Corona-Warn-App in Frankreich mit holprigem Start

Pünktlich 12 Uhr sollte die Corona-Warn-App namens „StopCovid“ freigeschaltet werden. Doch auch am späten Nachmittag ist die Applikation nur im Google Play Store zu haben – nicht im IOS-App-Store zu finden. Erklärungen gab es dafür nicht. Nur soviel, dass es immer wieder bei solchen Vorgängen Verzögerungen gebe.  Wer die App via Google laden möche: einfach hier klicken)

NACHTRAG: Einen Tag später war auch die IOS-Version im App-Storezu finden. 

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StopCovid nicht im IOS-App-Store zu finden

Die Franzosen sind gespalten. 59 Prozent befürworten grundsätzlich den Einsatz der Corona-Warn-App. Allerdings machen sich auch 54 Prozent Sorgen um möglichen Datenmissbrauch. Tatsache ist, dass am Dienstag die Leute vergeblich darauf warteten, die App auf ihre Smartphone laden zu können. Im IOS-App-Store von Apple waren auch am späten Nachmittag unter dem Namen StopCovid nur zwei Anwendungen zu finden. Eine aus Georgien und eine aus Katalonien. Die französische Version ist nicht zu finden.

 

Franzosen laden aus Versehen katalanische App

Das Problem im App-Store führte zu einem interessanten Effekt. Am Nachmittag war die katalanische App auf Platz Zwei der Top-Apps in Frankreich. Das heißt: diese Leute haben sich die falsche App auf ihre Smartphone geladen – und wundern sich wohl, dass sie nicht funktioniert.

Politischer Streit im Parlament

Um die App StopCovid gab es einen erbitterten politischen Streit. Parlament und Senat in Paris hatten vor einigen Tagen dann allerdings mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Die Applikation soll dabei helfen, die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Dazu wird mithilfe die Bluetooth-Technologie erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer werden gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Wie in Deutschland auch, ist die Anwendung allerdings nicht unumstritten. „Es handelt sich nicht um eine Überwachungs-App“, beschwichtigte der Chef des französischen Technik-Forschungsinstituts Inria, das die Entwicklung der App beaufsichtigt.

Datenschützer geben grünes Licht

Zuvor hatten Frankreichs Datenschützer CNIL grünen Licht für „StopCovid“ gegeben. Das Gesetzesvorhaben entspreche den rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre, hieß es in einer Stellungnahme. Die wichtigsten Empfehlungen der CNIL seien dabei umgesetzt worden – so verwende die Corona-Warn-App anonymisierte Daten, erstelle keine Liste von Personen und sei freiwillig.

Bei der Abstimmung in der Nationalversammlung am Mittwoch sprachen sich 338 Abgeordnete für die App Einführung der Warn-App aus, 215 votierten dagegen, 21 enthielten sich. Im Senat sprachen sich 186 Parlamentarier dafür aus, 127 waren dagegen. „Das ist eine sehr wichtige Etappe“, erklärte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, nach dem Parlamentsvotum. Er machte deutlich, dass die App am Dienstag (2. Juni) eingeführt werden könnte. „Es ist der richtige Zeitpunkt, denn die Franzosen sind immer mehr daran interessiert, rauszugehen und wieder ein soziales Leben zu führen“, hatte O der Zeitung „Le Figaro“ gesagt. Da die Nutzung der App freiwillig ist, ist laut Regierung keine gesetzliche Regelung notwendig.

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren. Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

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