Corona-App in Frankreich – Ernüchterung nach dem großen Hype

Die Corona-Warn-App ist nun auch in Deutschland verfügbar. Die Aufregung ist groß! In Frankreich wurde die App bereits vor rund zwei Wochen zum Download freigeschaltet, auch dort schlugen die Wellen hoch, allerdings hat sich die Lage ebenso schnell wieder beruhigt. Inzwischen macht sich auch in den Reihen der Verantwortlichen eine gewisse Ernüchterung breit.

 

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StopCovid ist in den ersten Tagen der Hit

Frankreichs Coronavirus-Warn-App nennt sich „StopCovid“ und wurde in den ersten Tagen zum Hit. Nach Angaben der Regierung wurde die Erwartungen übertroffen. Innerhalb von vier Tagen sei die App eine Million Mal aktiviert worden, schrieb der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, auf Twitter. Ähnlich wie in Deutschland wurde zuvor mächtig die Werbetrommel gerührt. Die französische Regierung erklärte immer wieder, damit die App wirksam sei, müsste sie von mehreren Millionen Französinnen und Franzosen genutzt werden.

 

Der Hype ist schnell verflogen

Doch der Hype um die App war schnell verflogen. Cédric O, Staatssekretär für Digitales, erklärte in diesen Tagen, dass mit dem Abflauen der Pandemie auch die Bereitschaft deutlich nachlasse, sich die App auf das Smartphone zu laden. Auch mit Aussagen über die Zahl der belegten „Treffer“ hielt sich der Politiker zurück. Es habe eine „eine Handvoll“ Benachrichtigungen durch die App gegeben.

Das Problem ist Bluetooth

Ein zentrales Problem ist offenbar technischer Natur. Es genügt nicht, sich die App zu installieren. Die Nutzer von StopCovid müssen ihre Bluetooth-Funktion aktiviert haben, sonst funktioniert die App nicht. „Wir wissen nicht, wer sein Bluetooth aktiviert oder nicht,“ erklärt Cédric O. Die ersten Zahlen machten allerdings keine große Hoffnung.

Allerdings wehrt sich der Staatssekretär auch immer wieder gegen Meldungen, dass mindestens 60 Prozent der Menschen die App geladen und aktiviert haben müssten, damit sie verlässlich funktioniert.

 

 

 

„StopCovid“ soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind. Bürger sollen dann gewarnt werden, falls sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. „Wir haben kein genaues Ziel, aber wir wissen, dass diese Anwendung vor allem für Stadtbewohner nützlich ist, die zu Stoßzeiten die U-Bahn nehmen, die in Bars und Restaurants gehen, die mit vielen Menschen in Kontakt stehen“, sagte der Staatssekretär jüngst dem Sender RMC.

Die Kritik an der App ist groß

Experten hatten bereits kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten. Das kann zu Problemen wie höheren Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen.

Die Kritik richtet sich allerdings nicht nur an die Technik der App. Datenschützer haben zwar immer wieder versichert, dass die Anwendung sicher sei und die Daten auch nicht verwendet werden könnten, um Menschen zu verfolgen. Dennoch schürt die App offensichtlich Ängste, die bisweilen nicht genau zu fassen sind.

 

 

Der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich

Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Marine Le Pen ist auf der Île de Sein nicht willkommen

Marine Le Pen ist nicht willkommen auf der die Île de Sein – schon gar nicht am 18. Juni. Didier Fouquet, der Bürgermeister der Insel, macht der Chefin des rechtsextremen Rassemblement National den unschönen Vorwurf, dass die Feiern an jenem Tag von der Politikerin schlicht gestohlen würden. Fakt ist: er würde Marine Le Pen am liebsten das Anlegen verwehren.

 

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Der Appell von General Charles de Gaulle

Um diesen Streit zu verstehen, muss man etwas zurück in der jüngsten Geschichte Frankreichs. Am 18. Juni 1940 verlas General Charles de Gaulle über die BBC seinen berühmten Appell, um die Franzosen zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen. Am 18. Juni finden in Frankreich auch heute noch viele Feiern statt, im Gedenken an die Kämpfer gegen die Faschisten.

Dabei spielt die Insel Île de Sein eine besondere Rolle. Die Einwohner waren besonders häufig in der Résistance zu finden. Unmittelbar nach dem Aufruf von Charles de Gaulle  – die Île de Sein war, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von  der deutschen Wehrmacht besetzt – legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die im Zivilberuf Fischer waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreich an. Sie machten anfangs ein Viertel der Forces Navales Françaises libres („Freie Französische Marine“, kurz FNFL) aus und veranlassten de Gaulle zu der Bemerkung: „Die Insel Sein ist ein Viertel Frankreichs“.

 

De Gaulle, das Hass-Objekt der extremen Rechten

Besonders kompliziert wird die ganze Angelegenheit mit den Feierlichkeiten durch die Halten der extremen Rechten in Frankreich. Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, verspottete Charles de Gaulle stets als „Landesverräter“ und eigentlicher Erzfeind aller wahren Franzosen. Der Grund: der General gewährleistete einst den Rückzug Frankreichs aus Algerien. Auf Parteitagen des damaligen Front National wurden gerne auch Schweigeminuten für Jean Bastien abgehalten, einen rechtsradikalen Offizier und Organisator eines – misslungenen – Anschlags gegen De Gaulle. Bastien wurde deswegen 1963 hingerichtet.

Marine Le Pen aber hat sich, nachdem sie ihren Vater aus der Partei geworfen hatte, auch in Sachen Vorbilder neu orientiert. Sie beruft sich nun auf General Charles De Gaulle, den Exil-Führer des Widerstands gegen Hitler-Deutschland und späteren Staatschef. Doch auch wenn Marine Le Pen immer wieder mit ihren Anhängern an das Grab des Generals pilgert, haben die Franzosen den Hass nicht vergessen, der über Jahre von den extremen Rechten über den in Frankreich verehrten General niederging.

 

Der Bürgermeister will Marine Le Pen nicht auf der Insel

Bürgermeister Didier Fouquet hatte sich nach eigenen Aussagen über eine kleine Feier auf der Insel gefreut, die 80 Jahre nach dem Appell angehalten wird. Erwartet wird auch ein Schoner der französischen Marine und einige Vertreter des Staates sollten die Rolle der Inselbewohner während des Zweiten Weltkrieges ins Gedächtnis rufen. „Vor der Ankunft von Frau Le Pen wird es hier auf der Insel eine kleine Zeremonie im kleinen Kreis geben“, sagt Didier Fouquet. „Wir werden einer Feier beraubt, die eigentlich ganz nett sein sollte “, klagt er.

Der rechtsextreme Rassemblement National will sich die Gelegenheit aber nicht nehmen lassen, auf der Insel selbst zu feiern. Marine Le Pen werde am 18. Juni auf die Insel reisen, um an den 80. Jahrestag von General de Gaulles Aufruf zum Kampf gegen Nazi-Deutschland zu erinnern, heißt es aus der Partei. Marine Le Pen selbst erklärt, dass der Rassemblement National die die Ideen von General de Gaulle verkörpere, obwohl ihre Partei früher dagegen gekämpft hat.

Und was macht der Bürgermeister? „Wir Frau Le Pen bitten, nicht zu kommen, aber wir können es nicht verhindern“, sagte Didier Fouquet. In seinen Augen ziele der Besuch nur darauf ab, dem Rassemblement National schöne Bilder für die eigene Propaganda zu liefern. „Es wird niemanden aus dem Rathaus geben, der sie willkommen heißt“, sagte der Bürgermeister. Dann fügte der hinzu, dass er erfahren habe, dass eine Gruppe von Inselbewohnern bereit sei, gegen den Auftritt Marine Le Pens zu protestieren.

Pilgern auf dem Jacobsweg ist wieder möglich

Urlaub in Frankreich und Spanien ist wieder möglich. Noch vor wenigen Wochen hätten das viele nicht für möglich gehalten. Aber am 15. Juni sind die Grenzkontrollen nach Frankreich wieder aufgehoben worden. Das heißt, dass deutsche Urlauber ab diesem Datum nach Frankreich reisen können. In Frankreich haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber wieder geöffnet.

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Die Hauptrouten des Jacobsweges. Eine Karte der Stadt Wendlingen am Neckar

Madrid öffnet die Grenze am 1. Juli

Das heißt auch, dass auf dem Jakobsweg wieder gepilgert werden kann – zumindest in Frankreich. Die Strecke war seit Mitte März wegen der Corona-Sperren komplett nicht begehbar. Die Regierung in Madrid hat angesichts des Abflauens der Pandemie einen Stufenplan beschlossen, danach ist die Einreise aus der EU ab dem 1. Juli wieder möglich. Zudem müssen die Einreisenden nicht mehr in Quarantäne. Praktisch bedeutet das, dass nun die gesamte Strecke wieder frei ist. Frankreich und Spanien waren beide sehr stark von dem Virus betroffen. Es sind rund 60.000 Menschen daran gestorben.

Wer nicht schon auf den vier Strecken in Frankreich mit der Pilgerreise beginnen will, der kann ab dem 1. Juli auch mit dem Flugzeug wieder etwa in das nordspanische Bilbao fliegen. Von dort begeben sich viele Pilger auf die Küstenroute oder fahren mit dem Linienbus ins Landesinnere, wo wie auf der Hauptroute weiterwandern.

Strenge Hygiene-Regeln auf dem Jocobsweg

Natürlich wird nicht sofort der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden können. Noch immer sind einige Corona-Regeln zu beachten. „Etwa zwei Drittel der Herbergen werden Anfang Juli, wie auch die Kathedrale in Santiago, wieder öffnen“, sagt Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, der Vereinigung privater Pilgerherbergen am Jakobsweg. Allerdings müssen auch die geöffneten Herbergen wegen der neuen Hygiene- und Abstandsregeln ihre Kapazitäten reduzieren. Die Pilger müssen damit rechnen, dass nur 70 Prozent der Plätze belegt werden können.

Betreiber müssen sich mit Schutzmasken eindecken

Auch für die Betreiber der Unterkünfte müssen sich auf einige Änderungen einstellen. Vor der Öffnung müssen sie sich mit genügend Desinfektionsgel und Schutzmasken eindecken. Zudem müssen angesichts der Vorgaben durch die Behörden die Betten mit Wegwerflaken und auch die Kopfkissen mit Hüllen zur einmaligen Benutzung überzogen sein. Auch müssen die Duschen nach jeder Benutzung desinfiziert werden.

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Viele Wege führen ans Ziel. Dieser wird vorgeschlagen von der Jacobusbrüderschaft in Köln

Es ist davon anzugehen, dass die Mehrkosten auf die Besucher umgelegt werden, da die meisten Herbergen am unteren Limit kalkulieren. Signifikante Preiserhöhungen dürfte es aber dennoch nicht geben. Konkret heißt das etwa, dass die Herbergen den Übernachtungspreis von elf auf zwölf Euro anheben werden.

 

Run auf den Jacobsweg nach Corona?

Enrique Valentin, der Vorsitzende der „Asociacion Red de Albergues privados del Camino de Santiago“, hofft dass sich der Pilgerbetrieb im Laufe des Sommers wieder normalisiert. Ein neuer Rekord wie 2019, als das Pilgerbüro von Santiago de Compostela insgesamt 347.578 Ankömmlinge registrierte, wird in diesem Jahr gewiss nicht fallen. Doch es herrscht Nachholbedarf. Gerade jetzt werden viele Pilger auf dem Weg Glaube, Hoffnung, spirituellem Trost und ein neues Freiheitsgefühl suchen. Jesus Fernandez Gonzalez, Weihbischof in Santiago de Compostela, drückte das in einem Interview mit der galicischen Zeitung „La Voz de Galicia“ unlängst so aus: „Ich habe den Eindruck, dass sich der Pilger regelrecht auf den Jakobsweg stürzen wird.“

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INFO:

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens. Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem „heiligen Ort“, an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten.

Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Der „Weg der Deutschen“, die „Via Lemovicensis“, ging von Vezelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Weiter östlich verliefen die „Via Turonensis“ über Paris, Tours und Bordeaux, die „Podiensis“ über Le Puy und Conques, die „Tolosana“ über Arles und Toulouse sowie der sogenannte Pyrenäenweg über Beziers und Foix.

Die angebliche Grabstätte des heiligen Jakobus entwickelte sich neben Rom und Jerusalem im Mittelalter zu einem der drei Hauptziele der christlichen Pilgerfahrt. Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat eine Renaissance dieser „europäischen Kulturbewegung“ eingesetzt, wie die zuletzt immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. Die Corona-Pandemie dürfte allerdings für deutliche Einbrüche in der Statistik sorgen.

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Hier gibt es weitere Infos zum Pilgern auf dem Jacobsweg:

Deutsche St. Jacobus-Gesellschaft

Zum Planen für den Jacobgsweg

Einige Infos zum Jacobsweg

Uns hier noch die 16 wichtigsten Tipps für den Weg von Travelbook

Und die sieben besten Bücher zum Jacobsweg nach Ansicht von Hillwalk Tours

Und hier die besten Hörbücher zum Jacobsweg

 

Grenze zu Frankreich für Urlauber wieder offen

Die Zeit der Grenzkontrollen bei der Einreise aus Frankreich ist vorbei: „Mit Ablauf des Sonntags enden die Kontrollen“, heißt es von der Polizei. Am Wochenende des 13./14. Juni laufen die Kontrollen, die seit rund einem Monat nur noch stichprobenartig stattfinden, aus. In den beiden Monaten davor – also vom 16. März bis zum 16. Mai – hatte es dagegen systematische Kontrollen an der Grenze zu Frankreich, und auch zu Luxemburg, an überwachten Übergängen gegeben.

 

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In Paris haben die Bistros wieder geöffnet – allerdings mit einigen Einschränkungen

Lange Zeit ging fast nichts an der Grenze

Etliche, vor allem kleine Übergänge waren in dieser Zeit gesperrt gewesen. Mit den Grenzkontrollen sollte die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. Einreisen durfte nur, wer einen triftigen Grund nachweisen konnte. Die Kontrollen bei der Einreise aus Luxemburg waren bereits am 16. Mai komplett weggefallen. Auch für den Zugverkehr heißt das, dass er nach und nach wieder normalisiert wird.

 

Welche Einschränkungen in Frankreich?

Auch wenn die Einreise nach Frankreich nun wieder problemlos möglich ist, sind im Land selbst doch einige Einschränkungen zu beachten. Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygieneregeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Eine spezielle Situation in Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Die Museen öffnen wieder

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnete nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

 

 

 

Der Eiffelturm macht (fast) auf

Ab dem 25. Juni soll der seit Mitte März geschlossene Eiffelturm in Paris wieder geöffnet werden. Allerdings können Besucher dem Betreiber zufolge nur über die Treppen bis in den zweiten Stock des weltberühmten Bauwerks. Die Spitze und Aufzüge sollen zunächst geschlossen bleiben.

 

 

Das Pariser Grand Palais öffnet mit der Ausstellung „Pompeji“ am 1. Juli wieder seine Türen. Die Schau ist den letzten Ausgrabungen der antiken Stadt am Golf von Neapel gewidmet. Gezeigt werden unter anderem Objekte, die bei den Ausgrabungen 2010 zu Tage gekommen sind. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine 3D-Rekonstruktion, die die Besucher in die Geschichte der Stadt eintaucht, die 79 n.Chr bei dem Vulkanausbruch des Vesuvs verschüttet wurde.

NACHTRAG 22.06.2020:

In Frankreich sind neue Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Kraft getreten. Alle Schulen mit Ausnahme von Gymnasien öffneten am Montag wieder unter Auflagen. Auch Campingplätze und Kinos können wieder aufmachen. Zudem waren erstmals seit gut drei Monaten alle Stationen der Pariser Metro wieder geöffnet.
Für Frankreichs Schüler gilt seit Montag eine Anwesenheitspflicht, nur Gymnasiasten sind ausgenommen. Allerdings hatte das Bildungsministerium Verständnis für Eltern signalisiert, die ihr Kind zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien nicht zum Unterricht schicken wollen. Theoretisch droht beim Verstoß gegen die Schulpflicht ein Bußgeld von 750 Euro.
Ab Mittwoch können Touristen auch den Eiffelturm wieder besuchen. Für Freitag ist zudem die Öffnung des Pariser Flughafens Orly angekündigt. Die Einreise nach Frankreich ist seit einer Woche für Deutsche und die meisten anderen EU-Bürger wieder uneingeschränkt möglich.

Der erste Schritt zur Rettung von Notre-Dame

An der von einem Brand schwer beschädigten Pariser Kathedrale hat die Absicherung des vom Einsturz gefährdeten Gewölbes begonnen. Eine gefährliche Arbeit in schwindelnder Höhe.

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Mit riesigen Kränen werden die Metallteile des alten Gerüstes nach unten befördert

Ein Arbeitsplatz in schwindelnder Höhe

Wie Ameisen wirken die Männer an der riesigen Außenmauer von Notre-Dame. In 40 Meter Höhe schrauben und sägen die Arbeiter, geben mit weit ausholenden Armbewegungen dem Kranführer Zeichen, wohin er den Ausleger seines Gefährtes genau steuern soll. Auf der anderen Seite der Seine bleiben immer wieder Schaulustige stehen und beobachten fasziniert das Treiben. „Mich würden keine zehn Pferde da hochbringen“, murmelt eine Frau, während ihr Begleiter versucht, mit einem Teleobjektiv den Kranführer zu fotografieren, der in seiner Kabine rund 80 Meter über dem Geschehen thront. „Aber einen schönen Blick über die Stadt hat er,“ sagt sie nach kurzem Überlegen.

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Nach dem Brand stand ganz Frankreich unter Schock

Ein Gerüst wird zur Rettung und dann zum Problem

Am Abend des 15. April vor einem Jahr wütete ein verheerender Band in der Pariser Kathedrale Notre-Dame und es erscheint wie ein Wunder, dass das 850 Jahre alte Bauwerk im Herzen der Stadt überhaupt noch steht. Der legendäre Dachstuhl aus tausenden von Eichenbalken wurde ein Raub der Flammen, die verkohlten Reste stürzten in den Innenraum der Kirche und rissen den 96 Meter hohen Spitzturm mit in die Tiefe. Ein Gerüst, das vor dem Feuer für Restaurierungsarbeiten am Dach angebracht worden war, überstand das Inferno – und ist nun eines der großen Probleme beim Wiederaufbau der Kathedrale. Allerdings scheint die geschmolzene Konstruktion Fluch und Segen zugleich.

Das rund 200 Tonnen schwere Gewirr aus 40.000 Eisenstangen ist in der Hitze von 1000 Grad regelrecht zusammengebacken. Fachleute vermuten, dass die Konstruktion aus verbogenen Rohren in jener Nacht des Infernos die Außenmauern womöglich vor dem Einsturz bewahrt haben könnte. Auf der anderen Seite warnte Philippe Villeneuve, Chefarchitekt für den Wiederaufbau, zuletzt immer wieder, dass das schiere Gewicht des Gerüstes das Gewölbe zum Einsturz bringen könnte.

Fachleute für den Abbau am Start

Erste Versuche, die verbogenen Konstruktion nach dem Brand zu demontieren, wurden aber abgebrochen, die Gefahr schien zu groß, dass die Kathedrale schlicht in sich zusammenfällt. Nun wird nach Monaten der akribischen Vorbereitung ein neuer Anlauf genommen. Dazu wurde das alte Gerüst zunächst befestigt und auf drei Ebenen mit Metallträgern stabilisiert. Gleichzeigt wurde ein zweites Gerüst erstellt, um die Abbauarbeiten zu ermöglichen. Zwei Teams aus jeweils fünf Industriekletterern haben sich an die Arbeit gemacht, die eingeschmolzenen Metallrohre zu zersägen – eine äußerst filigrane Aufgabe von gigantischem Ausmaß.

 

Der Präsident setzt die Verantwortlichen unter Druck

„Wenn alles beendet ist, werden wir sehr erleichtert sein“, sagte der Generalbevollmächtigte der Notre-Dame-Stiftung, Christophe Rousselot. Er hofft, dass es im Lauf der Arbeiten zu keinen Zwischenfällen kommt. „Es könnten auch Stücke aus dem Gerüst herausfallen und einen Teil der Mauern der Kathedrale beschädigen.“ Immer wieder mahnen die Verantwortlichen zu Geduld. Keiner ist wirklich glücklich über die Aussage von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der noch in der Nacht der Katastrophe einen Wiederaufbau der Kathedrale innerhalb von fünf Jahren versprochen hatte.

„Wir machen einen kleinen Schritt nach dem anderen“, erklärte Ex-General Jean-Louis Georgelin, der Beauftragte der französischen Regierung für den Wiederaufbau von Notre-Dame, als an Pfingsten der Vorplatz der Kathedrale wieder für die Öffentlichkeit geöffnet wurde. Das Gelände war abgesperrt worden, weil rund um das Gebäude eine zu hohe Belastung durch Giftstoffe gemessen worden war. Verursacht unter anderem durch die 500 Tonnen Blei, die im Dach verbaut waren, in der Brandnacht durch die Hitze schmolzen und in die Luft geblasen wurden.

Noch viele Probleme bis zum glücklichen Ende

Die Verantwortlichen stehen nicht nur vor einer gewaltigen Aufgabe, sondern auch vor immer neuen, bisweilen unerwarteten Problemen. Zuletzt mussten die Bauarbeiten über Wochen wegen der Corona-Krise eingestellt werden, was den Zeitplan weiter verzögert hat. So sind die Experten noch immer damit beschäftigt, überhaupt die Schäden aufzunehmen und die Baustelle abzusichern. Mit dem eigentlichen Wiederaufbau soll neuesten Aussagen zufolge im kommenden Jahr begonnen werden. Dann muss auch geklärt werden, wie das Dach der Kathedrale am Ende aussehen soll. Hier stehen sich die Lager der Traditionalisten und der Erneuerer entgegen. Präsident Macron wünscht sich eine moderne Interpretation der ursprünglichen Form. Bei einem ersten Ideenwettbewerb wurden unter anderem ein Dach aus Glas vorgeschlagen oder ein Turm in der Gestalt einer Flamme. Eine Umfrage hat jedoch ergeben, dass die meisten Franzosen im Fall der Kathedrale, die auf gewissen Weise auch die Seele der Nation verkörpert, keine Experimente wollen. Notre-Dame soll nach dem Wiederaufbau so aussehen, wie vor dem Brand.

Ein Text voller Wut über die weiße Ignoranz

Der Tod von George Floyd hat die USA erschüttert. Doch auch in Frankreich gehen nun die Menschen gegen die Polizeigewalt auf die Straße. Die Schriftstellerin Virginie Despentes prangert in einem offenen Brief den Rassismus in ihrem Land an.

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In Paris vor dem Justizpalast versammeln sich Zehntausende Menschen um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren.

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Die Lücke zwischen gefühlter Wahrheit und Wirklichkeit

Virginie Despentes beginnt ihren offenen Brief mit einem Hinterhalt. „Wir in Frankreich sind keine Rassisten“, schreibt die französische Schriftstellerin – und man ist gewillt, zu nicken. „Aber ich erinnere mich nicht, je einen schwarzen Minister gesehen zu haben.“ Da schnappt die Falle zu! Despentes stellt die gefühlte Wahrheit gegen die Wirklichkeit – und da klafft in vielen Fällen eine abgrundtiefe Lücke. Aus diesem Grund überschreibt sie ihren Text, den der Sender „France Inter“ veröffentlicht hat: „Brief an meine weißen Freunde, die nicht wissen, wo das Problem liegt …“ Wobei die Schriftstellerin durch einige einfache Fehler ihren Gegnern Angriffsfläche bietet. So war etwa Christiane Taubira, geboren in Französisch-Guyana, vor einigen Jahren Justizministerin und die aktuelle Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye stammt aus dem Senegal.

Hier der Beginn des offenen Briefes von Virginie Despentes:

En France nous ne sommes pas racistes mais je ne me souviens pas avoir jamais vu un homme noir ministre. Pourtant j’ai cinquante ans, j’en ai vu, des gouvernements. En France nous ne sommes pas racistes mais dans la population carcérale les noirs et les arabes sont surreprésentés. En France nous ne sommes pas racistes mais depuis vingt-cinq ans que je publie des livres j’ai répondu une seule fois aux questions d’un journaliste noir.

Die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit

Aus jeder ihrer Zeilen aber spricht der Furor über eine Gesellschaft, die sich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf die Fahne geschrieben hat und doch jeden Tag sehenden Auges zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten geschehen lässt. Angestachelt wird ihre Wut dadurch, dass angesichts des brutalen Todes von George Floyd in Minneapolis auch in Frankreich eine empörte Diskussion über Polizeigewalt vor allem gegenüber Schwarzen stattfindet – und von vielen Franzosen ignoriert wird, dass in ihrem eigenen Land wenn nicht dieselben, so doch ähnliche Probleme zu finden sind.

Der gewaltsame Tod von Adama Traoré

Deswegen bezieht sich Virginie Despentes in ihrem offenen Brief nicht auf den Tod von George Floyd im den fernen USA, sondern auf Adama Traoré, ein junger, farbiger Franzose, der 2016 in Polizeigewahrsam gestorbenen ist. Seine Schwester Assa hatte am Dienstag zu einer großen Demonstration in Paris aufgerufen – Zehntausende gingen auf die Straße. Der Fall weist Parallelen zum gewaltsamen Tod von George Floyd auf. Die Anwälte der Familie sagen, Polizisten hätten Traoré zu Boden gedrückt und ihm die Luft abgeschnitten. Gutachten der Justiz machen eine Herzerkrankung für den Tod verantwortlich.

Wenn Opfer zu Tätern gemacht werden sollen

Virginie Despentes klagt auch an, dass die schwarzen Franzosen von der weißen Mehrheitsgesellschaft immer wieder für ihre Misere selbst verantwortlich gemacht wurden. Man sei kein Rassist, schreibt die 50-Jährige, wenn man betone, dass während der Corona-Krise die Todesrate in dem berüchtigten Pariser Banlieue Seine Saint Denis sechzig Mal höher lag als im Landesdurchschnitt. Man erlaube sich zu sagen, „das ist eben so, weil sie sich schlecht verhalten“. Doch niemand fragt nach, unter welchen Lebensbedingungen die Familien in den engen Hochhausgettos leben.

Die Autorin, bekannt durch den Roman „Baise-moi – Fick mich“ und die Trilogie Vernon Subutex, schreibt weiter: „Ich kann nicht vergessen, dass ich eine Frau bin. Aber ich kann vergessen, dass ich weiß bin.“ Wer nicht weiß sei, habe diese Wahl in Frankreich nicht. Sie könne jeden Tag ohne Ausweis das Haus verlassen, bemerke die Polizei in der Stadt gar nicht. Aber: „Das letzte Mal, als ich um meine Papiere gebeten wurde, war ich mit einem Araber unterwegs.“

Keine Lösungen – aber sehr viel Wut

Virginie Despentes liefert keine Lösungsansätze, sie schleudert ihren Landsleuten ein wütendes Pamphlet ins Gesicht. Aus ihr spricht eine lange aufgestaute Wut. Es ist die Wut über die soziale Ungerechtigkeit im Land, die bereits die Gelbwesten in Frankreich auf die Straße getrieben hat. Es ist die Wut, die den Protest vieler Frauen angesichts der oft ungesühnten Gewalt von Männern gegenüber ihren Partnerinnen befeuert hat. Und es ist die Wut über den alltäglichen Rassismus in Frankreich. Und es ist vor allem die Wut gegenüber einer saturierten und ignoranten Gesellschaft, die in diesen Ungerechtigkeiten kein Problem sehen will.

Sind Reisen nach Frankreich möglich?

Ein Stück weit kehrt die Reisefreiheit wieder zurück: Die Bundesregierung wird die Reisewarnung für zahlreiche europäische Länder aufheben. Doch ob der Sommerurlaub wirklich stattfinden kann, dürfte auch an den Regelungen der Urlaubsländer selbst hängen. Im Fall von Frankreich heißt das: Frankreich hält an der Aufhebung der Grenzkontrollen am 15. Juni fest. Das bedeutet, dass deutsche Urlauber auch erst ab diesem Datum nach Frankreich reisen können.

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Der Vorplatz von Notre-Dame ist in diesen Tagen wieder für Touristen geöffnet worden. Nach dem Brand vor einem Jahr war er mit Blei verseucht.

Berlin hebt die Reisewarnung auf

Aufgehoben werden soll die Reisewarnung für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Die Aufhebung soll ab 15. Juni gelten. Nur Spanien und Norwegen sind davon wegen noch bestehender Einreisesperren vorerst ausgenommen. Eine Reaktivierung der Reisewarnung für bestimmte Länder oder Regionen je nach Entwicklung der Neuinfektionen ist allerdings möglich.

Die Regeln in Frankreich werden gelockert

Doch wie genau sieht es in Frankreich aus? Noch bis vor wenigen Tagen durften auch Franzosen sich nur in einem Umkreis von 100 Kilometern bewegen. Diese Regelung wurde am 2. Juni aufgehoben. Inzwischen haben in weiten Teilen des Landes Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber nun wieder geöffnet. Auch die Restaurants empfangen seit Anfang dieser Woche im ganzen Land wieder Gäste – alles natürlich mit strengen Hygiene-Regeln. Auch Freizeitangebote sind nun wieder verstärkt möglich. So sind alle Strände wieder zugänglich. Große Museen und Monumente dürfen ebenfalls wieder Besucher empfangen.

Der Sonderfall Paris

Etwas anders ist die Lage in Paris, das schwerer von den Folgen des Virus getroffen wurde. Das heißt: in der Hauptstadt geht die Öffnung wesentlich langsamer voran und wird noch bis Ende Juni dauern. Das heißt, dass die Hotels noch geschlossen haben und auch in den Restaurants und Bistros herrschen strenge Regeln. So darf nur auf den Terrassen gegessen und getrunken werden.

Da die Lage noch reichlich unübersichtlich ist, hält sich die Regierung auch mit Aussagen für die Ferienmonate im Sommer zurück. Sie hat allerdings die Franzosen aufgefordert, in Frankreich Urlaub zu machen und auch Reisen ins Ausland zu verzichten.

Am 28. Juni will die Regierung in Paris dann die Lage neu bewerten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Dann dürften auch Aussagen dazu möglich werden, ob und wie ein Urlaub in Frankreich möglich sein wird.

Die Museen öffnen etwas später

Für die Museen in Paris bedeutet das: Der Louvre oder das Musee d’Orsay öffnen erst in ein paar Wochen. Das Versailler Schloss öffnet nach der coronabedingten Zwangspause am 6. Juni wieder seine Türen. Zugänglich sind das Schloss, die Gärten, Parkanlagen und das von Ludwig XV. für seine Mätresse Madame de Pompadour errichtete Trianon, teilte die Schlossleitung mit. Der Besuch kann nur mit vorheriger Reservierung eines Zeitfenster-Tickets und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erfolgen. Das Loire-Schloss Chambord soll ab dem 5. Juni wieder zu besichtigen sein, das Schloss von Fontainebleau ab dem 1. Juli.

Hier geht es zu einer Mitteilung des Louvre, die allerdings auch andere Museen betrifft:

UPDATE:

Das Pariser Centre Pompidou empfängt nach der coronavirusbedingten Zwangspause am 1. Juli mit der angekündigten Christo-Schau wieder seine ersten Besucher. Die Ausstellung des kürzlich verstorbenen Verhüllungskünstlers konnte wegen der Pandemie nicht wie geplant am 18. März eröffnet werden. Die bis zum 19. Oktober dauernde Werkschau „Christo und Jeanne-Claude Paris“ legt einen Schwerpunkt auf die Verhüllung der Pariser Brücke Pont Neuf im Jahr 1985 sowie auf das Projekt der Verpackung des Pariser Triumphbogens, das trotz des Todes des Künstlers im September 2021 stattfinden soll. Christo war am 31. Mai im Alter von 84 Jahren gestorben.

Ursprünglich war das Projekt für dieses Jahr geplant, wegen der Pandemie musste es jedoch verschoben werden. Seit den 1990er Jahren realisierte Christo seine gigantischen Installationen zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude. Zu den berühmtesten Projekten zählte neben dem Pont Neuf auch die Verhüllung des Reichstags im Juni 1995. Die Wiedereröffnung des Centre Pompidou findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt, die das Museum zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen will.

Paris findet seine Lebensfreude wieder

In ganz Frankreich dürfen in der Corona-Krise Cafés und Restaurants nun wieder öffnen – in Paris allerdings unter erschwerten Bedingungen.

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Die Kellner haben wieder alle Hände voll zu tun

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Ende der strikten Corona-Beschränkungen

Punkt Mitternacht klingen im Royal Cambronne die Gläser. Die Gäste in dem vollbesetzen Café im 15. Arrondissement von Paris begießen mit großem Hallo das Ende einer 80 Tage dauernden Leidenszeit. So lange waren Bistros und Restaurants in Frankreich wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Dienstag dürfen die Wirte unter strengen Auflagen wieder ihre Kundschaft bedienen. „Ich hätte nie geglaubt, dass mir der Besuch im Bistro so sehr fehlen würde“, gesteht Catherine Philippe, ein junge Bankangestellte, die sich in der Vor-Corona-Zeit fast jeden Abend noch kurz auf ein Glas mit ihren Freunden getroffen hatte.

Gute Stimmung im Royal Cambronne

Im Royal Cambronne ist in dieser lauen Juni-Nacht allerdings nur die Außenterrasse geöffnet, denn Paris gilt in Sachen Corona weiter als Risikogebiet, weshalb die Innenräume der Bistros noch mindestens für drei Wochen tabu sind. Im Rest von Frankreich reicht es, wenn die Betreiber der Gaststätten in den Lokalen selbst den vorgegebenen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Tischen einhalten – und natürlich ist das Tragen von Masken für das Personal Pflicht.

Anne Hidalgo interpretiert die Regeln

Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, ist allerdings bekannt für ihre Kreativität und Durchsetzungskraft. Kaum hatte der konservative französische Premier Édouard Philippe vergangene Woche die besonderen Einschränkungen der Corona-Regelungen im Fall von Paris verkündet, meldete sich die sozialistische Politikerin zu Wort. Natürlich könnten die Bistros in ihrer Stadt unter diesen Umständen die Terrassen vergrößern, erklärte Anne Hidalgo. Zu diesem Zweck ordnete sie an, einige kleine Straßen für den Autoverkehr zu sperren und vor allem Parkplätze vor den Lokalen den Wirten für Tische zur Verfügung zu stellen. Ihrer Ansicht nach gehören die typischen Cafés zum Stadtbild von Paris und sind eine Art Aushängeschild. „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte Anne Hidalgo in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Parisien“.

 

Hidalgos Kampf gegen den Verkehr

Ähnlich forsch war die Bürgermeisterin vor einigen Wochen im Fall der in Paris umstrittenen Radwege vorgegangen. Während der Corona-Krise und dem damit zusammenhängenden drastischen Lockdown war der Autoverkehr in der Stadt dramatisch zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Zahl der Radfahrer steil an. Also ordnete Anne Hidalgo praktisch über Nacht den zusätzlichen Ausbau des bestehenden Radnetzes um rund 50 Kilometer an. Dazu wurden auf einigen Hauptverkehrsadern den Autos rigoros ganze Fahrspuren abgezwackt. So können die Pedaleure nun etwa auf der wichtigen und vielbefahrenen Rue Rivoli angstfrei und bequem die halbe Innenstadt durchqueren.

Der Aufschrei bei den Automobilisten war groß, Anne Hidalgo beruhigte allerdings die Gemüter und versprach, dass die Maßnahme zeitlich begrenzt sei – was allerdings nicht alle glauben wollen. Kritiker werfen der 60-Jährigen Populismus vor, da sie bei solch spektakulären Aktionen vor allem ihre Wiederwahl in einigen Wochen im Auge habe. Schätzungen zufolge besitzt nicht einmal die Hälfte der Haushalte in Paris ein Auto, was den Einsatz von Anne Hidalgo für die Radwege, den Nahverkehr und die Ausweitung der Grünflächen in der Stadt zu Lasten der Autofahrer erklären würde.

Strenge Regeln für die Terrassen

Auch im Fall der aktuellen Ausnahmegenehmigungen für die Bistros scheinen ihr die Wählerstimmen nicht ganz egal zu sein. In der Millionenmetropole an der Seine gibt es nach Schätzung der Tageszeitung „Le Parisien“ rund 15.000 Cafés, Bars und Restaurants mit einer für Paris typischen Terrasse. Deren Besitzer sind natürlich voll des Lobes für die Anordnung der Bürgermeisterin, die Bewirtungsfläche auf der Straße auszuweiten.

Und auch die mehrere Tausend Restaurants, die keinen Außenbereich haben, können unter den aktuellen Umständen Gäste bewirten. Am Dienstag stellten eifrige Kellner bei strahlendem Sonnenschein und fast 30 Grad Tische und Stühle auf die breiten Gehsteige. Dabei müssen allerdings einige Regeln eingehalten werden. Das Mobiliar darf aus ästhetischen Gesichtspunkten keine Beleidigung für das Auge der Passanten darstellen. Und gespeist wird natürlich ebenfalls mit Stil – Einweggeschirr und Wegwerfbesteck sind verboten.

Corona-Warn-App in Frankreich mit holprigem Start

Pünktlich 12 Uhr sollte die Corona-Warn-App namens „StopCovid“ freigeschaltet werden. Doch auch am späten Nachmittag ist die Applikation nur im Google Play Store zu haben – nicht im IOS-App-Store zu finden. Erklärungen gab es dafür nicht. Nur soviel, dass es immer wieder bei solchen Vorgängen Verzögerungen gebe.  Wer die App via Google laden möche: einfach hier klicken)

NACHTRAG: Einen Tag später war auch die IOS-Version im App-Storezu finden. 

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StopCovid nicht im IOS-App-Store zu finden

Die Franzosen sind gespalten. 59 Prozent befürworten grundsätzlich den Einsatz der Corona-Warn-App. Allerdings machen sich auch 54 Prozent Sorgen um möglichen Datenmissbrauch. Tatsache ist, dass am Dienstag die Leute vergeblich darauf warteten, die App auf ihre Smartphone laden zu können. Im IOS-App-Store von Apple waren auch am späten Nachmittag unter dem Namen StopCovid nur zwei Anwendungen zu finden. Eine aus Georgien und eine aus Katalonien. Die französische Version ist nicht zu finden.

 

Franzosen laden aus Versehen katalanische App

Das Problem im App-Store führte zu einem interessanten Effekt. Am Nachmittag war die katalanische App auf Platz Zwei der Top-Apps in Frankreich. Das heißt: diese Leute haben sich die falsche App auf ihre Smartphone geladen – und wundern sich wohl, dass sie nicht funktioniert.

Politischer Streit im Parlament

Um die App StopCovid gab es einen erbitterten politischen Streit. Parlament und Senat in Paris hatten vor einigen Tagen dann allerdings mit großer Mehrheit dafür gestimmt. Die Applikation soll dabei helfen, die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Dazu wird mithilfe die Bluetooth-Technologie erfasst, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer werden gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten haben. Wie in Deutschland auch, ist die Anwendung allerdings nicht unumstritten. „Es handelt sich nicht um eine Überwachungs-App“, beschwichtigte der Chef des französischen Technik-Forschungsinstituts Inria, das die Entwicklung der App beaufsichtigt.

Datenschützer geben grünes Licht

Zuvor hatten Frankreichs Datenschützer CNIL grünen Licht für „StopCovid“ gegeben. Das Gesetzesvorhaben entspreche den rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre, hieß es in einer Stellungnahme. Die wichtigsten Empfehlungen der CNIL seien dabei umgesetzt worden – so verwende die Corona-Warn-App anonymisierte Daten, erstelle keine Liste von Personen und sei freiwillig.

Bei der Abstimmung in der Nationalversammlung am Mittwoch sprachen sich 338 Abgeordnete für die App Einführung der Warn-App aus, 215 votierten dagegen, 21 enthielten sich. Im Senat sprachen sich 186 Parlamentarier dafür aus, 127 waren dagegen. „Das ist eine sehr wichtige Etappe“, erklärte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, nach dem Parlamentsvotum. Er machte deutlich, dass die App am Dienstag (2. Juni) eingeführt werden könnte. „Es ist der richtige Zeitpunkt, denn die Franzosen sind immer mehr daran interessiert, rauszugehen und wieder ein soziales Leben zu führen“, hatte O der Zeitung „Le Figaro“ gesagt. Da die Nutzung der App freiwillig ist, ist laut Regierung keine gesetzliche Regelung notwendig.

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren

Die App soll auf allen Smartphones funktionieren. Großen Wert legt die französische Regierung auf die Tatsache, dass sie technisch von den US-Konzernen Apple und Google unabhängig ist. Anders als Deutschland hat sich Frankreich im Fall der Corona-App für eine zentrale Software-Lösung entschieden. Das bedeutet, dass die Daten auf zentralen Server gespeichert werden und nicht nur auf den jeweiligen Nutzerhandys. Die französische Regierung argumentiert, dass die Gesundheitsbehörden nur mit einem zentralen System vollen Zugang zu den Angaben haben. Das bedeutet, dass deutsch-französischen Grenzgänger die App wahrscheinlich nicht wirklich nutzen können.

Kritiker warnen auch, dass es wegen der App zu falschen Verdächtigungen durch die Nutzer kommen könnte. Das Problem ist, dass bei einer Warnung nicht klar ersichtlich ist, wer der Infizierte ist. Wenn jemand an einem Kiosk etwa eine Warn-Nachricht erhalte, könne ihn das zur Annahme verleiten, vom Verkäufer gehe eine Gefahr aus – auch wenn dies womöglich gar nicht zutrifft.

Paris macht kleine Schritte in Richtung Normalität

Mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist der Vorplatz der Kathedrale wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Auch die wegen der Corona-Krise geschlossenen Bistros können wieder öffnen.

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Die Menschen können vor der Kathedrale Notre-Dame wieder flanieren.

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Notre-Dame rückt wieder näher

Kleine Lichtblicke in Paris. Mitten in der Corona-Krise mehr als ein Jahr war der Vorplatz der Kathedrale Notre-Dame gesperrt, nun ist er wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Nach dem verheerenden Brand war er wegen der Belastung durch allerlei Giftstoffe abgesperrt worden. Mehrere Male musste er gereinigt werden, bis die Gesundheitsbehörde nun eingewilligt hat, den Platz wieder zu öffnen. Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, sprach bei der feierlichen Wiedereröffnung des riesigen Platzes von „einer Art Wiedergeburt“. Die Kathedrale auf der Ile-de-la-Cité sei „die Seele von Paris“.

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Im Dachstuhl von Notre-Dame war am Abend des 15. April vergangenen Jahres während Restaurierungsarbeiten ein Feuer ausgebrochen. Große Teile des Daches sowie der Spitzturm stürzten ein. Als mögliche Ursache des Brandes gelten ein Kurzschluss oder eine achtlos weggeworfene Zigarette. Unmittelbar nach dem Brand hatte Staatschef Emmanuel Macron den Franzosen versprochen, die Kirche bis zum Sommer 2024 wieder aufzubauen.

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Für die Einwohner von Paris ist die Öffnung des Platzes aber nicht nur ein kleiner Hoffnungsschimmer im noch immer nicht entschiedenen Kampf um die Zukunft der Kathedrale. Seit Monaten ist die Stimmung wegen der Corona-Pandemie gedrückt. Nun hat wurde nicht nur Vorplatz von Notre-Dame aufgemacht, sondern auch die Parks der Stadt. Auch sie waren wegen der Pandemie geschlossen worden. Zudem werden am 2. Juni auch die Bistros und Restaurants in Frankreich nach einer fast drei Monate währenden Zwangspause wieder Gäste bewirten. Die Regierung hatte die Lockerung der coronabedingten Beschränkungen in der vergangenen Woche angekündigt. In Paris hält sich die Freude der Gastwirte allerdings in Grenzen – denn in der schwerer von der Covid-19-Epidemie getroffenen Hauptstadtregion darf nur auf Außenterrassen der Lokale getrunken und gegessen werden.

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Die um ihre Wiederwahl kämpfende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte am Wochenende bereits an, dass Lokale mehr Platz als üblich auf der Straße einnehmen können, falls sie Sicherheitsbestimmungen und andere Regeln einhalten. Insbesondere Bistros, die üblicherweise den ganzen Tag geöffnet haben und typische Gerichte servieren, gehören zur französischen Hauptstadt: „Ein Bistro – das ist für mich der Geruch von Kaffee und eines warmen Croissants“, schwärmte die sozialistische Bürgermeisterin.