Ungewöhnliche Milde für Pjotr Pawlenski

Russische Richter können auch milde Urteile fällen. Diese ungewöhnliche Erfahrung darf der Performance-Künstler Pjotr Pawlenski machen. Dafür, dass er die Tür der Geheimdienstzentrale Lubjanka in Moskau in Brand gesetzt hat wird er nur mit einer Geldstrafe belegt. Möglich gewesen wären auch viele Jahre Gefängnis.

16.06.09-pawlenski

Milde für den Vater von zwei Kindern

500.000 Rubel, umgerechnet rund 6.900 Euro, muss Pawlenski bezahlen und kam nach dem Richterspruch sofort auf freien Fuß. Mit in das Urteil eingerechnet sind allerdings die sieben Monate Untersuchungshaft, die der Künstler absitzen musste. Aber nun hatte die Richterin offensichtlich Mitleid, weil er Vater von zwei Kindern ist.

„Der Ausgang des Prozesses war eigentlich unwichtig. Wichtig ist, dass wir während des Prozesses die Realität aufdecken konnten. Wir konnten sehen, dass man die Kultur mit Methode vernichten und sich dann auf dieser Grundlage selbst zum Kulturdenkmal erklären kann.“ Das zielte auf den Geheimdienst. Das Gericht befand Pawlenski nämlich für schuldig, mit der Tür zur berüchtigten Geheimdienstzentrale Lubjanka ein Objekt des Kulturerbes zerstört zu haben. Um diese Argumentation überhaupt erst zu ermöglichen, hatte der Staatsanwalt erklärt, die Lubjanka sei deshalb ein Kulturgut, weil dort in den 1930er-Jahren bekannte Künstler festgehalten wurden.

Keine Anklage wegen Terrorismus

Pawlenski seinerseits hatte darauf bestanden, wegen Terrorismus angeklagt zu werden. Er wollte mit seiner Aktion „Bedrohung“ gegen den Terror des Geheimdienstes protestieren. Und er wollte zugleich Solidarität zeigen mit jenen, die von der russischen Justiz als angebliche Terroristen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, wie der ukrainische Filmemacher Senzow. Das hat nun nicht funktioniert. In dieser Hinsicht hat Pawlenski seine Freiheit gewonnen und damit haben ihm die Behörden einen Strich durch seine Rechnung gemacht.

Die Fans feiern Pawlenski

Seine Fans haben ihr Idol allerdings gefeiert. Sie priesen seinen Mut und seine Furchtlosigkeit, die den Staat in die Knie gezwungen hätten. Pawlenski sei von sokratischer Furchtlosigkeit, so sagte es in der wartenden Menge vor dem Gericht der Aktionskünstler Oleg Kulik. Er lebe so frei wie der Philosoph, im Wissen, dass wir im Leben schon gestorben seien, „und siegen können in Russland ja nur die Toten“. So kann man das Urteil natürlich auch interpretieren.

Hier ein Link zur Berichterstattung über Pawlenski

Hier ein Link, wie Pawlenski die FSB-Tür angezündet hat

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