Steigende Corona-Zahlen in Frankreich – drohen Grenzschließungen zu Deutschland?

Ratlosigkeit in Frankeich. In einigen Regionen scheint sich das Corona-Virus rasant zu verbreiten. Zu den am schwersten betroffenen Gebieten zählt Alpes-Maritimes mit der Stadt Nizza. Aber auch in Moselle, an der Grenze zum Saarland werden weiter beunruhigende Zahlen gemeldet. Deutschland will auf diese Entwicklung reagieren – im Gespräch sind auch Grenzschließungen.

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Die Situation in den einzelnen Départements in Frankreich. Die Inzidenz liegt bei über 190 Infizierten. Quelle der Zahlen ist die staatliche Gesundheitsbehörde

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Große Sorge in Nizza über den Anstieg

Es ist ein Horror-Wert. In Nizza beträgt der Inzidenzwert in diesen Tagen 740! Das ist der mit Abstand höchste Wert in ganz Frankreich. Inzwischen fordert Christian Estrosi, der Bürgermeister der Stadt, erneut einen örtlichen harten Lockdown. Sein Ziel: er will die Touristen aus der Region fernzuhalten, um das starke Infektionsgeschehen einzudämmen. Bereits am Samstag hatte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Veran einen entsprechenden Schritt ins Spiel gebracht und war damit auf Estrosis Zustimmung gestoßen. „Es gibt einige Städte und Gegenden in Frankreich, wo das Virus sich sehr viel schneller ausbreitet als anderswo“, sagt Veran bei einem Besuch in der Stadt Nizza an der Mittelmeerküste. „Das könnte regionale Einschränkungen erforderlich machen.“

Auf der Spurensuche, weshalb ausgerechnet in Nizza solche Zahlen gemeldet werden, zeigt die staatliche Gesundheitesbehörde Santé Publique France mit dem Finger auch auf das nahe Fürstentum Monaco. Im Gegensatz zu Frankreich sind dort Bars und Restaurants geöffnet, die das Infektionsherde angesehen werden. Immer wieder fahren offensichtlich Franzosen aus dem Département Alpes-Maritimes über die Grenze, um sich einen netten Abend mit Freunden zu machen.

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Ärger über die Touristen in Nizza

Christian Estrosi hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder entnervt über die Touristenströme geärgert, die an der Mittelmeerküste zu finden sind. Entgegen aller Warnungen der Mediziner und Politiker seien vor allem auch an Weihnachten und Neujahr seien viele Franzosen in das Département gekommen, um ihre Familien zu besuchen oder einige Tage Urlaub zu machen. Der Bürgermeister kündigte an, in den kommenden Tagen zu entscheiden, ob in Nizza wesentlich strengere Corona-Regeln gelten werden. Zumindest verschärfte Maßnahmen an den Wochenenden scheinen inzwischen sicher zu sein.

Rémi Salomon, der in Frankreich für die medizinische Koordination in den französischen Altenheimen verantwortlich ist, erklärte in einem Interview im Sender BFMTV:

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„L’épidémie est hors de contrôle dans le département, ça veut dire que les mesures prises depuis quelques semaines ne suffisent pas (…) si on veut éviter le débordement des hôpitaux.“

Rémi Salomon

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Hohe Werte im Département Moselle

Hohe Infektionszahlen werden auch aus dem Département Moselle gemeldet. Dort war zuletzt die hochansteckende und gefährliche südafrikanische Variante des Corona-Virus zu finden. Die Inzidenzrate ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums inzwischen zwar stabil, doch liege sie noch immer bei über 280 Fällen auf 100.000 Einwohner.  

Auf französischer Seite wird befürchtet, dass das das Département Moselle angrenzende Deutschland Konsequenzen aus der Entwicklung ziehen könnte. Nach Berichten will das das Corona-Kabinett der Bundesregierung über eine höhere Warnstufe für das französische Département beraten. Bisher gilt Frankreich als „Risikogebiet“, nun könnte die Region als „Hochinzidenzgebiet“ oder sogar als „Virusvariantengebiet“ eingestuft werden.

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Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans und seine Kollegen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hatten bereits in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie neue Grenzkontrollen nach Möglichkeit vermeiden wollen. Tobias Hans erklärte aber in einem Interview: „Wenn Inzidenzen krass auseinanderlaufen und es keine gemeinsamen Bekämpfungsstrategien gibt, dann kommen auch Grenzkontrollen als Ultima Ratio in Betracht.“

Asselborn warnt vor Grenzschließungen

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat Deutschland vor Grenzschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. „Natürlich muss es angesichts der Virusmutationen Tests geben, aber wir müssen alles dafür tun, dass die Pendler ohne Einschränkungen zu ihren Arbeitsplätzen kommen“, sagte Asselborn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies darauf, dass Luxemburg auf Grenzpendler angewiesen sei. „60 Prozent der Beschäftigten in unseren Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen sind Grenzgänger. Wenn diese Pendler nicht mehr einreisen können, dann bricht das Gesundheitssystem in Luxemburg zusammen.“ Allein nach Luxemburg pendelten jeden Tag 100 000 Menschen aus Frankreich, 50 000 aus Deutschland und 50 000 aus Belgien.

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Wieder steigende Zahlen in Frankreich

In der Mehrzahl der französischen Départements war in den vergangenen Wochen ein Rückgang der Infektionszahlen zu beobachten. Allerdings verschlechterte sich in einigen Regionen die Lage sehr schnell – nicht nur in Alpes-Maritimes oder Moselle. Insgesamt lagen nach  Angaben des Gesundheitsministeriums die registrierten Neuinfektionen zum dritten Mal in Folge über dem Wert der Vorwoche. Demnach wurden zuletzt 22.371 neue Fälle gemeldet. Vor einer Woche waren 21.231 Neuansteckungen registriert worden. Damit liegt die Inzidenz wieder über dem Wert von 190 Infizierten.

Eine besonders besorgniserregende Entwicklung wird in Nièvre verzeichnet, wo die Inzidenzrate zuletzt um über 16 Prozent gestiegen ist und inzwischen bei rund 170 liegt. Alarmiert sind auch die Regionen rund um Bouches-du-Rhône mit einer Inzidenzrate von 346 neuen Kontaminationsfällen pro 100.000 Einwohner, Aisne (262,3), Val-d’Oise (254,7), die Innenstadt von Paris (255,9) und Val-de-de Marne (251,9). In den Haute-Garonne liegt die Inzidenz bei inzwischen deutlich über 200 Infizierten.

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