Kuba: Erst Obama, dann die Rolling Stones

Auf Kuba geben sich die Stars die Klinke in die Hand. US-Präsident Barack Obama hat die Insel gerade verlassen, da kündigen die Rolling Stones ein „historisches“ Konzert an. Ob sie sich mit den Mitgliedern des Buena Vista Social Club treffen?

 

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„Hola Cuba“, grüßten die britischen Superstars ihre Fans in einem kurzen Videoclip, der auf der Website cubainformacion.tv veröffentlicht wurde. Sänger Mick Jagger sagt dabei auf Spanisch:

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„Wir haben an vielen unglaublichen Orten gespielt, aber dieses Konzert wird ein historisches Ereignis für uns sein. Wir hoffen, für euch ebenfalls.“

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Die Altrocker geben am Freitagabend zum ersten Mal überhaupt ein Konzert in Kuba. Der kostenlose Open-Air-Auftritt findet in der Hauptstadt Havanna statt. Die Stones statten Kuba wenige Tage nach der historischen Visite von US-Präsident Barack Obama einen Besuch ab. Obama war am Sonntag als erster amtierenden US-Präsident seit fast 90 Jahren in dem karibischen Inselstaat eingetroffen. Der dreitägige Staatsbesuch markierte den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses zwischen den vormals verfeindeten Ländern.

 

Hier geht es zu der Berichterstattung in cubainformation.tv über den Auftritt der Rolling Stones.

 

Es ist alles andere als ein ganz normales Stones-Konzert. Schon der Aufwand ist für kubanische Verhältnisse gigantisch. 61 Container hat die Crew in den letzten Tagen auf die Insel gebracht, darin 500 Tonnen Equipment, die Bühne, der Sound, Videoprojektionen, Generatoren. Und viele Kubaner sind schon seit der Eventankündigung am 1. März voller Vorfreude auf das Konzert am Karfreitag. „Wir fühlen uns super, das muss man einfach genießen. Und wir werden tanzen bis der Malecón trocken liegt“, sagt ein junger Mann.

Beißende Kritik

Bei aller Begeisterung für die Musik: Natürlich ist ein Auftritt einer Superband wie der Stones ein Politikum. Englischsprachiger Rock war im kommunistischen Kuba jahrzehntelang als kontrarevolutionär geächtet. Es gibt denn auch zum Teil beißende Kritik an diesem Rendezvous, nicht nur aus der exilkubanischen Community in Miami.

Da ist zum Beispiel Mike Porcell, der 1950 geborene Musiker und Komponist. 1980 wurde Porcell mit einem Aufführungsverbot belegt. Erst neun lange Jahre später ließ man ihn ausreisen. „Ein Teil meiner Generation fühlt sich verraten“, sagt er. Für diese Menschen komme das alles sehr spät und das Regime ziehe viel Nutzen aus diesem Besuch. „Das ist Teil der Maschinerie, mit der sie den Leuten vormachen, dass es Öffnung und Freiheit gibt“, kritisiert der Musiker.

Böhmermanns Rache an Twitter

Der Mann weiß, wie das Geschäft der Selbstvermarktung funktioniert. Jan Böhmermann bringt sich sogar ins Spiel, auch wenn er im Abseits steht.

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Jan Böhmermann tummelt sich nun auf Facebook

Keine Torte für Böhmermann

Der Anlass ist im Grund mehr als banal. Twitter feierte am Montag seinen zehnten Geburtstag und verschickte Geburtstagsorten. Ob die CSU, der FC Bayern München, der „stern“ oder die Funke Mediengruppe: alle haben einen süße Überraschung bekommen. Nur einer wurde offenbar vergessen: Jan Böhmermann.

Der reagierte prompt, schaltete um auf Wutbürger und kündigte an: Nie wieder Twitter, nie wieder ein „Hashtag der Woche“. Ab jetzt wechsle er – der 500.000 Follower sein Eigen nennt –  zu Facebook. Böhmermann hat den Schuldigen schnell ausgemacht: „Ich frage mich, welches Agentur-A…loch bei denen die Liste macht“. Schließlich sucht der Leidensgenossen – und solidarisiert er sich mit einer Tennisspielerin. „Wir fühlen uns wie Sabine Lisicki. Betrogen und verletzt“. Sein vernichtendes Fazit für Twitter:  „Wir haben Twitter erst groß gemacht“. Das Video hatte schnell fast 200.000 Aufrufe.

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Die Reaktionen im Netz

Natürlich reagiert die Netzgemeinde auf die Empörung Böhmermanns. Der „stern“ schickte ein Video, in dem drei Grazien demonstrativ lasziv den Twitter-Kuchen verspeisen. Auch dieses Stück Zeitgeschichte ist im Internet zumindest ein kleiner Hit und bringt es auf knapp 90.000 Aufrufe. Hier geht es zum „Stern“-Video

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Und auch die Funke-Gruppe konnte sich nicht zurückhalten und postet auf Facebook mit sichtlicher Genugtuung ein Foto des Kuchens.

 

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Böhmermanns Reaktion: Verhöhnt werden von der Funke Zentralredaktion bei Twitter. Tortenschweine!

Zweifelhafte Politiker-Posts

Ist der der Post auf Facebook tatsächlich von Vera Lengsfeld? Zweifel waren angebracht, zu monströs ist die Aussage. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete gibt Angela Merkel die Schuld an den Terroranschlägen von Brüssel. Die Bundeskanzlerin habe „alles dafür getan, dass der Terror in Europa Fuß fassen kann“, schreibt sie. Doch damit nicht genug. Voller Sarkasmus schreibt sie weiter: „Lasst uns Angela Merkel feiern, sie hat es geschafft.“

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Ist dieser Post von Vera Lengsfeld – oder nicht?

Den Post von der Seite gelöscht

Vera Lengsfeld selbst bestreitet inzwischen die Echtheit des Posts. Sie schreibt, „dass dieser Post nicht von mir stammt, sondern von einer meiner Facebook-Freundinnen“. Der Beitrag war dann auch von ihrer Seite gelöscht worden. Diese Aussage ist allerdings mehr als befremdlich, da der Post direkt auf der Seite stand – also von ihr selbst oder einem Mitarbeiter gemacht worden sein muss.

 

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Vera Lengsfeld bestreitet, dass der Post von ihr ist

 

Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte, denn Vera Lengsfeld meldet sich noch einmal zu Wort. Sie beklagt sich, dass ihre Facebook-Seite nach dem umstrittenen Post gesperrt worden sei. Sie sieht sich nun als Opfer und spricht von einer „Rufmordkampagne“.

 

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Die Reaktion von Lengsfeld auf das Sperren ihrer FB-Seite

Zweifelhafte Äußerungen von Lengsfeld

Ihre Partei aber scheint keine Zweifel an der Echtheit des Post zu haben. „Diese Äußerung ist pietätlos und völlig daneben“, heißt es aus der CDU-Bundesgeschäftsstelle. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die CDU-Politikern sehr kritisch zu Merkels Flüchtlingspolitik äußert. Der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, dem offiziellen Organ der Landsmannschaft Ostpreußen, sagte sie vor einigen Monaten: „Die CDU, der ich beigetreten bin 1996, die gibt’s nicht mehr, und zwar restlos nicht mehr.“ Lengsfeld saß von 1990 bis 2005 im Bundestag, zuerst für die Grünen, von 1996 an für die CDU.

Applaus von der AfD

Applaus bekommt Vera Lengsfeld aus der rechtspopulistischen Ecke. Die Pegida-Bewegung teilte den umstrittenen Facebook-Post auf ihrer Seite. Der Kommentar: „Vera Lengsfeld bringt es auf den Punkt!“

Aber nicht nur Lengsfeld erregt mit ihrem umstrittenen Post über die Anschläge in Brüssel die Gemüter. Auch Marcus Pretzell  und Beatrix von Storch, zwei Europaparlamentarier der AfD, meldeten sich über die sozialen Netzwerke zu Wort – von Mitleid für die Opfer allerdings keine Spur.

Pretzell war einer der ersten, der über Twitter die Nachricht von den Anschlägen verbreitete. Schien er am Anfang noch selbst geschockt von dem Geschehen, brach im Laufe der Zeit der AfD-Politiker in ihm durch. Schließlich setzte er einen Tweet ab mit dem Worlaut: „Vor meiner Haustür. Ich bin es so leid.“ Einen Tweet von „Die Zeit“, die twitterte, dass die  Trauer jetzt größer sein möge, als die Angst, kommentierte Pretzell mit: „Nein diesmal nicht wie jedes Mal! Es reicht.“ AfD-Chefin Frauke Petry leitete den Tweet ihres Kollegen und Lebenspartners dann auch direkt an ihre eigenen Follower weiter.

Auch Beatrix von Storch war offensichtlich in Brüssel. Sie schrieb an ihrer Follower: „Viele Grüße aus Brüssel. Wir haben soeben das Parlament verlassen. Hubschrauber kreisen. Militär rückt an. Sirenen überall. Offenbar viele Tote am Flughafen und am Zentralbahnhof. Hat aber alles nix mit nix zu tun.“

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Die Reaktionen auf die beiden Poste ließen allerdings nicht lange auf sich warten. Viele der Internet-Nutzer regten sich darüber auf, dass die blutigen Anschläge von beiden für ihre politische Propaganda ausgenutzt wurden. Einer der Kommentare über die Aussage von Beatrix von Storch: „Pfui Teufel! Sie sind eine Schande für Deutschland.“ Und auch Marcus Pretzell muss sich vorwerfen lassen, dass er offensichtlich Kapital aus den Attentaten ziehen will.

 

Nachtrag:

Nun hat sich auch Vera Lengsfelds Sohn Pilipp zu Wort gemeldet. Der sitzt seit Oktober 2013 für die Berliner CDU im Bundestag. Wie auch seine Mutter war er früher Mitglied der Grünen. Die politischen Äußerungen von Vera Lengsfeld will er nicht kommentieren, wie er bereits im Februar deutlich machte. Damals schrieb er auf Twitter: „Familie ist Familie, aber als MdB Lengsfeld muss und werde ich nicht jetzige Arbeit der Publizistin Lengsfeld bewerten oder interpretieren.“

Jetzt hat er allerdings eine kleine Ausnahme gemacht. Denn „Bild“-Mann Kai Diekmann fragt über Twitter bei ihm an, ob es ein Fake-Account sei, wo der umstrittene Post erschienen ist. Die Antwort von Sohn Philipp:

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Gegen Minarette und Tempolimit

Die AfD will sich mit ihrem neuen Programm über die Flüchtlingspolitik hinaus von den anderen Parteien deutlich abgrenzen. Im Entwurf dazu plädiert sie für eine Verkleinerung des Bundestags, längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild – unter anderem über den Euro. Das Programm, das bislang erst in einer Rohfassung existiert, soll Ende April von einem Parteitag abgesegnet werden. Hier einige zentrale Punkte:

 

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EU und Euro

Den Euro bezeichnet die AfD als „grundlegende Fehlkonstruktion“. Die AfD, die ursprünglich aus den Gegnern der Euro-Rettungspolitik entstanden war, fordert nach dem Entwurf eine Volksabstimmung über den Verbleib Deutschlands im Euro – wenn die EU „nicht unverzüglich zu den ursprünglichen Stabilitätsgrundsätzen des Euro zurückkehrt“. Die Kompetenzen der EU sollen zu Gunsten der einzelnen Mitgliedsstaaten zurückgeführt werden. Eine gemeinsame Außenpolitik der EU lehnt die AfD demnach ab.

Nato und Wehrdienst

An Nato-Einsätzen soll sich Deutschland nur noch beteiligen, wenn diese ein UN-Mandat haben. Zu Stärkung der Bundeswehr will die AfD die Wehrpflicht wieder einführen.

Steuersystem

Das Steuersystem soll durch einen Einkommenssteuertarif mit wenigen Stufen und einem „deutlich höheren“ Grundfreibetrag reformiert werden. Der Entwurf lässt jedoch offen, ab welchen Einkommen zu welchen Sätzen die Steuern greifen sollten. Gegen die Verschwendung von Steuern will die AfD den neuen Straftatbestand „Haushaltsuntreue“ einführen. Das Ehegatten- soll durch ein Familiensplitting ersetzt, die Erbschaftsteuer abgeschafft werden.

Familie

In der Familienpolitik bekennt sich die AfD zur traditionellen Familie aus Vater, Mutter und Kindern als „Keimzelle der Gesellschaft.“ Als Alternative zu einer aus ihrer Sicht „konfliktträchtigen Masseneinwanderung“ fordert sie in dem Programmentwurf mehr Kinder.

Sozialpolitik

In der Sozialpolitik plädieren die Rechtspopulisten für den Ersatz von Hartz-IV-Hilfen durch eine Grundsicherung, deren Höhe offen gelassen wird. Im Bereich der Wirtschaft setzen die Autoren auf einen Rückzug des Staates: „Je mehr Wettbewerb und je geringer die Staatsquote, desto besser für alle“, heißt es.

Energiepolitik

Der Kern der Energiewende, das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), soll dem Entwurf zufolge ersatzlos gestrichen werden. Der von Wissenschaftlern festgestellte Klimawandel wird als nicht belegt angezweifelt. Die Laufzeiten der noch aktiven Atomkraftwerke möchte die AfD verlängern.

Freie Fahrt für freie Bürger

Für dem Straßenverkehr fordern die Autoren des Entwurfs: „Kein Tempolimit auf Autobahnen, 100 km/h auf Landstraßen und 50 km/h innerorts auf allen Durchgangsstraßen, jederzeit.“

 Bundestag

Der Bundestag soll künftig nur noch 500 Abgeordnete haben. Künftig soll für Abgeordnete nach maximal vier Legislaturperioden – in der Regel 16 Jahre – Schluss sein.

Muslime in Deutschland

Die AfD will Muslimen in Deutschland Beschränkungen auferlegen. „Das Minarett lehnt die AfD als islamisches Herrschaftssymbol ebenso ab wie den Muezzinruf“, steht in dem Leitantrag der Bundesprogrammkommission der rechtspopulistischen Partei. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, heißt es in dem 80-seitigen Programmentwurf, den der AfD-Parteitag Ende April verabschieden soll. Die Autoren fordern ein Verbot der Vollverschleierung mit der Burka in der Öffentlichkeit und die verpflichtende Teilnahme am Sportunterricht und Klassenfahrten für muslimische Schüler. Zugleich wendet sich die Partei gegen eine „Diffamierung von Islamkritik als Islamophobie oder Rassismus“.

Flüchtlinge

Die Zahl der nach Deutschland kommenden Migranten will die Partei durch Aufnahmeeinrichtungen in deren Herkunftsregion – etwa in „sicheren Drittstaaten – drastisch reduzieren. Dorthin entsandte deutsche Beamte sollen dann über die Asylanträge entscheiden. Nur politisch Verfolgten und Flüchtlingen aus Kriegsgebieten soll Schutz gewährt werden.

Gewalt gegen Homosexuelle in der Ukraine

In Lemberg/Lwiw haben knapp 200 Rechtsextreme eine Veranstaltung für die Rechte von Homosexuellen angegriffen. Augenzeugen berichten, dass Rechtsextreme Rauchgranaten, Steine, Farbbeutel und Feuerwerkskörper auf eine Gruppe Homosexueller warfen, die gerade ein Hotel verließen, wo zur selben Zeit eine Veranstaltung für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen stattfand.

 

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Das LGBT-Treffen vorzeitg beendet

Die Polizei hatte mit Problemen gerechnet, konnte die Übergriffe aber nicht verhindern. Die Rechtsextremen hatten das Hotel schon Stunden vorher belagert. Die Veranstaltungsteilnehmer brachen aufgrund der Vorkommnisse das Treffen vorzeitig ab, auf eine Kundgebung vor der Oper wurde verzichtet.

Wie Aktivisten berichten hatte vor der Veranstaltung ein städtisches Museum zugesagte Tagungsräume wieder abgesagt. Am Freitag hatte auch ein Hotel den Teilnehmern der Festivals die gebuchten Räume verweigert. „Sie sagten uns, wir wären pervers und unnormal, und hatten offenbar einen Hinweis der Stadtverwaltung bekommen“, erklärte die Aktivistin Olena Schewtschenko. In den letzten Tagen habe man zudem zahlreiche Gewaltandrohungen von Nationalisten erhalten.

Täter werden nicht bestraft

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, dies sei nicht der erste Angriff auf Homo- und Transsexuelle in der Ukraine. Diese „homophobe Gewalt“ sei darauf zurückzuführen, dass die Täter straffrei blieben und die Behörden nicht angemessen reagierten, erklärte die Amnesty-Chefin in der Ukraine, Tetjana Masur. Die Polizei teilte laut örtlichen Medien mit, dass keiner der Angreifer festgenommen worden sei. Die Beamten hätten aber „pädagogische Gespräche“ mit ihnen geführt.

Lemberg/Lwiw ist eine Hochburg der Nationalisten. Die attackierte Veranstaltung hatte schon im Voraus für Kontroversen gesorgt. In einem Schreiben an die Stadtverwaltung hatte die griechisch-katholische Kirche der Ukraine, der im Westen des Landes die Mehrheit der Bevölkerung angehört, kritisiert, die Veranstaltung sei eine „Provokation und Zeichen eines teuflischen Krieges“.

Hier ein Video von gazeta.ua über die Übergriffe und den Polizeieinsatz bei der Veranstaltung in Lemberg.

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Gewalt gegen Homosexuelle in der Ukraine

Die Stadtverwaltung verbot jedwede Demonstration im Zentrum von Lemberg. Homosexualität wird in der Ukraine immer noch stigmatisiert. Der erste Marsch für die Rechte von Homosexuellen fand erst 2013 in Kiew mit knapp hundert Teilnehmern statt. Im folgenden Jahr wurde er abgesagt, weil die Polizei sich außerstande erklärte, die Sicherheit der Teilnehmer zu garantieren.

Hier noch Link zu einem Bericht des britischen „Guardian“

Russlands Probleme mit der Wirtschaft

Das war sicher keine leichte Entscheidung. Die russische Zentralbank senkt ihren Leitzins trotz der wirtschaftlichen Schwäche nicht weiter. Er bleibe bei elf Prozent, entschied die Notenbank am Freitag in Moskau.

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Rubelkurs wieder im Sinkflug (Quelle: finanzen.net)

Leitzins schrittweise gesenkt

Von Anfang bis Mitte 2015 wurde der Leitzins von der Zentralbank schrittweise von 17 Prozent auf das aktuelle Niveau gesenkt. Der Grund liegt auf der Hand: auf diese Weise sollte mit billigerem Geld der krisengeplagten Wirtschaft in der Rezession unter die Arme gegriffen werden. Zum Vergleich: In der Euro-Zone liegt der Leitzins bei null Prozent.

Dass der Leitzins nicht weiter gesenkt wird, hat aus Sicht der Banker aber auch seinen Sinn. Der Grund ist die hartnäckig hohen Teuerung in Russland. „Die Inflationsrisiken bleiben groß“, erklärte die Zentralbank. Die Teuerungsrate soll erst Ende 2017 wieder im angestrebten Bereich von vier Prozent liegen. Wird der Leitzins weiter gesenkt, könnte das die heimische Währung Rubel unter Abwertungsdruck setzen. Dadurch würden Importe teurer, was die Inflation anheizen könnte.

Rückgang des BIP

Die Zentralbank rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 1,3 bis 1,5 Prozent, nachdem es 2015 sogar 3,7 Prozent waren. Besonders die niedrigen Preise für Öl und Gas – den größten Exportschlagern – machen dem Russland zu schaffen. Zudem bremsen hohe Zinsen und sinkende Realeinkommen den privaten Konsum.

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Einfluss auf die Entscheidung der Zentralbank hat sicher auch die Aussicht darauf, dass der Iran in absehbarer Zeit auf den internationalen Ol- und Gasmarkt drängen wird. Nach dem Ende des westlichen Embargos will Teheran den Gasexport zu einer seiner wichtigsten Einnahmequelle machen. Viele Experten gehen davon aus, dass dadurch auch der Gaspreis am Weltmarkt gedrückt wird. Das wäre eine fatale Entwicklung für das krisengeschüttelte Russland, das von den Einnahmen aus dem Gasimport abhängig ist. Der Iran hat nach Russland mit 29,6 Trilliarden Kubikmetern die zweitgrößten Gasreserven der Welt, das Ölministerium selbst schätzt die aktuellen Reserven sogar auf 34 Trilliarden Kubikmeter.

Die Angst vor dem Iran

Auch strategisch wäre ein Eintritt des Iran in den internationalen Markt von Russland von Nachteil. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont, mehr Lieferländer würden die Unabhängigkeit der deutschen Versorgung erhöhen. „Dabei können langfristig Reserven aus dem kaspischen Raum eine Rolle spielen“, sagt Anke Tuschek vom BDEW. Im Klartext: Russlands übergroßen Einfluss auf den deutschen Markt würde deutlich reduziert.

Das Ende der Tampon-Steuer

Für die einen ist es eine Nebensächlichkeit, für die anderen ist ein Sieg der Frauen. Britische Feministinnen zumindest feiern einen weiteren Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Der Grund: auf dem EU-Gipfel in Brüssel wurde die „Tampon-Steuer“ faktisch abgeschafft.

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Auch in den USA ist die „Tampontax“ ein Thema

Abstimmung im Eilverfahren

Kurios an der Sache ist, dass wohl keiner der Staats- und Regierungschefs seine emanzipatorische Tat wirklich bemerkt hat. Denn die Aufforderung an die EU-Kommission, den „Mitgliedstaaten die Möglichkeit zu geben, die Mehrwertsteuersätze für Hygieneprodukte auf null zu setzen“, war gut versteckt in den Schlussfolgerungen zu Wirtschafts- und Energiethemen. Über die wurde im Eilverfahren abgestimmt, schließlich galt es, die schweren Verhandlungen über das Flüchtlingsthema in Angriff zu nehmen.

Der Dank der Frauen hat dem britischen Premier David Cameron zu gelten. Der ist bisher nicht als der große Vorkämpfer für die Rechte der Frauen in Erscheinung getreten, doch ihm sitzt einiger Zeit im eigenen Parlament eine aggressiv auftretende Lobbygruppe im Nacken. Europaskeptische und feministische Abgeordnete haben sich im britischen Unterhaus verbündet, um kommende Woche einen Zusatz zum Haushaltsgesetz durch das Parlament zu bringen, der die Abschaffung der Steuer auf Tampons und Damenbinden verlangt.
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Keine Steuer auf Rasierklingen

In Großbritannien sind Hygieneartikel bisher mit einer fünfprozentigen Steuer belegt – dem nach EU-Recht niedrigst möglichen Satz. Andere Hygieneprodukte – darunter Rasierklingen – sind hingegen von der Mehrwertsteuer völlig befreit. Für diese Produkte hatte die Regierung in London beim EU-Beitritt in den 1970er-Jahren Sonderregelungen vereinbart, für Tampons jedoch nicht. Das halten Feministinnen zu Recht für diskriminierend. Die EU-Skeptiker wiederum empören sich darüber, dass die EU überhaupt solche Mindeststeuersätze vorschreiben darf. Diese Rebellion wollte Cameron vor der Volksabstimmung über den Verbleib seines Landes in der EU niederschlagen.

Im November hatte Finanzminister George Osborne bereits versucht, den Rebellen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er kündigte damals an, dass die Regierung die Millioneneinnahmen aus der Tampon-Steuer Frauenorganisationen zur Verfügung stellen werde.

Deutschland: 19 Prozent

Auch in anderen Ländern ist die „Tampon-Steuer“ ein Thema. Im Dezember hatte das französische Parlament beschlossen, die Steuern für Frauen-Hygieneartikel von bisher 20 auf 5,5 Prozent zu senken. Der Schritt kostet den Staat rund 55 Millionen Euro jährlich. Neben Frankreich und Großbritannien haben in der EU auch Irland, Spanien und die Niederlande die Steuer auf einen Niedrigsatz gesenkt.

Und in Deutschland? Hierzulande hat das Thema politisch noch nicht für große Aufregung gesorgt – obwohl es sich lohnt, sich die Steuerabgaben einmal näher anzuschauen: Denn in der Bundesrepublik wird ein frischer Strauß Blumen nur mit sieben Prozent besteuert, Tampons und Binden hingegen mit 19 Prozent.