AfD sucht die inhaltsleere Provokation

Die AfD glaubt den Weg zum Erfolg zu kennen. Die Partei will mit gezielten Provokationen auf sich aufmerksam machen und auf diese Weise Stimmen für den Einzug in den Bundestag sammeln.

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Bei der AfD zählt der Effekt

Diesen überaus verräterischen Satz haben die Polit-Strategen der Alternative für Deutschland schon vor einigen Monaten in einem Papier formuliert. Im Klartext: Wichtig ist nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen. Was mehr zählt, ist der Effekt, der durch spektakuläre Aktionen erzielt wird.

Wie die Theorie in die Praxis umgesetzt wird, hat Alice Weidel nun am Dienstag während einer abendlichen Diskussionsrunde demonstriert. Die AfD-Spitzenkandidatin für den Bundestag hat die ZDF-Wahlsendung „Wie geht’s, Deutschland“ vorzeitig verlassen. Zuvor kramte sie noch demonstrativ ihre wenigen Unterlagen zusammen und stapfte sehr medienwirksam direkt an der Kamera vorbei ins Off. Mit dieser Aktion hatte sie zumindest in den leicht erregbaren Sozialen Medien, wo in der Regel die Fakten eher wenig hinterfragt werden, die Schlagzeilen auf ihrer Seite.

Weidels Abgang bei Marietta Slomka

Was war passiert? Ihrem Abgang vorausgegangen war eine kurze Auseinandersetzung mit dem CSU-Generalsekretär  Andreas Scheuer. Die AfD-Politikerin war ihm ins Wort gefallen und warf ihm vor, illegale Einwanderung legalisieren zu wollen. Scheurer holte aber zum Gegenschlag aus und forderte Weidel auf, sich von ihren Parteikollegen Alexander Gauland und Björn Höcke zu distanzieren. Gauland habe Höcke als Seele der AfD bezeichnet, sagte Scheuer. „Für mich ist er einfach ein Rechtsradikaler.“ Weidel ging daraufhin wortlos davon. Eine Erklärung Weidels wäre allerdings sehr interessant gewesen, denn ausgerechnet sie ist die treibende Kraft hinter einem Parteiausschlussverfahren Höckes. Der thüringische AfD-Landeschef hatte mit seinen völkisch-nationalen Äußerungen die Partei zuletzt in sehr große Erklärungsnöte gebracht. Der Rechtsausleger hatte etwa am 17. Januar in Dresden mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem „Denkmal der Schande“ gesprochen. Unter anderem forderte der frühere Geschichtslehrer eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur. Höcke selbst fühlte sich missinterpretiert.
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Ein kalkulierter Eklat

Darauf, dass Alice Weidel ihren vorzeitigen Abgang offensichtlich schon im Vorfeld einkalkuliert hatte, lässt die Erklärung schließen, die nur wenige Minuten später über die sozialen Medien lief. Sie  erklärte via Twitter, die Moderatorin Marietta Slomka habe sich „mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht“. Sie solle ihre „persönlichen Animositäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben“. War also die Moderatorin der Auslöser für ihr Gehen? Diese Erklärung ist einigermaßen erstaunlich, konnten die Fernsehzuschauer doch selbst sehen, dass die AfD-Spitzenpolitikerin sich vor allem über CSU-Generalsekretär Scheurer aufgeregt hatte. Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey sieht hinter Weidels Abgang eine gezielte Provokation. „Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politiken und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert“, erklärt er. „Ich hoffe, dass bei künftigen Wahlformaten nicht Inszenierungen, sondern der politische Streit im Mittelpunkt steht.“

Die AfD reitet die Welle

Nach dem Weidel-Abgang versuchen nun noch weitere AfD-Politiker die Empörungswelle weiter zu reiten. So fordert Jens Maier, auf Platz zwei der AfD-Landesliste für den Bundestag, auf Facebook, die Moderatorin Marietta Slomka zu „entsorgen“. Der Richter am Amtsgericht in Dresden benutzt dabei offensichtlich gezielt die Wortwahl Alexander Gaulands. Der hatte mit seinem Satz, man solle die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD) in Anatolien entsorgen für Aufregung gesorgt.

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Auch Markus Frohnmaier, Vorsitzender der AfD-Nachwuchsorganisation Jungen Alternative und Bundestagskandidat in Baden-Württemberg, versucht, die Partei weiter in der Diskussion zu halten – und lässt dabei auch politisch sehr tief blicken. Auf Twitter postet der junge Mann ein Foto von Alice Weidel, die gerade das ZDF-Studio verlässt mit dem auf Marietta Slomka gemünzten Text: „Mäuschen – Am 24.09. mache ich dich arbeitslos“. Diese Aussage zeigt, wie die AfD offensichtlich Politik versteht: sollte die Partei das Sagen haben, werden mit den politischen Gegnern keine Kompromisse gesucht, wie es in funktionierenden Demokratie der Fall ist. Kritiker würden in einem von der AfD regierten Deutschland offensichtlich rücksichtslos „entsorgt“.

 

Ein Kommentar zu “AfD sucht die inhaltsleere Provokation

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