Französische Youtuber landen einen Corona-Hit

Die beiden Jungs sind in Frankreich Youtube-Stars. In der Regel blödeln Mcfly und Carlito durch die Welt, doch nun haben sie mit einer eher ersten Sache einen Hit gelandet: ihr Musikvideo über die Corona-Regeln in Frankreich wurde in kürzester Zeit zehn Millionen Mal abgerufen. Nun wartet eine Belohnung auf sie.

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Ein Blick auf die Instagram-Seite von Mcfly und Carlito verrät, in welche Richtung ihre Kunst geht!

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Eine „Provokation“ des Präsidenten

Schuld hat eigentlich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er hat Mcfly und Carlito in einer kurzen Videobotschaft aufgefordert einen Clip über die Corona-Regeln zu machen und damit die Schallmauer von zehn Millionen Klicks zu schaffen.

Auf Instagram haben die beiden nun die frohe Botschaft verkündet: die zehn Millionen Aufrufe sind erreicht.

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Die Wettschulden den Präsidenten

Natürlich fordern sie nun von Emmanuel Macron, dass auch er sich an seinen Teil der Abmachung hält. Er hatte versprochen, dass das Duo im Élyséepalast drehen darf. Der Präsident ließ Mcfly und Carlito postwendend seine Glückwünsche ausrichten und lud sie in seinen Regierungssitz ein.

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Von Regeln und von Verstößen

In dem Musikvideo „Je me souviens“ (Ich erinnere mich) erzählen die beiden Youtuber von Regel-Verstößen und auch von sich einschleichender Corona-Müdigkeit. An den Präsidenten gerichtet singen sie aber: „Ich verspreche dir, Manu, ich pass auf, für meine Kinder und Frankreich.“ Auch Präsident Macron hat in dem Video einen Gastauftritt. Sein Kopf ist in den Himmel eingeblendet, während der Staatschef noch einmal erklärt, worauf es ankommt: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen, lüften und Versammlungen vermeiden.

Blutige Kämpfe zwischen Banden werden in Frankreich zum Problem

In Paris sind bei Bandenschlägereien zwei Jugendlich getötet worden. Die Zahl der Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Gruppen rapide an – und werden immer brutaler. Grund ist oft der Kampf um die Vorherrschaft im Drogenhandel.

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Frankreichs Innenminister Darmanin verspricht den Franzosen mehr Polizisten auf den Straßen. Sie sollen die Banden unter Kontrolle halten.

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Kämpfe mit größter Brutalität

Die Toten sind im Grunde noch Kinder. In Frankreich sind ein 13-Jähriger und ein 14-jähriges Mädchen bei zwei Schlägereien zwischen rivalisierenden Banden gestorben. Geschockt sind die Franzosen allerdings nicht nur wegen des Alters, sondern auch angesichts der Brutalität der Auseinandersetzungen, die mit Messern und Baseballschlägern ausgetragen wurden.

Die Prügeleien haben nach Angaben der Polizei unabhängig voneinander in zwei Vororten von Paris stattgefunden. Die zuständige Staatsanwältin Caroline Nisand erklärte am Mittwoch, im Fall des getöteten Mädchens seien in Saint-Chéron sechs Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren festgenommen worden. Einer der Verdächtigen habe die Tat gestanden. Die Justiz ermittele unter anderem wegen Mordes und schwerer Gewalt gegen Minderjährige sowie unterlassener Hilfeleistung. Zuletzt war Ende Januar in Paris ein 15-Jähriger ins Koma geprügelt worden. Die verstörenden Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, wie mehrere Jugendliche mit allergrößter Brutalität auf einen leblos auf dem Boden liegenden Körper eintreten.

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Die Politik will hart durchgreifen

Aus diesem Grund fuhr im aktuellen Fall sogar der französische Innenminister Gérald Darmanin unverzüglich in das Département Essonne, dem Ort beider Schlägereien. In einem auf Twitter veröffentlichten Video versprach der als Law-and-Order-Mann bekannte Politiker ein hartes Durchgreifen und kündigte an, etwa hundert Polizisten und Gendarmen so lange wie notwendig zusätzlich in der Gegend zu stationieren. Darmanin sprach von einer „Explosion gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Banden oder Gruppen junger Menschen“, auf die reagiert werden müsse.

Die Zahlen geben dem Innenminister Recht. Die Polizei registriert für das Jahr 2020 in einem Bericht 357 Zusammenstöße rivalisierender Gruppen. Das ist eine Steigerung von rund 25 Prozent zum Vorjahr. Diese Zahl wird von den Verantwortlichen mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen, da 2020 gekennzeichnet war durch Corona-Ausgangssperren und einen monatelangen rigiden Lockdown, die Zahl dieser Delikte hätte also eigentlich sinken müssen.

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Die meisten Banden agieren in Paris

Die allermeisten dieser Bandenkriege wurden im Großraum Paris ausgetragen. Dort zählt die Polizei fast 50 miteinander konkurrierende Gangs, die ihr „Territorium“ gegen die Rivalen verteidigen. Das Durchschnittsalter der Bandenmitglieder liegt bei knapp 17 Jahren. „Wir sind seit Jahrzehnten mit diesem Phänomen konfrontiert“, erklärt ein Sprecher der Polizeigewerkschaft Allianz. „Neu aber ist, dass die Mitglieder immer jünger und auch brutaler werden.“

Bei den Auseinandersetzungen zwischen den Banden geht es nach Aussagen der Experten des französischen Innenministeriums inzwischen vor allem um den Drogenhandel und die Kontrolle von Umschlagplätzen. Gekämpft werde oft um bestimmte Straßenzüge oder auch U-Bahn-Ausgänge. Über soziale Kanäle wie Snapchat oder TikTok würden sich die rivalisierenden Banden zum Kampf verabreden.

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Tätersuche der Polizei im Internet

Das macht sich inzwischen aber auch die Polizei zunutze und versucht, solche gewalttätigen Auseinandersetzungen bereits im Vorfeld zu verhindern. Dazu durchkämmen speziell ausgebildete Beamten die sozialen Netzwerke auf der Suche nach solchen „Verabredungen“ und ordnen im Notfall auch präventive Einsatz der Sicherheitskräfte an. Aber auch vor Ort werde versucht, die neuralgischen Plätze zu entschärfen, etwa über die Beleuchtung und die Installation von Überwachungskameras. In diesem Zusammenhang beklagt der Sprecher der französischen Polizeigewerkschaft Allianz allerdings den Personalmangel bei den Sicherheitskräften, die „nicht überall sein können, wo sie gebraucht werden“. Einziger Trost der Beamten sei inzwischen, dass bei den brutalen Schlägereien zwischen den Banden bisher nur sehr selten Schusswaffen benutzt würden.

Dramatische Corona-Zahlen in drei Regionen Frankreichs

Frankreichs Premierminister klingt nicht wirklich optimistisch. „Wir nähern uns einem komplizierten Monat März“, warnte Jean Castex seine Landsleute angesichts der Lage in Nizza – und zu jenem Zeitpunkt war die verheerende Situation in der nordfranzösischen Küstenstadt Dunkerque noch nicht bekannt. Hier ein Überblick über die aktuelle Lage in Frankreich:

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Die Lage in Frankreich im Überblick – Grafik von „Le Parisien“

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Dunkerque (Dünkirchen) und der Norden

Mit einer Inzidenzrate von 901 Fällen pro 100.000 Einwohner in Dunkerque ist eine alarmierende Entwicklung eingetreten. „Wir befinden uns eindeutig nicht mehr auf einer Welle, wir befinden uns auf einer Flut“, kommentiert Christophe Couturier, Leiter der Notfälle im Krankenhaus von Dunkerque die Situation.

Auch Jean Castex reagierte schnell und erklärte, dass die Corona-Maßnahmen in der Stadt der Entwicklung angepasst werden müssten. Die Verantwortlichen erklärten, dass in Dunkerque eine außerordentlich hohe Rate der englischen Corona-Variante aufweise. Mediziner sprechen von etwa 72 Prozent der identifizierten Fälle. „Wenn strenge Maßnahmen zur Eindämmung notwendig sind, müssen diese zumindest an den Wochenenden ergriffen werden“, sagte Jean-René Lecerf, der Präsident des Département-Rats Nord, dem Sender Franceinfo.

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Zwar ist die Inzidenzrate in Dunkerque sehr hoch, ist im restlichen Département Dünkirchen jedoch weniger besorgniserregend. Mit 293 Fällen pro 100.000 Einwohner ist es viel höher als der nationale Durchschnitt (201,7 Fälle pro 100.000 Einwohner), aber immer noch viel niedriger als das der Alpes-Maritimes (583,2). Aber auch im benachbarten Pas-de-Calais steigen die Zahlen und und haben um mehr als 15 Prozentpunkte zugenommen. Gezählt werden nun über 340 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Moselle und Grand Est

Im der Region Grand Est betrug die Inzidenzrate in den letzten sieben Tagen 315 positive Fälle pro 100.000 Einwohner – das sind fast zehn Punkte mehr als in der Vorwoche. Der Nachbar Deutschland bereitet sich darauf vor, im Notfall das französische Département als „Hochrisikogebiet“ einzustufen.

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Ein großes Problem ist die Belegung der Klinken. „Der Druck in Krankenhäusern steigt weiter an, da 547 Personen in die Kliniken eingeliefert wurden, darunter 86 in der Intensivmedizin“, warnt Lamia Himer von der Agence régionale de Santé (ARS) in Grand Est. Die Auslastung der Intensivbetten betrage 95 Prozent. In dieser Region bereitet vor allem die südafrikanische Corona-Variante Sorgen. „Mehr als ein Drittel der Krankheitsfälle sind südafrikanischen Ursprungs“, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran bei einem Besuch vor Ort. In keiner anderen Region Frankreichs seien solchen Infektionsraten zu beobachten.  

Paris und Île-de-France

„Die Situation ist seit mehreren Wochen angespannt. Die Zahl der Kranken in den Intensivstationen nimmt stetig und langsam zu“, erklärte der Pariser Krankenhausdirektor Martin Hirsch gegenüber France Inter. „Im Januar hatten wir 25 Aufnahmen pro Tag. Heute haben wir jeden Tag 50.“

In Paris wurde in den letzten sieben Tagen eine Inzidenzrate von 290,8 Fällen pro 100.000 Einwohner gezählt, eine Zahl, die weit über dem nationalen Durchschnitt (201,7) liegt. In der Hauptstadt lag die Belegungsrate der Intensivbetten bei 57 Prozent, in Île-de-France bei 66 Prozent.

Alpes-Maritimes

Für Teile von Frankreichs Mittelmeerküste ist zuletzt wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus ein Teil-Lockdown verhängt worden. An den kommenden beiden Wochenenden soll für die städtische Küstenregion des Département Alpes-Maritimes ein Lockdown gelten. Angesichts der Varianten sei es dringend notwendig, zu handeln, wo immer es nötig sei, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi dem Sender BFM TV.

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Die Küstenmetropole ist besonders schwer getroffen. Im gesamten Département liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, also der sogenannte Inzidenzwert, bei mehr als 580. In der Küstenstadt Nizza liegt der Wert bei weit über 700. Besorgnis wird auch wegen der Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen geäußert. Vor allem in Nizza gibt es praktisch keine freien Betten mehr.

Die Lage in Frankreich

Insgesamt ist die Corona-Situation in Frankreich weiter angespannt, aber die Lage war recht stabil. Allerdings ist der landesweite Inzidenzwert zuletzt wieder leicht auf mehr als 200 angestiegen. Im gesamten Land gilt seit mehreren Wochen eine strenge Ausgangssperre ab 18 Uhr. Anders als in Deutschland sind Schulen und Einzelhandel weitgehend geöffnet.

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Ist vegetarisches Essen auch eine Mahlzeit?

In Frankreich wird über das Schulessen gestritten. Der Grund: In Lyon bekommen die Schüler nur noch ein fleischloses Essen, das sorgt bei manchen Politikern für große Empörung. Und natürlich sind auch die Bauern mit auf der Straße.

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Sind vegetarische Mahlzeiten ein ausgewogenes Essen?

In Frankreich ist ein erbitterter Streit um das Schulessen ausgebrochen. Die fundamentale Frage ist, ob eine vegetarische Mahlzeit ein ausgewogenes Essen sein kann. Auslöser ist die Entscheidung, dass in Lyon für die Schüler in den Mensen nur noch ein fleischloses Gericht aufgetischt wird. Ins Feld geführt wird von den Kritikern unter anderem die Gesundheit der Kinder, in Wahrheit scheint die Auseinandersetzung aber eine politisch hochbrisante Angelegenheit zu sein. Eskaliert ist der Streit schließlich, als sich die hohe Politik in Paris ziemlich brachial eingeschaltet hat.

Innenminister Gérald Darmanin geht es bei seiner Wortmeldung via Twitter allerdings nicht nur um das Wohl der Kinder. Er bezeichnete es als „inakzeptable Beleidigung“ für die französischen Landwirte und Metzger, dass in der Stadt im Südosten Frankreichs nur noch fleischloses Schulessen ausgegeben wird. Und das ausgerechnet in Lyon, das ist für seine exquisiten Fleischgerichte im ganzen Land berühmt ist. 

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Die Minister proben die verbale Attacke

Rückendeckung erhält Darmanin von Landwirtschaftsminister Julien Denormandie, der hinter dem vegetarischen Schulessen einen grünen Verbots-Wahn vermutet. Er schreibt auf Twitter: „Lasst uns aufhören, unseren Kindern Ideologie auf den Teller zu legen!“ Man solle ihnen geben, was sie zum Wachsen brauchen. Dazu gehöre auch Fleisch. Und natürlich gehen in Frankreich auch die Gewerkschaften und Interessenvertretungen auf die Barrikaden. „Genug ist genug!“ ist ein empörtes Communiqué überschrieben, das die Bauerngewerkschaft des Départements Rhône und die Jungen Landwirte gemeinsam verfasst haben. Beide Organisationen wollen am Montag vor das Rathaus in Lyon ziehen und gegen die Maßnahme öffentlich protestieren.

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Die Verantwortlichen in Lyon verstehen die ganze Aufregung allerdings nicht wirklich. Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet erklärt, dass wegen der Corona-Pandemie mit dem Ende der Winterferien ein neues Hygienekonzept aufgestellt werden musste. Ziel sei es, in den Kantinen einen schnellen Ablauf bei der Ausgabe zu garantieren, weshalb nur ein Menü angeboten werde, das von allen Kinder gegessen werden könne. Zudem korrigierte er den Eindruck, dass das Essen vegetarisch sei, es enthalte zum Beispiel auch Fisch und Eier. Auch der Hinweis, dass die Maßnahme nur vorübergehend sei und nach der Corona-Pandemie in den Schulmensen wieder auf Normalbetrieb umgestellt werde, kann die aufgebrachten Gemüter nicht beruhigen.

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Zwei verschiedene politische Maßeinheiten?

Der grüne Bürgermeister Gregory Doucet kann sich zudem den süffisanten Hinweis nicht verkneifen, dass es in Lyon dieselbe Maßnahme mit denselben Begründungen bereits im vergangenen Jahr von Mai bis Juni während der ersten Corona-Welle gegeben habe. Entscheidender Unterschied: damals regierte in der Stadt Gérard Collomb, der zur Regierungspartei La République en Marche gehört. „Damals haben wir nichts von Ihnen gehört“, ätzt der Grüne Doucet in Richtung der Minister im fernen Paris und findet deren Argumentation schlicht lachhaft.

Der Bürgermeister ist trotz allen Widerstandes entschlossen, das vegetarische Menü in den Schulkantinen anzubieten. Er wolle sich nicht weiter an dem politischen Geplänkel beteiligen, „tausende Schüler warten darauf, dass sie versorgt werden“, erklärt Gregory Doucet. Das sei im Moment der Pandemie noch wichtiger geworden, da immer mehr Familien jeden Cent zweimal umdrehen müssten und darauf angewiesen seien, dass ihre Kinder zumindest in der Schule ein anständiges und vollwertiges Essen bekommen könnten. Doch die konservativen Politiker in Paris lassen es auf die Kraftprobe mit dem grünen Bürgermeister in Lyon ankommen. Nach dem Willen von Landwirtschaftsminister Denormandie soll nun der Präfekt des Départements Rhône erwirken, dass die Entscheidung der Stadtverwaltung wieder zurückgenommen wird. Und auch Innenminister Darmanin legte noch einmal verbal nach. Er erklärte, die „moralisierende und elitistische Politik der Grünen““ schließe die breiteren Schichten der Bevölkerung aus. „Viele Kinder bekommen nur in der Schulkantine Fleisch“, fügte der Minister hinzu, der sich einen Namen als beinharter Konservativer gemacht hat.

Steigende Corona-Zahlen in Frankreich – drohen Grenzschließungen zu Deutschland?

Ratlosigkeit in Frankeich. In einigen Regionen scheint sich das Corona-Virus rasant zu verbreiten. Zu den am schwersten betroffenen Gebieten zählt Alpes-Maritimes mit der Stadt Nizza. Aber auch in Moselle, an der Grenze zum Saarland werden weiter beunruhigende Zahlen gemeldet. Deutschland will auf diese Entwicklung reagieren – im Gespräch sind auch Grenzschließungen.

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Die Situation in den einzelnen Départements in Frankreich. Die Inzidenz liegt bei über 190 Infizierten. Quelle der Zahlen ist die staatliche Gesundheitsbehörde

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Große Sorge in Nizza über den Anstieg

Es ist ein Horror-Wert. In Nizza beträgt der Inzidenzwert in diesen Tagen 740! Das ist der mit Abstand höchste Wert in ganz Frankreich. Inzwischen fordert Christian Estrosi, der Bürgermeister der Stadt, erneut einen örtlichen harten Lockdown. Sein Ziel: er will die Touristen aus der Region fernzuhalten, um das starke Infektionsgeschehen einzudämmen. Bereits am Samstag hatte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Veran einen entsprechenden Schritt ins Spiel gebracht und war damit auf Estrosis Zustimmung gestoßen. „Es gibt einige Städte und Gegenden in Frankreich, wo das Virus sich sehr viel schneller ausbreitet als anderswo“, sagt Veran bei einem Besuch in der Stadt Nizza an der Mittelmeerküste. „Das könnte regionale Einschränkungen erforderlich machen.“

Auf der Spurensuche, weshalb ausgerechnet in Nizza solche Zahlen gemeldet werden, zeigt die staatliche Gesundheitesbehörde Santé Publique France mit dem Finger auch auf das nahe Fürstentum Monaco. Im Gegensatz zu Frankreich sind dort Bars und Restaurants geöffnet, die das Infektionsherde angesehen werden. Immer wieder fahren offensichtlich Franzosen aus dem Département Alpes-Maritimes über die Grenze, um sich einen netten Abend mit Freunden zu machen.

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Ärger über die Touristen in Nizza

Christian Estrosi hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder entnervt über die Touristenströme geärgert, die an der Mittelmeerküste zu finden sind. Entgegen aller Warnungen der Mediziner und Politiker seien vor allem auch an Weihnachten und Neujahr seien viele Franzosen in das Département gekommen, um ihre Familien zu besuchen oder einige Tage Urlaub zu machen. Der Bürgermeister kündigte an, in den kommenden Tagen zu entscheiden, ob in Nizza wesentlich strengere Corona-Regeln gelten werden. Zumindest verschärfte Maßnahmen an den Wochenenden scheinen inzwischen sicher zu sein.

Rémi Salomon, der in Frankreich für die medizinische Koordination in den französischen Altenheimen verantwortlich ist, erklärte in einem Interview im Sender BFMTV:

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„L’épidémie est hors de contrôle dans le département, ça veut dire que les mesures prises depuis quelques semaines ne suffisent pas (…) si on veut éviter le débordement des hôpitaux.“

Rémi Salomon

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Hohe Werte im Département Moselle

Hohe Infektionszahlen werden auch aus dem Département Moselle gemeldet. Dort war zuletzt die hochansteckende und gefährliche südafrikanische Variante des Corona-Virus zu finden. Die Inzidenzrate ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums inzwischen zwar stabil, doch liege sie noch immer bei über 280 Fällen auf 100.000 Einwohner.  

Auf französischer Seite wird befürchtet, dass das das Département Moselle angrenzende Deutschland Konsequenzen aus der Entwicklung ziehen könnte. Nach Berichten will das das Corona-Kabinett der Bundesregierung über eine höhere Warnstufe für das französische Département beraten. Bisher gilt Frankreich als „Risikogebiet“, nun könnte die Region als „Hochinzidenzgebiet“ oder sogar als „Virusvariantengebiet“ eingestuft werden.

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Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans und seine Kollegen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hatten bereits in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie neue Grenzkontrollen nach Möglichkeit vermeiden wollen. Tobias Hans erklärte aber in einem Interview: „Wenn Inzidenzen krass auseinanderlaufen und es keine gemeinsamen Bekämpfungsstrategien gibt, dann kommen auch Grenzkontrollen als Ultima Ratio in Betracht.“

Asselborn warnt vor Grenzschließungen

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat Deutschland vor Grenzschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. „Natürlich muss es angesichts der Virusmutationen Tests geben, aber wir müssen alles dafür tun, dass die Pendler ohne Einschränkungen zu ihren Arbeitsplätzen kommen“, sagte Asselborn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er verwies darauf, dass Luxemburg auf Grenzpendler angewiesen sei. „60 Prozent der Beschäftigten in unseren Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen sind Grenzgänger. Wenn diese Pendler nicht mehr einreisen können, dann bricht das Gesundheitssystem in Luxemburg zusammen.“ Allein nach Luxemburg pendelten jeden Tag 100 000 Menschen aus Frankreich, 50 000 aus Deutschland und 50 000 aus Belgien.

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Wieder steigende Zahlen in Frankreich

In der Mehrzahl der französischen Départements war in den vergangenen Wochen ein Rückgang der Infektionszahlen zu beobachten. Allerdings verschlechterte sich in einigen Regionen die Lage sehr schnell – nicht nur in Alpes-Maritimes oder Moselle. Insgesamt lagen nach  Angaben des Gesundheitsministeriums die registrierten Neuinfektionen zum dritten Mal in Folge über dem Wert der Vorwoche. Demnach wurden zuletzt 22.371 neue Fälle gemeldet. Vor einer Woche waren 21.231 Neuansteckungen registriert worden. Damit liegt die Inzidenz wieder über dem Wert von 190 Infizierten.

Eine besonders besorgniserregende Entwicklung wird in Nièvre verzeichnet, wo die Inzidenzrate zuletzt um über 16 Prozent gestiegen ist und inzwischen bei rund 170 liegt. Alarmiert sind auch die Regionen rund um Bouches-du-Rhône mit einer Inzidenzrate von 346 neuen Kontaminationsfällen pro 100.000 Einwohner, Aisne (262,3), Val-d’Oise (254,7), die Innenstadt von Paris (255,9) und Val-de-de Marne (251,9). In den Haute-Garonne liegt die Inzidenz bei inzwischen deutlich über 200 Infizierten.

Frankreich rüstet sich gegen die 3. Corona-Welle

In Frankreich warnen die Wissenschaftler vor einer trügerischen Ruhe. Zwar geht die Zahl der Corona-Neuinfektionen zurück. Doch das Institut Inserm warnt vor einer dritten Welle durch die britische Covid-Variante.

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In Frankreich infizieren sich jeden Tag rund 20.000 Menschen mit dem Corona-Virus

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Leise Hoffnung und große Sorge

Die Zahlen sehen eigentlich gut aus. Zuletzt wurde sogar die Marke von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner wieder unterschritten. Das heißt, es werden noch immer regelmäßig mehr als 20 000 Neuinfektionen pro Tag in Frankreich gemeldet, was allerdings deutlich unter den Werten von Dezember liegt. In den vergangenen Tagen hatte sich auch die Situation in den Krankenhäusern leicht gebessert.

Doch Gesundheitsminister Olivier Véran gibt dennoch keine Entwarnung – im Gegenteil. Inzwischen seinen 20 bis 25 Prozent der Corona-Infektionen im Land auf die hochansteckende Variante aus Großbritannien zurückzuführen, erklärt er. Was das bedeutet, konnte im Département Moselle an der deutschen Grenze beobachtet werden, wo es einen heftigen Ausbruch mit mutierten Viren gegeben hat.

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Die britische Variante breitet sich schnell aus

In einem Bericht warnt das Forschungsinstitut Inserm vor genau dieser Entwicklung im gesamten Land. Die britische Variante könnte „Ende Februar oder Anfang März“ für die meisten Infektionen verantwortlich sein. Für die Region Île-de-France wird dies sogar schon für Mitte Februar vorausgesagt. „In den kommenden Wochen wird ein schnelles Wachstum der Infektionszahlen erwartet“, erwarten die Forscher. Konkret: sie befürchten eine dritte Welle.

Die Wissenschaftler schreiben auf ihrer Internetseite:

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Ces nouveaux variants, baptisés « Anglais », « Sud-Africain » ou « Brésilien » selon le pays dans lequel ils ont été décrits pour la première fois, sont actuellement associés à une nouvelle augmentation de l’incidence et de la mortalité liés au Covid-19. La crainte d’une possibilité de réinfection ou d’infections par ces nouveaux variants malgré la vaccination commence à émerger.

Mitteliung von Inserm

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Noch sind die Zahlen in den Krankenhäusern stabil

In den vergangenen Monaten sei es gelungen, über die verschiedenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens, eine „Stabilisierung der Krankenhausaufenthalte“ zu erreichen. Das heißt, dass die Kliniken im Moment nicht an ihren Belastungsgrenzen arbeiten. Das könnte sich durch das Auftauchen der britischen Variante aber schnell ändern.

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Die Regierung reagiert inzwischen auf diese Prognosen. Das französische Gesundheitsministerium hat Gesundheitsbehörden und Krankenhäuser einem Zeitungsbericht zufolge aufgefordert, ab 18. Februar im Krisenbetrieb zu arbeiten. Mit der Verschiebung nicht dringender Operationen und der Mobilisierung aller verfügbarer medizinischer Mitarbeiter solle einem möglichen Anstieg der Krankenzahlen infolge von Coronavirus-Mutanten begegnet werden, berichtet „Le Journal Du Dimanche“.

Zudem werden wegen der Corona-Pandemie in Frankreich die Regional- und Département-Wahlen um drei Monate verschoben. Sie sollen nun im Juni dieses Jahres stattfinden und nicht wie ursprünglich geplant im März. Die Abstimmung gilt als letzter wichtiger Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2022.

Frankreich will „keine bösen Überraschungen“

Wird die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich wieder geschlossen? Alle beteuern, dass das Chaos vom vergangenen Jahr vermieden werden soll, als die Corona-Zahlen in Grand-Est stark gestiegen sind. Eine Strategie scheint aber auch jetzt noch nicht abzusehen.

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Eine besorgniserregende Entwicklung in Sachen Corona im Département Moselle

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Paris befürchtet neue Grenzschließungen

Die Politiker in Paris sind beunruhigt. Die Befürchtung steht im Raum, dass Deutschland die Grenze wegen der möglichen Ausbreitung hoch ansteckender Coronavirus-Varianten im Département Moselle die Grenzen schließt. Wie an der Grenze im Osten Deutschlands dürfe es auf jeden Fall nicht ablaufen, heißt es in Frankreich. Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche Tschechien, die Slowakei und das österreichische Bundesland Tirol als sogenannte Virusvariantengebiete eingestuft. In Bayern und Sachsen gelten an den Grenzen seit Sonntag strenge Einreisebeschränkungen, in Bayern wurden bereits in den ersten Stunden hunderte Menschen an der Grenze abgewiesen.

Aus diesem Grund hat Frankreich die Bundesregierung vor einer Schließung der gemeinsamen Grenze gewarnt. Der französische Europa-Staatssekretär Clément Beaune sagte am Montag im Radiosender France Inter, er wolle mit den Ministerpräsidenten des Saarlands, von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg beraten, „damit es keine bösen Überraschungen gibt“.

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Offene Grenzen für Pendler gefordert

Für Grenzpendler und den Güterverkehr müssten die Grenzen offen bleiben, forderte Beaune. Eine komplette Schließung der deutsch-französischen Grenze solle verhindert werden. So müsse es möglichst auch weitgehende Ausnahmen für Grenzpendler geben. „Es darf keine Entscheidung geben, die nicht abgestimmt ist“, mahnte er und verwies direkt auf die vorherige Schließung der deutschen Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Tirol.

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) will coroanbedingte Grenzkontrollen zu Luxemburg und Frankreich wie im Frühjahr 2020 verhindern. „Wir werden alles daran setzen, dass wir gemeinsam die Pandemie bekämpfen“, betonte er am Montag in Saarbrücken in einer Regierungserklärung im Landtag. Wenn wegen der Virusvarianten Kontrollen nötig seien, dann nur in Zusammenarbeit mit den Nachbarn, mit gemeinsamen Tests und nicht an der Stelle der früheren Schlagbäume.

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Ministerpräsident Tobias Hans sagte:

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„Die neuen Virusvarianten stellen uns vor neue Herausforderungen. Uns droht quasi eine Pandemie in der Pandemie, wenn wir uns unvorsichtig anstellen.“

Ministerpräsident Tobias Hans

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„Beunruhigende Lage“ im Département Moselle

Ausgelöst wurden die Befürchtungen, weil in dem an das Saarland und Rheinland-Pfalz grenzenden Verwaltungsbezirk Moselle in den vergangenen Tagen mehr als 300 Infektionen mit der südafrikanischen Variante des Coronavirus nachgewiesen worden sind. Experten haben den Verdacht, dass manche Impfungen gegen diese Mutante nicht so wirksam sind.

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Gesundheitsminster Oliviér Véran sprach am Freitag bei einem Besuch in der Region von einer „beunruhigenden Lage“. Täglich kämen etwa hundert Neuinfektionen hinzu, die meisten offenbar mit der südafrikanischen Variante. Als Konsequenz kündigte Véran mehr Tests und Impfungen sowie schärfere Quarantäneregeln an. Allerdings sollen Schulen und Geschäfte in der Region nach dem Willen der Zentralregierung in Paris vorerst geöffnet bleiben.

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Marine Le Pens dritter Anlauf aufs Präsidentenamt

Die Rechtspopulistin steht in Umfragen gut da. Sie profitiert von der Schwäche Emmanuel Macrons, stolpert bisweilen aber über die eigenen Aussagen.

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Marine Le Pen und ihre schlechten Tage

Manchmal hat Marine Le Pen sehr gute Tage. Dann sitzt sie ihren Gesprächspartnern gegenüber, beantwortet Fragen konzentriert, routiniert und mit einer fast schon präsidentiell anmutenden Gelassenheit. Ihre Berater aber zittern vor den schlechten Tagen, wenn bei der Chefin des extrem rechten Rassemblement National (RN) wieder einmal die Dämme brechen, wenn in hitzig geführten Diskussionen vor den laufenden Fernsehkameras plötzlich wieder jene unbeherrschte Frau zum Vorschein kommt, die ihre Gegner nicht mit Argumenten auskontert, sondern lautstark mit hässlichen Tiraden überzieht. An solch einem schlechten Tag hat Marine Le Pen im Jahr 2017 die Präsidentenwahl gegen Emmanuel Macron endgültig verloren. Im direkten TV-Duell gegen den smarten Aufsteiger wirkte sie völlig überfordert, aggressiv bis hin zur Hysterie und vor allem: inkompetent.

Nun nimmt die 52-Jährige einen neuen Anlauf. Im kommenden Jahr will Marine Le Pen zur Präsidentin von Frankreich gewählt werden. Es ist ihre dritte und letzte Chance, denn hinter der RN-Chefin wartet die junge Konkurrenz aus den eigenen Reihen – nicht zuletzt ihre eigene Nichte Marion Maréchal.

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Marine Le Pen in Umfragen vorne

In den Umfragen steht Marine Le Pen im Moment nicht schlecht da. Den ersten Wahlgang könne sie mit rund 26 Prozent für sich entscheiden, so die Zahlen des Instituts Harris Interactive. Emmanuel Macron landet demnach mit 23 Prozent auf Platz zwei. In der Stichwahl würde nach diesen Angaben dann aber der Amtsinhaber mit knapp 52 Prozent gewinnen. Für viele bürgerliche Gesellschaftsschichten scheint die Rechtspopulistin noch immer nicht wählbar zu sein.

Ihre aktuelle Stärke zieht Marion Le Pen allerdings nicht aus dem eigenen, überzeugenden Auftreten, sondern aus der Schwäche von Emmanuel Macron. Seit dem Beginn der sozialen Proteste der „Gelbwesten“ vor über zwei Jahren dümpelt der Präsident in einem nicht enden wollenden Umfragetief. Der große Hoffnungsträger der Franzosen brachte mit seinem vor allem an Zahlen und nicht an Menschen orientierten Reformkurs das eigene Volk gegen sich auf. Und in der Corona-Pandemie gab er bei mehreren TV-Ansprachen zwar den Macher, erwies sich am Ende aber als erstaunlich schlechter Krisenmanager.

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Schlingerkurs der Rechtspopulistin

Marine Le Pen kann aber von der aktuellen Krise nicht profitieren, was auch mit ihrem Schlingerkurs in Sachen Pandemiebekämpfung zu tun hat. So hat die Rechtspopulistin zwar immer wieder die harten Beschränkungen des öffentlichen Lebens der Franzosen kritisiert, war aber auch nie wirklich gegen den von der Regierung verhängten Lockdown. Dasselbe desolate Bild gibt Marine Le Pen beim Thema Impfungen ab. Zuerst kritisierte die, dass die Regierung vorpresche und einen „unsicheren Impfstoff“ verwende, was ihr viel Beifall von Seiten der Verschwörungsfraktion einbrachte. Dann geißelte sie allerdings, dass zu langsam geimpft werde, um dann schließlich Anfang Januar zu verkünden, dass sie sich nun – entgegen ursprünglicher Aussagen – so schnell wie möglich impfen lasse.

„Wenn ich Präsidentin von Frankreich bin …“

Immer deutlicher wird, dass Marine Le Pen ein sehr grundsätzliches Problem hat. Sie muss auf der einen Seite die eigene Basis befriedigen, den Protest gegen „das System“ verkörpern und den Rassemblement National als Anti-Establishment-Partei positionieren. Will sie aber die Präsidentenwahl gewinnen, muss Marine Le Pen die Mehrheit der Franzosen überzeugen, dass sie eine würdige Staatschefin wäre. Dieser politische Drahtseilakt gelingt ihr nicht immer. Allerdings drohen sich in Frankreich die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen wegen der Corona-Krise dramatisch zu vertiefen, weswegen die Rechtspopulistin in den nächsten Monaten ihre Chancen weiter steigen sieht, im dritten Anlauf doch noch den Élyséepalast zu erobern. Marine Le Pen gibt sich in Diskussionen aus diesem Grund sehr selbstbewusst. Ihre Ausführungen beginnt sie inzwischen sehr gerne mit den Worten: „Wenn ich Präsidentin von Frankreich bin …“. Das geht ihr überraschend locker über die Lippen.

Corona: Heimliche Partys und die Gefahr durch den britischen Virus

Für die Polizei ist es ein mühsames Katz-und-Maus-Spiel. Rund 800 Beamten waren allein in der Region Île-de-France unterwegs, um die Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren. Zwar reißt den Franzosen der Geduldsfaden, doch die Wissenschaft warnt immer lauter vor der neuen, sehr ansteckenden Corona-Variante.

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Corona-Zahlen in Frankreich

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Eine Party mit 60 Leuten ausgehoben

Bei ihren Kontrollen in Sachen Ausgangssperre waren die Polizisten leider sehr erfolgreich. Allein von Samstag auf Sonntag wurden 113 Verwarnungen wegen illegaler Zusammenkünfte in Bars und Restaurants ausgesprochen. Auf einer Party wurden mehr als 60 Teilnehmer gezählt.

Nicht zuletzt aus diesem Grund dringen Epidemiologen darauf, die Maßnahmen in Frankreich wesentlich zu verschärfen. So warnt Arnaud Fontanet vom Institut Pasteur in der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ davor, dass vor allem die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutation mit den aktuellen Maßnahmen kaum zu einzudämmen sei. Er weiß allerdings, dass sich das nicht so einfach machen lässt. Der Mediziner sagt, dass es nun Aufgabe der Politik sei, zwischen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen zu vermitteln.

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„L’alternative aurait été un confinement tout de suite, qui, s’il avait été accepté par la population, aurait permis de soulager les hôpitaux et de reprendre le contrôle de l’épidémie avec un „Tester-Alerter-Protéger“ plus efficace une fois le nombre de nouveaux cas ramené à quelques milliers par jour. Mais le coût économique, social et scolaire aurait été très élevé. Du coup, le gouvernement a choisi de laisser une dernière chance au non-reconfinement, au risque de voir la situation sanitaire se dégrader encore, et d’être contraint plus tardivement au reconfinement.“

Arnaud Fontanet

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Ausgangssperre ab 18 Uhr in Frankreich

In Frankreich gilt aktuell eine strenge abendliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Die Menschen dürfen dann nur in Ausnahmefällen vor die Tür – dazu zählt etwa der Arbeitsweg. Restaurants, Bars oder kulturelle Einrichtungen wie Museen und Theater sind geschlossen. Schulen, Kindergärten und der Einzelhandel haben aber weitgehend geöffnet. Einen von vielen erwarteten neuen Lockdown hat die Regierung bisher nicht verkündet. Stattdessen droht sie seit Wochen damit, da die Lage beunruhigend sei. Zuletzt waren regelmäßig deutlich mehr als 20 000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet worden.

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Furcht vor der britischen Variante des Virus

Nach Einschätzung von Fontanet, der als Mitglied im Wissenschaftlichen Rat auch die Regierung berät, wird sich die in Großbritannien zuerst entdecke Variante um Anfang März herum in Frankreich durchsetzen. Am 7. und 8. Januar sei sie für 3,3 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich gewesen, am 27. Januar bereits für 14 Prozent, sagte der Wissenschaftler unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse einer Untersuchung. Er warnt davor, dass Frankreich vom Tempo der Epidemie überrascht werden könne. „Zumal zwischen dem Zeitpunkt, an dem Maßnahmen ergriffen werden, und dem Zeitpunkt, an dem sie wirksam werden, eine Verzögerung besteht.“

Inzwischen veröffentlicht das Gesundheitsministerium immer wieder Zahlen, dass die Impfungen voranschreiten – doch gibt es dabei große Probleme.

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Erstmals erhält eine Frau Stimmrecht bei der Bischofssynode

Es ist keine Revolution, aber es ist ein Zeichen, dass auch die katholische Kirche erkannt hat, dass sie sich in Sachen Frauenrechte verändern muss. In der Bischofssynode erhält erstmals eine Frau Stimmrecht.

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Ein kleiner, sehr entscheidender Schritt

Großer Jubel ist sicherlich nicht angebracht, denn der Fortschritt in der katholischen Kirche bleibt auch weiterhin eine Schnecke – eine sehr langsame Schnecke! Dennoch ist die Ernennung der Französin Theologin Nathalie Becquart (51) zur Untersekretärin des Synoden-Sekretariats ein wichtiger Schritt.

„Mit der Ernennung von Schwester Nathalie Becquart und der Möglichkeit, dass sie mit Stimmrecht teilnimmt, ist eine Tür geöffnet worden“, sagte denn auch der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, dem Portal Vatican News. Man werde „dann sehen, welche weiteren Schritte in der Zukunft unternommen werden können“. Zusammen mit Becquart wurde der spanische Augustiner Luis Marin de San Martin (59) zum zweiten Untersekretär der Behörde ernannt.

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Die Ernennung von Nathalie Becquart durch den Papst – hier geht es zum Original

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Forderungen nach mehr Mitbestimmung

Die Forderung für ein Stimmrecht für Frauen bei den Versammlungen der Bischofssynode ist nicht neu. Immer wieder war dieser Schritt in den vergangenen Jahren gefordert worden. Sehr offen wurde das Thema bei der Amazonas-Synode diskutiert im Oktober 2019 diskutiert. Wichtige Themen – neben der Umwelt – war die Rolle der Frauen und neue Formen der Seelsorge in Gebieten mit wenigen Priestern. Damals lagen auch Forderungen nach der Lockerung des Zölibats und der Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt in der Luft. Dort wurde auch der erste (indirekte) Schritt in Richtung Frauenrechte gemacht. Denn dort hatte erstmals ein Ordensoberer, der nicht Priester ist, Stimmrecht gehabt – nicht aber die Leiterinnen von Frauenorden. Das hat sich mit der Ernennung von Nathalie Becquart nun geändert.

In einem Interview mit Vatican News die 51-jährige Französin:

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„Das hätte ich mir nie vorstellen können, ich erlebe, dass der Heilige Geist voller Überraschungen ist! Ich bin ziemlich beeindruckt. Und gleichzeitig empfange ich das als einen Ruf der Kirche und des Papstes, der sich einem inneren Ruf anschließt, den ich seit vielen Jahren höre – der Synode zu dienen! Ich habe gerade eineinhalb Jahre lang Forschungsarbeit über Synodalität am Boston College geleistet, und der Ruf schließt sich jetzt an diese Arbeit an.“ 

Nathalie Becquart

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Mit diesem Hinweis auf ihre Forschungsarbeit nimmt sie geschickt den Kritikern an ihrer Kompetenz den Wind aus den Segeln. Vor ihrer Zeit in Boston studierte sie Theologie, Philosophie und Soziologie. 1995 trat sie der Xaviere-Gemeinschaft bei, in der sie 2005 ihre ewigen Gelübde ablegte. Von 2008 bis 2012 war Becquart Nationaldirektorin der Kommission für Evangelisierung und Berufungspastoral der Französischen Bischofskonferenz. Seit 2019 war Becquart bereits Beraterin des Generalsekretariats.

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Frauen wollen mehr Offenheit in der Kirche

Immer wieder zeigt sich, dass die Frauen in der katholischen Kirche mit ihrer Rolle unzufrieden sind und mehr Macht und Teilhabe fordern. Zuletzt sorgte Anne Soupa für große Aufregung. Sie wollte Bischöfin von Lyon zu werden. Obwohl ihre Bewerbung ohne Aussicht war, reichte sie beim Vatikanbotschafter in Paris ein Glaubensbekenntnis, ein Reformprogramm und ihren Lebenslauf ein. Allein diese Prozedur ist mehr als ungewöhnlich. Für solch ein wichtiges Amt wird in der Regel nicht öffentlich kandidiert, katholische Bischöfe werden vom Papst ernannt. Es gibt aber eine wesentlich größere Hürde: Bischöfe müssen mindestens fünf Jahren Priester gewesen sein. Dieses Amt aber ist in der katholischen Kirche Männern vorbehalten. Der Erzbischof von Lyon ist der oberste katholische Würdenträger Frankreichs. Natürlich bekam sie das Amt nicht – aber der Anspruch der Frauen auf mehr Einfluss in der katholischen Kirche war damit laut und deutlich formuliert.