Viel Verwirrung um die „Rosen unter Bäumen“

Frankreich gibt ein von Nazis geraubtes Klimt-Gemälde zurück, doch der Weg dorthin war lang und verworren. Blamiert hat sich auf jeden Fall die Rückgabekommission in Österreich.

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Ein Kunstwerk für einen Spottpreis verkauft

Frankreich besitzt genau ein Gemälde von Gustav Klimt. Doch nun möchte der Staat das Werk nicht mehr haben, zu viel Leid und Unrecht sind damit verbunden. „Rosen unter Bäumen“ lautet der Titel des 1905 entstandenen Bildes, das seit fast 40 Jahren in Paris im Musée d’Orsay hängt. Der Schritt zur Rückgabe sei sehr schwer gefallen, gesteht Frankreichs Kulturministerin Roselyne Bachelot-Narquin. „Aber diese Entscheidung ist notwendig, unumgänglich“, schreibt sie auf Twitter.

Lange war die Geschichte des Werkes nicht geklärt, doch nun scheinen alle Zweifel beseitigt. Bis 1938 gehörte das Gemälde der jüdischen Österreicherin Nora Stiasny, die es damals auf Druck der Nazis zum Spottpreis von 395 Reichsmark verkaufen musste. Während des Krieges wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter ins Ghetto Izbica deportiert und vermutlich dort oder im Vernichtungslager Belzec ermordet.

Die tragische Geschichte einer jüdischen Familie

Mit dem Bild ist allerdings nicht nur eine tragische Familiengeschichte, sondern auch ein peinlicher Fehler verbunden. Eine Kommission, die in Österreich für die Rückgabe von Raubkunst zuständig ist, veranlasste im Jahr 2000, dass den Erben von Nora Stiasny das Gemälde von Gustav Klimt (1862-1918) zurückgegeben wird. Doch es stellte sich heraus, dass es sich um das falsche Werk handelte – ausgehändigt wurde nicht „Rosen unter Bäumen“, sondern Klimts „Apfelbaum II“ aus dem Jahr 1916, das im Belvedere Museum Wien gehangen hatte.

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Ein zu spät entdeckter Fehler

Entdeckt wurde der Fauxpas erst, als sich andere mögliche Erben zu Wort gemeldet hatten. Danach war die österreichische Kommission für Provenienzforschung noch einmal tätig geworden und klärte den Fehler auf. Die Verantwortlichen in Wien versuchten daraufhin den Irrtum zu revidieren, was sich allerdings rechtlich äußerst schwierig gestaltet, da die Rückgabe von „Apfelbaum II“ nicht nur ein reumütiger Akt von Vergangenheitsbewältigung, sondern offenbar ein Geschenk des Staates an die Erben von Nora Stiasny war. Zudem hatte die Familie das Gemälde vor vielen Jahren an einen unbekannten privaten Sammler verkauft.

Aber auch das richtige Klimt-Werk „Rosen unter Bäumen“ kann nun nicht ohne Probleme an die Erben ausgehändigt werden. Kulturministerin Roselyne Bachelot-Narquin erklärte, dass das Werk Teil der der staatlichen Sammlung ist. Es fehle noch ein entsprechender Gesetzentwurf, dann aber stehe der Herausgabe aber nichts mehr im Wege.

Gegenwind für Öko-Strom aus Frankreich

Die Voraussetzungen für Windparks sind in dem Land ausgesprochen gut, doch der Ausbau der Anlagen geht mehr als schleppend voran. Die Politik und auch die Bevölkerung setzt weiter auf Atomenergie.

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Die Berichterstattung über die Windkraftanlage in Saint-Brieuc ist nicht immer sehr wohlwollend.

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Ein Schreiben der Fischer an den Präsidenten

Die Maschinen stehen bereit in der Bucht von Saint-Brieuc. In diesen Tagen soll in der Bretagne, knapp 16 Kilometer vor der Landspitze des Cap Fréhel, mit dem Bau eines Windparks begonnen werden. Geplant sind 62 Windräder, die über 200 Meter aus dem Meer ragen – doch kurz vor dem Start regt sich neuer Widerstand. Die Fischer der Côtes-d’Armor haben sich in einem offiziellen Schreiben an Präsident Emmanuel Macron persönlich gewandt und fordern, das Projekt für Frankreichs erste Offshore-Anlage in letzter Minute abzublasen.

Trotz endloser Beratungen sei es nicht gelungen, ein Projekt zu gestalten, das „im Einklang mit dem Schutz der Meere und den Aktivitäten der Fischer“ stehe, schreibt Alain Coudray, Präsident der Vertretung der Berufsfischer in der Region. Kritisiert wird der in seinen Augen chaotische Ablauf der Planung, bei der die Berufsfischer nicht ausreichende gehört worden seien. Sie fürchten um ihre Fischgründe und vor allem um die Bestände der Jakobsmuscheln, für die die Region berühmt ist.

Viele Probleme bei der Baugenehmigung

In dieselbe Kerbe schlägt auch Katherine Pujol, Präsidentin der Umweltorganisation Gardez les Caps. Sie kritisiert, dass es im Vorfeld der vor zehn Jahren erteilten Baugenehmigung keine öffentliche Debatte über das Projekt gegeben habe. Zudem sei ursprünglich keine Studie über die Auswirkungen des Windparks in der Nähe eines geschützten Meeresgebietes durchgeführt worden, die sei erst 2015 nachgereicht worden.

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Die Planung des Windparks in der Bucht von Saint-Brieuc ist allerdings nur ein Beispiel für die Schwierigkeiten beim Ausbau alternativer Energiequellen in Frankreich. Ein zentrales Problem sind die langen Baugenehmigungen der Anlagen, die in der Regel über viele Jahre gehen. Der Grund: es gibt großen Widerstand gegen alle Arten von Windanlagen und die Gerichtsverfahren ziehen sich oft in die Länge. Die Akzeptanz von erneuerbaren Energien ist im Atom-Land Frankreich nicht so hoch wie in Deutschland. Rund 70 Prozent des verbrauchten Stroms stammt aus AKWs.

Dieses Denken zieht sich bis in die Regierung. Dort redet etwa Präsident Emmanuel Macron zwar viel über den schnellen Ausbau regenerativer Energien, der dann aber immer wieder auf die lange Bank geschoben wird. Zuletzt wurden sogar die möglichen Laufzeiten der alten französischen Kernkraftwerke von 40 auf 50 Jahre verlängert.

Frankreich hingt in Sachen Öko-Strom hinterher

Öko-Verbände jubilierten zuletzt zwar, dass der Anteil von Wind und Wasserkraft am Stromverbrauch im Land auf rund ein Viertel gesteigert werden konnte, doch ist das nur eine Seite der Medaille. Zustande kam dieser Wert vor allem wegen des in der Corona-Pandemie deutlich gesunkenen Verbrauchs. Dabei ist das Ziel sehr klar: bis zum Jahr 2040 sollen die erneuerbaren Energien in Frankreich 40 Prozent vom Strommix ausmachen. Im Moment liegt dieser Wert bei unter 20 Prozent. Der Durchschnitt in der EU beträgt jetzt schon knapp 40 Prozent.

Wie der Ausbau erneuerbarer Energien ablaufen soll, ist im Moment allerdings nicht klar. Über den möglichen Weg will Frankreich erst nach der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr entscheiden. Entsetzen löst bei Umweltschützern die Vorstellung aus, dass die Rechtspopulistin Marine Le Pen die Abstimmung gewinnen könnte, die im Moment in allen Umfragen führt und für regenerative Energien nur Spott übrig hat. Ihr Sieg würde in Frankreich eine Renaissance der Atom-Kraft einläuten.  

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Auch Frankreich hat Vorzeigeprojekte

Aber natürlich gibt es auch in Frankreich einige Vorzeigeprojekte, in denen alle Vorteile des ökologischen Umbaus vorgeführt werden. Eines davon ist der „Parc Éolien de l’Hyrôme“, knapp 300 Kilometer südwestlich von Paris. Bürger aus der Gemeinde setzten sich dort schon vor Jahren für Windkraft ein und überzeugten Anwohner und Nachbarn von ihrem Vorhaben. Sie wollten das Geschäft mit erneuerbaren Energien aber keinem Großkonzern überlassen, gründeten einen Verein und bauten den Park, an dem jede Bürgerin und jeder Bürger Anteile erwerben konnte. Mittlerweile werfen die fünf Windräder mit einer Leistung von über 32.000 MWh Gewinne ab und liefert 40 Prozent des lokalen Energiebedarfs. Über 200 ähnliche Projekte befinden sich in Planung, ob und wann sie verwirklicht werden steht aber in den Sternen.

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Im kommenden Jahr soll auch mit dem Ausbau von sieben neuen Offshore-Projekten an der französischen Küste begonnen werden, die bis 2027 zwischen Dünkirchen und Noirmoutier ans Netz gehen und eine Gesamtleistung von 3,5 Gigawatt haben sollen. Auch hier dauerte die Genehmigung mehr als zehn Jahre.

Fukushima: Die „ideologische Besessenheit“ der Deutschen in Sachen Kernkraft

Am 11. März 2011 hatte Japan das schwerste Erdbeben seiner Geschichte mit einer Stärke von 9,0 und einem anschließenden Tsunami erlebt. Im AKW Fukushima Daiichi kam es im Zuge der Naturkatastrophe zu einer Kernschmelze und damit zu einem Super-GAU.  Für Deutschland bedeutete die Katastrophe den Einstieg in den Ausstieg aus der Kernenergie. Doch das wird nicht in allen Ländern so gesehen – allen voran Frankreich. Den Deutschen wird sogar eine Art „ideologischer Besessenheit“ vorgeworfen.

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Der Kommentar zur Zukunft der Kernenergie in der Zeitung „Le Figaro“

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Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, fasst die Haltung vieler Deutschen zehn Jahre nach der Katastrophe zusammen. Sie betont in einem Interview mit der Rheinischen Post die unkalkulierbaren Gefahren von Atomkraftwerken. „Die Risiken der Kernkraft sind selbst für ein hoch industrialisiertes Land nicht sicher beherrschbar“, sagt Inge Paulini.

Die Position Frankreichs ist eine ganz andere. Das wird in einem Kommentar der konservativen Zeitung „Le Figaro“ sehr deutlich. Dort ist zu lesen:

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 „Muss die Atomkraft von der Weltkarte gestrichen werden? Seit der Katastrophe von Fukushima träumen Umweltschützer davon. (…)Diese ideologische Besessenheit hält der Realität aber nur schwer stand. Man macht sich Sorgen darum, dass die Klimaerwärmung die Zukunft des Planeten bedroht. Aber gerade die Atomkraft, deren Sicherheitsanforderungen so hoch wie nirgendwo anders sind, erzeugt so gut wie kein CO2 womit (Frankreich) zu den Klassenbesten gehört. Deutschland, das für seinen Ausstieg aus der Atomkraft gefeiert wurde und Strom und Gas mit Kohle- und Gaskraft erzeugt, verschmutzt die Umwelt heute mehr als jeder andere in Europa. Wo ist da die Logik?“

Kommentar aus „Le Figaro“

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Hier der gesamte Kommentar auf Französisch:

„Faut-il rayer le nucléaire de la carte du monde? Les écologistes en rêvent depuis la catastrophe de Fukushima. Cet événement, né d’un tsunami et non d’une défaillance de la centrale japonaise, a marqué un tournant dans la guerre entre anti et pro-atome. Le choix radical de l’Allemagne d’y renoncer quasiment du jour au lendemain a galvanisé les procureurs verts. Chez nous, la promesse de fermer Fessenheim, arrachée à François Hollande et exécutée par Emmanuel Macron, leur donne des ailes pour exiger une sortie définitive du nucléaire.

Cette obsession idéologique résiste mal au principe de réalité. Le réchauffement climatique, s’inquiète-t-on, menace l’avenir de la planète. Justement, l’énergie nucléaire, dont les critères de sécurité ont été relevés à des niveaux sans précédent, n’émet quasiment aucun CO2, ce qui nous vaut de figurer parmi les meilleurs élèves. Célébrée pour avoir décidé de s’en passer, l’Allemagne, qui se chauffe et s’éclaire avec des centrales à charbon et au gaz, pollue désormais plus que tout autre en Europe. Où est la logique?

La France, entend-on, ambitionne de reconquérir sa souveraineté en tous domaines. Forte d’un parc nucléaire unique, elle peut se prévaloir – privilège rare – de son indépendance énergétique. Avec lui, elle dispose d’un outil qui assure une production constante et pilotable. En réduisant sa puissance, elle prend le risque de pénuries l’hiver venu… Où se trouve donc l’intérêt national?

L’avenir, nous dit-on, réside dans le développement des énergies renouvelables. Peut-être, et nous déployons d’ailleurs de gros efforts pour nous équiper. Mais la route sera longue avant de produire et de stocker suffisamment d’électricité pour faire tourner le pays. À ce jour, personne n’a encore résolu l’équation fondamentale de l’intermittence de ces sources d’énergie, à l’origine de coupures parfois dramatiques, comme récemment au Texas ou en Californie, où l’on paie des factures d’électricité astronomiques. Est-ce vraiment cela le modèle que l’on souhaite proposer aux Français?“

Starautor Ken Follett – Meister der Feuersbrunst mit einem Herz für Kathedralen

Der britische Schriftsteller stiftet die Tantiemen aus seinem Buch „Notre-Dame“ für die Sanierung der französischen Kathedrale Saint-Samson.

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Ein Kleinod wird vom Zerfall bedroht

Dol-de-Bretagne ist eines jener typischen Städtchen im Nordwesten Frankreichs. Kleine, schmucke Fachwerkhäuser stehen eng an eng und bilden zum Entzücken des Betrachters schmale Gassen. Etwas abseits steht die Kathedrale Saint-Samson, auch dies ein Kleinod gotischer Architektur in der Bretagne. Allerdings befindet sich das Gotteshaus in einem jämmerlichen Zustand. Durch das beschädigte Dach rinnt der Regen, viele Mauerteile aus Granit bröckeln bedenklich und die prächtigen Fenster aus dem 13. Jahrhundert sind nicht gegen die Witterung geschützt.

Um die Kathedrale vor dem endgültigen Verfall zu retten, wurde 2019 ein Projekt zur Sanierung des Gebäudes ins Leben gerufen. 2,4 Millionen Euro sollen in den nächsten vier Jahren in die grundlegende Sanierung des Gebäudes investiert werden, das zum Stolz der Einwohner seit 1840 als historisches Monument klassifiziert ist.

Ein Geldsegen aus Großbritannien

Nun erreicht die Gemeinde ein unerwarteter Geldsegen. Der britische Bestsellerautor Ken Follett hatte angekündigt, die Tantiemen aus seinem Buch „Notre-Dame“ für die Restaurierung einer gotischen Kathedrale in Frankreich zu spenden. Die Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine gab nun bekannt, dass die 148.000 Euro aus dem Verkauf von über 110.000 Büchern nach Dol-de-Bretagne fließen werden.

In einer Mitteilung heißt es:

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«Ken Follett reverse l’intégralité de ses droits d’auteur à la Fondation du patrimoine. Ensemble, ils choisissent d’affecter ce don aux travaux de restauration et de sécurisation d’une autre cathédrale, celle de Dol-de-Bretagne, soutenue par la Fondation. Elle reversera prochainement une somme d’un montant de 148,000 euros à la commune.»

Fondation du Patrimoine

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Die Geschichte von Kingsbridge

In seinem kurzen Werk erzählt der 71-jährige Schriftsteller die Geschichte der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame und beschreibt seine eigenen Gefühle, als sie vor bald zwei Jahren in Flammen stand. Es ist nicht der erste Kirchenbrand, den Ken Follett zum Thema macht. In seinem Buch „Die Säulen der Erde“ erzählt er die Geschichte der Kathedrale von Kingsbridge, die durch ein Feuer zerstört worden ist und danach von Tausenden Männern und Frauen mit bloßen Händen wieder aufgebaut wurde. Die Tantiemen seines Notre-Dame-Buches waren eigentlich für die komplizierten und langwierigen Bauarbeiten an dem schwer beschädigten Gotteshause in Paris vorgesehen, doch schon nach wenigen Wochen war dort fast eine Milliarde Euro an Spenden zusammengekommen. Also stimmte Ken Follett zu, das Geld für die dringend notwendigen Arbeiten an der Kathedrale Saint-Samson zu verwenden.

Briefmarke zu Ehren von Simone de Beauvoir

Außergewöhnliche Ehrung für eine große Frau des 20. Jahrhunderts. Zum Weltfrauentag hat die französische Post eine Sondermarke für Simone de Beauvoir herausgegeben.

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Eine streitbare und scharfsinnige Feministin

Auf der Briefmarke ist das Porträt der französischen Schriftstellerin und Feministin abgebildet, die am 14. April 1986 im Alter von 78 Jahren starb. Die Briefmarke kostet 1,28 Euro und erscheint in limitierter Auflage von 705 000 Stück. Beauvoir hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays geschrieben, darunter „Das andere Geschlecht“. Das sozialkritische und philosophische Werk gilt als Meilenstein der feministischen Literatur. Als Gründerin von Les Temps Modernes zusammen mit dem Romancier Jean Paul Sartre versucht sie das beengende Denken des 20. Jahrhunderts mit ihren Analysen zu sprengen. Zudem war sie eine vehemente Gegnerin der Kriege in Indochina, Algerien oder auch Vietnam.

Von der Autorin wurde in Frankreich erst vor wenigen Monaten posthum das autobiografische Werk „Les inséparables“ (etwa: Die Untrennbaren) veröffentlicht, in dem die Intellektuelle ihre Gefühle und Freundschaft zu einer Klassenkameradin beschreibt. Der Roman soll in diesem Jahr auch auf Deutsch bei Rowohlt erscheinen. Beauvoir wurde am 9. Januar 1908 in Paris geboren. 

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Corona: Polizisten räumen volle Seine-Quais in Paris

Viele fragen sich, weshalb in Paris die Corona-Infektionszahlen weiter ansteigen. Einen Teil der Antwort kann jedes Wochenende an den Quais der Seine oder den Parks beobachtet werden. Dort drängen sich Zehntausende Menschen, von denen sich die meisten nicht an die Corona-Abstandsregeln halten.

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Die französischen Départeents, die wegen der hohen Corona-Zahlen unter besonderer Beobachtung stehen.

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Die Sonne lockt die Menschen an die Seine

Am Nachmittag wird es der Polizei in Paris zu bunt. Wieder flanierten die Menschen in Massen bei schönem Wetter am Wochenende an den Ufern der Seine. Da sich die meisten Leute nicht an die Corona-Abstandsregeln halten, müssen sie die Seine-Quais in der französischen Hauptstadt verlassen. Die Zugänge zum Ufer werden nach der Räumung blockiert, so dass niemand mehr vor der ab 18 Uhr geltenden Ausgangssperre dorthin kann.

Bereits an den vorangegangenen Wochenenden hatten sich zehntausende Menschen bei strahlender Sonne auf den Seine-Quais gedrängt. Daraufhin wurde am Freitag ein Alkoholverbot für die Uferpromenanden verhängt, um den Andrang an diesem Wochenende zu begrenzen. Auch am Canal Saint-Martin, auf dem Place du Tertre nahe der Basilika Sacré-Coeur und an vielen weiteren Orten der Stadt ist das Trinken verboten. Doch auch wenn sich die meisten Menschen an das Alkoholverbot hielten, zog es sie dennoch an die Ufer der Seine oder die Parks und sonnigen Plätze in der Stadt.

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Hohe Infektionszahlen in Paris

Die Menschen scheint es nicht mehr zu beeindrucken, dass die Siebe-Tage-Inzidenz im Stadtzentrum von Paris weiter stabil über 320 liegt. In den berüchtigten Banlieue der Millionenstadt ist die Lage weit trister. Dort werden inzwischen Werte von rund 440 gemeldet. Ein zentraler Grund für die verheerende Lage in den Vororten ist die Lebenssituation: in den riesigen Trabantenstädten wohnen in den Plattenbauten dicht gedrängt sehr viele Menschen, darunter zahlreiche kinderreiche Familien, in sehr kleinen Wohnungen. Die meisten Leute arbeiten auf dem Bau, in Pflegeberufen, Supermärkten, bei Security-Firmen oder schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben – alles Berufe, in denen das von der Regierung geforderte Homeoffice nicht möglich ist. Das heißt: viele dieser Menschen pendeln jeden Tag mit den Nahverkehrsmitteln in die Stadt, was der Ausbreitung des Virus natürlich sehr förderlich ist.

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Natürlich stehen auch in Seine-Saint-Dénis die weißen Schnelltest-Zelte vor den Apotheken, in denen Schnellstests durchgeführt werden können. Die werden aber nur wenig genutzt. Allerdings wäre es nach Aussagen von Epidemiologen auch kaum möglich, bei solch hohen Infektionswerten und diesen Lebensbedingungen einzelne Corona-Cluster auszumachen und dann gezielt zu isolieren.

Der Norden Frankreich von Corona besonders betroffen

In anderen Regionen von Frankreich sind wegen der steigenden Corona-Zahlen am Samstag weitere örtliche Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten. Von den für das Wochenende geltenden Restriktionen betroffen sind nun auch rund 1,5 Millionen Bürger im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais mit der Hafenstadt Calais. Sie dürfen ihre Häuser samstags und sonntags nur noch aus triftigem Grund verlassen, etwa zum Einkaufen oder Joggen. Auch sehr große Geschäfte müssen schließen. 

In der Region am Ärmelkanal breitet sich die zuerst in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante B.1.1.7 rapide aus. Nach Angaben der Behörden sind die Krankenhäuser in der Region bereits zu 90 Prozent ausgelastet. Im benachbarten Dünkirchen und in Teilen der Côte d’Azur gelten bereits Ausgangssperren an Wochenenden. Zudem gilt landesweit in ganz Frankreich eine nächtliche Sperrstunde ab 18.00 Uhr.

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Das Problem: die britische Virus-Mutation

Die französische Regierung will auf die starke Ausbreitung der Mutante B.1.1.7 mit einer Beschleunigung der Impfkampagne reagieren. Bis Mitte April sollen ihren Plänen zufolge mindestens zehn Millionen Franzosen ihre erste Corona-Impfung erhalten haben, bis zum Sommer soll es 30 Millionen Erstgeimpfte geben. Stand Samstag hatten in Frankreich weniger als 3,4 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten.

Seit Beginn der Pandemie starben in Frankreich mindestens 88.300 Menschen an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19.

Paris Fashion Week als Drive-In-Spektakel

Die Kreativen dieser Welt haben schon sehr viel probiert, um dieser leidigen Pandemie ein Schnippchen zu schlagen. Vor allem in der Modebranche wurde einiges auf die Beine gestellt, um die fehlenden Laufstege und das Live-Erlebnis vergessen zu machen. Das Modehaus Coperini hat sich bei der aktuellen Pariser Prêt-à-porter-Schau wieder etwas Spezielles einfallen lassen.

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Tweet von Vogue Runway zur aktuellen Paris Fashion Week und der Schau von Coperni

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Schöne Menschen und schnell Autos

Der Mensch fährt im Auto, um sich Hamburger zu holen. Geldabheben geht auch am Drive-In-Schalter – oder Briefe einwerfen. Eine Drive-In-Modenschau hat es bisher allerdings noch nie gegeben. Es war also eine Weltneuheit, als das Modehaus Coperni seine Models im Rahmen der laufenden Paris Fashion Week zwischen wartenden Autos defilieren ließ. Die handverlesenen Gäste fuhren dabei in gesponserten Luxus-Elektrowagen vor und schlürften, entzückt von den Modekreationen, in den Autos ihren Champagner.

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Sébastien Meyer, Mitgründer von Coperni, erklärte vor dem spektakulären Abend, wie das Modehaus auf die Idee gekommen war:

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„On travaille dans la contrainte et on s’efforce d’avoir de nouvelles idées tout en faisant très attention.“

Sébastien Meyer

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Mehr als der übliche Live-Stream im Internet

Wegen der Pandemie darf derzeit kein Publikum auf den Tribünen der Pariser Prêt-à-porter-Schau sitzen. Die meisten Modehäuser beschränken sich deshalb auf Übertragungen ihrer Défilés im Internet – doch die Macher von Coperni wollten etwas Besonderes bieten. Aufgrund der Einschränkungen beim Reisen und der Kontaktbeschränkungen war das Drive-In-Format der „beste Weg, um etwas [Kreatives] zu tun und gleichzeitig sicher zu sein“, sagte Copernie-Mitbegründer Arnaud Vaillant in einem Videointerview vor der Show.

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„Die Nacht, die uns fehlt“

Sébastien Meyer und Arnaud Vaillant ließen eine Flotte von 36 Autos mit 70 Gästen in die AccorHotels Arena mit 20.100 Sitzplätzen in Paris kutschieren. Mit den Scheinwerfern beleuchteten die Fahrer die Models, die in der Herbst-Winter-Kollektion 2021 der Marke zwischen ihnen hin- und hergingen.

Thema der Schau war „Die Nacht, die uns fehlt“. Meyer sagte dazu: „Seit einem Jahr leben wir in bequemen Kleidern oder Schlafanzügen und lassen uns gehen. Wir wollten wieder ein bisschen Glitzer und Freude.“ Einige der Kreationen strotzten vor Pailletten, dazu trugen die Models neongelbe Pumps. Auch transparente Minikleider und schulterfreie Mäntel aus Kunstpelz waren zu sehen.

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Arnaud Vaillant erklärte zu den Kreationen:

„Ce que j’adore dans cette collection c’est qu’on a une partie de la nuit qui est plus mystérieuse et plus sensuelle et une partie dédiée à la régénération, au confort. On a exploré toutes les facettes de la nuit qui nous intéressait.“

Arnaud Vaillant

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Die Show wurde auch exklusiv auf Instagram live gestreamt, wobei die neue Live Rooms-Funktion der App verwendet wurde, mit der die Designer gleichzeitig aus drei verschiedenen Perspektiven filmen konnten. Mit Smartphones wurden die Szenen auf dem Laufsteg und hinter der Bühne auf, während der Modekommentator Louis Pisano seine Kommentare zu der Show und den Kreationen aus einem Auto heraus sprach.

In Frankreich wird auch in Apotheken geimpft

Deutschland setzt auf Impfzentren im Kampf gegen Corona. In Frankreich wurde nun der Weg freigemacht, dass Apotheker, Krankenschwestern und Hebammen gegen das Virus impfen können.

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Frankreich will mehr und schneller impfen. Der Grund ist die schnelle Ausbreitung des Virus, vor allem der britischen Variante.

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Impfen in Apotheken – mit Einschränkungen

In Apotheken werden die Impfungen am Montag, dem 15. März, beginnen, kündigte Frankreichs Premierminister Jean Castex. Ausnahmen wird es nur in Fällen geben, bei denen Komplikationen geben könnte. Etwa bei Menschen, bei denen in der Vergangenheit eine allergische Reaktion aufgetreten ist oder die Probleme nach der ersten Corona-Impfung hatten. Diese sollten von einem Arzt behandelt werden. Bis zum 15. März können diejenigen, die dies wünschen, einen Termin auf der Ordoclic-Online-Plattform vereinbaren, die ab Montag freigeschaltet ist.

Allerdings gibt es auch in Frankreich eine Hierarchisierung. In Apotheken geimpft werden sollen vorerst Menschen im Alter zwischen 50 und 74 Jahren, die zu einer Risikogruppe zählen. Sie werden vor allem mit Astra-Zeneca geimpft.

Viel Impfstoff in Kühlschränken gelagert

Frankreich hat beim Impfen ein ähnliches Problem wie Deutschland: Von den fast 1,8 Millionen Dosen des Astra-Zeneca-Impfstoffs, die in den vergangenen Tagen geliefert wurden, waren bis zum 3. März weniger als 380.000 verwendet worden. Zwischen 300.000 und 400.000 sollen in Apotheken und sogar in Krankenhäusern im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Philippe Besset, Präsident der Apotheker-Gewerkschaft, erklärte, dass fast 20.000 Apotheken bereit sein mit einer durchschnittlichen Rate von „etwa 20 Injektionen pro Tag“ zu impfen. Die nationale Gesundheitsbehörde sagte, dass Apotheker auch Dosen von Moderna und Pfizer injizieren könnten. Das Problem: diese Impfstoffe mit mRNA-Technologie sind jedoch viel komplizierter zu lagern, da sie gefroren sein müssen.

Um mit dem Impfen schneller voranzukommen, forderte Ministerpräsident Jean Castex auf,  auch am Wochenende Impfungen durchzuführen – das war bisher nicht der Fall. Man befinde sich in einem Wettlauf mit dem Virus, sagt er und legt einen Zeitplan vor: Bis Mitte April sollen mindestens zehn Millionen Menschen geimpft sein, 20 Millionen bis Mitte Mai und bis zum Sommer 30 Millionen. In Frankreich leben 67 Millionen Menschen.

Frankreich verschärft den Lockdown und setzt auf mehr Impfungen

Während in Deutschland heftig über Corona-Lockerungen gestritten wird, werden in Frankreich die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie noch einmal verschärft. Premierminister Jean Castex erklärte, dass es nun auch im Département Pas-de-Calais am Ärmelkanal einen Wochenend-Lockdown geben wird. In Nizza am Mittelmeer und der nordfranzösischen Hafenstadt Dunkerque (Dünkirchen) gilt bereits ein derartiger Lockdown. Die dicht besiedelte Hauptstadtregion Paris und die Hafenstadt Marseille bleiben von solchen Einschränkungen bisher verschont.

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Drei weitere Départements stehen in Frankreich wegen hoher Corona-Zahlen unter Beobachtung

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Die britische Variante breitet sich rasant aus

In manchen Regionen scheint sich das Virus inzwischen wieder fast ungehindert auszubreiten. Nach Regierungsangaben 60 Prozent der neuen Positiv-Tests inzwischen auf die zuerst in Großbritannien nachgewiesene, ansteckendere Mutation zurückzuführen. Deswegen habe sich die Verbreitung des Virus in den vergangenen zwei Wochen beschleunigt, sagt Ministerpräsident Jean Castex. So wird etwa in der Hafenstadt Dunkerque ein Inzidenzwert von über 1000 gemessen. In der Region um Nizza werden fast 600 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen innerhalb von sieben Tagen gezählt.

Etwas überraschend für viele ist, dass die Region um die Hauptstadt Paris nicht unter besondere Beobachtung genommen wird. Im Stadtkern hat sich die Infektionsrate bei deutlich über 300 eingependelt. In dem berüchtigten Département 93 (Seine-Saint-Dénis) liegt der Index inzwischen bei über 400. Castex forderte die regionalen Behörden auf, Maßnahmen zu ergreifen, um größere Versammlungen zu verhindern. Am vergangenen Wochenende hatten viele Menschen die Sonne etwa an den Ufern der Seine genossen. „Die Bilder, die wir am vergangenen Wochenende wieder in einigen Großstädten, darunter Paris, gesehen haben, sind einfach nicht angemessen“, sagte Castex.

Entspannung im grenznahen Département Moselle

Wichtig für die Pendler in der deutsch-französischen Grenzregion zwischen Saar und Mosel ist die Entwicklung im Département Moselle. Dort scheint sich die Lage etwas zu beruhigen und die Inzidenz ist inzwischen auf deutlich unter 300 gesunken. Zudem wird dort seit einigen Tagen eine massive Test-Strategie gefahren. Grund dafür ist auch, dass die Region von deutscher Seite als Hochrisikogebiet eingestuft wurde und ein Grenzübertritt nun nur noch mit einem Test-Nachweis möglich ist.

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Paris will verstärkt impfen

Wie der Premierminister ebenfalls verkündete, soll nun in Regionen mit einem besonders hohen Infektionsrisiko verstärkt geimpft werden. Dabei setzt die Regierung weniger auf Impfzentren, sondern will über Hausärzte und Apotheken die Zahl der verimpften Dosen drastisch erhöhen. Castex fordert nun auch am Wochenende Impfungen. Man befinde sich in einem Wettlauf mit dem Virus, sagt er und legt einen Zeitplan vor: Bis Mitte April sollen mindestens zehn Millionen Menschen geimpft sein, 20 Millionen bis Mitte Mai und bis zum Sommer 30 Millionen.

Premier Castex hatte bereits vergangene Woche eine erhöhte Corona-Warnstufe für 20 Départements ausgerufen. In Frankreich gilt aktuell eine abendliche Ausgangssperre nach 18 Uhr. Ausnahmen gelten beispielsweise für den Arbeitsweg. In dem Land mit rund 67 Millionen Einwohnern starben schon mehr als 87 500 Menschen nach einer Infektion.

Corona beendet die grenzenlose Freiheit

In der deutsch-französischen Grenzregion zwischen Saar und Mosel gelten nun harte Corona-Regeln auch für Berufspendler. Für viele Menschen wird das Leben nun sehr kompliziert.

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Das Corona-Testzentrum an der deutsch-französischen Grenze

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Schnell wird alles zur Routine

Schon nach wenigen Stunden ist der Ablauf Routine. Wartende Autos einweisen, Personalien der Personen kontrollieren, Test durchführen, das Datenblatt mit einem QR-Code übergeben und schon rollt das Fahrzeug wieder vom Hof des Technischen Hilfswerks in Saarbrücken direkt an der deutsch-französischen Grenze. Thilo Ziegler ist sehr zufrieden. „Die gesamte Prozedur dauert nur wenige Minuten, Getesteten erhalten das Ergebnis so schnell wie möglich über den personalisierten QR-Code, den sie mit dem Smartphone einscannen können oder auch per Mail“, erklärt er. Über 100 Corona-Tests können auf diese Weise pro Stunde durchgeführt werden.

Im normalen Leben veranstaltet der Mann Rockkonzerte und hätte sich nie träumen lassen, eines Tages ein Corona-Testzentrum zu managen. „Wir haben die technische Infrastruktur und das Know-how, solche Abläufe zu organisieren“, sagt Thilo Ziegler, der mit seinen Mitarbeitern das Testzentrum an der Grenze in drei Tagen aus dem Boden gestampft hat. Weil er bereits für einige private Firmen in der Gegend ähnliche Anlagen betreibt, kamen die verantwortlichen Politiker der Region auf ihn zu.

Einstufung als Corona-Risikogebiet

Der Grund: das Robert-Koch-Institut hat den französischen Verwaltungsbezirk Moselle zum „Virusvariantengebiet“ erklärt, weil dort die hoch ansteckende Mutante aus Südafrika grassiert. Das heißt konkret, dass französische Grenzgänger für eine Fahrt nach Deutschland seit Dienstag einen negativen Corona-Test vorlegen müssen, akzeptiert werden PCR- oder Schnelltests. Beide dürfen allerdings nicht älter als 48 Stunden sein. Da diese strikte Regelung ausdrücklich auch für die rund 16.000 Berufspendler in der Region gilt, sind die benötigten Testkapazitäten natürlich enorm.

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„Für uns Grenzpendler wird das nun kompliziert“, sagt Amandine Bickel. Die 31-jährige Französin betreibt einen Zeitschriften- und Tabakladen direkt neben dem neuen Drive-In-Testzelt. Kopfschüttelnd steht sie vor der Tür ihres Ladens und beobachtet das rege Kommen und Gehen. Andere Berufspendler sind weniger zurückhaltend in ihren Aussagen. „Wie soll das alles funktionieren“, fragt eine junge Frau, die im französischen Forbach wohnt und jeden Tag zur Arbeit nach Saarbrücken fährt. „Ich muss mich nun mehrere Male die Woche testen lassen. Das ist eine sehr unangenehme Prozedur, sich jedes Mal so ein Wattestäbchen in die Nase stecken lassen.“ Zudem müsse sie als Mutter zwei Kinder versorgen, da sei der Tagesablauf sehr genau getaktet. Diese neue Vorschrift bringe nun praktisch ihr ganzes Leben ins Wanken.

Deutliche Worte von französischer Seite

Sehr deutlich wird auch Christophe Arend, französischer Parlamentsabgeordneter des Départements Moselle, und er schiebt den schwarzen Peter der deutschen Seite zu. „Ich bedauere die aktuelle Situation, die durch eine brutale Entscheidung verursacht wurde“, schreibt er in einer Stellungnahme. Das erinnere ihn an die Situation vor einem Jahr, als Deutschland während der ersten Corona-Welle ohne jegliche Absprache über Nacht alle Grenzübergänge geschlossen hat. Er unterstreicht, dass die Regionen auf deutscher und französischer Seite wirtschaftlich und kulturell untrennbar miteinander verwoben seien und fordert, dass man sich unbedingt um pragmatischere Lösungen bemühen müsse.

„Ich weiß nicht, ob die Auswirkungen dieser Entscheidung wirklich zu Ende gedacht worden sind“, sagt einer der Betriebsleiter am Bahnhof in Auersmacher, einem kleinen Städtchen unweit der Grenze. „Die Züge fahren noch eine Station weiter nach Hanweiler und werden dort dann abgestellt.“ Wegen der neuen Verordnung dürfen sie die dortige Grenze nicht mehr passieren, was bedeutet, dass die französische Stadt Sarreguemines (Saargemünd) nun vom wichtigen Nahverkehr nach Saarbrücken von einem Tag auf den anderen abgeschnitten ist. Wie die Zuggäste auf französischer Seite nun weiter an ihr Ziel kommen weiß er nicht.

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Ein Mitarbeiter tippt die erfassten Daten in den Computer

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Einkaufstourismus wird (noch) nicht gebremst

Während der Mann erzählt, fahren immer wieder Autos mit französischen Kennzeichen auf der nahen Kreisstraße vorbei, die in Richtung Saarbrücken führt. „Viele Franzosen kommen hierher einkaufen, weil viele Dinge in Deutschland billiger sind“, sagt er. Ihm sei nicht aufgefallen, dass dieser Pendelstrom merklich abgenommen habe. Bisher waren Grenzübertritte von bis zu 24 Stunden in beide Richtungen ohne Auflage erlaubt, um die engen Beziehungen in der Region nicht zu stören, doch mit der neuen Verordnung soll das nun ein Ende haben. 

Anders als im Fall von Tschechien und Tirol in Österreich soll es nach einer deutsch-französischen Absprache aber keine Kontrollen direkt an der Grenze geben. Stattdessen sieht das Innenministerium eine „Schleierfahndung im Hinterraum“ vor. Wie diese Vorgabe aus dem fernen Berlin genau umgesetzt werden soll, ist offensichtlich noch nicht bis zu den Polizeibeamten durchgedrungen, die im Saarland in ihren Streifenwagen beobachtend durch dieses „Hinterraum“ patrouillieren sollen. Beim Schichtwechsel im Revier der Bundespolizei an der A6, unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze, herrscht entspannte Stimmung. „Wir lassen uns überraschen“, sagt einer der Beamten, der dann aber noch versichert, dass man bei den angekündigten Kontrollen auf jeden Fall mit dem nötigen Augenmaß vorgehen werde.

Leicht sinkende Zahlen in Moselle

Derweil dringen gute Nachrichten aus dem Département Moselle über die Grenze. Der zuständige Präfekt Laurent Touvet erklärte, dass es zwar noch immer viele Corona-Fälle gebe, sich die Situation aber auf hohem Niveau stabilisiert habe. Lag der Inzidenzwert vergangene Woche in Moselle noch bei fast 320 ist die Zahl der Infizierten auf 100.000 Einwohner inzwischen wieder unter 290 gesunken. Laurent Touvet sieht einen „langsamen, kontinuierlichen Rückgang“. Als zusätzliche Schutzmaßnahme verhängte die Präfektur ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum in Städten wie Metz, Sarreguemines und Forbach. Damit sollen Ansammlungen junger Leute verhindert werden. Zudem könnte eine weitgehende Ausgangssperre an Wochenenden kommen. Inzwischen wagt kaum jemand mehr Prognosen über den Verlauf der Pandemie in der Region.

An der deutsch-französischen Grenze in Saarbrücken hat Thilo Ziegler das Corona-Testzentrum für mindestens zwei Wochen aufgebaut. „Natürlich können wir auch länger hier arbeiten“, erklärt der Konzertveranstalter, „aber je früher wir hier unsere Zelte abbauen können, desto besser ist es für uns alle.“