Die Statistik gibt dem Coronavirus ein Gesicht

In der Krise bestimmen viele Statistiken das Leben der Menschen. Das reicht von der Zahl der Infizierten, bis zum Stromverbrauch.

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20.03.17-stüuhl

Null Menschen besuchen im Moment die Bistros in Frankreich – die haben wegen der Ausgangssperre geschlossen. Doch es gibt noch andere Zahlen zum Thema.

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Innerhalb von 24 Stunden über 100 Tote

Das Coronavirus ist kein unsichtbarer Feind. Sein Gesicht sind die Zahlen, die seit Wochen veröffentlicht werden und deutlich machten, dass aus einer lokalen Krise eine Pandemie geworden ist. Doch auch Zahlen sind eine eher abstrakte Angelegenheit. Was heißt es, wenn die Infektionen exponentiell zunehmen? Zu begreifen ist das, wenn etwa in Frankreich am Dienstag noch knapp 5000 Fälle gemeldet werden und zwei Tage danach bereits über 10.000, von denen fast 5000 im Krankenhaus liegen und davon über 1000 auf der Intensivstation. Oder wenn in Frankreich am Freitagmorgen innerhalb von 24 Stunden über 100 Todesfälle verzeichnet sind. Im ganzen Land sind inzwischen fast 400 Opfer zu beklagen.

Auch um das Maß der Bedrohung für sich selbst zu kalkulieren, wird auf die Zahlen der Statistik zurückgegriffen. In Frankreich sind nur zwei Prozent der Corona-Infizierten jünger als 15 Jahre, aber 34 Prozent sind älter als 65 Jahre. Noch deutlicher wird das Bild, wenn die Zahl der Intensivpatienten herangezogen wird. Von diesen sind im Moment 92 Prozent über 65 Jahre alt.

Der Stromverbrauch in Frankreich sinkt

Doch die Pandemie liefert auch noch andere Zahlen. So ist in Frankreich der Stromverbrauch um 15 Prozent gesunken. Das sei eine „völlig neue Situation“, heißt es vom Netzbetreibers RTE und ist wohl durch die sinkenden wirtschaftlichen Aktivitäten im Zuge der Pandemie zu erklären.

Natürlich nimmt deswegen natürlich auch der Verkehr ab. Jeden Tag fahren viele Zehntausend weniger Autos nach Paris – und dennoch wird in der Millionenstadt die Feinstaubbelastung nicht weniger. 63 Mikrogramm pro Kubikmeter sind am Donnerstag gemessen worden, fast doppelt so viel wie zu Anfang der Woche. Das sei typisch im Frühling, heißt es zur Erklärung, und wäre unter normalen Umständen wesentlich höher. Zudem wehe bei dem schönen Wetter kein Wind, der Feinstaub wird also nicht verwirbelt.

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Die Strafen werden in Frankreich erhöht

An Zahlen richtet sich inzwischen auch die Aktivitäten im Freien aus. Wer in Frankreich ohne Grund die Ausgangssperre missachtet, muss 135 Euro bezahlen. Um den Grad der Abschreckung zu erhöhen, soll die Strafe noch auf 375 Euro erhöht werden. Erlaubt ist, Sport zu treiben – allerdings nur alleine, zwei sind schon eine Gruppe. Und man darf sich nicht zu weit vom Haus dabei entfernen: zwei Kilometer sind das Maximum. Und wer joggen geht, darf das höchstens für 30 Minuten, also keine Zeit für einen Marathon.

Die Zahlen zeigen auch, dass Präsident Emmanuel Macron in der Krise an Zustimmung gewinnt. Seit Monaten steckt er im Umfragetief und hatte zuletzt das Vertrauen von nur noch knapp 20 Prozent der Franzosen. Doch sein Auftreten in der Corona-Krise wird von 65 Prozent seiner Landsleute honoriert. 85 Prozent der Befragten des Umfrageinstitutes Odoxa sagen sogar, er hätte viel früher so hart durchgreifen sollen.

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Auch in Frankreich sind Prepper unterwegs

Und natürlich werden auch in Frankreich angesichts der Ausgangssperre Nahrungsmittel gehortet. 20 Prozent der Befragten geben an, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs eingedeckt zu haben. Sieben Prozent der Franzosen haben sich wegen der Krise in eine andere Region des Landes begeben – meistens von der Stadt aufs Land, wo es sich besser leben lässt. Faktisch hat in diesen Tagen in Frankreich eine Völkerwanderung von vier Millionen Menschen stattgefunden. Das allerdings war eher kontraproduktiv und hat die Ausbreitung des Virus wohl eher begünstigt. Ob dieser Furcht begründet ist, wird sich in den kommenden Tagen in der Statistik zeigen.

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