Kein Internet ohne Jesus Christus

Jesus strahlt über der kleinen Gemeinde Swiebodzin – allerdings tut er das ganz anders, als erwartet. Die weltweit größte Christus-Statue in Westpolen nahe der deutschen Grenze hat eine Sendeanlage auf dem Kopf. Doch die soll nun weg.

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18.05.03-jesusu

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Das Machtwort des Bischofs Litynski

Bischof Tadeusz Litynski hat inzwischen ein Machtwort gesprochen. Bis zum 10. Mai hat der örtliche Pfarrer Zeit, die Sendanlage auf dem Kopf des 36 Meter hohen Denkmals entfernen zu lassen. Die Antennen könnten die „Sensibilität vieler Menschen, besonders von Gläubigen, verletzen“, begründete der Bischof von Grünberg-Landsberg sein Vorgehen. Geärgert hat sich der Bischof wohl auch über die vielen Kommentare, in denen sich die Leute über die Antennen und die Christus-Figur lächerlich machen. „Jesus von Nazareth bringt uns Facebook“, war noch einer der netteren Äußerungen.

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Die Antennen wären wohl unentdeckt geblieben, hätte nicht ein Journalist eine Drohne in luftige Höhen geschickt, um Bilder von der Statue zu machen. Dort entdeckte er die Anlage, die von Pfarrer Jan Romaniuk auf Nachfrage als einfache Blitzableiter ausgegeben hatte.

Der Vertrag des findigen Pfarrers

Tatsächlich handelt es sich aber um Antennen. Der Pfarrer räumte ein, dass er bereits 2016 mit einer Firma einen Vertrag über die Installation der Anlage abgeschlossen habe. Auf diese Weise wurde in der Gegend der Zugang zum Internet hergestellt. Im Gegenzug erhielt der findige Pfarrer kostenlos eine Video-Überwachung und einen WLAN-Hotspot, den auch Pilger und Touristen nutzen konnten.

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Nun steht Pfarrer Jan Romaniuk vor mehreren Problemen. Ihm werden unlautere Geschäfte vorgeworfen, er hat seine Vorgesetzten belogen und zudem fehlt für die Sendeanlage eine Genehmigung der Kommune. Krzysztof Tomalak, stellvertretender Bürgermeister von Swiebodzin, sagte:

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„Nie przypominamy sobie żadnego wniosku o decyzję środowiskową na lokalizację takich urządzeń.“

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Die Christusfigur als Touristenmagnet

Die mit Spendengeldern finanzierte Christusfigur in Swiebodzin hat schon vor ihrer Errichtung im Jahr 2010 für großes Aufsehen gesorgt. Damals war sie im Beisein von über 10.000 Menschen geweiht worden – und galt schnell als Symbol des Größenwahnsinns einer kleinen Gemeinde. Allerdings entwickelte sie sich schnell zu einem Tourimusmagnet. Dafür sorgen allein ihre gigantischen Ausmaße. Das bis auf die goldene Krone weiße Denkmal überragt die 1931 errichtete Christusstatue im brasilianischen Rio de Janeiro um sechs Meter und die 1994 fertiggestellte im bolivianischen Cochabamba um zwei Meter.

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