Trauerfeier in Paris für getötete Soldaten

Mit einer bewegenden Trauerfeier in Paris nimmt Frankreich Abschied von zwei getöteten Soldaten. Cedric de Pierrepont und Alain Bertoncello sind bei der Befreiung von vier Geiseln in Burkina Faso ums Leben gekommen. Die Särge der beiden Männer wurden durch die Straßen von Paris zum Hotel des Invalides gefahren. Zehntausende Menschen säumten am Dienstagmorgen den Weg.

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Eine Spezialeinheit der französischen Armee hatte in der Vorwoche in der Sahelzone im Norden von Burkina Faso vier ausländische Geiseln befreit. Zwei französische Touristen sowie eine US-Bürgerin und eine Südkoreanerin sind wieder auf freiem Fuß. Die vier Entführer wurden erschossen, wie der Elysée-Palast am Freitag in Paris mitteilte.

Die Geiseln waren am 1. Mai in Benin entführt worden. Sie verschwanden nach einer Safari im Pendjari-Nationalpark spurlos. Ihr Reiseführer wurde vor wenigen Tagen tot in dem Park aufgefunden. Die militärische Befreiungsaktion fand den Angaben nach in der Nacht zu Freitag im Norden von Burkina Faso, einem Nachbarland Benins, statt.

In dem Gebiet sind bewaffnete Gruppen sowie Dschihadisten aktiv, die mit den Terrorgruppen Al-Kaida und Islamischer Staat (IS) verbündet sind. Bisher bekannte sich jedoch niemand zu der Entführung.

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Präsident Emmanuel Macron hatte den offiziellen Staatsakt im Hotel des Invalides angeordnet. Nach der Befreiungsaktion, die der Staatschef persönlich angeordnet hatte, schlug ihm viel Kritik entgegen. Es heißt, er wolle sich kurz vor der Europawahl als Patriot darstellen, um Stimmen zu sammeln. ENDE-ENDE

Guerilla-Aktion in Spitzenunterwäsche

Die etwas andere Modenschau in Paris. 40 Frauen gehen auf die Straße und kämpfen auf ihre Art für ein vielseitigeres Frauenbild. Das ganze nennt sich „The All Sizes Catwalk“ .

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Die etwas andere Demo am Trocadéro in Paris

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Kämpferinnen in Spitzenunterwäsche

Paris erlebt eine Modenschau der besonderen Art. 40 Frauen in weißer, aufreizender Spitzenunterwäsche flanieren am Trocadéro zwischen den sichtlich irritierten Touristen. Viele Passanten zücken die Kamera, die Models werfen sich vor dem Eiffelturm im Hintergrund bereitwillig in Pose. So sieht eine Guerilla-Aktion des Kollektivs „The All Sizes Catwalk“ aus. Der überraschende Auftritt hat einen ernsten Hintergrund. Die Frauen wollen darauf aufmerksam machen, dass in der Werbung oder auf den Modenschauen nicht das wirkliche Frauenbild gezeigt werde.

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„Mit der Aktion wollen wir die Modehäuser daran erinnern, dass es viele verschiedene Frauentypen gibt“, sagt eine der Teilnehmerinnen, „wir wollen zeigen, wie wir in Wirklichkeit aussehen.“ Zum Kollektiv, das sich am Sonntag am Trocadéro traf, gehörten Frauen in Kleidergröße 34 bis 52, im Alter von 18 bis 45 und mit allen Hautfarben. Über die Laufstege bei den Modenschauen in aller Welt liefen nur perfekte Frauen, kritisiert die Aktivistin weiter. „Aber kein Mensch ist perfekt, wir haben alle Fehler, wir haben Cellulite, Übergewicht, einen zu dicken Bauch, einen schlaffen Busen.“

„The All Sizes Catwalk“

Die Idee zum „The All Sizes Catwalk“ stammt von Georgia Stein – selbst ein Plus-Size-Mannequin. Sie stößt sich nach eigenen Aussagen schon länger daran, welche Frauen in der Modewelt repräsentiert werden. Inspiriert wurde sie von ähnlichen Aktionen in den USA. Im vergangenen Jahr nahmen an einer ähnlichen Aktion in Paris am Trocadéro nur neun Frauen teil. Dass dieses Mal mehr Models dabei waren, wertet Georgia Stein als Erfolg. Einziger Nachteil: das Wetter spielte nicht wirklich mit. Die sehr leicht bekleideten Frauen trotzten zwar lange dem nasskalten Aprilwetter, flüchteten dann aber doch ziemlich schnell in den bereitgestellten Bus.

 Notre-Dame lockt Selfie-Jäger

Nach dem Brand in Notre-Dame strömen die Touristen in Massen zu der Kathedrale. Die Katastrophe übt eine große Anziehungskraft aus.

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Touristen strömen zum Ort des Infernos

Die Touristin aus den USA ist ziemlich enttäuscht. „Man sieht von dem Schaden ja gar nichts“, ruft sie ihrem Begleiter im Straßenlärm zu und stellt sich in Pose für ein Urlaubsfoto – sie im Vordergrund, Notre-Dame dahinter. Zwei Tage ist es her, dass die Kathedrale im Herzen von Paris fast ein Raub der Flammen geworden wäre. Das Dach ist völlig ausgebrannt, große Teile der Konstruktion sind ins Kirchenschiff gestürzt, Kunstschätze von unschätzbarem Wert wurden zerstört. Während Fachleute an der Außenfassade versuchen, die Schäden festzustellen, strömen schon wieder die Touristen zu dem weltberühmten Gotteshaus, das mit über 13 Millionen Besuchern pro Jahr das meistbesuchte Bauwerk Frankreichs ist.

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Manche Touristen regen sich auf, dass die Polizei das Gelände weiträumig abgesperrt hat und sie nicht näher an das Objekt der Begierde gelangen, aber den meisten Besuchern ist – neben einer großen Neugier – das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Andere haben es sich in den Brasserien am angrenzende Quai de Montebello bequem gemacht und blicken bei einem Café und Croissant auf das Spektakel.

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Zehntausende Menschen drängeln sich an diesem sonnigen Morgen am Ufer der Seine, um den besten Blick auf das Drama zu bekommen. Auf der anderen Seite, auf der Île de la Cité, steht das geschundene Bauwerk, stolz thront es dort, aber auch schwer angeschlagen. Das Dach ist weg, der Mittelturm fehlt, wie durch ein Wunder konnte der völlig verbogene Wetterhahn in den Trümmern geborgen werden, der viele hundert Jahre von der höchsten Spitze über Paris blickte. Am Ufer des Flusses patrouillieren Polizisten, die es inzwischen aufgegeben haben, den Touristen zu verbieten, in halsbrecherischen Aktionen auf die Kaimauer zu steigen, um bessere Selfies von sich und der Kathedrale zu machen. „Die Leute lassen sich nichts sagen, manche werden sogar richtig wütend, wenn wir einschreiten“, sagt ein junger Beamter und schüttelt den Kopf.

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Eine ältere Frau steht etwas abseits am Rand der Seine und blickt regungslos auf Notre-Dame, Tränen rinnen unter ihrer dicken Brille über ihre Wangen. Sie kommt aus Italien, eine Woche sei sie in Paris und wollte eigentlich alle Museen und Sehenswürdigkeiten besichtigen. Dann aber musste sie am Montagabend miterleben, wie Notre-Dame ein Raub der Flammen wurde. „Ich habe seitdem nicht mehr geschlafen und komme nun jeden Tag hierher“, sagt die pensionierte Lehrerin und will wissen, wo man für den Wiederaufbau spenden kann. Als sie hört, dass schon fast eine Milliarden Euro für das Projekt versprochen sind, ist sie sichtlich erleichtert und die Geschichte von dem wiedergefundenen Wetterhahn rührt sie zu weiteren Tränen.

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Ein paar Meter weiter sitzt ein Mann unter einem Baum und malt. Er stellt sich vor als „Simon, der Künstler“, auf dem Schoß hält er ein großflächiges Aquarell, neben sich stehen allerlei Farben. „Ich wohne nur 500 Meter von hier“, erzählt er. „Als ich gesehen habe, dass Notre-Dame brennt, bin ich sofort an das Ufer der Seine geeilt. Es war schrecklich!“ Zuerst habe er mit seiner Kamera unzählige Fotos gemacht, doch nun müsse er sich entschleunigen, um wirklich begreifen zu können, was an jenem Abend passiert ist. Dass er in dieser Szenerie für viele der Schaulustigen selbst zum pittoresken Fotomotiv wird, kümmert ihn wenig. „Jeder geht mit dem Verlust auf eine andere Weise um“, sagt Simon. Im Grunde labe er sich mit seiner Kunst ja auch an der Katastrophe. Er selbst werde über das Inferno auch noch ein Gedicht schreiben oder eine Erzählung. Solche Dramen müssten für spätere Generationen festgehalten werden.

Eine Katastrophe eint Frankreich

Nach dem verheerenden Feuer in der Kathedrale Notre-Dame werden die Schäden begutachtet. Nur eines steht außer Frage: das Gotteshaus wird wieder aufgebaut.
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Kämpfen bis zur Erschöpfung

Die beiden Feuerwehrmänner wollen nichts sagen. Seit Stunden sind sie im Einsatz, müde winken sie ab. Die Helme unter dem Arm schleppen sie sich abgekämpft über den mit schwarzer Asche bedeckten Vorplatz von Notre Dame zum Einsatzwagen, nehmen einen Schluck aus der Wasserflasche, setzen sich erschöpft in das Fahrzeug, die Augen geschlossen, die Hände wie zum Beten gefaltet.
Noch vor wenigen Minuten standen die Männer auf dem rechten der fast 70 Meter hohen Türme der Kathedrale. Ihre Aufgabe: die Schäden einzuschätzen, die das verheerende Feuer in der Nacht hinterlassen hat. Doch es ist noch zu früh, um Genaues zu sagen. Fest steht nur, dass der Brand in den frühen Morgenstunden gelöscht werden und die größte Katastrophe abgewendet werden konnte. Die beiden Türme stehen noch, die tonnenschweren Glocken sind nicht in die Tiefe gestürzt. Doch für die Feuerleute ist das ein schwacher Trost. Sie haben das Feuer besiegt, aber dennoch verloren.

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Gegen sieben Uhr am Vorabend schlagen die ersten Flammen aus dem Dach der Kathedrale von Notre Dame im Herzen von Paris. In dem über 800 Jahre alten, trockenen Gebälk greift das Feuer rasend schnell um sich. Innerhalb von Minuten brennen rund 1000 Quadratmeter Dachfläche. Eine mehrere Hundert Meter hohe Rauchsäule steigt in den wolkenlosen Himmel der französischen Hauptstadt. Auf den Brücken über der Seine rund um die Insel Île de la Cité sammeln sich Zehntausende Schaulustige, die das Feuer aus der Entfernung beobachten. In den Gesichtern der meisten Menschen ist schieres Entsetzen zu lesen. Als die Spitze des Daches in sich zusammensackt und Teile des Daches nach unten ins Kirchenschiff fallen, fahren Flammen und Funken hoch in den Himmel. Menschen schreien, andere beginnen laut zu beten, eine Gruppe singt das Ave Maria, die meisten starren fassungslos in das Inferno.

Die Feuerwehr muss sich rechtfertigen

Am Morgen danach steht Gabriel Plus, Sprecher der Feuerwehr, betont ruhig auf dem Vorplatz der Kathedrale. „Das ganze Feuer ist aus“, sagte er. Nun beginne die Phase der Begutachtung. Man habe die ganze Nacht über sichergestellt, dass das Feuer nicht wieder ausbreche und die gesamte Gebäudestrukturen überwacht. „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, ergänzt Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet. Dies soll nun auch mit Lasertechnik untersucht werden. „Zwei Drittel des Dachstuhls wurden verwüstet“, fügte er jedoch hinzu. Bei dem Brand seien nach ersten Erkenntnissen drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handele es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann.

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Die Einsatzkräfte gegen sich betont zurückhaltend, zeigen aber sehr wenig Verständnis für die guten Ratschläge, die ihnen noch in der Nacht aus aller Welt entgegenschlugen, wie das lodernde Feuer am besten zu bekämpfen sei. Immer wieder kam etwa der Vorwurf, warum keine Löschflugzeuge eingesetzt worden seien. Sogar Donald Trump, der Präsidenten der USA, mischte sich virtuell in die Löscharbeiten ein. „Bei einem solchen Feuer entstehen Temperaturen von bis zu 1000 Grad Celsius“, erklärt ein Feuerwehrmann am Morgen nach dem elfstündigen Einsatz von über 800 Leuten. Man müsse in solchen Fällen ganz vorsichtig von außen löschen. Irgendwann sei es in der Nacht vor allem darum gegangen, die umliegenden Bauteile zu schützen und das Ausbreiten des Brandes auf die beiden Türme zu verhindern.

Aufklärung für Besserwisser

Selbst über die sozialen Netzwerke versucht die Pariser Feuerwehr nach der Katastrophe, die Besserwisser aufzuklären. In diesem Fall hätte der Einsatz von Löschhubschraubern nichts gebracht, ist auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu lesen. Im Gegenteil, das wäre sogar schlecht gewesen. Die Wassermassen hätte sehr wahrscheinlich die gesamte Dachkonstruktion zum Einsturz gebracht und den Schaden noch vergrößert.

Suche nach der Ursache

Gerätselt wird am Morgen nach dem Feuer weiter über die Ursache. Von Seiten der Staatsanwaltschaft in Paris heißt es, dass eine Untersuchung wegen unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer eingeleitet worden sei. Von Brandstiftung ist bislang nicht die Rede. Die meisten Vermutungen gehen in die Richtung, dass das Feuer mit den Renovierungsarbeiten auf dem Dach der Kathedrale zusammenhängen. Erst wenige Tage zuvor waren in einer spektakulären Aktion mit einem Kran 16 Heiligenfiguren vom Dach geholt worden. Noch in der Nacht haben Ermittler damit begonnen, die Arbeiter der Baustelle zu befragen.

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Der Direktor von Notre Dame sieht keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. Nach seinen Worten gebe es Brandaufseher, die drei Mal täglich den Dachstuhl prüfen, sagte Patrick Chauvet dem Sender France Inter. „Ich denke, dass man nicht mehr machen kann.“ Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen könne. Man müsse nun prüfen was passiert sei – er wisse noch nichts.

Große Sorge galt während des Brandes auch den Kunstschätzen in der Kirche, deren Wert unermesslich ist und die jedes Jahr 13 Millionen Besucher anlocken. In Sicherheit ist die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, erklärte Patrick Chauvet. Sie gilt als eine der wertvollsten Reliquien, die in Notre-Dame zu sehen waren. Auch die große Orgel, die erst vor wenigen Jahren aufwändig renoviert worden ist, scheint nach ersten Angaben der Feuerwehr noch intakt. Wie es um die berühmten Rosettenfenster steht, ist noch nicht klar. Sie scheinen rein äußerlich den Brand überstanden zu haben, doch in welchem Zustand sie sind, muss von den Fachleuten noch untersucht werden. Auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo versicherte, das Gros der Kunstschätze und religiösen Relikte sei aus Notre-Dame herausgeholt worden. In den sozialen Medien postete Kulturminister Franck Riester Bilder, auf denen Leute Kunstwerke in Lastwagen luden.

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Die Welle der Hilfsbereitschaft nach dem Brand macht deutlich, welche Bedeutung Notre Dame für die Franzosen und die ganze Welt hat. Ein geschockter Passant sagte angesichts der hohen Flammen, die aus dem Dach der Kirche schlugen: „Dort brennt das Herz Frankreichs.“ Dabei geht die Bedeutung des Bauwerks weit über seinen kunstgeschichtlichen Rang als Inbegriff gotischer Baukunst hinaus, die Kathedrale ist ein Teil der nationalen Identität des Landes.

Das im Herzen von Paris auf der Seine-Insel Ile de la Cité gelegene Gotteshaus war in seiner Geschichte immer wieder Schauplatz geschichtlich bedeutender Ereignisse, von der Salbung Heinrichs VI. von England zum französischen König im 100-jährigen Krieg 1431 über die Kaiserkrönung Napoléons 1804 bis zu den Staatsbegräbnissen der Präsidenten Charles de Gaulle (1970) und François Mitterrand (1996). Noch heute erinnern sich viele Franzosen daran, wie nach dem zweiten Weltkrieg die Glocken der Kathedrale läuteten, als die Stadt von den Nazi-Besatzern befreit war. Im November 2015 gedachte Frankreich dort der 130 Todesopfer der islamistischen Terroranschläge.

Kein Wunder also, dass Präsident Emmanuel Macron eine geplante Fernsehansprache an sein Volk kurzerhand absagte und noch in der Nacht der Katastrophe auf die Ile de la Cité eilte. „Ich sage Ihnen heute Abend feierlich: Diese Kathedrale, wir werden sie wiederaufbauen, alle zusammen“, sagte der Staatschef mit bebender Stimme vor der brennenden Kirche in die Mikrophone. „Das ist es, was die Franzosen von uns erwarten.“

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Fachleute schätzen, dass es Jahrzehnte dauern werde, bis Notre-Dame wieder im alten Glanz erstrahlen kann – und Unsummen von Geld verschlingen wird. Angesichts der Bedeutung der Kathedrale für das Gedächtnis nicht nur Frankreichs, sondern der gesamten Menschheit, sind aber schon Stunden nach dem Inferno Hilfszusagen aus der ganzen Welt eingegangen. In den französischen Zeitungen werden Tipps gegeben, wie jeder einzelne Geld geben kann für Notre-Dame. In Frankreich ist zwischen den Unternehmen ein regelrechter Wettlauf ausgebrochen. Gemeldet haben sich bereits mehrere Großspender. Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über Arnaults Luxuslabel LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zuvor hatte bereits die französische Milliardärsfamilie Pinault 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau versprochen. Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber, Mäzene und Konkurrenten bekannt. Auch Patrick Pouyanné, Chef von Total hat angekündigt, dass sein Unternehmen 100 Millionen geben werde.

Am Tag nach der Katastrophe steht Frankreich noch immer unter Schock. Doch bei den Franzosen zeigt sich auch der Wille, sich nicht von einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit anstecken zu lassen. Immer wieder wurde zuletzt wegen zu zunehmenden sozialen Spannungen von der tiefen Spaltung der Gesellschaft gesprochen, doch angesichts dieser Katastrophe sind sich alle Franzosen einig wie selten zuvor: Notre-Dame wird wieder aufgebaut.

Notre-Dame steht in Flammen

Ein Teil des berühmtesten Wahrzeichen der Welt wird ein Raub des Feuers. Die Schäden sind noch nicht abzusehen.  

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Aussichtsloser Kampf gegen das Feuer

Riesige Flammen schlagen aus dem Dach, eine gewaltige Rauchsäule steigt hoch in den Himmel über Paris – Notre-Dame brennt lichterloh. Völlig fassungslos stehen zehntausende Menschen auf den Brücken über die Seine und beobachten die Katastrophe. „Ich kann es nicht fassen“, sagt eine ältere Dame und ringt mit den Tränen, „ich kann es nicht fassen, was in diesen Minuten alles verbrennt.“ Die Feuerwehrleute kämpfen in diesen Stunden nicht nur gegen die Flammen, sondern auch gegen den dichten Abendverkehr in Paris. Auf den Straßen an der Seine entlang stauen sich tausende Autos, es gibt kein Vor und kein Zurück. Die Einsatzfahrzeuge stehen mit Blaulicht und Sirene fest. Polizisten versuchen immer aufgeregter, die Kreuzungen zu räumen, damit die Löschzüge zur Kathedrale durchkommen, aber es dauert alles sehr langt. Bisweilen müssen die Einsatzkrätfe bei sehr hartnäckigen Gaffern auch etwas handgreiflich werden.

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Anfang deutlich zu sehen war, dass das Feuer von einem kleinen Turm in der Mitte des Daches ausging und dann auch den gesamten Dachstuhl übergegriffen hat. Nach Angaben eines Polizisten ist dieser Teil in sich zusammengebrochen. Die beiden monumentalen Türme der Kathedrale sind zwar in dunklen Rauch gehüllt, doch niemand kann sagen, inwieweit sie vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Die Polizei oder die Feuerwehr gab allerdings bis in den späten keine offizielle Stellungnahme heraus. Nur so viel scheint klar, dass der Brand gegen 18.50 Uhr entdeckt worden ist.

Suche nach der Ursache

Allerdings liegt es nahe, dass das Feuer mit den Renovierungsarbeiten des Daches zusammenhänge könnte. Noch vor wenigen Tagen sind 16 große Figuren mit einer spektakulären Aktion vom Dach geholt worden, damit die Arbeiten fortgesetzt werden konnten.

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Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach auf Twitter von einem „fürchterlichen Brand“. Die Feuerwehr versuche, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich tief betroffen angesichts des Feuers in einem der Wahrzeichen Frankreichs. Der Staatschef wollte eigentlich am Abend eine wichtige Fernsehansprache zu den vom ihm geplanten Reformen geben, sagte diese aber ab. „Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation“, teilte der Präsident auf Twitter mit. Er sei in Gedanken bei allen Katholiken und allen Franzosen. Wie alle französischen Mitbürger sei er an diesem Abend traurig, „diesen Teil von uns brennen zu sehen“.

Auch außerhalb von Frankreich löste der Brand Entsetzen aus.  „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir sind heute alle bei Paris.“ Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“ Er fügte hinzu: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“
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Die Kathedrale von Notre-Dame ist eine wichtigsten Attraktionen in Paris. Sie wird jedes Jahr von vielen Millionen Touristen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité. Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.
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Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal zuletzt schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz – und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung. Für die Sanierung des weltberühmten Bauwerks war vor einiger Zeit eine kirchliche Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

Am Abend der Katastrophe stehen die Menschen bis in die späten Abendstunden auf den Straßen und beobachten den Brand. Erst nach Stunden sind zumindest aus der Ferne keine Flammen mehr zu sehen und es steigt nur noch wenig Rauch auf. „Das ist ein schlechtes Zeichen“, sagt ein Mann in der Menge. „Das Feuer hat nun nichts mehr, womit es sich füttern kann. Es ist alles aus.“

Randale bei Protesten der Gelbwesten

Bei Protesten der „Gelbwesten“ ist es in Paris wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Vor allem auf den Champs-Élysées und rund um den Triumphbogen an der Spitze der Prachtmeile kam es am Samstagvormittag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Maskierte und schwarz gekleidete Demonstranten Pflastersteine in Richtung der Polizisten. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Hier ein Video von den Protesten:

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Ein Wohnhaus ging bei den Protesten in Flammen auf – eine Mutter und ihr Baby wurden gerettet. Das Feuer wurde nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner vorsätzlich gelegt. Es brach in einer Bank im Erdgeschoss des Haues in der Nähe des Champs-Élysées aus und breitete sich dann aus.

Feuerwehr rettet Mutter und Kind

Die Mutter und ihr Kind befanden sich den Angaben nach im zweiten Stock und wurden von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht. „Die Personen, die diese Tat begangen haben, sind weder Demonstranten noch Randalierer, sie sind Mörder“, erklärte Castaner via Twitter.

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Es ist das 18. Wochenende in Folge, an dem die Bewegung gegen die Reformpolitik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron demonstriert. Am Freitag endete der erste Teil von Macrons Bürgerdebatte, die er ins Leben gerufen hatte, um die Krise in den Griff zu kommen.

Nach diesem Tag wird deutlich, dass bei den „Gelbwesten“ die Randalierer haben das Sagen übernommen haben. Die Gilets Jaunes sind von einer sozialen Bewegung zu einem Club für Chaoten geworden

Ein Kommentar:

Die „Gelbwesten“ wollten beweisen, dass ihre Bewegung noch nicht am Ende ist. Das haben sie getan – doch mit welchem Erfolg? Es waren die Randalierer, die mitten in Paris auf den Champs-Élysée und am Triumphbogen den Ablauf bestimmt haben. Das Ziel ihrer Aktionen war schlichte Zerstörung. Dabei nahmen sie auch in Kauf, dass unbeteiligte Menschen schwer verletzt oder sogar getötet werden könnten, wie die Brandstiftung an einem Wohnhaus zeigt.

Das irritierende an dem Protestzug in Paris war aber auch, dass sich viele, anfangs friedliche Teilnehmer der Demonstration von dieser Raserei haben anstecken lassen. Anstatt den Versuch zu unternehmen, die Chaoten zurückzuhalten oder zu isolieren, wurden diese von sehr vielen Gilets Jaunes mit Applaus unterstützt.

Die Bewegung der Gelbwesten hat sich in Frankreich von Anfang an aus der Wut der Bürger genährt. Doch war dies eine begründete Wut gegen eine Politik der Eliten, die in weiten Teilen die einfachen Menschen schlicht vergessen hatte. Doch anstatt die berechtigten Anliegen in konstruktives Handeln umzusetzen, hat sich die Bewegung im Laufe der Zeit immer mehr radikalisiert. Die Wut der Bürger ist zu einem blinden Wüten der Chaoten geworden. Ein entscheidender Fehler war, dass sich die Spitze der Gilets Jaunes nie wirklich von den radikalen Kräften in der Bewegung distanziert hat. Im Gegenteil: antisemitische oder fremdenfeindliche Ausfälle wurden als Einzelfälle abgetan und auch die Randale wurde immer wieder entschuldigt. Ziemlich oft war sogar, eine klammheimliche Freude über den Aufruhr zu erahnen. Nun haben die Gilets Jaunes in Paris eine sehr hässliche Fratze gezeigt. Es wurde offensichtlich, dass die Bewegung der einfachen Bürger, die zusammen mit der Politik ein besseres und sozialeres Frankreich hätten gestalten können, tatsächlich nicht mehr existiert. Die Gilets Jaunes wurden gekapert von den Randalierern, die nun den Ton angeben – und für die ist allein die Polizei und die Justiz zuständig.

Streit um ein Stück atmungsaktiven Stoff

Die Sportartikelkette Decathlon nimmt in Frankreich einen muslimischen Hidschab vom Markt. Die Kritik und der Hass, die dem Unternehmen entgegen schlug war einfach zu groß.

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19.02.26-Decathlon

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Fehlstart für Decathlon

Die Sportartikel-Kette verzichtet in Frankreich auf den Verkauf eines Jogging-Kopftuches für Frauen. Grund für die Entscheidung sind allerdings nicht schlechte Verkaufsaussichten. Die Kritik und auch der Hass, die dem französischen Unternehmen entgegenschlug war zu groß. Eine vorher noch nie dagewesene „Welle von Beleidigungen und Drohungen“ sei über das Unternehmen niedergegangen, schreibt Decathlon auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der atmungsaktive muslimische Hidschab, der Haare und Hals der Sportlerinnen bedeckt, wurde bisher nur in Marokko verkauft, sollte nun aber auch in Frankreich auf den Markt kommen. „Wir stehen zu unserer Entscheidung, den Sport Frauen in aller Welt zugänglich zu machen,“ erklärte Xavier Rivoire, Kommunikationsdirektor des Unternehmens, in einem Radio-Interview nach der Entscheidung, den Hidschab aus dem Programm zu nehmen. Es handele sich „fast schon um ein gesellschaftliches Engagement“, da es auch Musliminnen das Joggen ermögliche.

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Scharfe Kritik aus der Politik

Das sehen allerdings vor allem französische Politikerinnen ganz anders. Aurore Bergé glaubt sogar die Werte der französischen Republik in Gefahr. „Der Sport emanzipiert. Er unterwirft nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen“, schreibt die Sprecherin der Regierungspartei La République en Marche auf Twitter. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, dass der Verkauf zwar legal sei, aber sie die Idee dahinter nicht teile. Manche Politiker fordern sogar ganz offen den Boykott des Unternehmens. In den sozialen Netzwerken werden die Nutzer allerdings deutlicher. Werde Decathlon in Zukunft auch Bombengürtel in sein Programm aufnehmen, fragt ein Internet-User.

Decathlon ist von Reaktionen erstaunt

Mit solch heftigen Reaktionen hatten die Verantwortlichen von Decathlon offensichtlich nicht gerechnet, zumal der US-Sportartikelhersteller Nike schon seit einer Zeit einen Hidschab im Programm hat. „Das Produkt provoziert Reaktionen“, schreibt Decathlon auf Twitter. „Man kann verstehen, dass nicht die ganze Welt einer Meinung ist“, heißt es, es dürfe aber nicht sein, dass „unsere Angestellten in unseren Geschäften beleidigt und bisweilen sogar körperlich bedroht werden“.
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Die Leiterin von Decathlons Jogging-Sparte Kalenji, Angélique Thibault, hatte den Sport-Hidschab noch mit emotionalen Worten verteidigt. Sie werde von dem Wunsch angetrieben, „dass jede Frau in jedem Viertel laufen kann, in jeder Stadt, in jedem Land, unabhängig von ihrem sportlichen Können, ihrer Fitness, ihrem Körperbau, ihrem Einkommen. Und unabhängig von ihrer Kultur.“ Genützt hat es wenig – der Hidschab wird in Frankreich nicht verkauft werden.