Das Ende einer französischen Tradition

Die Wut vieler Franzosen angesichts der geplanten Rentenreform ist riesig. Ein Grund ist, dass sich einzelne Berufsgruppen auf zum Teil Jahrhundertealte Privilegien berufen können. Hier einige Beispiele – von den Seeleuten bis zur Oper von Paris:

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Die Oper von Paris – die Bediensteten erfreuen sich allerlei Vergünstigungen.

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Seeleute:

Das Sozialsystem der Seeleute wurde im Jahr 1673 eingeführt – und damit das älteste Rentenregime in Frankreich. Unterstützt werden sollten Seeleute, die sich bei ihrer schweren und gefährlichen Arbeit verletzt hatten und nicht mehr zur See fahren konnten. Heute sind Berufsfischer, Meeresforscher oder aber auch Angestellte bei Charterunternehmen in diesem System und profitieren von manchen Privilegien. Das Problem: knapp 40.000 Aktive müssen über 110.000 Rentner bezahlen. Das bedeutet, dass der Staat fast 80 Prozent des strukturellen Defizits übernimmt.

Bank von Frankreich:

Napoleon Bonaparte hat im Jahr 1800 die Banque de France eingerichtet und acht Jahre später die dazugehörige Rentenkasse. Lange galt dieses System als das weitaus großzügigste, da den Angestellten sehr viele Zulagen gewährt wurden. Auch hier gibt es aktuell mehr Rentner (rund 16.000) als Einzahler (knapp 12.000). Seit 2007 sind die allergrößten Vergünstigungen allerdings abgeschmolzen worden. So wurde etwa das Rentenalter auf 62 angehoben, dennoch gelten für viele Angestellte noch die alten Regeln.

Opéra de Paris:

Eingerichtet wurde diese Rentenkasse im Jahr 1698 von König Louis XIV. und zählt heute rund 1900 Einzahler und 1800 Rentner. Das Eintrittsalter variiert stark und beträgt bei den Tänzern des Balletts 40 Jahre, zwischen 50 und 57 Jahren bei den Chormitgliedern und 60 Jahre bei den Musikern. Das Rentenregime kostet rund 27 Millionen Euro pro Jahr, das etwa zur Hälfte vom Staat finanziert werden muss.

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Minenarbeiter:

Die Arbeit in Minen hat in Frankreich eine lange Tradition, die Rentenkasse wurde in seiner jetzigen Form aber erst 1946 eingeführt. Allerdings werden seit 2010 keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen. Das heißt, dass heute auf die rund 4000 Einzahler über 310.000 Rentner kommen. Das System basiert folglich vor allem auf Transferzahlungen des Staates. Das Renteneintrittsalte beträgt in der Regel 55 Jahre, kann aber auf 50 Jahre reduziert werden – unter der Voraussetzung, dass man 30 Jahre gearbeitet hat.

Hafen von Straßburg:

Eingerichtet im Jahr 1873 ist das Rentenregime im „Port autonome de Strasbourg“ das weitaus kleinste. Es zählt 165 Einzahler und 203 Begünstigte. Auch ansonsten ist diese Rentenkasse sehr speziell. So beträgt etwa der Arbeitgeberanteil an der Renten 33 Prozent, das ist vier Mal mehr als im Durchschnitt. Die Minimal- und Maximalrenten werden über sehr komplexe Rechenmethoden ermittelt. Das Eintrittsalter beträgt in Straßburg 60 Jahre.

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Angestellte bei Notaren:

Eingerichtet im Jahr 1937 zählt dieses Rentenregime heute rund 48.000 Einzahler und 70.000 Rentner. Lange durften Frauen schon mit 55 in Rente, wenn sie 25 Jahre gearbeitet hatten. Inzwischen wird das Eintrittsalter allerdings langsam angehoben. Die Rente beträgt 75 Prozent der zehn Monate, in denen man am besten verdient hat.

Das Ende mancher Rentenkassen:

Manche sehr speziellen Rentenkassen sind bereits eingestellt worden oder ihr Ende ist nahe. So ist der letzte Rentenbezieher der Kasse der Nationalen Druckerei Ende 2013 gestorben. Auch die Rentenkasse der französisch-äthiopischen Eisenbahner wird es nicht mehr lange geben, ebenso jene der Eisenbahner der französischen Überseegebiete. ENDE-ENDE

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