Sind Reisen nach Frankreich möglich?

Ein Stück weit kehrt die Reisefreiheit wieder zurück: Die Bundesregierung wird die Reisewarnung für zahlreiche europäische Länder aufheben. Doch ob der Sommerurlaub wirklich stattfinden kann, dürfte auch an den Regelungen der Urlaubsländer selbst hängen. Im Fall von Frankreich heißt das: Frankreich hält an der Aufhebung der Grenzkontrollen am 15. Juni fest. Das bedeutet, dass deutsche Urlauber auch erst ab diesem Datum nach Frankreich reisen können.

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Der Vorplatz von Notre-Dame ist in diesen Tagen wieder für Touristen geöffnet worden. Nach dem Brand vor einem Jahr war er mit Blei verseucht.

Berlin hebt die Reisewarnung auf

Aufgehoben werden soll die Reisewarnung für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Die Aufhebung soll ab 15. Juni gelten. Nur Spanien und Norwegen sind davon wegen noch bestehender Einreisesperren vorerst ausgenommen. Eine Reaktivierung der Reisewarnung für bestimmte Länder oder Regionen je nach Entwicklung der Neuinfektionen ist allerdings möglich.

Die Regeln in Frankreich werden gelockert

Doch wie genau sieht es in Frankreich aus? Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygiene-Regeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Der Sonderfall Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Da die Lage noch reichlich unübersichtlich ist, hält sich die Regierung auch mit Aussagen für die Ferienmonate im Sommer zurück. Sie hat allerdings die Franzosen aufgefordert, in Frankreich Urlaub zu machen und auch Reisen ins Ausland zu verzichten.

Am 28. Juni will die Regierung in Paris dann die Lage neu bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Dann dürften auch Aussagen dazu möglich werden, ob und wie ein Urlaub in Frankreich möglich sein wird.

 

Die Museen öffnen etwas später

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnet nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

Hier geht es zu einer Mitteilung des Louvre, die allerdings auch andere Museen betrifft:

Paris findet seine Lebensfreude wieder

In ganz Frankreich dürfen in der Corona-Krise Cafés und Restaurants nun wieder öffnen – in Paris allerdings unter erschwerten Bedingungen.

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Die Kellner haben wieder alle Hände voll zu tun

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Ende der strikten Corona-Beschränkungen

Punkt Mitternacht klingen im Royal Cambronne die Gläser. Die Gäste in dem vollbesetzen Café im 15. Arrondissement von Paris begießen mit großem Hallo das Ende einer 80 Tage dauernden Leidenszeit. So lange waren Bistros und Restaurants in Frankreich wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Dienstag dürfen die Wirte unter strengen Auflagen wieder ihre Kundschaft bedienen. „Ich hätte nie geglaubt, dass mir der Besuch im Bistro so sehr fehlen würde“, gesteht Catherine Philippe, ein junge Bankangestellte, die sich in der Vor-Corona-Zeit fast jeden Abend noch kurz auf ein Glas mit ihren Freunden getroffen hatte.

Gute Stimmung im Royal Cambronne

Im Royal Cambronne ist in dieser lauen Juni-Nacht allerdings nur die Außenterrasse geöffnet, denn Paris gilt in Sachen Corona weiter als Risikogebiet, weshalb die Innenräume der Bistros noch mindestens für drei Wochen tabu sind. Im Rest von Frankreich reicht es, wenn die Betreiber der Gaststätten in den Lokalen selbst den vorgegebenen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Tischen einhalten – und natürlich ist das Tragen von Masken für das Personal Pflicht.

Anne Hidalgo interpretiert die Regeln

Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, ist allerdings bekannt für ihre Kreativität und Durchsetzungskraft. Kaum hatte der konservative französische Premier Édouard Philippe vergangene Woche die besonderen Einschränkungen der Corona-Regelungen im Fall von Paris verkündet, meldete sich die sozialistische Politikerin zu Wort. Natürlich könnten die Bistros in ihrer Stadt unter diesen Umständen die Terrassen vergrößern, erklärte Anne Hidalgo. Zu diesem Zweck ordnete sie an, einige kleine Straßen für den Autoverkehr zu sperren und vor allem Parkplätze vor den Lokalen den Wirten für Tische zur Verfügung zu stellen. Ihrer Ansicht nach gehören die typischen Cafés zum Stadtbild von Paris und sind eine Art Aushängeschild. „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte Anne Hidalgo in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Parisien“.

 

Hidalgos Kampf gegen den Verkehr

Ähnlich forsch war die Bürgermeisterin vor einigen Wochen im Fall der in Paris umstrittenen Radwege vorgegangen. Während der Corona-Krise und dem damit zusammenhängenden drastischen Lockdown war der Autoverkehr in der Stadt dramatisch zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Zahl der Radfahrer steil an. Also ordnete Anne Hidalgo praktisch über Nacht den zusätzlichen Ausbau des bestehenden Radnetzes um rund 50 Kilometer an. Dazu wurden auf einigen Hauptverkehrsadern den Autos rigoros ganze Fahrspuren abgezwackt. So können die Pedaleure nun etwa auf der wichtigen und vielbefahrenen Rue Rivoli angstfrei und bequem die halbe Innenstadt durchqueren.

Der Aufschrei bei den Automobilisten war groß, Anne Hidalgo beruhigte allerdings die Gemüter und versprach, dass die Maßnahme zeitlich begrenzt sei – was allerdings nicht alle glauben wollen. Kritiker werfen der 60-Jährigen Populismus vor, da sie bei solch spektakulären Aktionen vor allem ihre Wiederwahl in einigen Wochen im Auge habe. Schätzungen zufolge besitzt nicht einmal die Hälfte der Haushalte in Paris ein Auto, was den Einsatz von Anne Hidalgo für die Radwege, den Nahverkehr und die Ausweitung der Grünflächen in der Stadt zu Lasten der Autofahrer erklären würde.

Strenge Regeln für die Terrassen

Auch im Fall der aktuellen Ausnahmegenehmigungen für die Bistros scheinen ihr die Wählerstimmen nicht ganz egal zu sein. In der Millionenmetropole an der Seine gibt es nach Schätzung der Tageszeitung „Le Parisien“ rund 15.000 Cafés, Bars und Restaurants mit einer für Paris typischen Terrasse. Deren Besitzer sind natürlich voll des Lobes für die Anordnung der Bürgermeisterin, die Bewirtungsfläche auf der Straße auszuweiten.

Und auch die mehrere Tausend Restaurants, die keinen Außenbereich haben, können unter den aktuellen Umständen Gäste bewirten. Am Dienstag stellten eifrige Kellner bei strahlendem Sonnenschein und fast 30 Grad Tische und Stühle auf die breiten Gehsteige. Dabei müssen allerdings einige Regeln eingehalten werden. Das Mobiliar darf aus ästhetischen Gesichtspunkten keine Beleidigung für das Auge der Passanten darstellen. Und gespeist wird natürlich ebenfalls mit Stil – Einweggeschirr und Wegwerfbesteck sind verboten.

Corona-Warn-App in Frankreich mit holprigem Start

Pünktlich 12 Uhr sollte die Corona-Warn-App namens „StopCovid“ freigeschaltet werden. Doch auch am späten Nachmittag ist die Applikation nur im Google Play Store zu haben – nicht im IOS-App-Store zu finden. Erklärungen gab es dafür nicht. Nur soviel, dass es immer wieder bei solchen Vorgängen Verzögerungen gebe.  Wer die App via Google laden möche: einfach hier klicken)

NACHTRAG: Einen Tag später war auch die IOS-Version im App-Storezu finden. 

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StopCovid nicht im IOS-App-Store zu finden

Die Franzosen sind gespalten. 59 Prozent befürworten grundsätzlich den Einsatz der Corona-Warn-App. Allerdings machen sich auch 54 Prozent Sorgen um möglichen Datenmissbrauch. Tatsache ist, dass am Dienstag die Leute vergeblich darauf warteten, die App auf ihre Smartphone laden zu können. Im IOS-App-Store von Apple waren auch am späten Nachmittag unter dem Namen StopCovid nur zwei Anwendungen zu finden. Eine aus Georgien und eine aus Katalonien. Die französische Version ist nicht zu finden.

 

Franzosen laden aus Versehen katalanische App

Das Problem im App-Store führte zu einem interessanten Effekt. Am Nachmittag war die katalanische App auf Platz Zwei der Top-Apps in Frankreich. Das heißt: diese Leute haben sich die falsche App auf ihre Smartphone geladen – und wundern sich wohl, dass sie nicht funktioniert.

Politischer Streit im Parlament

Um die App StopCovid gab es einen erbitterten politischen Streit. Parlament und Senat in Paris hatten vor einigen Tagen dann allerdings mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Die Applikation soll dabei helfen, die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Dazu wird mithilfe die Bluetooth-Technologie erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer werden gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Wie in Deutschland auch, ist die Anwendung allerdings nicht unumstritten. „Es handelt sich nicht um eine Überwachungs-App“, beschwichtigte der Chef des französischen Technik-Forschungsinstituts Inria, das die Entwicklung der App beaufsichtigt.

Datenschützer geben grünes Licht

Zuvor hatten Frankreichs Datenschützer CNIL grünen Licht für „StopCovid“ gegeben. Das Gesetzesvorhaben entspreche den rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre, hieß es in einer Stellungnahme. Die wichtigsten Empfehlungen der CNIL seien dabei umgesetzt worden – so verwende die Corona-Warn-App anonymisierte Daten, erstelle keine Liste von Personen und sei freiwillig.

Bei der Abstimmung in der Nationalversammlung am Mittwoch sprachen sich 338 Abgeordnete für die App Einführung der Warn-App aus, 215 votierten dagegen, 21 enthielten sich. Im Senat sprachen sich 186 Parlamentarier dafür aus, 127 waren dagegen. „Das ist eine sehr wichtige Etappe“, erklärte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, nach dem Parlamentsvotum. Er machte deutlich, dass die App am Dienstag (2. Juni) eingeführt werden könnte. „Es ist der richtige Zeitpunkt, denn die Franzosen sind immer mehr daran interessiert, rauszugehen und wieder ein soziales Leben zu führen“, hatte O der Zeitung „Le Figaro“ gesagt. Da die Nutzung der App freiwillig ist, ist laut Regierung keine gesetzliche Regelung notwendig.

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren. Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Paris macht kleine Schritte in Richtung Normalität

Mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist der Vorplatz der Kathedrale wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Auch die wegen der Corona-Krise geschlossenen Bistros können wieder öffnen.

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Die Menschen können vor der Kathedrale Notre-Dame wieder flanieren.

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Notre-Dame rückt wieder näher

Kleine Lichtblicke in Paris. Mitten in der Corona-Krise mehr als ein Jahr war der Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame gesperrt, nun ist er wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Nach dem verheerenden Brand war er wegen der Belastung durch allerlei Giftstoffe abgesperrt worden. Mehrere Male musste er gereinigt werden, bis die Gesundheitsbehörde nun eingewilligt hat, den Platz wieder zu öffnen. Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach bei der feierlichen Wiedereröffnung des riesigen Platzes von „einer Art Wiedergeburt“. Die Kathedrale auf der Ile-de-la-Cité sei „die Seele von Paris“.

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Im Dachstuhl von Notre-Dame war am Abend des 15. April vergangenen Jahres während Restaurierungsarbeiten ein Feuer ausgebrochen. Große Teile des Daches sowie der Spitzturm stürzten ein. Als mögliche Ursache des Brandes gelten ein Kurzschluss oder eine achtlos weggeworfene Zigarette. Unmittelbar nach dem Brand hatte Staatschef Emmanuel Macron den Franzosen versprochen, die Kirche bis zum Sommer 2024 wieder aufzubauen.

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Für die Einwohner von Paris ist die Öffnung des Platzes aber nicht nur ein kleiner Hoffnungsschimmer im noch immer nicht entschiedenen Kampf um die Zukunft der Kathedrale. Seit Monaten ist die Stimmung wegen der Corona-Pandemie gedrückt. Nun hat wurde nicht nur Vorplatz von Notre-Dame aufgemacht, sondern auch die Parks der Stadt. Auch sie waren wegen der Pandemie geschlossen worden. Zudem werden am 2. Juni auch die Bistros und Restaurants in Frankreich nach einer fast drei Monate währenden Zwangspause wieder Gäste bewirten. Die Regierung hatte die Lockerung der coronabedingten Beschränkungen in der vergangenen Woche angekündigt. In Paris hält sich die Freude der Gastwirte allerdings in Grenzen – denn in der schwerer von der Covid-19-Epidemie getroffenen Hauptstadtregion darf nur auf Außenterrassen der Lokale getrunken und gegessen werden.

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Die um ihre Wiederwahl kämpfende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte am Wochenende bereits an, dass Lokale mehr Platz als üblich auf der Straße einnehmen können, falls sie Sicherheitsbestimmungen und andere Regeln einhalten. Insbesondere Bistros, die üblicherweise den ganzen Tag geöffnet haben und typische Gerichte servieren, gehören zur französischen Hauptstadt: „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte die sozialistische Bürgermeisterin.

Ein Garten Eden im Großstadt-Dschungel

Frisches Gemüse mitten aus der Großstadt – in Paris ist das kein Problem. Auf dem Dach einer Messehalle in Porte de Versailles werden Bioprodukte angebaut.

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Erdbeeren vom Dach – die Bio-Produkte werden vor allem an Restaurants verkauft

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Salat, Thymian, Tomaten – alles vorhanden

Das Summen der Bienen ist nicht zu hören. Der nie versiegende Straßenlärm drängt zwischen den Häusern unaufhörlich nach oben und legt sich wie ein monotoner Klangteppich sanft über alle anderen Geräusche. Dieses nicht unangenehme Grundrauschen ist die ideale Begleitmusik für diese surreale Welt auf dem Dach der Halle 6 im Messezentrum Porte de Versailles in Paris. Auf fast 15.000 Quadratmetern entsteht hier ein moderner Garten Eden. Aus hohen Plastiksäulen sprießen Erdbeerpflanzen, deren Früchte appetitlich rot in der Sonne leuchten, daneben wächst Salat, Mangold, Pfefferminze oder Thymian und dazwischen stehen kleine Tomatenstauden.

Die größte Stadt-Farm Europas

Sophie Hardy hat einen eher pragmatischen Blick auf das üppige Grüne. „Wir nutzen im Moment etwa ein Drittel der möglichen Fläche“, sagt die Betriebsleiterin des Unternehmens Nature Urbaine, das die Anlage betreibt. „In den kommenden beiden Jahren werden wir den Rest des Daches bepflanzen.“ Weil sehr viel Gemüse und Früchte in dann fast 2000 vertikalen Säulen angebaut wird, wird sich die Anbaufläche am Ende auf 80.000 Quadratmeter erstrecken – und das Projekt ist damit die größte Stadt-Farm Europas.

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Die Betriebsleiterin Sophie Hardy

Urban Gardening liege im Trend, erklärt Sophie Hardy. „Die Menschen achten mehr darauf, was sie essen. Es soll biologisch sein und möglichst regional oder lokal angebaut werden.“ Aus diesem Grund wurde bei der Sanierung der Halle 6 des Pariser Messezentrums beschlossen, auf dem Dach die Farm zu installieren und in diesem Frühjahr in Betrieb zu nehmen. Um Gewicht zu sparen, werden Hydrokulturen und leichtes Substrat eingesetzt. Das hat allerdings einen kleinen Nachteil: weil die Pflanzen nicht in normaler Erde wachsen, bekommen sie nicht das französische Bio-Siegel. „Wir verwenden keine Insektizide oder andere Chemikalien“, versichert Sophie Hardy, „unsere Produkte sind also auch zu 100 Prozent bio.“ Am Ende werde die Farm jeden Tag „1000 Einheiten“ produzieren, sagt sie, das sei ein Kilo Gemüse und eine Schale Früchte oder einen Bund frische Kräuter.

Restaurants schätzen die kurzen Lieferwege

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Aus solchen Säulen wachsen die Pflanzen

Die edlen Restaurants und Hotels rund um das Messezentrum Porte de Versailles haben den Vorteil der kurzen Lieferwege und natürlich den enormen Werbewert erkannt. Sie werden den Großteil der Ernte der Dachgärtner abnehmen, die sich je nach Saison im Laufe eines Jahres ständig verändern wird. Da im Moment wegen der Corona-Sperren allerdings noch alle Gastronomiebetriebe geschlossen sind, haben sich die Verantwortlichen von Nature Urbaine entschieden, die Produkte dieses ersten Frühjahrs an die Anwohner im 15. Arrondissement von Paris zu verkaufen. So werden Gemüsekisten zusammengestellt, die über das Internet für 15 Euro bestellt und jeden Abend vor dem Rathaus des Stadtteils abgeholt werden können.

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Die Anwohner sind eingeladen mitzumachen

Zum Konzept des Urban Gardening gehört in diesem Fall allerdings auch, dass die Menschen mitmachen sollen. „Wir haben knapp 140 Parzellen, wo die Anwohner anbauen können, was sie wollen – solange es legal ist“, sagt Sophie Hardy lachend und zeigt auf eine Reihe von Hochbeeten, von denen jedes etwa zwei Quadratmeter misst. 320 Euro pro Jahr kostet eine Parzelle, darin inbegriffen sind auch zwei Mal wöchentlich die Tipps von Profis an die Hobbygärtner. Zudem haben die Beete ein automatisches Bewässerungssystem, was vor allem im Hochsommer das leidige Wasserschleppen und nach dem Urlaub einige vertrocknete Überraschungen erspart. Der Drang der Städter, sich zumindest ein kleines Stück Natur zu erobern und mit den eigenen Händen in der Erde zu graben ist enorm. Schon nach wenigen Tagen waren fast alle Parzellen vermietet.

„Der Wind ist unser Feind“

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Tomaten lieben keinen Wind

Trotz einer ausgeklügelten Planung müssen die Macher von Nature Urbaine in den ersten Monaten allerdings auch mit unerwarteten Problemen kämpfen. „Der Wind ist unser Feind“, sagt Sophie Hardy. Es gefalle nicht allen Pflanzen auf dem Dach hoch über der Stadt, dass ständig an ihnen herumgezerrt wird. „Wir haben dafür noch keine endgültige Lösung, aber wir arbeiten daran.“ Was die Betriebsleiterin noch mehr erstaunt: „Es gibt hier oben keine Insekten, die die Blüten der Pflanzen bestäuben könnten.“ Die Gründe liegen auf der Hand: das 15. Arrondissement von Paris ist sehr dicht bebaut, wirklich großen Parks mit blühenden Wildpflanzen sucht man vergebens und in unmittelbarer Nähe des Messegeländes verläuft die Périphérique, die große Stadtautobahn.

Keine Insekten auf dem Dach

Die Situation verbessere sich aber von Woche zu Woche. „Je mehr blühende Pflanzen wir haben, desto mehr Insekten sind zu finden“, beschreibt Sophie Hardy sichtlich zufrieden den Fortschritt, der allerdings eher im Schneckentempo vorangeht. Um der Natur etwas unter die Arme zu greifen, wurde zu Testzwecken ein Bienenstock auf dem Dach platziert. Und so schwirren die fleißigen Helfer inzwischen eifrig zwischen den Säulen mit den blühenden Erdbeerpflanzen umher. Angesichts dieses ersten Erfolges werden dem ersten Bienenvolk noch weitere folgen.

Noch kein Städtetrip nach Paris – aber Hoffnung für den Urlaub im Sommer

Der Städtetrip nach Paris über Pfingsten fällt flach. Trotz vieler Erleichterungen in der Corona-Krise, bleiben die Grenze zu Deutschland noch geschlossen. Allerdings macht der Premierminister für den Sommer Hoffnung für die Urlauber – auch aus dem Ausland. Fakt ist: In weiten Teilen können Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber bald wieder öffnen. In den als grün eingestuften Gebieten sei das ab dem 2. Juni möglich, kündigte Frankreichs Premier Édouard Philippe an. 

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Die Bistros dürfen in Frankreich wieder öffnen – in Paris allerdings nur der Außenbereich

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Lockerung der Corona-Auflagen

Die Franzosen können wieder ins Restaurant gehen und sich im Park in die Sonne legen. Premierminister Edouard Philippe kündigte weitere Lockerung der Corona-Auflagen an. Allerdings gelten diese erst nach Pfingsten. Grund für die Erleichterungen sind die deutlich langsamer steigenden Infektionszahlen. Doch der Regierungschef warnte die Franzosen vor zu viel Übermut: „Der Virus ist noch nicht besiegt.“

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Noch keine Einreise nach Frankreich möglich

Die Touristen aus Deutschland müssen sich allerdings noch gedulden. Zwar werden die Reisebeschränkungen für die Franzosen aufgehoben, das gilt allerdings nicht für EU-Bürger. Seit Ende der Ausgangssperre am 11. Mai können sich die Franzosen mit wenigen Ausnahmen bislang nur im Radius von 100 Kilometern um ihren Wohnort bewegen. Reisen aus Deutschland nach Frankreich werden wahrscheinlich erst ab dem 15. Juni wieder möglich sein, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Einreise auf wenige Ausnahmen beschränkt und war nur mit einem triftigen Grund möglich. Frankreich setzt sich dem Premier für die Aufhebung der Einreisebeschränkungen für EU-Bürger ab dem 15. Juni ein.

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Am 28. Juni will die Regierung in Paris dann die Lage neu bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Dann dürften auch Aussagen dazu möglich werden, ob und wie ein Urlaub in Frankreich möglich sein wird.

Eine besondere Situation in Paris

Vorerst gilt, dass bis Ende Juni nun auch die seit Monaten geschlossenen Restaurants, Bars und Cafés wieder öffnen dürfen – wenn sie die Hygieneregeln befolgen. Einschränkungen gibt es allerdings noch immer in Paris und der Region um die Millionenmetropole, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. Dort dürfen vorerst nur die Außenbereiche öffnen. Für große Erleichterung sorgt in Paris aber die Öffnung der  Parks und öffentlichen Gärten, für die sich die Stadtverwaltung eingesetzt hatte. Dazu gehören etwa auch die berühmten Tuilerien am Louvre.

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Gute Nachrichten für die Pendler

Gute Nachrichten auch für die Pendler im deutsch-französischen Grenzgebiet. Dort entspannte sich die Lage der Regierung zufolge: Die Region gehörte bisher zu den „roten“ Risikozonen und wird nun zum „grünen“ Gebiet. Erhöhte Wachsamkeit gilt vor allem noch im Pariser Großraum. Das Gebiet mit zwölf Millionen Bewohnern wechselt von „Rot“ zu „Orange“. In den „grünen“ Gebieten können auch Theater und Konzertsäle sowie Fitnessstudios unter Auflagen öffnen. Für Kinos soll dies erst ab Ende Juni möglich sein.

Urlaub in Frankreich – ein kleiner Ausblick auf eine unsichere Lage

Frankreich gehört in Europa zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder. Fast 30.000 Menschen sind dem Virus bereits zum Opfer gefallen. Nun rückt die Ferienzeit näher und nicht nur die Franzosen fragen sich, ob ein Urlaub in diesen Zeiten überhaupt möglich ist.

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Die Bistros in Paris sind geschlossen – wann sie öffnen können ist mehr als ungewiss.

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Franzosen sollen im Land bleiben

Nach der Vorstellung der Regierung sollen die Menschen in Frankreich diesen Sommer vor allem heimische Touristenziele anpeilen. Derzeit sei ein Urlaub im Ausland nicht zu empfehlen, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian unlängst. Man müsse abwarten, wie sich die Lage entwickelt und hoffe, dass Urlaub in Europas bald wieder möglich sei.

Im Moment ist es den Franzosen verboten, sich weiter als 100 Kilometer von ihrem Zuhause zu entfernen. Im Fernsehen laufen aus diesem Grund Sendungen, die Ausflugstipps geben. Das Einhalten der Regelung wird streng kontrolliert. Der Außenminister unterstrich, dass es wohl erst Mitte Juni möglich ist, eine Prognose zu wagen, inwieweit man die Grenzen in Europa wieder öffnen kann.

Viele Strände sind wieder offen

Bis Ende Juni soll ein Großteil der Touristenziele in Frankreich wieder öffnen. Einige Strände am Atlantik und am Mittelmeer sind bereits wieder zugänglich – allerdings gelten dort strenge Regeln. Auch wer hier gegen die Auflagen verstößt, hat mit empfindlichen Strafen zu rechnen.

Große Museen hoffen auf den Juni

Die Regierung will Ende dieser Woche einen Ausblick zu den weiteren Entwicklungen geben. Große Museen wie der Louvre in Paris hoffen, Mitte Juli wieder aufmachen zu können. Kleinere Museen dürfen schon wieder Besucher empfangen. Cafés und Restaurants in Frankreich können eventuell ab dem 2. Juni in den Regionen wieder öffnen, in denen das Virus weniger verbreitet ist. In Paris dürfte das aber nicht der Fall sein.

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Der Sonderfall Paris

Paris ist ein Sonderfall. Die Stadt wird jedes Jahr von rund 35 Millionen Menschen besucht – liegt aber in einer sogenannten „roten Zone“. Das heißt, dass noch ziemlich viele Neuinfektionen durch das Corona-Virus zu verzeichnen sind. Aus diesem Grund haben in der Millionenstadt auch noch immer die Bistros. Restaurants und Hotels geschlossen. Auch die Parks sind nicht zugänglich, was von der Bürgermeisterin Anne Hidalgo schwer kritisiert wird.

Urlaub in Frankreich

Für Touristen aus Deutschland gilt im Moment, dass sie nicht nach Frankreich einreisen dürfen. Eine Urlaubsreise ist kein Grund, die Grenze zu überqueren. Zwar wird nicht mehr so scharf kontrolliert wie am Anfang, aber er ertappt wird, wird rigoros zurückgeschickt. Allerdings geht man davon aus, dass diese Restriktion noch im Juni aufgehoben wird. Dann werden wohl auch die Reisewarnungen aus Deutschland für andere Länder fallen.

Furcht vor der „zweiten Welle“

Das Problem ist, dass nicht abzusehen ist, wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickeln wird. Das wird von den Zahlen der Neuinfektionen abhängen, da Frankreich – ebenso wie viele andere Länder in Europa – eine „zweite Welle“ befürchten. Wahrscheinlich ist, dass ein Urlaub in den grünen Zonen (das wird vor allem die Küste sein) möglich sein wird. Unter welchen Bedingungen das geschieht, ist allerdings fraglich.

Unsichere Aussichten in Paris

Für Paris sieht die Lage wesentlich schlechter aus. Dort dürfte es noch bis weit in den Juni hinein dauern, dass die Restaurants ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Möglich ist, dass eventuell die Außenterrassen schneller wieder aufmachen dürfen – allerdings werden dann strenge Sicherheitsregeln gelten. Auch ist nicht abzusehen, wann die Hotels wieder öffnen. Für Ferienwohnungen gilt dasselbe.