Der OB von Leipzig spricht Klartext

Aus diesem Mann spricht Frust und Wut – und auch ein Funken Hoffnung. „Ich halte die Stimmung in Sachsen kaum noch aus“, bekennt der Leipziger SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. Grund:der offene Rassismus in seiner Stadt. 

16.04.03-Jung-Leipzig

Ein Appell an die Kollegen

Wären da nicht die vielen optimistischen Menschen, die aktiv Willkommenskultur leben und deutlich auf der Straße ihren Widerstand formulieren, „dann könnte man fast verzweifeln“, sagte Jung dem Internetportal 100tage100menschen.de des Deutschen Katholikentages, der vom  25. bis 29. Mai in der sächsischen Messemetropole stattfindet.

Hier geht es zu dem Interview mit dem OB von Leipzig

Jung appelliert an seiner Kollegen, sich klarer und deutlicher gegen den Rechtsextremismus im Land zu positionieren. „Die Politiker vor Ort müssen Bündnisse schmieden, um zu zeigen, dass sie für ein anderes, weltoffenes Deutschland einstehen.“ In dem Gastbeitrag formuliert Jung: „Wir haben in Sachsen ein Rassismusproblem“. Er wolle aber nicht pauschal über Kolleginnen und Kollegen urteilen, so der Leipziger Rathauschef. Er könne sich gut vorstellen, dass es vor allem in kleinen Gemeinden manchmal schwer für einen Bürgermeister sei, gegen die Stimmung vor Ort aufzustehen.

Der Katholikentag in Leipzig ist ein Wagnis

Der Oberbürgermeister äußerte sich im Rahmen einer multimedialen Werbekampagne für den 100. Katholikentag, der vom 25. bis 29. Mai in Leipzig stattfindet. Dabei erzählen die Veranstalter unter http://www.100tage100menschen.de Geschichten von Menschen, die mit dem Christentreffen in der Messestadt in Verbindung stehen oder in Berührung kommen werden.

Der Protestant Jung hob hervor, dass der Katholikentag in einer Stadt stattfindet, „in der nicht einmal 20 Prozent der Einwohner einer christlichen Konfession angehören“. Es sei „ein Wagnis, denn niemand weiß letztlich, wie die Menschen hier auf das Angebot reagieren und in welcher Form sie sich an den Diskussionen zu sozialen, ethischen und kirchlichen Fragestellungen beteiligen werden“. Über die großen Fragen des Menschseins in einem säkularisierten Umfeld ins Gespräch zu kommen, sei „eine große Chance dieser Veranstaltung“, so der Oberbürgermeister. Die politischen Herausforderungen wie die Flüchtlingsfrage oder das Thema Integration gingen alle an, „egal ob gläubig oder nicht-gläubig“.

Jung äußerte Verständnis für die Entscheidung der Katholikentags-Verantwortlichen, der AfD bei den Veranstaltungen „kein Forum zu bieten“. Zugleich sei es jedoch wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, „die ihre Ängste und Sorgen loswerden wollen“. Der Oberbürgermeister betonte: „Das ist im Einzelfall eine Gratwanderung und sollte daher nicht parteipolitisch motiviert, sondern immer an der Sache orientiert sein.“

 

Ein Kommentar zu “Der OB von Leipzig spricht Klartext

  1. Ich selbst war in Regensburg, freue mich auf den Katholikentag in Leipzig, über die neue Kirche in Leipzig und halte die AfD für Rattenfänger. Herr Jung aber lenkt mit diesem Interview von seinem eigenen Versagen und seiner überheblichen Bürgerferne nur ab. Schade, dass ein solches Interview für eine temporäre Plattform des Katholikentages unreflektiert und unrecherchiert mainstreamartig in vielen Medien seine Verbreitung findet. Hinterfragen von solchen Statements hilft auch dem eigenen (Blog-)Anspruch.

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