Die AfD – eine Partei der Besserverdiener

Die Aussage, die Alternative für Deutschland sei die Partei des „kleinen Mannes“ gehört ins Reich der Mythen. Das belegt eine Studie aus Leipzig.

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Umfrage unter 1000 Menschen

Die Aussage des Soziologe Holger Lengfeld ist deutlich: die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit niedrigerem sozialen Status bei der Bundestagswahl im Herbst für die AfD stimmten, liege nicht höher als bei Menschen aus wohlhabenderen Schichten. Im Gegenteil, es gebe sogar „eher eine leichte statistische Tendenz“, dass Bessergestellte mit der AfD sympathisierten. Für seine Studie hat der Forscher gut 1000 repräsentative Umfragedaten des Instituts infratest dimap analysiert.

Im Interesse der Bessergestellten

Ein Grund für das Ergebnis könnte laut Lengfeld das Programm der AfD sein. Danach sei die Partei wirtschaftlich liberal orientiert, fordere freien Wettbewerb und wolle den Sozialstaat kleinhalten. „Das liegt in der Regel im Interesse der Bessergestellten“, erklärte der Wissenschaftler. Er prophezeie den etablierten Parteien daher, dass Versprechen wie Steuerentlastungen für Geringverdiener bei der Bundestagswahl nicht dazu führen werden, „den ‚kleinen Mann’ davon abzuhalten, AfD zu wählen“.

Modernisierungsverlierer-These ist widerlegt

Ausgangspunkt für die Studie war dem Forscher zufolge die sogenannte „Modernisierungsverlierer-These“. Diese besagt, dass sich Menschen, die von der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen 20 Jahre wenig profitiert haben, von den etablierten Parteien abwenden und eher extremistisch wählen. Lengfeld sagte, CDU, SPD oder Linke hätten das Erstarken der AfD bislang mit der wirtschaftlichen Enttäuschung sozial Benachteiligter erklärt. Seine Studie zeige nun, dass diese These nicht zutreffe.

Gleiches Ergebnis bei früherer Studie

Schon eine Vorgängerstudie aus dem Jahr 2016 kam zu dem Ergebnis: Die Mehrheit der AfD-Anhänger (56 Prozent) sieht sich als Gewinner der gesellschaftlichen Entwicklung. Als Modernisierungsverlierer fühlen sich nur 28 Prozent der AfD-Anhänger. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des ARD-Politikmagazins Report Mainz.

Lengfeld, der auch für die ältere Studie verantwortlich zeichnete, erklärte damals:

„Aus unseren Befunden können wir sagen, dass die Angst vor sozialem Abstieg derzeit so gering ausgeprägt ist wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Wir hatten eine wirtschaftliche Entwicklung, die war sehr positiv, es gab einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Deshalb ist es nicht plausibel, dass die Abstiegsangst nun zum Erstarken der AfD beigetragen hat. Es ist viel naheliegender, und das zeigen auch unsere Befunde, dass es die Sorge vor Zuwanderung ist, vor Überfremdung möglicherweise, der Verlust nationaler Identität, aber auch fremdenfeindliche Motive, die dazu beitragen, dass die AfD größer geworden ist.“

 

 

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