Marine Le Pen ist auf der Île de Sein nicht willkommen

Marine Le Pen ist nicht willkommen auf der die Île de Sein – schon gar nicht am 18. Juni. Didier Fouquet, der Bürgermeister der Insel, macht der Chefin des rechtsextremen Rassemblement National den unschönen Vorwurf, dass die Feiern an jenem Tag von der Politikerin schlicht gestohlen würden. Fakt ist: er würde Marine Le Pen am liebsten das Anlegen verwehren.

 

20.06.15-ile de seine

 

Der Appell von General Charles de Gaulle

Um diesen Streit zu verstehen, muss man etwas zurück in der jüngsten Geschichte Frankreichs. Am 18. Juni 1940 verlas General Charles de Gaulle über die BBC seinen berühmten Appell, um die Franzosen zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen. Am 18. Juni finden in Frankreich auch heute noch viele Feiern statt, im Gedenken an die Kämpfer gegen die Faschisten.

Dabei spielt die Insel Île de Sein eine besondere Rolle. Die Einwohner waren besonders häufig in der Résistance zu finden. Unmittelbar nach dem Aufruf von Charles de Gaulle  – die Île de Sein war, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von  der deutschen Wehrmacht besetzt – legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die im Zivilberuf Fischer waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreich an. Sie machten anfangs ein Viertel der Forces Navales Françaises libres („Freie Französische Marine“, kurz FNFL) aus und veranlassten de Gaulle zu der Bemerkung: „Die Insel Sein ist ein Viertel Frankreichs“.

 

De Gaulle, das Hass-Objekt der extremen Rechten

Besonders kompliziert wird die ganze Angelegenheit mit den Feierlichkeiten durch die Halten der extremen Rechten in Frankreich. Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, verspottete Charles de Gaulle stets als „Landesverräter“ und eigentlicher Erzfeind aller wahren Franzosen. Der Grund: der General gewährleistete einst den Rückzug Frankreichs aus Algerien. Auf Parteitagen des damaligen Front National wurden gerne auch Schweigeminuten für Jean Bastien abgehalten, einen rechtsradikalen Offizier und Organisator eines – misslungenen – Anschlags gegen De Gaulle. Bastien wurde deswegen 1963 hingerichtet.

Marine Le Pen aber hat sich, nachdem sie ihren Vater aus der Partei geworfen hatte, auch in Sachen Vorbilder neu orientiert. Sie beruft sich nun auf General Charles De Gaulle, den Exil-Führer des Widerstands gegen Hitler-Deutschland und späteren Staatschef. Doch auch wenn Marine Le Pen immer wieder mit ihren Anhängern an das Grab des Generals pilgert, haben die Franzosen den Hass nicht vergessen, der über Jahre von den extremen Rechten über den in Frankreich verehrten General niederging.

 

Der Bürgermeister will Marine Le Pen nicht auf der Insel

Bürgermeister Didier Fouquet hatte sich nach eigenen Aussagen über eine kleine Feier auf der Insel gefreut, die 80 Jahre nach dem Appell angehalten wird. Erwartet wird auch ein Schoner der französischen Marine und einige Vertreter des Staates sollten die Rolle der Inselbewohner während des Zweiten Weltkrieges ins Gedächtnis rufen. „Vor der Ankunft von Frau Le Pen wird es hier auf der Insel eine kleine Zeremonie im kleinen Kreis geben“, sagt Didier Fouquet. „Wir werden einer Feier beraubt, die eigentlich ganz nett sein sollte “, klagt er.

Der rechtsextreme Rassemblement National will sich die Gelegenheit aber nicht nehmen lassen, auf der Insel selbst zu feiern. Marine Le Pen werde am 18. Juni auf die Insel reisen, um an den 80. Jahrestag von General de Gaulles Aufruf zum Kampf gegen Nazi-Deutschland zu erinnern, heißt es aus der Partei. Marine Le Pen selbst erklärt, dass der Rassemblement National die die Ideen von General de Gaulle verkörpere, obwohl ihre Partei früher dagegen gekämpft hat.

Und was macht der Bürgermeister? „Wir Frau Le Pen bitten, nicht zu kommen, aber wir können es nicht verhindern“, sagte Didier Fouquet. In seinen Augen ziele der Besuch nur darauf ab, dem Rassemblement National schöne Bilder für die eigene Propaganda zu liefern. „Es wird niemanden aus dem Rathaus geben, der sie willkommen heißt“, sagte der Bürgermeister. Dann fügte der hinzu, dass er erfahren habe, dass eine Gruppe von Inselbewohnern bereit sei, gegen den Auftritt Marine Le Pens zu protestieren.

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