Elmshorn und der Lichtermarkt – das Ende des christlichen Abendlandes?

Jetzt also Elmshorn. Eine Bastion des christlichen Abendlandes ist gefallen. Die Stadt nennt ihre Feier Lichtermarkt statt Weihnachtsmarkt. Und dann wir auch noch ein farbiges Kind als Engel gezeigt. Die Erregung von rechts ist groß – doch die Sache ist kompliziert. Oder doch nicht?

17.11.15-lichtermarkt

Furor der Wutbürger

Die 50.000-Einwohner Stadt Elmshorn vor den Toren Hamburgs ist in den Fokus des Abendlandes gerückt. Dort findet vom 27. November bis zum 24. Dezember der „Lichtermarkt“ rund um die historische Nikolaikirche im Stadtzentrum statt.

In den sozialen Netzwerken machen böse Kommentare die Runde. Der Lichtermarkt in Elmshorn steht am Pranger – man könnte von einem regelrechten Shitstorm sprechen. Auf Twitter und Facebook stehen sowohl der Begriff „Lichtermarkt”, wie auch das Motiv des Plakates in der Kritik (wobei Kritik ein eher nettes Wort an dieser Stelle ist). Von „Arschkriecherei“ ist die empörte Rede und natürlich vom obligatorischen Untergang des christlichen Abendlandes.

An dieser Stelle zitieren wir eine der moderaten Reaktionen.

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Auch Erika Steinbach (74), Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, stimmt ihren Klagegesang an. Auf ihren Kanälen bei Twitter und Facebook dokumentierte sie ein Werbeplakat für das Fest für ihre Follower, verbunden mit dem Statement „Ich kenne kein Land außer Deutschland, das seine eigene Kultur und Tradition so über Bord wirft“. Drei Daumen nach unten!

Aber ist die rechte Erregung wirklich begründet. Hätte die Wutbürger eine kleine Recherche und etwas Nachdenken nicht weiter gebracht?

Der Lichtermarkt – eine Tradition

Tatsache ist: der Lichtermarkt Elmshorn heißt nicht erst seit gestern so. Genauer gesagt – es gibt ihn seit zehn Jahren. Auf einer Webseite vom 19.10.2008 heißt es:

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Der Stadtmarketingverein veranstaltet als Ergänzung zum Lichtermarkt auf dem Alten Markt in Zusammenarbeit mit der Firma Interevent aus Dorsten auf dem Holstenplatz über sechs Wochen eine 350 m² große Open-Air-Eisbahn.

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Also gab es diesen Namen definitiv bereits 2008, genauer gesagt schon seit 2007, denn das Stadtmarketing Elmshorn musste bereits eingreifen und hat sich gegenüber den Anschuldigungen auf der eigenen Facebookseite gewehrt:

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Da hier einige Verwirrung um den Namen des Lichtermarkt Elmshorns zu herrschen scheint: Bereits seit 2007 trägt der Weihnachtsmarkt in Elmshorn den Namen Lichtermarkt. Wer den Elmshorner Weihnachtsmarkt kennt, weiß, dass die Weihnachtslichter ein besonderes Merkmal des Marktes sind. Die Weihnachtsbeleuchtung wird seit 2007 im Rahmen eines sogenannten PACT (Partnerschaft zu Attraktivierung von City-, Dienstleistungs-, und Tourismusbereichen) realisiert. Gleich zu Beginn dieser Initiative hat man sich entschlossen, dem Elmshorner Weihnachtsmarkt mit „Lichtermarkt“ einen neuen Namen zu geben. [vergleiche]

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Der Grund für die Umbenennung war damals also eine Art Marketing-Schachzug. Dies belegt auch eine Kurzrecherche im Archiv der „Elmshorner Nachrichten“, der lokalen Tageszeitung.

„Für uns als Stadt ist es inakzeptabel, dass eine so traditionsreiche und von unserer christlichen Kultur geprägte Veranstaltung wie der Elmshorner ‚Lichtermarkt‘ instrumentalisiert wird, um im politischen Umfeld Stimmung zu machen“, sagt der parteilose Bürgermeister Elmshorns, Volker Hatje, gegenüber dem „Stern“.

Die Reaktionen auf dies Aufklärungsarbeit des Stadtmarketings Elmshorn in den sozialen Netzwerken sind ziemlich eindeutig:

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Und auch auf Twitter gibt es viele Nutzer, die den so genannten Beschützern des deutschen Volkes raten, sich zu informieren.

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Auch die Beschreibung des diesjährigen Lichtermarktes mit weihnachtlichem, mit Lebkuchenmotiv geschmücktem, rustikalen Budendorf, 50 Weihnachtstannen, einer großen mit Kugeln und Lichterketten geschmückten Tanne, extra für den Lichtermarkt entworfenen Weihnachtstassen und Christbaumkugeln, Zusammenarbeit mit der Kirche in Punkto Weihnachtkonzerte, Auftritt des Weihnachtsmannes etc. sprechen doch sehr für einen ganz traditionellen und gemütlichen Weihnachtsmarkt.

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