Frankreich kämpft gegen das Bistro-Sterben

In Frankreich schließen immer mehr der legendären Cafés. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist die Zahl von einst 200.000 auf weniger als 40.000 geschrumpft. Präsident Macron hat nun einen Rettungsplan in die Wege geleitet.

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Der sehr gewagte Schritt einer jungen Frau

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ hat den Blick in der Regel auf die ganz große Politik in der weiten Welt gerichtet. Doch wegen der Eröffnung des kleinen Bistros La Fine Mousse in Verneuil-Moustiers ist ein Reporter sogar aus dem fernen Paris in die allertiefste Provinz gereist. Gerade einmal 130 Menschen wohnen in dem Flecken im Département Haute-Vienne im Westen Frankreichs. Umgeben ist das kleine Dorf von mehreren Naturparks, will heißen: die Chance bei einem Streifzug durch die Region auf einen Wolf zu treffen ist wahrscheinlich größer, als einem Menschen zu begegnen. Zusätzlich interessant ist das neue Bistro auch deshalb, weil die erst 19 Jahre alte Laureen Foulon als neue Besitzerin ganz und gar nicht dem landläufigen Klischee des etwas bärbeißigen, aber dennoch leutseligen Kneipenwirts entspricht.

Die Zahl der Bistros sink rapide

Vier Jahre habe das Bistro in Verneuil-Moustiers zwischen Kirche und Rathaus leer gestanden, erzählt die jungen Frau, die sich bei ihrem kleinen Abenteuer durchaus bewusst ist, dass in Sachen Rentabilität die Statistik gegen sie spricht, denn Frankreich leidet unter einem Massensterben seiner ikonischen Bistros. Innerhalb eines halben Jahrhunderts ist die Zahl der Cafés von einst 200 000 auf weniger als 40 000 geschrumpft.

Doch die Bistros sind längst ein Kulturgut, weshalb sich nun allerhöchste Stellen eingeschaltet haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron persönlich hat eine Rettungsaktion gestartet. Er will 1000 neue Cafés schaffen oder alte wiederbeleben. 150 Millionen Euro sollen dafür investiert werden. Im Fokus sind die abseits gelegene kleine Dörfer, in denen die Schließung von Cafés besonders schwer wiegt, weil sich den Einwohnern kaum andere Möglichkeiten für soziale Kontakte bieten.

Ein Fonds zur Rettung der Bistros

An der Spitze der Aktion steht Jean-Marc Borello, Chef der gemeinnützigen Organisation SOS mit einem jährlichen Umsatz von einer Milliarde Euro. Für ihn ist die Rettung der Cafés nicht nur eine soziale Mission. Er will damit auch auf den Frust und den Zorn der Menschen in Teilen des Landes antworten, die fernab des Lichterglanzes von Paris leben und sich abgehängt fühlen.

Und hier offenbart sich der Grund für die Bistro-Initiative des französischen Präsidenten. Seit einem Jahr demonstrieren Menschen in gelben Weste im ganzen Land dagegen, dass in der Provinz die Schulen und Krankenhäuser schließen, die Busse zu selten fahren, Jobangebote fehlen und es zu wenige vernünftige Freizeitangebote gibt. Die Rettung von Cafés könne diese Probleme natürlich nicht lösen, räumt Jean-Marc Borello ein. Aber es sei ein kleiner Schritt, die soziale Isolation zu bekämpfen.

Die Bistros sollen zusätzliche Dienste anbieten

Zudem sollen die neuen Einrichtungen nach seinen Vorstellungen erweiterte Versionen der traditionellen französischen Bistros sein. Neben den üblichen Getränken, Snacks und Wettscheinen könnten sie etwa auch tägliche Notwendigkeiten wie Brot und andere Grundnahrungsmittel bieten oder auch Internetzugang und Postdienste.

Laureen Foulon bekam bei ihrem Start in Verneuil-Moustiers allerdings keine Hilfe vom Staat, sondern von den Eltern, die beim Renovieren halfen. Ihr Onkel Jean-Luc steuerte seinen Billardtisch bei und Oma Thérèse einen ganzen Koffer voller Geschirrtücher. 200 Menschen waren bei am Abend der Einweihung vor einigen Wochen dabei, Laureen Foulon sieht das als gutes Omen.