Russlands Probleme mit der Wirtschaft

Das war sicher keine leichte Entscheidung. Die russische Zentralbank senkt ihren Leitzins trotz der wirtschaftlichen Schwäche nicht weiter. Er bleibe bei elf Prozent, entschied die Notenbank am Freitag in Moskau.

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Rubelkurs wieder im Sinkflug (Quelle: finanzen.net)

Leitzins schrittweise gesenkt

Von Anfang bis Mitte 2015 wurde der Leitzins von der Zentralbank schrittweise von 17 Prozent auf das aktuelle Niveau gesenkt. Der Grund liegt auf der Hand: auf diese Weise sollte mit billigerem Geld der krisengeplagten Wirtschaft in der Rezession unter die Arme gegriffen werden. Zum Vergleich: In der Euro-Zone liegt der Leitzins bei null Prozent.

Dass der Leitzins nicht weiter gesenkt wird, hat aus Sicht der Banker aber auch seinen Sinn. Der Grund ist die hartnäckig hohen Teuerung in Russland. „Die Inflationsrisiken bleiben groß“, erklärte die Zentralbank. Die Teuerungsrate soll erst Ende 2017 wieder im angestrebten Bereich von vier Prozent liegen. Wird der Leitzins weiter gesenkt, könnte das die heimische Währung Rubel unter Abwertungsdruck setzen. Dadurch würden Importe teurer, was die Inflation anheizen könnte.

Rückgang des BIP

Die Zentralbank rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 1,3 bis 1,5 Prozent, nachdem es 2015 sogar 3,7 Prozent waren. Besonders die niedrigen Preise für Öl und Gas – den größten Exportschlagern – machen dem Russland zu schaffen. Zudem bremsen hohe Zinsen und sinkende Realeinkommen den privaten Konsum.

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Einfluss auf die Entscheidung der Zentralbank hat sicher auch die Aussicht darauf, dass der Iran in absehbarer Zeit auf den internationalen Ol- und Gasmarkt drängen wird. Nach dem Ende des westlichen Embargos will Teheran den Gasexport zu einer seiner wichtigsten Einnahmequelle machen. Viele Experten gehen davon aus, dass dadurch auch der Gaspreis am Weltmarkt gedrückt wird. Das wäre eine fatale Entwicklung für das krisengeschüttelte Russland, das von den Einnahmen aus dem Gasimport abhängig ist. Der Iran hat nach Russland mit 29,6 Trilliarden Kubikmetern die zweitgrößten Gasreserven der Welt, das Ölministerium selbst schätzt die aktuellen Reserven sogar auf 34 Trilliarden Kubikmeter.

Die Angst vor dem Iran

Auch strategisch wäre ein Eintritt des Iran in den internationalen Markt von Russland von Nachteil. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont, mehr Lieferländer würden die Unabhängigkeit der deutschen Versorgung erhöhen. „Dabei können langfristig Reserven aus dem kaspischen Raum eine Rolle spielen“, sagt Anke Tuschek vom BDEW. Im Klartext: Russlands übergroßen Einfluss auf den deutschen Markt würde deutlich reduziert.

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