Vendée Globe: Kleine Weihnachtsfeier auf hoher See

Spannendes Rennen bei der Vendée Globe – trotz Flaute. Inzwischen ist der Deutsche Boris Herrmann bei der Regatta um die Welt auf Platz drei vorgerückt. Ein starkes Rennen liefert auch Isabelle Joschke. Die Französin mit deutschen Wurzeln liegt als beste Frau auf Platz acht.

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Kein Rennen für Rekorde

Rekorde werden bei der Vendée Globe dieses Mal keine gebrochen. Aufgrund von ungewöhnlichen Wind- und Wetterverhältnisse sind die Boote bei der neunten Austragung des Wettbewerbs bislang rund eine Woche langsamer unterwegs als bei der vorigen Auflage 2016/2017.  Allerdings ist das Rennen spannend wie selten zuvor. Interessant ist: das liegt vor allem auch daran, dass das Feld gerade ein Gebiet passiert, in dem praktisch Flaute herrscht.

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Boris Herrmann scheint mit den Bedingungen sehr gut zurechtzukommen. Der Hamburger lieferte sich nahe des 55. Breitengrads Süd an der Eisgrenze ein Bug-an-Bug-Rennen mit dem Franzosen Jean Le Cam auf seinem Schiff „Yes We Cam!“. Er konnte seinen Konkurrenten in Schach halten und sogar einige Meilen enteilen. „Das ist unglaublich! Ich bin nach halbem Weg um die Welt Dritter auf dem Tracker. Das hätte ich mir nie erträumt“, sagte Herrmann. Der Segler hat es sich an Bord über die Feiertage weihnachtlich eingerichtet. Er hat eine Lichterkette aufgehängt und ein kleines Teelicht sorgt für etwas Wärme. Seine Frau hatte ihm vor dem Start am 8. November eine kleine Box gepackt, die er an Heiligabend auspackte.

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Isabelle Joschke gut im Rennen

Auch Isabelle Joschke auf ihrer Yacht MACSF hatte sich für die Feiertage etwas Besonderes einfallen lassen: es gab Muschelrisotto. Während eines kurzen Gesprächs über Funk erinnert sie sich an die Angst, die sie vor dem Rennen und vor allem vor der Passage durch das Südpolarmeer hatte. „Es hat mich erschaudern lassen, wenn ich nur daran dachte.“ Doch nun empfinde sie eine große Freude. Sie habe es geschafft, ihre Ängste in Zuversicht umzuwandeln und fühle sich der Herausforderung gewachsen. „Ich fühle mich nun wohl“, sagt Isabelle Joschke.

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Die Strapazen der ersten Wochen

Die ersten Wochen hatten ihr und dem Feld körperlich und psychisch alles abverlangt. Der Atlantik präsentierte sich rau und die Seglerin musste mehrere kleine Reparaturen an ihrem Schiff erledigen. Doch zeigte sich dabei die große Routine der 43-Jährigen, deren Vater Deutscher ist und deren Mutter aus Südfrankreich stammt. Sie ist seit 18 Jahren als Profiseglerin unterwegs. Ein so schweres Rennen wie die Vendée Globe zeige, wie die Menschen ganz tief in ihrem Innern wirklich sind, sagt Isabelle Joschke.

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Noch ein langer Weg ans Ziel

Die Segler haben allerdings noch einen langen Weg vor sich, bis sie Mitte Januar wieder im Zielhafen Les Sables-d’Olonne in Frankreich ankommen. Das Feld der verbliebenen 27 von 33 gestarteten Yachten wird vom Franzosen Charlie Dalin auf „Apivia“ angeführt, der seinen Landsmann Yannick Bestaven im ungewöhnlich leichtwindigen Stillen Ozean über Nacht auf Platz zwei verwies. In der führenden Gruppe bleibt es spannend, denn die Boote auf den Plätzen drei bis zehn trennten am 47. Tag auf See auf Kurs Kap Hoorn insgesamt nur 90 Seemeilen.

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Von 33 Startern sind sechs bereits ausgeschieden, der Franzose Kevin Escoffier funkte nach einer schweren Havarie SOS und musste aus den hohen Wellen im Südatlantik von seinem Kollegen Jean Le Cam gerettet werden, auch von einem Mastbruch und mehreren gerissenen Segeln wurde berichtet sowie von einer Kollision mit einem Wal. Die Regatta um die Welt ist und bleibt, trotz des technischen Fortschritts, eine Höchstschwierigkeit.

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