Ein Text voller Wut über die weiße Ignoranz

Der Tod von George Floyd hat die USA erschüttert. Doch auch in Frankreich gehen nun die Menschen gegen die Polizeigewalt auf die Straße. Die Schriftstellerin Virginie Despentes prangert in einem offenen Brief den Rassismus in ihrem Land an.

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In Paris vor dem Justizpalast versammeln sich Zehntausende Menschen um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren.

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Die Lücke zwischen gefühlter Wahrheit und Wirklichkeit

Virginie Despentes beginnt ihren offenen Brief mit einem Hinterhalt. „Wir in Frankreich sind keine Rassisten“, schreibt die französische Schriftstellerin – und man ist gewillt, zu nicken. „Aber ich erinnere mich nicht, je einen schwarzen Minister gesehen zu haben.“ Da schnappt die Falle zu! Despentes stellt die gefühlte Wahrheit gegen die Wirklichkeit – und da klafft in vielen Fällen eine abgrundtiefe Lücke. Aus diesem Grund überschreibt sie ihren Text, den der Sender „France Inter“ veröffentlicht hat: „Brief an meine weißen Freunde, die nicht wissen, wo das Problem liegt …“ Wobei die Schriftstellerin durch einige einfache Fehler ihren Gegnern Angriffsfläche bietet. So war etwa Christiane Taubira, geboren in Französisch-Guyana, vor einigen Jahren Justizministerin und die aktuelle Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye stammt aus dem Senegal.

Hier der Beginn des offenen Briefes von Virginie Despentes:

En France nous ne sommes pas racistes mais je ne me souviens pas avoir jamais vu un homme noir ministre. Pourtant j’ai cinquante ans, j’en ai vu, des gouvernements. En France nous ne sommes pas racistes mais dans la population carcérale les noirs et les arabes sont surreprésentés. En France nous ne sommes pas racistes mais depuis vingt-cinq ans que je publie des livres j’ai répondu une seule fois aux questions d’un journaliste noir.

Die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit

Aus jeder ihrer Zeilen aber spricht der Furor über eine Gesellschaft, die sich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf die Fahne geschrieben hat und doch jeden Tag sehenden Auges zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten geschehen lässt. Angestachelt wird ihre Wut dadurch, dass angesichts des brutalen Todes von George Floyd in Minneapolis auch in Frankreich eine empörte Diskussion über Polizeigewalt vor allem gegenüber Schwarzen stattfindet – und von vielen Franzosen ignoriert wird, dass in ihrem eigenen Land wenn nicht dieselben, so doch ähnliche Probleme zu finden sind.

Der gewaltsame Tod von Adama Traoré

Deswegen bezieht sich Virginie Despentes in ihrem offenen Brief nicht auf den Tod von George Floyd im den fernen USA, sondern auf Adama Traoré, ein junger, farbiger Franzose, der 2016 in Polizeigewahrsam gestorbenen ist. Seine Schwester Assa hatte am Dienstag zu einer großen Demonstration in Paris aufgerufen – Zehntausende gingen auf die Straße. Der Fall weist Parallelen zum gewaltsamen Tod von George Floyd auf. Die Anwälte der Familie sagen, Polizisten hätten Traoré zu Boden gedrückt und ihm die Luft abgeschnitten. Gutachten der Justiz machen eine Herzerkrankung für den Tod verantwortlich.

Wenn Opfer zu Tätern gemacht werden sollen

Virginie Despentes klagt auch an, dass die schwarzen Franzosen von der weißen Mehrheitsgesellschaft immer wieder für ihre Misere selbst verantwortlich gemacht wurden. Man sei kein Rassist, schreibt die 50-Jährige, wenn man betone, dass während der Corona-Krise die Todesrate in dem berüchtigten Pariser Banlieue Seine Saint Denis sechzig Mal höher lag als im Landesdurchschnitt. Man erlaube sich zu sagen, „das ist eben so, weil sie sich schlecht verhalten“. Doch niemand fragt nach, unter welchen Lebensbedingungen die Familien in den engen Hochhausgettos leben.

Die Autorin, bekannt durch den Roman „Baise-moi – Fick mich“ und die Trilogie Vernon Subutex, schreibt weiter: „Ich kann nicht vergessen, dass ich eine Frau bin. Aber ich kann vergessen, dass ich weiß bin.“ Wer nicht weiß sei, habe diese Wahl in Frankreich nicht. Sie könne jeden Tag ohne Ausweis das Haus verlassen, bemerke die Polizei in der Stadt gar nicht. Aber: „Das letzte Mal, als ich um meine Papiere gebeten wurde, war ich mit einem Araber unterwegs.“

Keine Lösungen – aber sehr viel Wut

Virginie Despentes liefert keine Lösungsansätze, sie schleudert ihren Landsleuten ein wütendes Pamphlet ins Gesicht. Aus ihr spricht eine lange aufgestaute Wut. Es ist die Wut über die soziale Ungerechtigkeit im Land, die bereits die Gelbwesten in Frankreich auf die Straße getrieben hat. Es ist die Wut, die den Protest vieler Frauen angesichts der oft ungesühnten Gewalt von Männern gegenüber ihren Partnerinnen befeuert hat. Und es ist die Wut über den alltäglichen Rassismus in Frankreich. Und es ist vor allem die Wut gegenüber einer saturierten und ignoranten Gesellschaft, die in diesen Ungerechtigkeiten kein Problem sehen will.

Sind Reisen nach Frankreich möglich?

Ein Stück weit kehrt die Reisefreiheit wieder zurück: Die Bundesregierung wird die Reisewarnung für zahlreiche europäische Länder aufheben. Doch ob der Sommerurlaub wirklich stattfinden kann, dürfte auch an den Regelungen der Urlaubsländer selbst hängen. Im Fall von Frankreich heißt das: Frankreich hält an der Aufhebung der Grenzkontrollen am 15. Juni fest. Das bedeutet, dass deutsche Urlauber auch erst ab diesem Datum nach Frankreich reisen können.

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Der Vorplatz von Notre-Dame ist in diesen Tagen wieder für Touristen geöffnet worden. Nach dem Brand vor einem Jahr war er mit Blei verseucht.

Berlin hebt die Reisewarnung auf

Aufgehoben werden soll die Reisewarnung für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Die Aufhebung soll ab 15. Juni gelten. Nur Spanien und Norwegen sind davon wegen noch bestehender Einreisesperren vorerst ausgenommen. Eine Reaktivierung der Reisewarnung für bestimmte Länder oder Regionen je nach Entwicklung der Neuinfektionen ist allerdings möglich.

Die Regeln in Frankreich werden gelockert

Doch wie genau sieht es in Frankreich aus? Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygiene-Regeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Der Sonderfall Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Da die Lage noch reichlich unübersichtlich ist, hält sich die Regierung auch mit Aussagen für die Ferienmonate im Sommer zurück. Sie hat allerdings die Franzosen aufgefordert, in Frankreich Urlaub zu machen und auch Reisen ins Ausland zu verzichten.

Am 28. Juni will die Regierung in Paris dann die Lage neu bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Dann dürften auch Aussagen dazu möglich werden, ob und wie ein Urlaub in Frankreich möglich sein wird.

Die Museen öffnen etwas später

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnet nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

Hier geht es zu einer Mitteilung des Louvre, die allerdings auch andere Museen betrifft:

UPDATE:

Das Pariser Centre Pompidou empfängt nach der coronavirusbedingten Zwangspause am 1. Juli mit der angekündigten Christo-Schau wieder seine ersten Besucher. Die Ausstellung des kürzlich verstorbenen Verhüllungskünstlers konnte wegen der Pandemie nicht wie geplant am 18. März eröffnet werden. Die bis zum 19. Oktober dauernde Werkschau „Christo und Jeanne-Claude Paris“ legt einen Schwerpunkt auf die Verhüllung der Pariser Brücke Pont Neuf im Jahr 1985 sowie auf das Projekt der Verpackung des Pariser Triumphbogens, das trotz des Todes des Künstlers im September 2021 stattfinden soll. Christo war am 31. Mai im Alter von 84 Jahren gestorben.

Ursprünglich war das Projekt für dieses Jahr geplant, wegen der Pandemie musste es jedoch verschoben werden. Seit den 1990er Jahren realisierte Christo seine gigantischen Installationen zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude. Zu den berühmtesten Projekten zählte neben dem Pont Neuf auch die Verhüllung des Reichstags im Juni 1995. Die Wiedereröffnung des Centre Pompidou findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt, die das Museum zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen will.

Paris findet seine Lebensfreude wieder

In ganz Frankreich dürfen in der Corona-Krise Cafés und Restaurants nun wieder öffnen – in Paris allerdings unter erschwerten Bedingungen.

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Die Kellner haben wieder alle Hände voll zu tun

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Ende der strikten Corona-Beschränkungen

Punkt Mitternacht klingen im Royal Cambronne die Gläser. Die Gäste in dem vollbesetzen Café im 15. Arrondissement von Paris begießen mit großem Hallo das Ende einer 80 Tage dauernden Leidenszeit. So lange waren Bistros und Restaurants in Frankreich wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Dienstag dürfen die Wirte unter strengen Auflagen wieder ihre Kundschaft bedienen. „Ich hätte nie geglaubt, dass mir der Besuch im Bistro so sehr fehlen würde“, gesteht Catherine Philippe, ein junge Bankangestellte, die sich in der Vor-Corona-Zeit fast jeden Abend noch kurz auf ein Glas mit ihren Freunden getroffen hatte.

Gute Stimmung im Royal Cambronne

Im Royal Cambronne ist in dieser lauen Juni-Nacht allerdings nur die Außenterrasse geöffnet, denn Paris gilt in Sachen Corona weiter als Risikogebiet, weshalb die Innenräume der Bistros noch mindestens für drei Wochen tabu sind. Im Rest von Frankreich reicht es, wenn die Betreiber der Gaststätten in den Lokalen selbst den vorgegebenen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Tischen einhalten – und natürlich ist das Tragen von Masken für das Personal Pflicht.

Anne Hidalgo interpretiert die Regeln

Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, ist allerdings bekannt für ihre Kreativität und Durchsetzungskraft. Kaum hatte der konservative französische Premier Édouard Philippe vergangene Woche die besonderen Einschränkungen der Corona-Regelungen im Fall von Paris verkündet, meldete sich die sozialistische Politikerin zu Wort. Natürlich könnten die Bistros in ihrer Stadt unter diesen Umständen die Terrassen vergrößern, erklärte Anne Hidalgo. Zu diesem Zweck ordnete sie an, einige kleine Straßen für den Autoverkehr zu sperren und vor allem Parkplätze vor den Lokalen den Wirten für Tische zur Verfügung zu stellen. Ihrer Ansicht nach gehören die typischen Cafés zum Stadtbild von Paris und sind eine Art Aushängeschild. „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte Anne Hidalgo in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Parisien“.

 

Hidalgos Kampf gegen den Verkehr

Ähnlich forsch war die Bürgermeisterin vor einigen Wochen im Fall der in Paris umstrittenen Radwege vorgegangen. Während der Corona-Krise und dem damit zusammenhängenden drastischen Lockdown war der Autoverkehr in der Stadt dramatisch zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Zahl der Radfahrer steil an. Also ordnete Anne Hidalgo praktisch über Nacht den zusätzlichen Ausbau des bestehenden Radnetzes um rund 50 Kilometer an. Dazu wurden auf einigen Hauptverkehrsadern den Autos rigoros ganze Fahrspuren abgezwackt. So können die Pedaleure nun etwa auf der wichtigen und vielbefahrenen Rue Rivoli angstfrei und bequem die halbe Innenstadt durchqueren.

Der Aufschrei bei den Automobilisten war groß, Anne Hidalgo beruhigte allerdings die Gemüter und versprach, dass die Maßnahme zeitlich begrenzt sei – was allerdings nicht alle glauben wollen. Kritiker werfen der 60-Jährigen Populismus vor, da sie bei solch spektakulären Aktionen vor allem ihre Wiederwahl in einigen Wochen im Auge habe. Schätzungen zufolge besitzt nicht einmal die Hälfte der Haushalte in Paris ein Auto, was den Einsatz von Anne Hidalgo für die Radwege, den Nahverkehr und die Ausweitung der Grünflächen in der Stadt zu Lasten der Autofahrer erklären würde.

Strenge Regeln für die Terrassen

Auch im Fall der aktuellen Ausnahmegenehmigungen für die Bistros scheinen ihr die Wählerstimmen nicht ganz egal zu sein. In der Millionenmetropole an der Seine gibt es nach Schätzung der Tageszeitung „Le Parisien“ rund 15.000 Cafés, Bars und Restaurants mit einer für Paris typischen Terrasse. Deren Besitzer sind natürlich voll des Lobes für die Anordnung der Bürgermeisterin, die Bewirtungsfläche auf der Straße auszuweiten.

Und auch die mehrere Tausend Restaurants, die keinen Außenbereich haben, können unter den aktuellen Umständen Gäste bewirten. Am Dienstag stellten eifrige Kellner bei strahlendem Sonnenschein und fast 30 Grad Tische und Stühle auf die breiten Gehsteige. Dabei müssen allerdings einige Regeln eingehalten werden. Das Mobiliar darf aus ästhetischen Gesichtspunkten keine Beleidigung für das Auge der Passanten darstellen. Und gespeist wird natürlich ebenfalls mit Stil – Einweggeschirr und Wegwerfbesteck sind verboten.

Corona-Warn-App in Frankreich mit holprigem Start

Pünktlich 12 Uhr sollte die Corona-Warn-App namens „StopCovid“ freigeschaltet werden. Doch auch am späten Nachmittag ist die Applikation nur im Google Play Store zu haben – nicht im IOS-App-Store zu finden. Erklärungen gab es dafür nicht. Nur soviel, dass es immer wieder bei solchen Vorgängen Verzögerungen gebe.  Wer die App via Google laden möche: einfach hier klicken)

NACHTRAG: Einen Tag später war auch die IOS-Version im App-Storezu finden. 

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StopCovid nicht im IOS-App-Store zu finden

Die Franzosen sind gespalten. 59 Prozent befürworten grundsätzlich den Einsatz der Corona-Warn-App. Allerdings machen sich auch 54 Prozent Sorgen um möglichen Datenmissbrauch. Tatsache ist, dass am Dienstag die Leute vergeblich darauf warteten, die App auf ihre Smartphone laden zu können. Im IOS-App-Store von Apple waren auch am späten Nachmittag unter dem Namen StopCovid nur zwei Anwendungen zu finden. Eine aus Georgien und eine aus Katalonien. Die französische Version ist nicht zu finden.

 

Franzosen laden aus Versehen katalanische App

Das Problem im App-Store führte zu einem interessanten Effekt. Am Nachmittag war die katalanische App auf Platz Zwei der Top-Apps in Frankreich. Das heißt: diese Leute haben sich die falsche App auf ihre Smartphone geladen – und wundern sich wohl, dass sie nicht funktioniert.

Politischer Streit im Parlament

Um die App StopCovid gab es einen erbitterten politischen Streit. Parlament und Senat in Paris hatten vor einigen Tagen dann allerdings mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Die Applikation soll dabei helfen, die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Dazu wird mithilfe die Bluetooth-Technologie erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer werden gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Wie in Deutschland auch, ist die Anwendung allerdings nicht unumstritten. „Es handelt sich nicht um eine Überwachungs-App“, beschwichtigte der Chef des französischen Technik-Forschungsinstituts Inria, das die Entwicklung der App beaufsichtigt.

Datenschützer geben grünes Licht

Zuvor hatten Frankreichs Datenschützer CNIL grünen Licht für „StopCovid“ gegeben. Das Gesetzesvorhaben entspreche den rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre, hieß es in einer Stellungnahme. Die wichtigsten Empfehlungen der CNIL seien dabei umgesetzt worden – so verwende die Corona-Warn-App anonymisierte Daten, erstelle keine Liste von Personen und sei freiwillig.

Bei der Abstimmung in der Nationalversammlung am Mittwoch sprachen sich 338 Abgeordnete für die App Einführung der Warn-App aus, 215 votierten dagegen, 21 enthielten sich. Im Senat sprachen sich 186 Parlamentarier dafür aus, 127 waren dagegen. „Das ist eine sehr wichtige Etappe“, erklärte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, nach dem Parlamentsvotum. Er machte deutlich, dass die App am Dienstag (2. Juni) eingeführt werden könnte. „Es ist der richtige Zeitpunkt, denn die Franzosen sind immer mehr daran interessiert, rauszugehen und wieder ein soziales Leben zu führen“, hatte O der Zeitung „Le Figaro“ gesagt. Da die Nutzung der App freiwillig ist, ist laut Regierung keine gesetzliche Regelung notwendig.

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren. Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Paris macht kleine Schritte in Richtung Normalität

Mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist der Vorplatz der Kathedrale wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Auch die wegen der Corona-Krise geschlossenen Bistros können wieder öffnen.

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Die Menschen können vor der Kathedrale Notre-Dame wieder flanieren.

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Notre-Dame rückt wieder näher

Kleine Lichtblicke in Paris. Mitten in der Corona-Krise mehr als ein Jahr war der Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame gesperrt, nun ist er wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Nach dem verheerenden Brand war er wegen der Belastung durch allerlei Giftstoffe abgesperrt worden. Mehrere Male musste er gereinigt werden, bis die Gesundheitsbehörde nun eingewilligt hat, den Platz wieder zu öffnen. Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach bei der feierlichen Wiedereröffnung des riesigen Platzes von „einer Art Wiedergeburt“. Die Kathedrale auf der Ile-de-la-Cité sei „die Seele von Paris“.

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Im Dachstuhl von Notre-Dame war am Abend des 15. April vergangenen Jahres während Restaurierungsarbeiten ein Feuer ausgebrochen. Große Teile des Daches sowie der Spitzturm stürzten ein. Als mögliche Ursache des Brandes gelten ein Kurzschluss oder eine achtlos weggeworfene Zigarette. Unmittelbar nach dem Brand hatte Staatschef Emmanuel Macron den Franzosen versprochen, die Kirche bis zum Sommer 2024 wieder aufzubauen.

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Für die Einwohner von Paris ist die Öffnung des Platzes aber nicht nur ein kleiner Hoffnungsschimmer im noch immer nicht entschiedenen Kampf um die Zukunft der Kathedrale. Seit Monaten ist die Stimmung wegen der Corona-Pandemie gedrückt. Nun hat wurde nicht nur Vorplatz von Notre-Dame aufgemacht, sondern auch die Parks der Stadt. Auch sie waren wegen der Pandemie geschlossen worden. Zudem werden am 2. Juni auch die Bistros und Restaurants in Frankreich nach einer fast drei Monate währenden Zwangspause wieder Gäste bewirten. Die Regierung hatte die Lockerung der coronabedingten Beschränkungen in der vergangenen Woche angekündigt. In Paris hält sich die Freude der Gastwirte allerdings in Grenzen – denn in der schwerer von der Covid-19-Epidemie getroffenen Hauptstadtregion darf nur auf Außenterrassen der Lokale getrunken und gegessen werden.

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Die um ihre Wiederwahl kämpfende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte am Wochenende bereits an, dass Lokale mehr Platz als üblich auf der Straße einnehmen können, falls sie Sicherheitsbestimmungen und andere Regeln einhalten. Insbesondere Bistros, die üblicherweise den ganzen Tag geöffnet haben und typische Gerichte servieren, gehören zur französischen Hauptstadt: „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte die sozialistische Bürgermeisterin.