Recherche über Flüchtlinge in Catania 

Die Flüchtlingskrise ist nicht vorbei. Noch immer ertrinken Menschen im Mittelmeer. In Italien stranden viele der Verzweifelten, die die gefährliche Passage überstanden haben. Hier dokumentiere ich das Ergebnis einer laufenden Reportagereise nach Sizilien. Eines der Auffanglager für Flüchtlinge ist in Catania. 

Die Reportage:

Tag Fünf  – Ende der Recherche

Nach fünf Tagen geht es wieder zurück nach Deutschland. Hier ein letzter Blick über die Stadt. Erstaunlich ist, wie entspannt die Bewohner mit der Tatsache umgehen, dass in ihrer Stadt sehr viele Flüchtlinge leben. Die Arbeitslosenquote ist in Sizilien traditionell sehr hoch, allerdings sind es die Menschen seit Jahrhunderten gewohnt, dass sie zu einer Art Durchreiseland geworden sind.

.


.

Tag Vier – San‘ Egidio

Die Gemeinde des Stadtteils hat sich entschlossen, den Flüchtlingen zu helfen. Versucht wird nicht der große Wurf, sondern die Leute konzentrieren sich auf das, was ihnen mit ihren begrenzten Mitteln möglich ist. Das heißt: neun Flüchtlinge leben nun in einer selbstverwalteten Wohnung, die durch Spenden finanziert wird. Die Männer müssen für alles sorgen – und es funktioniert sehr gut. Höhepunkt der Woche ist am Freitag ein Mittagessen von Flüchtlingen mit alten Mitgliedern der Gemeinde. Gekocht wird von den jungen Männern.

.


.

Aus diesen Begegnungen haben sich viele Freundschaften entwickelt. Die Flüchtlinge fühlen sich Ernst genommen und sie helfen oft den alten Menschen. Es sind kleine Dinge, mit einer großen Wirkung, sagt einer der ehrenamtlichen Helfer.
.

.

Die Italiener loben die aufgeschlossene Art der Flüchtlinge. Sie seinen freundlich und hätten es verdient, ein anständiges Leben zu führen. Die Gemeinde arbeitet daran, noch mehr Spenden aufzutreiben und eine weitere Wohnung anzumieten.

.


.

Beide Seiten sind nun nicht mehr alleine und haben wieder eine Aufgabe. Eine alte Frau sagt, dass sich ihre Einstellung gegenüber den Flüchtlingen verändert habe. Niemand verlasse seine Heimat und seine Familie freiwillig.

.


.

Tag Drei – Das Flüchtlingslager

Heute geht es am frühen Morgen in das Lager Cara Mineo in der Nähe von Catania. Es ist nicht einfach hinein zu kommen. Das Areal wird von Militär schwer bewacht und erscheint auf den ersten Blick nicht gerade einladend – obwohl die Häuser in der Landschaft einen guten Eindruck machen.

.


.

Giuseppe di Natale, Direktor des Lagers Cara Mineo, rund 25 Kilometer von Catania entfernt. Der Ingenieur versucht Ordnung in ein ziemliches Chaos zu bringen. Offensichtlich ist ihm das gelungen – und im Camp selbst scheint er äußerst beliebt. Er wiederholt immer wieder, die Arbeit mit diesen Menschen sei ihm eine Herzensangelegenheit.  Das Camp selbst gehörte früher dem US-Militär, doch die Soldaten sind weg und die Häuser standen leer.

.


.

Zu den täglichen Arbeiten im Camp gehört die juristische Beratung der Flüchtlinge. Keine leichte Aufgabe, da jedes Schicksal gerade in diesen Fällen ein besonders einmaliges ist. Doch die Flüchtlinge wissen, dass ihnen in Cara Mineo geholfen wird. Dennoch waren die meisten weit über zwei Jahre auf einen Bescheid der Asylbehörden.

.


.

Lernen gehört zum Tagesablauf der Menschen in Cara Mineo. Im Unterricht machen sie erste Schritte in Italienisch. Für hat das Lernen auch einen therapeutischen Effekt. Sie lernen, über ihre Erlebnisse in einer Gruppe zu sprechen.

.


.

Viele der Flüchtlinge vertreiben sich auch die Zeit auf dem Sportplatz. Sie trainieren für Spiele gegen die lokalen italienischen Teams. Nicht ohne Stolz sagt der Trainer, dass sie die beiden letzten Spiele gewonnen hätten. Manche der jungen Männer träumen natürlich davon, von einem Verein in Italien entdeckt zu werden und dann eine Karriere als Fußballer zu starten.

.


.

Tag Zwei – Am Hafen

Die Fischer sprechen nicht gerne über die Flüchtlinge. Natürlich sehe man die Boote auf See, sagt einer. Dann schweigt der Mann. Ob sie den Flüchtlingsbooten helfen? Der Fischer schweigt. Ob sie die Küstenwache verständigen? Der Mann schweigt.

.


.

Der Friseur

Vor 50 Jahren war Paolo als Friseur in Deutschland.  „Die beste Zeit meines Lebens“, sagt er heute. Heute hat er einen kleinen Laden an einer Ecke in einer der verwinkelten Gassen Catanias. In ärgert, dass er all sein Deutsch längst vergessen hat. An Deutschland liebt er, dass alles gut funktioniert und die Politiker keine „Diebe“ seien. Die Menschen, die sich von Afrika aus auf den Weg machen, kann er verstehen. Er selbst sei ja ein Migrant gewesen. Aber, so sagt Paolo, es seien inzwischen zu viele gekommen. Italien könne diese Menge an Menschen nicht verkraften. Europa müsse helfen, aber leider sei der Kontinent nicht einig. Sein Urteil: So werde das nichts.
.


.

Heim der katholischen Kirche San Egidio

Der junge Samuel ist aus Gambia über das Mittelmeer geflüchtet. Nun lebt er in einem Haus der katholischen Gemeinde San Egidio. Er sagt, er habe Glück gehabt. Er habe Menschen auf der Flucht sterben sehen. Seit rund einem Jahr ist er in Catania. Mit das Schlimmste sei inzwischen das Nichtstun. Er würde alles dafür geben, in seinem Beruf als Klempner zu arbeiten. Das aber verbietet das Gesetz. Neun Männer aus verschiedenen Staaten Afrikas leben in dem Haus – Christen und Muslime.

.


.

Wo Leben die Flüchtlinge?

Viele der Flüchtlinge sollen sich morgens im Hafen von Catania versammeln. Also: auf zum Hafen durch die engen Gassen der Altstadt. Dort sind aber keine Flüchtlinge anzutreffen. Allerdings sind an der Mole alte Karonagen zu sehen, die wohl als Schlafplätze dienen.

.


.

Tag Eins – Was denken die Einheimischen?

Die befragen Einwohner von Catania nehmen die Anwesenheit der Flüchtlinge erstaunlich gelassen. Die Verkäuferin in einem Souvenirshop hatte großes Mitleid. „Was sollen diese armen Teufel den tun?“ fragt sie. So lange die Flüchtlinge sich ruhig verhalten würden, habe sie kein Problem. Der Besitzer eines kleinen Lebensmittelgeschäftes ist kritischer. Die Flüchtlinge würden den Arbeitsmarkt kaputt machen, da sie einfache Arbeiten für weniger Geld verrichten würden als die Einheimischen. Das sorge für böses Blut.

.


.

Erster Gang durch die Stadt

Viele Farbige verkaufen billigen Schmuck und Souvenirs in den Straßen von Catania. Ein Bar-Besitzer an der großen Via Etna sagt: „Die waren immer hier – nur sind es inzwischen sehr viel mehr geworden als früher.“ Die Flüchtlinge werde von den meisten Menschen schlicht ignoriert.

.


.

Ankunft in Catania

Die Touristen bewundern bei ihrer Ankunft am Flughafen von Catania die Kakteen mit ihren reifen Früchten. Was sehen die erschöpften Flüchtlinge, wenn Sie die Insel Sizilien erreichen? Der Strom der Kulturtouristen verteilt sich schnell auf die wartenden Busse. Im Okotber sind es offensichtlich vor allem Bildungsreisende, die sich auf den Weg nach Sizilien machen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s