Rasputins blutiges Ende

Das Ende Rasputins war schrecklich – vor allem schrecklich blutig. Eine Ladung Zyankali und ein Schuss ins Herz bringen ihn nicht um. Erst vier weitere Schüsse strecken den Mann nieder, dann wird der Mönch von seinen Mördern schließlich wie ein räudiger Hund zu Tode geprügelt. Am 30. Dezember 1916 haucht Rasputin in einer kalten Winternacht in Sankt Petersburg  sein Leben aus und seine Leiche wird am nächsten Morgen aus der Kleinen Neva gezogen.

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Rasputin wusste, sich zu inszenieren

Russland taumelt am Abgrund

Anders als Rasputins Mörder aber gehofft hatten, hält der Tod des „Wundermönches“ den Lauf der Welt nicht auf. Und er bringt auch keinen glorreichen Wendepunkt in Russlands Geschichte. Rückblickend taugt der Mordexzess zu mitternächtlicher Stunde allenfalls als Fußnote. Der Erste Weltkrieg tobt, das Zarenreich taumelt dem Abgrund entgegen. Und im fernen Zürich läuft sich Wladimir Iljitsch Lenin warm. Er wird mit der Oktoberrevolution 1917 einem neuen Regime den Weg bereiten und die Geschichte Russlands prägen.

Eine schillernde Figur

Wer aber war Rasputin, dass ihm so viel Einfluss zugetraut wird. Im modernen Sankt Petersburg war er eine ziemlich schillernde Figur, die aus Sibiriens entlegenen Weiten durch eine Reihe von Zufällen ins Zentrum der Macht rückte. So jedenfalls umschreibt Martin Aust, Professor für die Geschichte und Kultur Osteuropas in Bonn, die Bedeutung des 1869 in Pokrowskoje geborenen Sohn eines Bauern und Fuhrunternehmers.

Aus einfachen Verhältnissen

Grigorij Rasputin wächst in einfachen Verhältnissen auf – und macht schon früh Bekanntschaft mit dem Tod. Beim Spielen am Ufer der Tura fallen er und sein älterer Bruder Michail ins kalte Wasser des Flusses. Beide erkranken an einer Lungenentzündung. Michail stirbt, Grigorij überlebt mit Mühe und Not.

Nach seiner wundersamen Genesung erzählt der Knabe, „eine schöne Frau in weißblauem Kleid sei ihm im Schlaf erschienen und habe ihm befohlen, gesund zu werden“, schreibt Henri Troyat in seiner Rasputin-Biografie. Der zur Bestätigung des Phänomens herbeigerufene Pope zeigt sich überzeugt: „Dem Kind ist die Heilige Jungfrau erschienen.“

Der „Auserwählte Gottes“

Schon früh deutet sich bei Grigorij jene eigentümliche Mischung aus Volksfrömmigkeit und Visionen an, die ihn später als Starez, als „Auserwählten Gottes“, berühmt macht. Ein gewisser Ruf eilt dem groß gewachsenen Bärtigen mit den langen Haaren und dem stechenden Blick bereits voraus, als er im Frühjahr 1903 erstmals nach Sankt Petersburg kommt, der Hauptstadt des Zarenreiches.

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Zarin Fjodorowna

Schnell wird der in bäuerliche Gewänder gehüllte Rasputin in den Salons teils als Kuriosum bestaunt, teils als frommer Mann aus dem Volke mit der Gabe eines Sehers verehrt. Zum „allerwichtigsten Punkt“ für seinen gesellschaftlichen Höhenflug wird jedoch laut Aust die Bluterkrankheit von Zarensohn Alexej. Schon die kleinste Verletzung kann für den 1904 geborenen Zarewitsch lebensbedrohlich werden, weil das Blut kaum gerinnt. Mehrfach gelingt es Rasputin unerklärlicherweise, die Blutungen allein durch seine Gegenwart zu stoppen. Für Zarin Alexandra Fjodorowna der Beweis, dass ihre Gebete erhört wurden – und dass sie es mit einem Mann Gottes zu tun habe.

Gerüchte um Rasputin

Weil es sich bei der Krankheit des Thronfolgers zugleich um eines der bestgehüteten Staatsgeheimnisse jener Zeit handelt, ranken sich bald wildeste Gerüchte um Rasputin. Speziell Frauen soll er mehr als nur die Hand auflegen. Seine Gegner rätseln über den Einfluss des „Einflüsterers“ bei Hof. Rasputin wiederum versucht offenbar zunehmend, das ganz große Rad zu drehen. Verzweifelt warnt er Zar Nikolaus II. vor dem Eintritt in den Weltkrieg.

Museum in Pokrowskoje

100 Jahre nach Rasputins Tod erinnert in seinem Heimatort Pokrowskoje ein Museum an den berühmten Bürger der 100-Seelen-Gemeinde jenseits des Urals. Das Geburtshaus steht zwar nicht mehr. Aber das Nachbargebäude, in dem seine Verwandten wohnten, existiert noch. Heute beherbergt es eine Gedenkstätte, zu der Besucher aus ganz Europa kommen. „Er war hier oft zu Gast, und seit seinem Tod 1916 wurde fast nichts verändert“, sagt Museumschefin Marina Smirnowa.
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Boney M. war auch schon bei Rasputin

Kuriosester Besucher des Museums rund 2000 Kilometer östlich von Moskau war wohl die Pop-Gruppe Boney M. aus Deutschland. Das Lied „Rasputin“ hat die Band 1978 berühmt gemacht. Bei Konzerten in der Sowjetunion durften sie ihr Lied allerdings nicht singen.

 

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