Von Neurussland zu Kleinrussland

Da sind sogar die Freunde überrascht. Die Aufständischen in der Ostukraine haben den Staat  „Kleinrussland“ ausgerufen und stellen damit den Friedensplan in Frage. Die Reaktionen kommen prompt – sogar Moskau kritisiert den Schritt.

15.03.23-donbass

Ein Panzer im Donbass

Was will Sachartschenko?

Was treibt den Separatistenführer Alexander Sachartschenko an? Handelt er eigenmächtig, wenn er den „Staat“ Malorossija ausruft? Vieles spricht dafür – selbst die verbündeten Separatisten in Luhansk lehnten das Projekt ab.

Allerdings geht der Separatistenführer offensichtlich davon aus, dass auch Luhansk am Ende mitzieht. „Wir gehen davon aus, dass die Donezker Volksrepublik und die Luhansker Volksrepublik gemeinsam die einzigen Territorien der Ukraine sind, die Krim nicht mitgerechnet, in denen eine gesetzliche Regierung gewahrt wurde“, sagte Sachartschenko.

Die Separatisten-Kollegen sind überrascht

Die mit Donezk verbündeten Separatisten in Luhansk reagierten überrascht. „Dieses Projekt wurde nicht mit uns besprochen“, sagte ihr Anführer Igor Plotnizki. Sein Vertrauter Wladislaw Dejnego sagte: „Wir haben davon aus den Medien erfahren.“

Die Idee eines eigenen Staates ist allerdings nicht wirklich neu. Teile des Donbass stehen seit April 2014 unter Kontrolle der von Moskau unterstützten Aufständischen. Anfänglich wollten diese einen Staat „Neurussland“ schaffen, bestehend aus großen Gebieten des Südens und Ostens der Ukraine. Mehrfach erklärten sie den Anschluss an Russland zum Ziel – nach dem Vorbild der 2014 annektierten Halbinsel Krim. Der Kreml erteilte dem jedoch eine Absage.
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Kiew reagiert gereizt

Kiew reagierte – wie zu erwarten war – gereizt auf die Ankündigung. „Die Ukraine wird die Souveränität über den Donbass und die Krim wieder herstellen“, sagte Präsident Petro Poroschenko. „Sachartschenko ist keine politische Figur, sondern eine Marionette, welche die Mitteilungen des Kremls überträgt.“ Er warf Russland vor, durch seine Unterstützung für die Separatisten die Ukraine zu spalten, und forderte schärfere westliche Sanktionen gegen Moskau.

Russland kritisiert den Schritt

Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow kritisierte, der Vorstoß widerspreche der Logik des Minsker Friedensplans. Dem stimmte auch der russische Gesandte in der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe, Boris Gryslow, zu. „Ich sehe das lediglich als eine Einladung zur Diskussion“, sagte er.

Fraglich ist nach diesem Schritt in Donezk, wie groß der Einfluss Russlands auf die Separatisten noch ist – oder spielt der Kreml ein doppeltes Spiel? Tatsache aber ist, dass der Minsker Friedensplan in seiner jetzigen Form wohl endgültig begraben ist – zumal zuletzt an seine Umsetzung sowieso nicht mehr zu denken war.

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