putin würde einen solchen Schritt als Aufforderung verstehen, seine Machtspielchen weiter zu treiben. Vor allem in den baltischen Staaten, wo große russische Minderheiten wohnen, wird die Lage sicher sehr genau beobachtet.

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