Frankreich plant systematische Corona-Test an Flughäfen

Frankreich verschärft die Regeln für Einreisende – Touristen aus Deutschland sind davon allerdings nicht betroffen. Paris will Reisende aus Risikogebieten künftig am Flughafen auf Corona testen.

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Die bestehende Regelung wird verschärft

Die Maßnahme werde in den kommenden Tagen umgesetzt, kündigte Regierungssprecher Gabriel Attal an. Diejenigen, die bereits einen Corona-Test gemacht haben, müssten einen Nachweis darüber erbringen können, so Attal. Dann sei kein erneuerter Test in Frankreich notwendig. Gesundheitsminister Olivier Véran hatte Ende vergangener Woche noch von einer freiwilligen Maßnahme gesprochen.

 

 

 

Reisende aus Deutschland nicht betroffen

„In Ländern, in denen das Virus nicht mehr zirkuliert als in Frankreich, gibt es keinen Grund, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte Attal weiter. Reisende aus Deutschland dürften von den Tests nicht betroffen sein.

Wörtliche sagte er:

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«On va systématiser les tests à l’aéroport pour les voyageurs qui viennent de pays dits “rouge“, c’est-à-dire des pays où le virus circule le plus. 2.000 tests PCR par jour».

«Ceux qui auront pu faire un test depuis le pays d’origine n’auront pas à le refaire en arrivant à Paris, en France. Il faudra qu’ils puissent produire la preuve qu’ils ont fait un test, ça va être mis en place dans les jours qui viennent.»

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Führende Wissenschaftler in Frankreich hatten am Wochenende eine Maskenpflicht in öffentlichen geschlossenen Räumen gefordert, um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern. In Frankreich gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln Maskenpflicht. Viele Läden, Sehenswürdigkeiten oder andere Einrichtungen schreiben aber das Tragen einer Maske vor. Frankreich ist von der Corona-Pandemie hart getroffen und zählt mehr als 30.000 Tote.

Sorge über neuen Anstieg der Corona-Fälle

Frankreichs Gesundheitsbehörde warnte zuletzt vor einem Wiederanstieg der Corona-Fälle. Es zeige sich, dass die Übertragung des Virus anhalte oder sogar fortschreite, erklärte Santé Publique France. „Die bisher beobachtete Zunahme bleibt zwar moderat, erfordert aber höchste Wachsamkeit“, hieß es. „Um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu vermeiden, ist es unerlässlich, dass die Bevölkerung die empfohlenen Präventionsmaßnahmen rigoros anwendet.“

Auch Jean-François Delfraissy, der Leiter des wissenschaftlichen Rates, der die französische Regierung in der Krise berät, äußerte sich zuletzt ähnlich. „Wir sind sehr überrascht von der Tatsache, dass Barriere- und soziale Distanzierungsmaßnahmen nicht mehr respektiert werden“, kritisierte er. Dabei sieht er besonders die Jüngeren in der Pflicht, die sich seiner Ansicht nach nicht an die Regeln halten.

Ärger über dein Konzert in Nizza

Empörung in Frankreich über ein Konzert inmitten der Corona-Krise: Knapp 5000 Menschen versammelten sich am Samstagabend auf der berühmten Promenade des Anglais in der Hafenstadt Nizza – dort legte etwa der bekannte französische DJ The Avener auf. Medienberichten zufolge wurden die Schutzmaßnahmen gegen Corona nicht eingehalten – die Menschen hielten keinen Abstand und trugen keine Masken. Auf Fotos und Videos war eine zum Teil dicht gedrängte Menge zu sehen.

Lockerung der Corona-Reglungen

In den vergangenen Wochen waren die Corona-Regelungen gelockert worden.  Die Einreise von Deutschland nach Frankreich ist nun wieder problemlos möglich, im Land selbst sind allerdings einige Einschränkungen zu beachten. In weiten Teilen des Landes haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygieneregeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Spektakuläre Aktion von Greenpeace bei Notre-Dame

Mit einer Aktion auf der Baustelle der Kathedrale Notre-Dame hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Paris für Aufsehen gesorgt. Aus Kritik an der Klimapolitik von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron haben Aktivisten  auf einem 80 Meter hohem Kran ein Transparent angebracht. Mit der Aufschrift „Climat: Aux Actes!“ forderten sie, dass zum Schutz des Klimas endlich gehandelt werden müsse.

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Kulturministerin kritisiert die Aktion von Greenpeace

Die neue Kulturministerin Roselyne Bachelot kritisierte die Aktion. „Es gibt extrem empfindliche Baustellen“, sagte sie dem Sender France Inter. Jedes Eindringen in die Baustelle von Notre-Dame könne sehr schlimme Folgen haben. Teile der Kathedrale sind noch immer einsturzgefährdet. .

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Anfang Juni hatte der Abbau eines bei dem verheerenden Brand verformten Gerüsts begonnen. Vor dem Feuer im April 2019 war die Turmspitze des weltberühmten Bauwerks restauriert worden. Das dafür auf dem Dach installierte Gerüst hielt dem Einsturz der Turmspitze zwar stand, wurde jedoch durch die Hitze des Feuers massiv verformt. Mithilfe des riesigen Krans soll das Gerüst nun entfernt werden – das gehört zu den Sicherungsarbeiten, die noch nicht abgeschlossen sind.

Greenpeace verteidigt die eigene Aktion

Greenpeace verteidigte die Aktion. Man sei auf den Kran geklettert und habe die Kathedrale gar nicht berührt. „Es besteht eine Kluft zwischen den Versprechen und der Realität der Taten“, sagte der Geschäftsführer von Greenpeace Frankreich, Jean-François Julliard, dem Sender Franceinfo. Es gebe viele Ankündigungen und Versprechungen von Macron, aber diese würden nicht in die Realität umgesetzt.

Eine Zeltstadt in Paris für junge Migranten

Hilfsorganisationen haben mitten in der französischen Hauptstadt Zelte aufgebaut. Sie protestieren gegen den Umgang mit den Geflüchteten, die nicht als Minderjährige anerkannt sind.

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Die Zelte in den Park stehen schön in Reih‘ und Glied

Proteste gegen den Umgang mit jungen Flüchtlingen

Etwas verwirrt blättert das Touristenpaar in ihrem Reiseführer. Doch diesen Zeltplatz am Square Jules-Ferry mitten im 11. Arrondissement von Paris suchen sie auf der Karte vergebens. „Das ist kein Feriencamp“ steht am schmiedeeisernen Eingangstor. Vor einigen Tagen haben ein Handvoll Hilfsorganisationen in dem kleinen Park mehrere Dutzend Zelte aufgebaut und dort mehr als 70 junge Männer einquartiert. In der Mitte der Anlage steht ein kleiner Pavillon, wo ehrenamtliche Helfer für eine minimale medizinische Versorgung und die psychische Betreuung sorgen. An einem Pfosten hängt ein großes Schild mit einer „Hausordnung“. Darauf steht etwa, dass Abfall weggeräumt werden muss und ab 22 Uhr Abendruhe herrscht. „Wir wollen mit der Aktion auf die prekäre Situation minderjähriger Flüchtlinge in Frankreich aufmerksam machen“, sagt eine junge Frau, auf ihrer weißen Weste prangt das Emblem der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Harsche Kritik an Frankreichs Praxis

Die Hilfsorganisationen werfen dem Staat vor, gegen die UN-Kinderrechtskonvention zu verstoßen. Das Problem: in nicht eindeutigen Fällen dauert es in Frankreich mehrere Monate, bis die Migranten als minderjährig anerkannt werden. In dieser langen Wartezeit werden die Geflüchteten, anders als in Deutschland, nicht als Minderjährige betrachtet und entsprechend nicht untergebracht und versorgt. Die Folge: Sie leben häufig auf der Straße. Im Gegensatz dazu werden in Deutschland die jungen Menschen in staatliche Obhut genommen – auch wenn eine Prüfung noch aussteht. Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die jungen Menschen in Frankreich sofort bei Ankunft in Frankreich geschützt werden.

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In einem kleinen Pavillion werden die Geflüchteten notdürftig versorgt

Viele Geflüchtete kommen aus Westafrika

Die jungen Geflüchteten werden in Frankreich „ni-ni“ (weder-noch) genannt, weil sie rechtlich weder Jugendliche noch Erwachsene sind. Einige dieser jungen Männer haben es sich auf einer Bank in der Sonne bequem gemacht. Alle stammen sie von der Elfenbeinküste und alle sind nach eigenen Angaben gerade 17 Jahre alt geworden. In ihrer Heimat hätten sie keine Hoffnung auf ein besseres Leben, sagt einer der Jungs namens Pierre. Nach Frankreich seien sie wegen der Sprache gekommen. Er selbst hat sich nach seiner Ankunft im vergangenen Winter beim Roten Kreuz registriert – wurde aber nicht als minderjährig anerkannt. „Ich habe meine Geburtsurkunde vorgelegt, aber sie haben mir nicht geglaubt.“ Gegen diese Entscheidung hat Pierre Widerspruch eingelegt, lebt nun in Paris auf der Straße und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs über die Runden.

Die jungen Flüchtlinge können nicht zur Schule gehen

„Der größte Traum der jungen Menschen ist es, zur Schule zu gehen“, erzählt eine Helferin von Ärzte ohne Grenzen. Doch der Staat verbaue mit seiner Anerkennungspraxis den Jugendlichen jede Möglichkeit, etwas zu lernen oder sich zu integrieren. Scharfe Kritik üben die Hilfsorganisationen auch an den Tests, bei denen das Alter festgestellt werden soll. „Das sind auf ganz einfache Gespräche, oft ohne Übersetzer, meist sehr kurz“, sagt die junge Helferin. Es sei meist auch nicht wirklich transparent, wie die Kommissionen zu ihren Urteilen kommen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen besteht eine hohe Fehlerquote bei der Entscheidung darüber, ob jemand minderjährig ist oder nicht. Demnach wurden 56 Prozent der Jugendlichen, die 2018 von MSF begleitet wurden und gegen die Entscheidung Einspruch eingelegt haben, schließlich von einem Jugendrichter endgültig als minderjährig anerkannt. Die Hilfsorganisation Human Rights Watch beschreibt die Prozedur in einem Bericht als Lotterie.

Keiner will den Schwarzen Peter haben

Ein Problem ist auch, dass bei der Unterbringung der jungen Männer die Zuständigkeit nicht wirklich geklärt ist und die Verantwortung von einer Stelle zur anderen geschoben wird. „Wir haben vorgeschlagen, eine Anlaufstation einzurichten, wo die Geflüchteten bleiben können, bis ihre rechtliche Lage geklärt ist“, erklärt Dominique Versini, die sich bei der Stadt Paris um die sozialen Belange kümmert. Die staatlichen Stellen und die Präfektur aber hätten sich bis zuletzt einer Lösung widersetzt. Die Sache sei aber natürlich nicht vor Tisch, verspricht sie, ein neuer Anlauf soll in den nächsten Tagen unternommen werden.

Fast alleine mit Mona Lisa

Der Louvre in Paris hat wieder geöffnet. Wegen der Corona-Regelung darf nur ein Bruchteil der üblichen Besucher das Museum besuchen.

 

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Fast einsam vor dem Louvre

Der Louvre in Paris hat den ersten Tag geöffnet und am Eingang wartet keine unendliche Menschenschlange. Vor der Pyramide im Innenhof des meistbesuchten Museums der Welt ist die Situation ungewohnt entspannt. Das Personal kontrolliert am Montag in der Sommersonne freundlich die Eintrittskarten der wenigen Besucher, einige Kunstliebhaber müssen abgewiesen werden, sie haben keine Online-Reservierung. Vier Monate hatte das Museum wegen der Corona-Pandemie geschlossen, nun wartet auf die Angestellten eine große Herausforderung. „Es ist sehr bewegend für all die Teams, die diese Wiedereröffnung vorbereitet haben“, sagte Direktor Jean-Luc Martinez. Im vergangenen Jahr drängelten sich 9,6 Millionen Menschen durch den riesigen Kunstpalast. Im Juli 2019 mussten einige Säle wegen Überfüllung sogar geschlossen werden.

 

 

 

Drastisch reduzierte Zahl von Besuchern

Wegen der Corona-Maßnahmen wird sich die Zahl der Besucher allerdings drastisch reduzieren. Knapp 30 Prozent der üblichen Besucherzahl wird Einlass zu den Kunstschätzen gewährt werden. Die Besichtigung der Säle folgt einem vorgeschriebenen Parcours, der vermeiden soll, dass sich die Kunstinteressierten kreuzen „Man wird unter anderem wieder die Säle der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts öffnen, die Abteilungen islamischer Kunst und italienischer Skulpturen“, erklärte der Louvre-Chef. Und natürlich den Zugang zu seinen Stars: der marmornen Schönheit der Statue der Venus von Milo und der Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Eine Eintrittskarte muss reserviert werden

Wer das Museum besuchen will, muss vorher im Internet eine Eintrittskarte reservieren – ohne geht gar nichts. Und auch in den Ausstellungsräumen selbst werden einige Regeln zu beachten sein. Die auffälligste ist die Zick-Zack-Absperrung vor der weltberühmten Mona Lisa, die an die Check-in-Vorrichtungen in Flughäfen erinnert. Orangefarbene Punkte am Boden signalisieren den Abstand, den die Besucher darin wahren müssen. Allerdings haben die wenigen Kunstliebhaber nun mehr als die üblichen 50 Sekunden Zeit, die Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln zu betrachten.

 

 

Ein großes Loch im Budget des Louvre

Die Verantwortlichen in Paris erwarten angesichts der weltweiten Reisebeschränkungen in diesem Jahr allerdings keinen steilen Anstieg der Besucherzahlen. Dreiviertel des Publikums kommt in der Regel aus dem Ausland, vor allem aus den von Corona geplagten Ländern USA und China. Martinez hofft auf 3000 bis 4000 Besucher, im besten Fall 5000 im Sommer.

Die Schließung angesichts der Pandemie hat ein riesiges Loch in das Budget des Louvre gerissen, der sich zu 50 Prozent aus dem Verkauf von Eintrittskarten finanziert. Der Museumschef beziffert den Verlust auf rund 40 Millionen Euro. Der Louvre muss allerdings keine Insolvenz anmelden, denn Hauptgeldgeber ist der französische Staat.

Christo – der Paris-Verpacker

Das Centre Pompidou zeigt eine Schau des verstorbenen Verhüllungskünstlers, die er selbst noch vorbereitet hat.

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Gezeigt werden im Centre Pompidou auch Werke aus der Pariser Zeit in den 60er Jahren. Hier das eingepackte Pferd.

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Ein Jahrhunderkunstwerk ist im Entstehen

Wenn es in der Kunst Wunder gibt, dieses Projekt wird als eines in die Geschichte eingehen. Im September 2021 wird in Paris der Arc de Triomphe verhüllt werden. Das Monument wird für 15 Tage unter 25.000 Quadratmeter silbern schimmerndem Stoff verschwinden, allein diese Vorstellung hat etwas Gewaltiges. Zum Jahrhundertkunstwerk macht das Projekt aber seine Entstehungsgeschichte. Seit Anfang der 60er Jahr trug der Künstler Christo die Idee mit sich herum, das französische Wahrzeichen zu verpacken, bevor sie in diesem Jahr verwirklicht werden sollte. Doch dann geschah das Unvorhersehbare: die Corona-Pandemie stoppte die Vorbereitungen nur Wochen vor dem erfolgreichen Abschluss. Das endgültige Aus schien mit der Nachricht vom Tode Christos am 13. Juni gekommen, er war in New York kurz vor seinem 85. Geburtstag gestoben. Doch dann zeigte sich, was wirklich große Kunst ausmacht, die sich von ihrem Erschaffer löst und auf faszinierende Weise weiterlebt.

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„Christo und Jeanne-Claude – Paris!“

Die Pragmatiker unter den Kunstliebhabern können einwenden, dass der bis zu seinem Tod verbissen arbeitende Christo das Projekt akribisch vorbereitet hatte und die Umsetzung nur noch eine Art künstlerisches Handwerk darstellt. Sie können sich in einer Werkschau im Pariser Centre Pompidou allerdings auch vom Gegenteil überzeugen, dass dieses Projekt mehr ist, als nur ein paar Tonnen Stoff über ein Denkmal zu werfen. Unter dem Titel „Christo und Jeanne-Claude – Paris!“ ist der Arbeit des Künstlerpaares eine Ausstellung gewidmet, die nun auch zu einer Hommage ihres Wirkens geworden ist. Bei der Vorbereitung der Schau, die eigentlich bereits im März hätte eröffnet werden sollen, habe man noch eng mit Christo zusammengearbeitet, sagte Museumsdirektor Bernard Blistène bei der Eröffnung am Mittwoch im Centre Pompidou.

Die Pariser Jahre von Christo

Schwerpunkt der Ausstellung sind die Pariser Jahre des Künstlers und dessen Frau Jeanne-Claude. Christo war nach seiner Flucht aus dem kommunistischen Bulgarien in die französische Hauptstadt gezogen, wo er zwischen 1958 und 1964 lebte und seine in Casablanca geborene Partnerin kennenlernte. Zu sehen ist im Centre Pompidou auch ein Porträt von Jeanne-Claude – natürlich kunstvoll verpackt. Damals begann Christo die unterschiedlichsten Alltagsgegenstände zu verhüllen wie Dosen, Flaschen, Stühle oder, Kinderwagen. Er wollte zeigen, dass jedes Objekt einen Platz in der Kunst hat. Wie bei den meisten Vertretern des Neuen Realismus (Nouveau Realisme), die er in Paris kennengelernt hatte, ging es ihm darum, existierenden Dingen eine neue Wahrnehmung zu verleihen. Seine damals geborene Idee zu verwirklichen, nämlich den Arc de Triomphe zu verpacken, schien zu jener Zeit für den noch unbekannten Künstler eine verwegene Utopie.

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Ein sehr aufschlussreicher Dokumentarfilm

Zurück nach Paris kamen Christo und Jeanne-Claude in den 80er Jahren. Ihr Projekt, dem der weitaus größte Teil der Ausstellung im Centre Pompidou gewidmet ist: das Verpacken der Pont-Neuf hinter 40 876 Quadratmetern Polyamidgewebe. Zu sehen sind unzählige Skizzen und Fotos, die den mühsamen Weg hin zur Realisierung minutiös dokumentieren. Auch einige Bahnen des Stoffes werden präsentiert, Spanngurte und Winden. Besonderes sehenswert ist ein rund einstündiger Dokumentarfilm. Zu beobachten ist ein wie aufgedreht wirkender Christo, der wie besessen daran arbeitet, das Projekt zu verwirklichen. Als ihm gesagt wird, dass er die einfachen Pariser Leute überzeugen muss, zieht der Künstler kurzerhand durch die Straßen, spricht wildfremde Menschen an, setzt sich in Bistros an die Tische und bricht Diskussionen über den Sinn von Kunst im Allgemeinen und seinem Projekt im Speziellen vom Zaun. Unermüdlich erklärt er, dass es ihm beim Verpacken nicht um das Verstecken eines Gegenstandes gehe, im Gegenteil, sein Ziel sei es, dessen eigentliche Linien wieder sichtbar zu machen.

Vielsagend bis an den Rand der Komik

20.07.01-Christo02Vielsagend bis an den Rand der Komik ist die Rolle des damaligen Pariser Bürgermeisters und späteren französischen Präsidenten Jacques Chirac. Er steht der ganzen Geschichte sehr distanziert gegenüber und wagt es nicht, sich dafür stark zu machen. Der Grund: seine politischen Gegner könnten es ausschlachten. Doch als sich der Erfolg der Aktion abzeichnet, hat Chirac kein Problem, sich mit Christo im Scheinwerferlicht ausgiebig feiern zu lassen. „Ich habe den Eindruck, die Politiker spielen Pingpong und wir sind die Bälle“, entfährt es der entnervten Jeanne-Claude in einer Szene. 1985 wurde das Werk schließlich realisiert.

Christo liebte die Unabhängigkeit

Die Macher der Verpackung des Arc de Triomphe versichern immer wieder, dass Christo und dessen Frau Jeanne-Claude, die bereits im Jahr 2009 gestorben ist, ausdrücklich geäußert hätten, dass ihre laufenden Kunstaktionen auf jeden Fall fortgesetzt werden sollen. Noch im März fertigte Christo Zeichnungen des Pariser Projekts an und sicherte auf diese Weise dessen Finanzierung. Denn wie immer legte er großen Wert darauf, unabhängig von Sponsoren zu sein. Das nötige Geld kommt also auch in diesem Fall über den Verkauf von Drucken und Zeichnungen zusammen. Auch dieses profane, aber sehr wichtige Detail dürfte letztendlich dafür gesprochen haben, den Arc de Triomphe auch nach dem Tode des Künstlers zu verpacken.

Die Pariser entdecken ihre eigene Stadt

Wegen der Corona-Pandemie bleiben die Touristen aus, die französische Metropole zeigt sich von einer ganz neuen Seite

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Im Moment kann man den Blick vom Eiffelturm ziemlich alleine genießen

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Einsam auf dem Eiffelturm

Marlène Aubry ist zum ersten Mal in ihrem Leben auf dem Eiffelturm. Lächelnd erklärt die junge Französin, dass sie vor über zehn Jahren nach Paris gezogen ist. „Ich lebe hier nebenan im 15. Arrondissement“, sagt sie und zeigt mit dem Finger in Richtung ihrer Wohnung, die nur einen Steinwurf entfernt liegt. „Ich hatte es mir tausendmal vorgenommen hochzufahren, aber ich hatte keine Lust, mich stundenlang in die Warteschlange der Touristen einzureihen.“ Nun aber hat die Corona –Pandemie das Leben in der Stadt radikal verändert. Weit über 17 Millionen Touristen haben Paris zuletzt jedes Jahr geflutet, doch das Virus hat diesen Strom über Nacht zum Erliegen gebracht.

Die entschleunigte Stadt

Nach dem Ende der sehr strengen, mehrwöchigen Ausgangssperre fanden die Einwohner der Metropole an der Seine eine völlig veränderte, entschleunigte Stadt vor. Der Straßenverkehr war plötzlich erträglich geworden, weil viele Pendler weiter im Homeoffice arbeiten und sich keine Touristenbusse durch die Straßen drängen. Der Blick auf den Louvre, die Basilika Sacré-Coeur oder das Panthéon wird nicht von einer quirligen und quasselnden Touristenmasse verstellt, die kleine Ewigkeiten auf den Einlass wartet. „Es ist ja ein bisschen makaber, aber ich profitieren von der Corona-Pandemie“, sagt Marlène Aubry und genießt vom Eiffelturm den atemberaubenden Blick über die träge dahinfließende Seine ohne Ausflugsschiffe und den fast menschenleeren Trocadéro.

 

 

 

Paris wird von den Einwohnern neu entdeckt

Nach dem ersten Erstaunen haben viele Einwohner von Paris begonnen, ihre Stadt für sich neu zu entdecken. „Paris ist eine Weltstadt, die aber für die Menschen, die dort wohnen und arbeiten nur schwer zu erfassen ist“, erklärt Corinne Menegaux, Chefin der Tourismusbehörde. „Auf unserer Internet-Seite bieten wir inzwischen geführte Spaziergänge für Einheimische durch die einzelnen Viertel der Stadt an“, erklärt sie. So können etwa die Teilnehmer rund um die Métro-Station Barbès-Rochechouart im 18. Arrondissement die afrikanische Kultur entdecken, die dort blüht, wie in sonst keinem anderen Stadtteil. Der Grund: Während des Baus des nahen Gare du Nord kamen viele Arbeiter aus den ehemaligen französischen Kolonien nach Paris und ließen sich dort nieder.

 

Die Stimmung hat sich etwas normalisiert

Nachdem die Bistros in der Stadt Ende Mai zumindest ihre typischen Terrassen öffnen durften, hat sich auch die Stimmung in den Straßen wieder normalisiert. Die allgegenwärtige Depression ist in diesen Wochen langsam der bekannten Pariser Leichtigkeit gewichen. Da nicht alle der weit über 20.000 Restaurants und Cafés über einen Außenbereich verfügen, dürfen die Wirte in diesem Sommer ihre Tische und Stühle einfach auf die Gehwege und die Parkplätze vor den Bistros stellen. Einige kleine Straßen wurden ganz für den Verkehr gesperrt. Das hat allerdings zur Folge, dass sich dort bereits mancher Anwohner über den nächtlichen Lärm der Gäste beschwert, da sich kaum jemand an die 20-Uhr-Sperrstunde hält.

Nicht alle Bistros werden den Lockdown überleben

Zumindest äußerlich scheint inzwischen wieder eine gewissen Normalität Einzug gehalten zu haben. Doch der Schein trügt. Im bei Touristen sehr beliebten Pariser Viertel Marais, wo in den vollbesetzten Restaurants am Abend bisher ein vielsprachiges Stimmengewirr aus der ganzen Welt zu hören war, wird nun fast ausschließlich Französisch gesprochen. „Uns fehlen vor allem am Tag die Gäste“, räumt ein Bistro-Besitzer ein. Er ist überzeugt, dass nicht alle seiner Kollegen dieses Krisenjahr überleben werden. Dann fügt der Mann selbstkritisch hinzu, dass viele in Paris bisweilen gerne über die Masse an Touristen stöhnen – doch nun bleiben sie weg und das sei auch nicht gut.

 

Einige Infos zur Lage in Paris:

PANDEMIE: Die Einreise aus Deutschland nach Frankreich ist inzwischen wieder ohne Probleme möglich. Hotels, Jugendherbergen und Campingplätze sind wieder geöffnet, genauso wie Restaurants, Bars und Cafés. Allerdings gelten bestimmte Hygienevorschriften. Zum Beispiel: Nicht mehr als zehn Personen pro Tisch, mindestens ein Meter Abstand zwischen den Tischen, Maskenpflicht.

MÉTRO: Auch die Métro in Paris läuft wieder im Normalbetrieb. Aber auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln herrscht Maskenpflicht – das gilt auch für Taxis. Passagiere sollten darauf achten, einen möglichst großen Abstand zu anderen Reisenden einzuhalten.

SEHENSWÜRDIGKEITEN: Auch Museen und andere Sehenswürdigkeiten werden nach und nach wieder geöffnet. Auch dort gelten die üblichen Hygienevorschriften. Zudem muss der Besuch in der Regel Online reserviert werden, da die Zahl der Besucher streng reglementiert ist.

TOURISTEN: Im Jahr 2019 wurde in Paris (innerhalb der 20 Arrondissements) ein Rekord von über 17 Millionen Touristen verzeichnet. Im Großraum Paris waren es über 50 Millionen Besucher. Jedes Jahr besuchen weit über eine Million Deutsche die französische Hauptstadt. Nur aus den USA, Großbritannien und China kommen mehr Touristen.