Auf der Suche nach dem Brexit 

Die Zukunft der EU wird in England entschieden. Eine Hochburg der Brexit-Befürworter ist Newcastle. Hier die Eindrücke einer Recherche in der Stadt im Norden der Insel. 


Der Besucher wird mit britischer Zurückhaltung – unaufdringlich aber ständig – an das Referendum erinnert. Überall in Newcastle hängen diese dezenten Plakate, die Leute zur Stimmabgabe auffordern. 


Ungewollte Zusammenhänge. Am Flughafen erwartet die Ankommenden eine vielsagende Kombination von Schildern. Die sollen aber keinen Zusammenhang mit dem Brexit haben. 


Jay (oben) und Baset wollen, dass England in der EU bleibt. Der eine, weil er überzeugt ist, dass die jungen Menschen in der EU bessere Zukunftschancen haben. Der andere, weil er Angst hat, dass die Gesetzgebung in Sachen Ausländer verschärft werden könnte. Das Problem: beide dürfen nicht abstimmen. Jay ist zu jung und Baset ist Pakistani und hat keinen britischen Pass. 


Die England-Flaggen im Pound-Land sind ausverkauft. Allerdings nicht wegen der Brexit-Kampagne, sondern wegen der Fußball-EM in Frankreich. 


Mark Hudson (rechts) kämpft für den Verbleib Englands in der EU. Er arbeitet bei der Unite Trade Union und befürchtet den Verlust vieler Arbeitsplätze. Ihn ärgert, dass von den „Brexiters“ vor allem Ängste geschürt würden, die völlig unbegründet seien. Er sagt nicht, die EU ist perfekt, aber die nötigen Reformen der Union können von einem Mitglied Großbritannien gestaltet werden. Wenn sein Land draußen ist, könne die Regierung nur zusehen. 


Immer mehr Shops in der Fußgängerzone in Newcastle machen zu oder kündigen drastische Preisreduzierungen an. Das alles hat zwar nichts mit der EU zu tun, dennoch wird Brüssel auch für diese wirtschaftliche Misere verantwortlich gemacht. Der Niedergang der Stadt begann in den 80er Jahren, als der Schiffbau und der Kohlebergbau zugrunde  gingen. Davon hat sich der gesamte Norden Englands im Grunde bis heute nicht erholt. 


Am Tag des Referendums geben die Brexit-Gegner noch einmal alles. Bis zur letzten Minute wollen sie die Leute davon überzeugen, dass die Zukunft von Großbritannien in der EU liegt. Erstaunlich ist, dass in Newcastle nicht ein Brexit-Befürworter für den Austritt wirbt. 


Der Tag danach. Die Briten haben für den Btexit gestimmt – und eine große Ratlosigkeit hat sich bleischwer über die Insel gesenkt. Sogar der Himmel hier über Newcastle scheint Trauer zu tragen. Keiner weiß, was nun kommt. Die Schotten haben bereits angekündigt, ein neues Referendum abhalten zu wollen. Es droht also nicht nur das Ende der EU, sondern auch das Ende Großbritanniens. 

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