Die AfD – die Partei des „kleinen Mannes“?

Ist die AfD die Partei der Abgehängten und des „kleinen Mannes“? Umfragen sprechen dafür – einige Tatsachen sprechen dagegen.

Alexander Gauland

Alexander Gauland sagt, die AfD sei die Partei des „kleinen Mannes“ – doch stimmt das?

Partei der Abgehängten

Einer Allensbach-Umfrage zufolge die Alternative für Deutschland die Partei der Abgehängten. In der Erhebung für die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagten 38 Prozent der AfD-Anhänger, sie gehörten „zu denen, die zurückbleiben, während es vielen anderen in Deutschland immer besser geht“.

Das ist mehr als bei jeder anderen Partei. Bei Anhängern der Linken fühlten sich 33 Prozent abgehängt, bei der SPD waren es 23 Prozent und bei der Union 17 Prozent. Am wenigsten stimmten dieser Aussage FDP-Anhänger (13 Prozent) und die Anhänger der Grünen (zehn Prozent) zu.

Sammelbecken der Misstrauischen

Die AfD habe zudem der Linken den Rang als Sammelbecken für jene abgelaufen, die dem System und seinen Repräsentanten misstrauten, berichtete die FAZ aus der Studie weiter. Die Flüchtlingskrise sei bis heute das identitätsstiftende Thema der Partei. Die AfD-Anhänger stünden zudem der Globalisierung und der Europäischen Union (EU) weitaus skeptischer gegenüber als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Das Wählerpotenzial der Partei liege derzeit bei 18 Prozent. 47 Prozent der Befragten sehen demnach in der AfD eine Gefahr, 26 Prozent eine Chance. 48 Prozent der Befragten sagten, die AfD soll möglichst nicht in Parlamenten vertreten sein, 15 Prozent wünschten sich eine Beteiligung in Regierungen. Allensbach befragte in der Zeit vom 1. bis 13. Oktober 1458 Bundesbürger.

Nicht die Partei des „kleinen Mannes“

Es gibt allerdings auch andere Studien, die die Aussage über die „Partei des kleinen Mannes“ als Mär entzaubern. So will die Partei etwa in Deutschland die Erbschaftssteuer abschaffen – steht es im Programm. 200 bis 300 Milliarden Euro werden nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Deutschland jährlich vererbt oder verschenkt. Ein Drittel des gesamten Erbschaftsvolumens entfällt dabei auf Vermögen von über 500 000 Euro. Klar ist also, dass vor allem die Reichen von diesem Schritt profitieren würden.

Die Partei der Besserverdienenden

Die vor allem von AfD-Vize Alexander Gauland propagierte „Politik für den kleinen Mann“ würde an der AfD-Klientel vorbeigehen. Das zumindest legt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) nahe. Ein Fazit: die Alternative für Deutschland ist eine Partei für Besserverdienende. 33,9 Prozent aller AfD-Sympathisanten gehören zum reichsten Fünftel der Bevölkerung. Unter diesen Umständen ist auch das nächste Ergebnis nicht überraschend: Weniger als zehn Prozent der AfD-Anhänger machen sich große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation. Bei den Top-Verdienern ist nur die FDP deutlich häufiger vertreten als in der AfD. Union und Grüne haben ähnlich viele gut verdienende Sympathisanten. Aus wirtschaftlicher Not wählen deshalb offenbar die wenigsten die AfD. Das Bildungsniveau in der Partei ist entsprechend überdurchschnittlich.

Hier geht es zu einem Text in der Stuttgarter Zeitung über die AfD als Partei des Besserverdienenden

Ein Kommentar zu “Die AfD – die Partei des „kleinen Mannes“?

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