Das Museum des Milliardärs in Paris

In Paris eröffnet François Pinault sein neues Museum für seine Sammlung. Zuvor gab es einige Hindernisse zu überwinden.

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160 Millionen für den Umbau der Börse

Der Hang zur Tiefstapelei gehört nicht zu den Charaktereigenschaften von François Pinault. Er wolle zu einer „Renaissance des Pariser Kulturraums beitragen“ erklärte der französische Modemilliardär jüngst selbstbewusst. Um dieses ambitionierte Vorhaben zu verwirklichen, hat der 84-Jährige rund 160 Millionen Euro in den Umbau der Pariser Bourse de Commerce (Handelsbörse) gesteckt. Am 22. Mai wird der Kulturtempel eröffnet.

In den Monaten zuvor musste aber der François Pinault erkennen, dass auch sein Einfluss an Grenzen stößt. Eigentlich sollte die Bourse de Commerce bereits im Juni 2020 ihre Pforten öffnen, doch die Corona-Pandemie machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Auch mehrere Ersatztermine mussten wieder abgesagt werden. Nun sind die Infektionszahlen nach der dritten Welle so weit gesunken, dass der Besuch unter bestimmten Hygieneregeln möglich ist. Der Eintritt ist in den ersten Tagen zwar gratis, doch um einen zu großen Ansturm zu verhindern, muss vorher ein Online-Ticket gelöst werden.

Eine außergewöhnliche Sammlung

Die außergewöhnliche Sammlung von Pinault umfasst insgesamt rund 10.000 Werke, davon werden etwa 200 zur Eröffnung in Paris gezeigt. Viele sind erstmals zu sehen. Zu den Besonderheiten gehören die 40 Arbeiten von David Hammons. Noch nie sollen so viele Werke des afro-amerikanischen Künstlers in Europa gezeigt worden sein, wie Martin Bethenod sagte, der Generaldirektor des neuen Museums. Der letzte Ausstellungsraum wird mit Malereien und Skulpturen der deutschen Künstler Thomas Schütte, Martin Kippenberger und Florian Krewer bespielt. 

Die Ausstellungen sollen nach Angaben der Macher einen „leidenschaftlichen und subjektiven Blick“ auf die Kunst unserer Zeit vermitteln, beginnende mit den 1960er Jahren bis heute. Von den rund 13.000 Quadratmetern Gesamtfläche sind etwa 7700 dem Publikum zugänglich, knapp 3000 sind Ausstellungen gewidmet. Im Untergeschoss befindet sich ein Auditorium mit über 250 Plätzen und eine Black Box, ein großer verdunkelter Raum für Installationen. 

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Zwei Museen stehen bereits in Italien

Es ist das dritte Museum von François Pinault, der einst an der Spitze eines gewaltigen Luxus- und Modeimperiums mit Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga stand. Der Palazzo Grassi und die Punta della Dogana in Venedig wurden bereits 2006 und 2009 eröffnet. Seine Pläne für ein Museum in Paris konnte der Milliardär allerdings erst im zweiten Anlauf verwirklich. Eigentlich wollte Pinault vor 15 Jahren einen ehemaligen Renault-Standort auf einer Seine-Insel südwestlich der Millionenmetropole zu einer Art Kunstzentrum ausbauen. Geplant war ein Museum, das einem Raumschiff auf dem Wasser gleichen sollte. Doch angesichts der exzentrischen Pläne gab es keine Einigung mit der zuständigen Gemeinde Boulogne-Billancourt über das Ausmaß der Bebauung, was das Ende der ehrgeizigen Pläne bedeutete. Reichlich verschnupft steckte Pinault sein Geld in seine beiden anderen Museumsprojekte in Italien. So geht für den Milliardär in Paris ein Traum in Erfüllung.

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Wie bei seinen Projekten in Italien ließ er auch in der Bourse de Commerce dem von ihm verehrten Architekten Tadao Ando freie Hand. Dieser habe mit großem Respekt für die Geschichte des Gebäudes gearbeitet und hat in den Augen des Mäzens eine Art Gesamtkunstwerk geschaffen. „Er hatte mir gezeigt, dass Beton ein edles Material ist und dass man damit außergewöhnliche Dinge machen kann“, erklärt der französische Milliardär sein Faible für den japanischen Baumeister. Auch im Fall der Pariser Börse habe er ein Meisterwerk geschaffen. So hat der 79-Jährige in den teilweise unter Denkmalschutz stehenden Rundbau mit Stilelementen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, einen 9 Meter hohen und 30 Zentimeter breiten Betonzylinder eingebaut. Das Urteil von François Pinault: „Alles was benötigt wird ist da, alles was überflüssig ist, ist nicht mehr da, es ist wie minimale Kunst.“

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