Arbeitslose sollen in Frankreich bei der Ernte helfen

Die Corona-Krise macht sich nun auch bei den französischen Bauern bemerkbar. Ihnen fehlen im Moment die Arbeitskräfte, um die Ernte von den Feldern einzuholen. Nun wurden Arbeitslose aufgerufen, bei der Feldarbeit auszuhelfen.

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In der Tageszeitung „Le Parisien“ berichten Bauern über ihre Notlage in Sachen Saisonarbeiter

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Es fehlen rund 200.000 Saisonkräfte

Nach Angaben des französischen Dachverbands der Landarbeiter (FNSEA)  fehlen bis Mai rund 200.000 Saisonkräfte. Die Verbandspräsidentin Christiane Lambert rief Interessierte im Radiosender France Inter auf, sich auf einer Webseite zu melden, die mit Hilfe der Arbeitsagentur eingerichtet wurde.

Landwirtschaftsminister Didier Guillaume hatte zuvor alle derzeit unbeschäftigten Franzosen aufgerufen, sich freiwillig zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen produzieren, um die Franzosen zu ernähren“, betonte Guillaume.

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Sorgen machen sich unter anderem die Erdbeer-Bauern. Ihnen fehlen für die bevorstehende Ernte rund 3000 Saisonkräfte, die normalerweise aus Spanien, Portugal, Marokko oder Polen nach Frankreich kommen, wie der größte Anbauverband AIFLG im Südwesten Frankreichs mitteilte.

Einreiseverbot in Deutschland für Erntehelfer

Ein ähnliches Problem hat auch Deutschland. Dort wurde trotz der Schwierigkeiten ein Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer erlassen. Ihnen werde „bis auf weiteres“ die Einreise nach Deutschland im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen nicht mehr gestattet, teilt das Bundesinnenministerium mit. Dies habe Innenminister Horst Seehofer zur weiteren Eindämmung der Infektionsgefahren angeordnet.

„Die Regelung gilt für Einreisen aus Drittstaaten, Großbritannien sowie EU-Staaten, die den Schengen-Besitzstand nicht voll anwenden (u. a. Bulgarien und Rumänien) und für Staaten, zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wiedereingeführt wurden.“ Der Bauernverband hatte gefordert, den Einreisestopp „so kurz wie möglich zu halten.“ In der Landwirtschaft arbeiten jedes Jahr nahezu 300.000 Saisonkräfte vor allem aus Rumänien und Polen.

Ein Nacktfoto als Protest im „Gesundheitskrieg“

Alain Colombié ist verzweifelt. Der Mediziner ist so verzweifelt, dass er sich auszieht. Auf Facebook veröffentlichte er ein Nacktfoto von sich.  Es sei ein „Aufschrei“ gegen die Zustände, die in Frankreich im Kampf gegen das Coronavirus herrschten, sagt er. Sein Vorwurf: das Land sei trotz Warnungen vieler Ärzten unvorbereitet in die Pandemie gegangen.

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Chair à canon – Kanonenfutter

Das Foto zeigt Colombié nackt in seinem Behandlungszimmer auf einem roten Drehstuhl. Er trägt lediglich ein Stethoskop und eine Kopf- und Armbinde mit der Aufschrift „chair à canon“ (Kanonenfutter).

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„Président Macron, vous demandez à vos petits soldats de partir au front sans armes et sans défense ( masque, gel, surblouse ) et bien sûr sans considération, le petit doigt sur la couture du pantalon….., à non merde ! Pardon !“

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Der Arzt sagt, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von Ärzten verlange, „in demselben Aufzug in die Schlacht zu ziehen, den ich auf dem Foto trage“, schreibt er in einem Kommentar. Die Mediziner hätten zu ihrer Verteidigung weder Masken noch Desinfektionsgel noch Schutzanzüge.

Gegenüber France Info erklärt er: 

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„Je demande l’insurrection générale de tous les professionnels de santé. Ne pouvant entrer en grève, je demande à tous et à toutes de travailler avec un brassard, un plastron ou tout autre moyen, intitulé : CHAIR À CANON ». „C’est un coup de gueule, c’est sorti du cœur mais là, la coupe est pleine et on va la boire jusqu’à la lie.“

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Frankreich im „Gesundheitskrieg“

Macron hatte die Franzosen vor gut einer Woche auf einen „Gesundheitskrieg“ gegen das Coronavirus eingestimmt. Inzwischen hat die Regierung einen Mangel an Masken und anderer Ausrüstung eingeräumt.

Colombié ist Hausarzt in der südfranzösischen Gemeinde Pomérols, in der Nähe der Urlaubsorte Agde und Sète am Mittelmeer. Nach eigenen Angaben hat er derzeit täglich mehr als 40 Patienten und arbeitet teils bis in die späten Abendstunden. In Frankreich wurden zuletzt offiziell mehr als 19.800 Coronavirus-Infektionen gezählt und 860 Tote.

 

Asterix und Obelix trauern um ihren Vater Albert Uderzo

Mit den beiden ungleichen Galliern ist der französische Zeichner weltberühmt geworden. Nun ist der Erfinder der Comic-Helden gestorben.

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Den Erfolg nicht in die Wiege gelegt

Der Erfolg als Zeichner wurde Albert Uderzo nicht gerade in die Wiege gelegt. Der Sohn italienischer Einwanderer war farbenblind und er hatte sechs Finger an jeder Hand. Die kleine Fehlbildung wurde ihm nach seiner Geburt am 25. April 1927 bereits früh entfernt. Mit dem anderen Problem musste er sich allerdings sich ein Leben lang herumschlagen, doch er wusste sich zu helfen. Damit Uderzo eine grüne Wiese nicht in leuchtend roten Farben bemalte, beschriftete er alle seine Buntstifte.

Und was wäre aus dem Jungen Albert geworden, hätte ihn nicht sein sieben Jahr älterer Bruder Bruno einst dazu gedrängt, seine Zeichnungen einem Pariser Verlag anzubieten? Dort publizierte er mit 14 seine ersten Arbeiten. So wurde Albert Uderzo zu einem der berühmtesten Zeichner der Welt. Am Dienstag ist die Comic-Ikone im Alter von 92 Jahren im Pariser Vorort Neuilly gestorben.

Inspiriert von Mickey Maus

Seinen ersten Comic entdeckte Albert Uderzo einst nach eigenen Angaben in der französischen Tageszeitung „Le Parisien“. Fasziniert von den Abenteuern von Mickey Maus begann er im Alter von zehn Jahren selbst Figuren mit großen Nasen zu skizzieren. Nach der Schule schlug sich Uderzo erst einmal durchs Leben, arbeitete als Nachwuchszeichner und Bürobote in einem Verlag in Paris und landete nach dem Krieg für kurze Zeit unter anderem beim Trickfilm.

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Im Jahr 1951 folgt schließlich die alles entscheidende Begegnung, von der Uderzo im Lauf seines Lebens immer wieder erzählen muss. Er lernt den talentierten Texter René Goscinny kennen. Beide entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft für Walt Disney und für Laurel und Hardy. Uderzo beschreibt die erste Begegnung als „wesentlich und entscheidend“ für sich. Für Goscinny soll sie eine Art gegenseitige Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie „Le Monde“ schrieb. Sie hätten stundenlang miteinander geredet und beschlossen zusammenzuarbeiten.

Die Geburtsstunde von Asterix und Obelix

Das kongeniale Duo produziert in den folgenden Jahren mehrere Serien und hat erste Erfolge mit Figuren wie dem Indianer Umpah-Pah oder dem Reporter Luc Junior. Nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitgeber gründen die beiden eine Werbeagentur, in der am 29. Oktober 1959 die erste Ausgabe der Jugendzeitschrift „Pilote“ erscheint. Darin haben zwei ungleiche Gestalten ihre Premiere: ein kleiner, knollennasiger Antiheld und dicker, rothaariger Tollpatsch. Astrix und Obelix haben das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

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Den Nerv der Menschen getroffen

Uderzo und Goscinny ahnen, dass sie den Nerv der Menschen getroffen haben und veröffentlichen zwei Jahre später das erste Album „Asterix der Gallier“. In den folgenden Jahrzehnten werden weltweit rund 370 Millionen Exemplare der Serie verkauft. Übersetzt werden sie über 100 Sprachen und Dialekte. Dabei sind die gallischen Helden, die mit List und Zaubertrank den Römern Angst und Schrecken einjagen, zuerst vor allem für die Franzosen gedacht. „Wir wollten etwas typisch Französisches schaffen, das sich von den amerikanischen Comics absetzt“, sagte Uderzo einmal. „Doch vermutlich haben wir mit unseren Geschichten etwas berührt, was alle Menschen trifft“.

Der Schock durch den Tod von Goscinny

Im November 1977 schien dann das jähe Ende von Asterix und Obelix gekommen. Mit nur 51 Jahren starb Goscinny bei einem Arztbesuch an einem Herzstillstand. Doch Uderzo beschloss, nach diesem Schock alleine weiterzumachen und auch die Texte für die Geschichten zu schreiben. Für eingefleischte Fans grenzte das an Blasphemie und die Kritiker bemängelten, den neuen Bänden fehle der ironische Witz der früheren Jahre. Doch die Leser dem blieben dem ungleichen Gallier-Duo treu. Das erste von Uderzo allein geschaffene Album „Der große Graben“ erschien 1980. Anfang 2009 zog er sich wegen seines Arthroseleidens zunehmend vom Zeichentisch zurück. Zwei Jahre später übergab er das Zepter ganz an jüngere Kollegen. Der erste Asterix-Band von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad erschien 2013.

Nach seinem Rückzug machte Uderzo auch weniger schöne Schlagzeilen. Zuerst stritt er sich über Jahre mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Danach begann zwischen ihm und seiner Tochter Sylvie ein jahrelanger juristischer Kampf um das millionenschwere Asterix-Erbe, den beide 2014 beilegten. So fand er am Ende doch noch den Frieden mit seiner Familie. Die ließ die Welt nun wissen, dass Albert Uderzo friedlich eingeschlafen sei. Er erlag demnach „einem Herzinfarkt, ohne Verbindung zum Coronavirus“.

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Coronavirus bei Asterix und Obelix 

Mitten in der Coronavirus-Krise ist Asterix-Erfinder Albert Uderzo gestorben. Der 92-Jährige erlag nach Angaben seiner Familie aber nicht der Lungenkrankheit Covid-19, sondern starb im Schlaf an einem Herzinfarkt. Was viele Fans überrascht: Bereits vor einigen Jahren tauchte „Coronavirus“ bei Asterix auf.
In dem 2017 erschienenen Band „Asterix in Italien“ heißt der Bösewicht „Coronavirus“. Dabei handelt es sich um einen verschlagenen Wagenlenker mit einer goldenen Maske, der im Auftrag von Julius Cäsar ein Pferdewagen-Rennen quer durch Italien gewinnen soll. Asterix und Obelix wollen den Sieg dieses bösartigen „Coronavirus“ auf jeden Fall verhindern. Eine der Zeichnungen in dem Comic zeigt eine jubelnde Menge, die „Coronavirus, Coronavirus“ schreit.
Waren die Uderzo-Nachfolger Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad also Hellseher, als sie den Band „Astérix et la Transitalique“ entwarfen? Kaum. Autor Ferri erklärte bereits 2017 bei der Vorstellung des neuen Comics in Paris, sie hätten sich für den Namen „Coronavirus“ entschieden, weil er „böse“ klinge. Denn die Familie der Coronaviren galt als Auslöser der SARS-Epidemie von 2002 und 2003 mit hunderten Toten.
Wer „Coronavirus“ in der deutschen Ausgabe von „Asterix in Italien“ sucht, tut dies allerdings vergeblich. Dort heißt der Wagenlenker Caligarius, und sein Beifahrer Bleifus und nicht Bacillus wie im französischen Original. Der deutsche Übersetzer Klaus Jöken sagte dazu 2017 der Zeitung „Die Welt“: „Wir Deutsche empfinden Krankheiten als etwas sehr Unappetitliches, Ekliges.“ Deshalb habe er sich mit dem Verlag für den Namen Caligarius entschieden.

Fataler Stillstand rund um Notre-Dame

Die Bauarbeiten an der Kathedrale müssen wegen des Coronavirus gestoppt werden – angelockt werden dadurch auch Plünderer.

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Die Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. 

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Die Kathedrale droht zusammenzubrechen

Die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame liegt noch immer wie ein waidwundes Tier auf der Île-de-la-Cité im Zentrum von Paris. Mit kühnen Holzkonstruktionen werden die Steinbögen an der Außenmauer notdürftig abgestützt und sollen so vor dem Einsturz bewahrt werden. Doch fast ein Jahr nach der Brandkatastrophe sind in diesen Tagen die Arbeiten zum Erliegen gekommen. Der Grund ist der Coronavirus. „Die Schutzmaßnahmen, die die Arbeiter wegen der herrschenden Bleibelastung einhalten müssen sind schon sehr hoch“, erklärt Ariel Weil, Bürgermeister des 4. Arrondissement, und es könne nicht noch eine zusätzliche Sicherheitsstufe wegen der Pandemie draufgesattelt werden. Also habe man sich schweren Herzens entschlossen, die Arbeiten ganz ruhen zu lassen.

Der Moment der Pause ist ungünstig

Diese Entscheidung kommt in einem ungünstigen Moment. Denn die Arbeiter wollte gerade damit beginnen, das Metallgerüst zu demontieren, das noch immer auf dem Dach der Kathedrale liegt. In der Brandnacht war die rund 300 Tonnen wiegende Konstruktion geschmolzen und lastet nun auf dem Gewölbe, das deswegen droht zusammenzubrechen. Zudem sollte das Dach abgedichtet und mit der Reinigung des Innenraumes begonnen werden. Geplant war auch, die Orgel zu demontieren und zu restaurieren. Das alles muss nun warten, bis die für ganz Frankreich geltende Ausgangssperre aufgehoben wird.

Diebe versuchen Steine zu stehlen

Die Ruhe um die Kathedrale hat allerdings ihre Tücken, denn sie lockt finstere Gesellen an. In diesen Tagen wurden vom Sicherheitsdienst zwei Männer ertappt, die sich im

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Inneren zu schaffen machten. Beim Anrücken der Polizei versteckten sie sich unter einer großen Bauplane. In einer großen Tasche hatten die Diebe Steine dabei, die sie offensichtlich verkaufen wollten. Für die Verantwortlichen ist das keine Überraschung, wiederholt sind Plünderer über den drei Meter hohen Sicherheitszaun gestiegen, der die Kirche umgibt. Aus diesem Grund wird das Bauwerk auch rund um die Uhr bewacht wird.

Notre-Dame ist ein Mythos

„Notre-Dame war schon immer ein Mythos“, erklärt André Finot, Sprecher von Notre-Dame. „Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt für diese Dinge, man findet sogar Steine von der Kathedrale, die auf Ebay zum Kauf angeboten werden.“ Vor zwei Jahren sei ein Mann aufgeflogen, der einen gestohlenen Wasserspeier veräußern wollte. Von der Polizei befragt, erklärte er, die Figur sei ihm bei einem Spaziergang rund um Notre-Dame vom Dach vor die Füße gefallen und er habe sie nur aufgehoben.

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Die Kirche wird nach dem Brand rund um die Uhr bewacht

Doch nicht nur Ganoven machen sich an Notre-Dame zu schaffen. „Im Dezember hatten wir einen großen Weihnachtsbaum auf dem Vorplatz aufgestellt“, erinnert sich André Finot. Doch die Touristen hätten die Christbaumkugeln und die Girlanden gestohlen, um sie als Souvenir mit nach Hause zu nehmen. Finot zählt inzwischen auch nicht mehr die Briefe von Bittstellern aus der ganzen Welt, die ein Stück Kohle von den verbrannten Dachbalken aus der Kathedrale haben möchten.

Das Schicksalsjahr 2020

Für die Verantwortlichen ist der Baustopp sehr bitter, denn 2020 sollte zu einer Art Schicksalsjahr für die Kathedrale werden. Bisher jetzt war man noch immer vor allem mit Sicherungsarbeiten und der Aufnahme der Schäden beschäftigt. Das sollte sich in diesem Sommer ändern und die Restaurierung in Angriff genommen werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte noch in der Brandnacht am 15. April 2019 verkündet, dass Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren aufgebaut werde. Das hielte Fachleute allerdings schon damals für nicht zu schaffen.

Teile der Kuppel sind eingestürzt

Bei dem verheerenden Brand, der mutmaßlich während der Renovierungsarbeiten am Dach ausgelöst wurde, verbrannte der komplette Dachstuhl, eine originale Eichenkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert. Teile der Gewölbekuppel stürzten ein. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 19. Jahrhundert brach in sich zusammen und versank in einem unglaublichen Flammenmeer. Temperaturen bis zu 1000 Grad, Rauch, aber auch Löschwasser fügten dem Mauerwerk schwerste Schäden zu. Dazu kommt eine immense Bleikonzentration in und um die Kirche, Hinterlassenschaft der geschmolzenen Dächer – ein großes Gesundheitsrisiko für Anwohner und Arbeiter am Bau.

Die Statistik gibt dem Coronavirus ein Gesicht

In der Krise bestimmen viele Statistiken das Leben der Menschen. Das reicht von der Zahl der Infizierten, bis zum Stromverbrauch.

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Null Menschen besuchen im Moment die Bistros in Frankreich – die haben wegen der Ausgangssperre geschlossen. Doch es gibt noch andere Zahlen zum Thema.

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Innerhalb von 24 Stunden über 100 Tote

Das Coronavirus ist kein unsichtbarer Feind. Sein Gesicht sind die Zahlen, die seit Wochen veröffentlicht werden und deutlich machten, dass aus einer lokalen Krise eine Pandemie geworden ist. Doch auch Zahlen sind eine eher abstrakte Angelegenheit. Was heißt es, wenn die Infektionen exponentiell zunehmen? Zu begreifen ist das, wenn etwa in Frankreich am Dienstag noch knapp 5000 Fälle gemeldet werden und zwei Tage danach bereits über 10.000, von denen fast 5000 im Krankenhaus liegen und davon über 1000 auf der Intensivstation. Oder wenn in Frankreich am Freitagmorgen innerhalb von 24 Stunden über 100 Todesfälle verzeichnet sind. Im ganzen Land sind inzwischen fast 400 Opfer zu beklagen.

Auch um das Maß der Bedrohung für sich selbst zu kalkulieren, wird auf die Zahlen der Statistik zurückgegriffen. In Frankreich sind nur zwei Prozent der Corona-Infizierten jünger als 15 Jahre, aber 34 Prozent sind älter als 65 Jahre. Noch deutlicher wird das Bild, wenn die Zahl der Intensivpatienten herangezogen wird. Von diesen sind im Moment 92 Prozent über 65 Jahre alt.

Der Stromverbrauch in Frankreich sinkt

Doch die Pandemie liefert auch noch andere Zahlen. So ist in Frankreich der Stromverbrauch um 15 Prozent gesunken. Das sei eine „völlig neue Situation“, heißt es vom Netzbetreibers RTE und ist wohl durch die sinkenden wirtschaftlichen Aktivitäten im Zuge der Pandemie zu erklären.

Natürlich nimmt deswegen natürlich auch der Verkehr ab. Jeden Tag fahren viele Zehntausend weniger Autos nach Paris – und dennoch wird in der Millionenstadt die Feinstaubbelastung nicht weniger. 63 Mikrogramm pro Kubikmeter sind am Donnerstag gemessen worden, fast doppelt so viel wie zu Anfang der Woche. Das sei typisch im Frühling, heißt es zur Erklärung, und wäre unter normalen Umständen wesentlich höher. Zudem wehe bei dem schönen Wetter kein Wind, der Feinstaub wird also nicht verwirbelt.

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Die Strafen werden in Frankreich erhöht

An Zahlen richtet sich inzwischen auch die Aktivitäten im Freien aus. Wer in Frankreich ohne Grund die Ausgangssperre missachtet, muss 135 Euro bezahlen. Um den Grad der Abschreckung zu erhöhen, soll die Strafe noch auf 375 Euro erhöht werden. Erlaubt ist, Sport zu treiben – allerdings nur alleine, zwei sind schon eine Gruppe. Und man darf sich nicht zu weit vom Haus dabei entfernen: zwei Kilometer sind das Maximum. Und wer joggen geht, darf das höchstens für 30 Minuten, also keine Zeit für einen Marathon.

Die Zahlen zeigen auch, dass Präsident Emmanuel Macron in der Krise an Zustimmung gewinnt. Seit Monaten steckt er im Umfragetief und hatte zuletzt das Vertrauen von nur noch knapp 20 Prozent der Franzosen. Doch sein Auftreten in der Corona-Krise wird von 65 Prozent seiner Landsleute honoriert. 85 Prozent der Befragten des Umfrageinstitutes Odoxa sagen sogar, er hätte viel früher so hart durchgreifen sollen.

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Auch in Frankreich sind Prepper unterwegs

Und natürlich werden auch in Frankreich angesichts der Ausgangssperre Nahrungsmittel gehortet. 20 Prozent der Befragten geben an, sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs eingedeckt zu haben. Sieben Prozent der Franzosen haben sich wegen der Krise in eine andere Region des Landes begeben – meistens von der Stadt aufs Land, wo es sich besser leben lässt. Faktisch hat in diesen Tagen in Frankreich eine Völkerwanderung von vier Millionen Menschen stattgefunden. Das allerdings war eher kontraproduktiv und hat die Ausbreitung des Virus wohl eher begünstigt. Ob dieser Furcht begründet ist, wird sich in den kommenden Tagen in der Statistik zeigen.

Eine Insel im Atlantik schottet sich ab

In Frankreich sind wegen der Ausgangssperre viele Städter aufs Land gefahren. Dort sehen die Einheimischen das mit großer Sorge und reagieren rigoros.

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Kein Fremder darf mehr auf die Insel

Der Bürgermeister von Groix greift durch. Dominique Yvon hat die kleine Insel vor der bretonischen Atlantikküste gesperrt. Kein Fremder darf das Eiland mehr betreten. Der Grund: die Île de Groix ist in Zeiten der Corona-Krise Zufluchtsort für viele Menschen aus der Stadt geworden. In den letzten Stunden vor Verhängung der landesweiten Ausgangssperre fand etwa in Paris ein wahrer Exodus aus der Millionenmetropole statt. Zu Zehntausenden strömten die Menschen aufs Land, zu ihren Verwandten oder in die Zweitwohnungen am Meer.

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Streit mit den „Eindringlingen“

Angesichts dieses Ansturms kommt es nicht nur auf Groix zu Reibereien zwischen Einheimischen und Gästen, die nun die Regale in den Geschäften vor Ort leerkaufen. Die Menschen in den Dörfern haben auch Angst, dass die Großstädter den Coronavirus einschleppen. Angesichts der überaus schlechten medizinischen Versorgung auf dem Land wäre das eine Katastrophe. Deshalb haben sich einige Bürgermeister im Département Morbihan entschlossen, das Vermieten von „Zimmern aller Art“ an Saisongäste zu verbieten. In der Region liegen die beliebten Inseln Belle-Île-en-Mer, Groix, Houat et Hoëdic. In den Häusern wohnen dürfen nur noch die Eigentümer oder nahe Verwandte – also deren Kinder oder Eltern.

Die Leute benehmen sich in der Krise wie im Urlaub

Nach Ansicht der Einheimischen kommt diese Beschränkung viel zu spät. In den sozialen Medien beschweren sie sich darüber, dass die „Eindringlinge“ sich benehmen würden, als seien sie im Urlaub. Gepostet werden Fotos auf denen trotz der Ausgangssperre Menschen mit ihren Surfbrettern am Stand zu sehen sind oder auf Fahrrädern kreuz und quer über die Inseln fahren. „Die Pariser halten sich an keine Regeln“, ist ein Satz, der in dieser Situation oft geäußert wird und die landesweiten Vorurteile der Landbevölkerung über die Bewohner der Hauptstadt wiederspiegelt: arrogant, respektlos, oberflächlich.

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Angst vor dem Coronavirus

Christophe Germain, Besitzer eines Fischladens in Belle-Île-en-Mer, profitiert einerseits von den Gästen und hat Verständnis, dass sie aus der Stadt geflüchtet sind. Auf der anderen Seite ist er sehr beunruhigt. „Jeder Neuankömmling könnte den Virus in sich tragen und ihn weitergeben,“ sagt er Geschäftsmann.

Die Stimmung im Département Morbihan ist noch aus einem weiteren Grund gereizt. Die Region war eine der ersten französischen Gegenden, in der viele Corona-Erkrankungen registriert wurden. Die Verantwortlichen haben darauf sehr früh mit drastischen Maßnahmen reagiert und die Verbreitung in den Griff bekommen. Nun befürchten die Menschen, dass dieser Erfolg zunichte gemacht wird und die Epidemie mit den Neuankömmlingen zurückkehren könnte.

Emmanuel Macron – ein Gewinner der Corona-Krise

Mit seinem harten Durchgreifen in der Corona-Krise trifft der französische Präsident den Nerv des eigenen Volkes. Seine Zustimmungswerte steigen deutlich.

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Die Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten

Die Corona-Krise kennt auch Gewinner. Zu ihnen zählt im Moment Emmanuel Macron. 76 Prozent der Franzosen vertrauen ihrem Präsidenten im Kampf gegen die Pandemie. Das ergibt eine Umfrage von Harris Interactive im Auftrag des Senders RTL. Das ist ein Ergebnis, von dem der von zahlreichen Krisen geschüttelte Staatschef bisher nur träumen konnte.

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35 Millionen Franzosen verfolgten seine Rede an die Nation am Montagabend – das ist absoluter Zuschauerrekord. Dabei verkündete Macron neue, strenge Maßnahmen, um das Ausbreiten der Krankheit im Land weiter einzudämmen. Zudem erklärte er, angesichts der Krise seine umstrittene Rentenreform auszusetzen. In Frankreich sind seit Sonntag alle Restaurants und sehr viele Geschäfte geschlossen. Nun wurde vom Präsidenten eine Ausgangssperre verhängt, die von rund 100.000 Polizisten überwacht wird. Wer dagegen verstößt muss 135 Euro Strafe bezahlen. Schon in den ersten Stunden nach Inkrafttreten wurden mehrere Hundert Anzeigen verteilt.

Frankreich von Corona stark betroffen

Dem Präsidenten erschienen diese Maßnahmen notwendig, da Frankreich zu den am stärksten vom Coronavirus betroffen Regionen in Europa zählt. Das Land hat mit rund 7700 registrierten Fällen zwar weniger Infizierte als Deutschland (9400), doch sind bis zu diesem Zeitpunkt 148 Tote zu beklagen (Deutschland: bisher 24 Tote).

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Deutlich wird in der Umfrage, dass das Volk hinter den Maßnahmen ihres Präsidenten steht. Rund Dreiviertel der Befragten findet sie überzeugend oder sogar sehr überzeugen. Auch die Regierung kann von dem Umfragehoch Macrons profitieren. 63 Prozent der Franzosen äußern ihr Vertrauen, dass die Politiker ihre Arbeit in der Krise gut machen. Auch das ist angesichts der monatelangen, bisweilen brutal geführten Streiks gegen die Rentenreform ein überraschender Wert. Hier hängt die Zustimmung allerdings sehr von der Parteizugehörigkeit ab. 97 Prozent der Mitglieder der Präsidentenpartei La République en Marche stehen hinter der Regierung und dem Staatschef. Aber auch knapp die Hälfte des rechtsextremen Rassemblement National bewerten die ergriffenen Schritte als überzeugend. Das ist ein kleiner Rückschlag für dessen Chefin Marine Le Pen, denn sie gilt für Macron als größte Konkurrentin im Rennen um die Gunst des Volkes.

Laut der Befragung machen sich knapp über 70 Prozent der Franzosen Sorgen um ihre Gesundheit die ihrer Familie. Gleichzeitig empfinden sie die Ausgangssperre nicht als Schock oder allzu große Einschränkung des alltäglichen Lebens. Rund 60 Prozent der Befragten sagen, es sei leicht oder sehr leicht, die Ausgangssperre einzuhalten.