Die lange Suche nach dem Mörder des kleinen Grégory

Frankreich sucht seit 35 Jahren den Mörder des kleinen Grégory. Nach dem Urteil eines Pariser Gerichtes muss der Fall nun neu bewertet werden.

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Eine Geschichte über Neid, Missgunst und Hass

Es ist eine schwärende Wunde, die schmerzhaft aufgerissen wird. Seit über 35 Jahren sucht Frankreich nach dem Mörder eines kleinen Jungen – ohne Erfolg. Die „Affaire Grégory“ erzählt nicht nur vom tragischen Tod eines Kindes. Sie ist auch die Geschichte von Neid, Missgunst und Rache und sie ist ein Beispiel für das klägliche Versagen der Justiz, die Sensationslust einer Gesellschaft und die fragwürdige Arbeit von Journalisten. Weil das Leben die spannendsten Drehbücher schreibt, hat Netflix aus dem Stoff eine kleine TV-Doku gemacht, die seit November ausgestrahlt wird.

Nun, nach dem Urteil eines Berufungsgerichtes in Paris am Donnerstag, muss der ungelöste Fall auch juristisch neu bewertet werden. Die damals minderjährige Murielle Bolle hatte in Polizeigewahrsam ausgesagt, ihr Schwager habe den vierjährigen Grégory Villemin getötet – das Gesagte kurz darauf aber wiederrufen. Das Gericht hat nun geurteilt, dass ein zentraler Teil ihrer Angaben wegen Ermittlungsfehlern aus den Akten gestrichen werden muss. Die Aussage von Murielle Bolle hatte damals tödliche Folgen. Der Vater des ermordeten Grégory erschießt den verdächtigen Schwager auf offener Straße.

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Die Familie wird seit Jahren bedroht

Diese Bluttat lockt schließlich die Sensationslustigen in Scharen nach Lépanges-sur-Vologne, einer kleinen Gemeinde in den Vogesen. Reporter aus dem fernen Paris berichten wie über eine fremde Welt auf einem exotischen Kontinent. Ausgegraben wird, dass die Familie Villemin schon über Jahre bedroht worden war. Nach der Tat erhielten sie einen handgeschriebenen Brief. Der Mord sei ein Racheakt gewesen, hieß es darin.

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Die Dorfbewohner verraten den Reportern, dass viele in der Gemeinde den Vater des kleinen Grégory um seinen Job als Vorarbeiter in einer Fabrik und den bescheidenen Wohlstand beneidet hätten. Seine Frau Christine wird von Verwandten als arrogant abgetan. Am Ende steht das halbe Dorf unter Mordverdacht, alle müssen Schriftproben abgeben. Doch das Augenmerk der Polizisten liegt schließlich auf der Mutter, die bei der Beerdigung ihres Sohnes vor unzähligen Fernsehkameras schluchzend zusammenbricht. Beweise für ihre Schuld gibt es aber keine.

Der Richter wird von dem Fall abgezogen

Wegen der vielen Ermittlungsfehler wird schließlich der zuständige Richter Jean-Michel Lambert von dem Fall abgezogen. Er ist damals Anfang 30 und schlicht überfordert. 33 Jahre danach verfasst Lambert einen Abschiedsbrief, in dem er schreibt, dass er sich nicht zum Sündenbock stempeln lassen wolle – und nimmt sich im Sommer 2017 das Leben.

Jetzt, nach dem Urteil des Berufungsgerichtes in Paris, erklärt der Anwalt von Grégorys erleichterten Eltern: „Die Ermittlungen werden fortgesetzt.“ Sie hoffen noch immer, dass der Mörder ihres Sohnes eines Tages gefunden wird.

Emmanuel Macrons großes Versagen

Frankreichs Präsident hat die Stimmung im Volk völlig falsch eingeschätzt. Seine Reform wird zum Reförmchen und die Quittung für sein Versagen wird es bald bekommen. 

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Demonstration in Paris gegen die Rentenreform von Emmanuel Macron

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Ein Volk aus vielen Helden

Der Streik in Frankreich kennt einen großen Helden: das Volk. Mit bewundernswerter Gelassenheit lassen die Franzosen dieses nicht enden wollende Elend über sich ergehen. Der seit Wochen bestreikte Nahverkehr stürzt die Pendler in Paris und anderen Städten jeden Tag von neuem ins Chaos, Fernzüge fahren nur sporadisch, viele vor allem kleine Unternehmen im Land leiden inzwischen unter den wirtschaftlichen Einbußen. Das Ende der Blockade ist auch jetzt noch nicht abzusehen.

Der Streik in Frankreich kennt aber auch einen großen Verlierer: Emmanuel Macron. Den Plan, das Rentensystem in Frankreich gerechter und vor allem auch finanzierbar zu machen, kann der Präsident längst nicht mehr halten. Am Schluss der Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften wird von dem versprochen großen Wurf nur ein Reförmchen übrigbleiben. Unter dem Druck des Streiks zeigt sich die Regierung längst zu allerlei Ausnahmen bereit. Selbst das Renteneintrittsalter mit 64, so etwas wie der Heilige Gral dieser Reform, steht plötzlich zur Disposition. Denn Emmanuel Macron hat die Rechnung ohne die kampfbereiten Gewerkschaften gemacht. Zwar haben einige gemäßigte Organisationen bereits ihren Einigungswillen signalisiert, doch der harte Kern zeigt sich unnachgiebig und fordert noch immer, dass die gesamte Reform zurückgenommen wird. Noch ist nicht abzusehen, wie diese Kraftprobe ausgehen wird.

Die Renaissance der Gewerkschaften

Den Gewerkschaften hat der Arbeitskampf zu einer wahren Renaissance verholfen. Sie scheinen erleichtert, endlich wieder als Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer öffentlich wahrgenommen zu werden und genießen die Auftritte vor den Fernsehkameras. Während der Proteste der Gelbwesten waren sie noch völlig abgemeldet. Das hatte allerdings zur Folge, dass sich die vielen, untereinander konkurrierenden Gewerkschaften beim aktuellen Streik in eine Art Überbieterwettkampf begeben haben – jede Organisation ging mit immer radikaleren Forderungen für ihre Klientel in die Verhandlungen.

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Unverständlich ist, wie Emmanuel Macron diese Gesamtsituation und vor allem die tiefe Unzufriedenheit seines Volkes unterschätzen konnte. Eigentlich hätte er durch die monatelangen sozialen Proteste der Gelbwesten gewarnt sein müssen. Offensichtlich glaubte der kühle Taktierer in Paris aber, dass die Streiklust der Menschen im Land inzwischen erschöpft sei und er es sich erlauben könne, mit der Brechstange soziale Veränderungen durchzusetzen, die tief in das Leben der Franzosen eingreifen. Der Präsident hat sich getäuscht.

Macron provoziert eine „convergence des luttes“

Was Macron provoziert hat, ist eine „convergence des luttes“, der Zusammenschluss verschiedener sozialer Kämpfe. Bei den Massenprotesten in Paris und anderen Städten gehen nicht nur gewerkschaftlich organisierte Eisenbahner auf die Straße. Auch das Krankenhauspersonal, Anwälte, Lehrer, Studenten oder Feuerwehrleute machen ihrer Frustration über die bisweilen unhaltbaren Arbeitszustände Luft.

Die inhaltlichen Unterschiede in der Protestfront werden dabei von der Wut der Streikenden auf Emmanuel Macron übertüncht. Diese bisweilen eher verwirrende Kakophonie in den Demonstrationszügen macht deutlich, dass die Reform des Rentensystems nur eines von sehr vielen fundamentalen Problemen ist, die es in Frankreich in den nächsten Jahren zu lösen gilt.

Der Protest erreicht alle Berufsgruppen

Eine solche Welle des Protestes über alle Berufsgruppen hinweg gab es zuletzt 1995, als der damalige Premierminister Alain Juppé im Auftrag des Präsidenten Jacques Chirac eine Rentenreform durchziehen sollte. 23 Tage dauerte damals der Streik, der das Land lähmte. Am Ende wurde die Reform abgeblasen und der Regierungschef musste seinen Hut nehmen.

Der aktuelle Streik in Frankreich dauert inzwischen fast doppelt so lange und es gilt als sicher, dass Emmanuel Macron auf die Quittung für sein Versagen nicht lange wird warten müssen. Im März finden in Frankreich Kommunalwahlen statt, sie gelten als entscheidender Test für die Präsidentenwahl in zwei Jahren.

Ein Blick in die Seele Frankreichs

Der Kauf eines Baguettes ist für die Franzosen ein fast archaischer Akt – inklusive einer kleinen Reise in die eigene Kindheit. Eine kleine Betrachtung zu einem Kulturgut. 

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Das letzte verbliebe Symbol einer Nation

Das Baguette ist das letzte Symbol Frankreichs. Zugegeben, im Rennen sind noch Baskenmütze und Gauloise, beides ist inzwischen aber zur cineastischen Folklore verkommen. Nicht einmal mehr die alten Männer in den verstecktesten Dörfern der Pyrenäen tragen die typische Kopfbedeckung und das Rauchen ist in Paris inzwischen nicht nur in den Restaurants, sondern auch in den öffentlichen Parks verboten. Das Baguette aber gibt es noch immer.

Der Grund dafür ist sehr einfach: die Beziehung zum Baguette ist den Franzosen tief in den genetischen Code eingraviert. Ehen können scheitern – die Liebe zum Baguette vergeht nie. Wer einen Beweis dafür sucht, der muss die Franzosen in einer typischen Boulangerie beim Kauf eines Baguettes beobachtet. Da wird nicht einfach Geld gegen Brot getauscht, der Kauf eines Baguettes ist eine Art archaischer Akt. Selbst gestandene Männer werden für einen Augenblick zu Kindern mit leuchtenden Augen.

Ein Sturzbach von Glückshormonen

Man kann als Außenstehender nur ahnen, welche Botenstoffe in diesem kurzen Moment in einem französischen Gehirn ausgeschüttet werden – das Glückshormon Dopamin ist 19.12.30-Baguettes-neuimagesauf jeden Fall in Sturzbächen dabei. Allein der Gang über die Schwele einer Bäckerei muss eine Art Flashback in die Kindheit sein – ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für einen Franzosen. Eine Erinnerung an schöne Tage, als man in kurzen Hosen an der großen, rauen Hand des Vaters am Samstagmorgen die Boulangerie an der Ecke betritt, diesen wunderbaren Geruch einatmet, die freundlichen Frauen hinter der Theke lächeln sieht, sich einreiht in die Schlange und es kaum erwarten kann, endlich dieses noch warme Stück französische Lebensart liebkosend in den Armen zu halten.

Die Männer, das schwache Geschlecht

Auffallend ist, dass vor allem Männer dieser selige Gesichtsausdruck überfällt, wenn sie ein Baguette überreicht bekommen. Frauen neigen in diesem Fall wohl eher zum Pragmatismus. Und:  je älter die Männer, desto größer scheint diese sehnsuchtsvolle Erinnerung an die Kindheit zu werden.

Der eigentliche Höhepunkt folgt allerdings erst nach dem Kauf des Baguettes, es scheint wie ein fast ekstatischer Akt: viele Franzosen brechen die Spitze des Brotes ab und stecken sie sich noch in der Boulangerie voller Genuss und selig lächelnd in den Mund. Manchen versagt der Schritt und sie bleiben kurz stehen, mit einem verklärten Gesichtsausdruck. Dann aber ist dieser kurze Ausflug in die Kindheit jäh vorüber und es heißt Abschied nehmen. Auf der Straße wartet die harte Realität. Doch irgendwie beschwingt geht er dahin, dieser beneidenswerte Mensch, ohne Baskenmütze auf dem Kopf und ohne Gauloise im Mundwinkel – aber das Baguette unter den Arm geklemmt und glücklich, ein Franzose zu sein.

Der Streik in Frankreich wird zum Weihnachtshit

Eine junge Sängerin besingt das Chaos durch die Proteste und spricht mit ihrer Parodie von „All I want for Christmas is you“ sehr vielen aus dem Herzen. Aber auch die Tänzerinnen der Pariser Oper sind kreativ – wenn auch in einem anderen Sinne. 

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Der Protest gegen die Rentenreform legt seit Wochen den Verkehr in Paris lahm – nun zeigt der Streik erste, eher unerwartete Früchte. 

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Eine Parodie auf den Hit von Mariah Carey

Der Streik gegen die Rentenreform in Frankreich geht den Menschen langsam auf die Nerven. Vor allem in Paris, wo die Metro wegen der Proteste seit fast drei Wochen lahmgelegt ist, versuchen die Einwohner trotz aller Widrigkeiten ihren Alltag zu organisieren. Manche nehmen das Chaos allerdings auch mit französischer Gelassenheit – oder sie machen es wie die Sängerin Montéa. Die junge Frau hat eine Parodie des Liedes von Mariah Carey „All I want for Christmas is you“ aufgenommen. In dem verballhornten Stück schmachtet Montéa allerdings nicht ihre große Liebe an, sondern sie singt davon, wie schön es wäre, wenn die Métros in Paris wieder fahren würden.

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„Gebt mir irgendeine Métro. Linie 4 oder Linie 13 wären super“, heißt es da. Sie besingt, die täglichen Sorgen der Einwohner der Millionenmetropole, am Morgen zur Arbeit zu kommen. „Ein Zug von dreien, kein Nahverkehr“, singt sie. „Ich könnte Uber nehmen, aber die Straßen sind verstopft.“ Aufgenommen hat die Sängerin den Clip mit ihrem Smartphone. Innerhalb weniger Stunden wurde das Lied in Frankreich zum Internet-Hit und ist inzwischen rund 60.000 Mal abgerufen worden.

Auch andere Künstler werden kreativ

Montéa ist allerdings nicht die einzige Künstlerin, die sich vom Streik inspirieren lässt. Vor dem Palais Garnier in Paris zeigten an Weihnachten die Tänzerinnen der Pariser Oper auf einer provisorischen Bühne vor dem Gebäude in der Kälte kurze Stücke aus Schwanensee. Sie protestieren damit allerdings nicht gegen den Streik, sondern zeigten sich solidarisch mit dem Protest. Denn durch die Rentenreform würden auch die Angestellten der Oper viele ihrer Privilegien verlieren. So gilt für sie noch eine Rentenkasse, die im Jahr 1698 von König Louis XIV. eingerichtet wurde.

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Eines der großen Probleme: es gibt in dieser Spezialkasse der Oper heute rund 1900 Einzahler und 1800 Rentner. Das Eintrittsalter variiert stark und beträgt bei den Tänzern des Balletts 40 Jahre, zwischen 50 und 57 Jahren bei den Chormitgliedern und 60 Jahre bei den Musikern. Das Rentenregime kostet rund 27 Millionen Euro pro Jahr, das etwa zur Hälfte vom Staat finanziert werden muss.

Eine trübe Kloake namens Seine

Die Hausboote am Ufer in Paris leiten ihr Abwasser ungeklärt in den Fluss. Das ist zwar verboten, doch niemand hält sich daran. Die Stadt will das nun ändern. 

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Das hat was, so ein Hausboot auf der Seine – doch auf die Besitzer könnten nun einige Kosten  zukommen. Denn die Schiffe sollen an die Kanalisation angeschlossen werden. 

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Die schmutzige Seite der Romantik

Romantik ist – eine Fahrt auf der Seine. Vorbei am Eiffelturm, dem Louvre und Notre Dame, gehört eine kurze Sightseeing-Tour mit dem Schiff ins Programm jedes Paris-Touristen. Schließlich präsentiert sich die Stadt dabei von ihrer schönsten Seite. Was die verzückten Besucher von den Stadtführern aber nicht zu hören bekommen: sie dümpeln bei ihrer Fahrt in einer Kloake, denn die Seine ist ein unglaublich dreckiger Fluss.

Diese Tatsache hat weniger mit den täglich tausenden Lastkähnen und Ausflugsschiffen zu tun, das Problem sind eher die Hausboote, jene pittoresken Péniches, die am Ufer angelegt haben. Die kippen nämlich ihr gesamtes Abwasser – auch das aus der Toilette – ungefiltert in den Fluss, konstatiert Christian Duguet, Präsident der ADHF, einer Interessenvertretung der Bootbesitzer. Das sei zwar nach einem Gesetz aus dem Jahre 1934 strengstens verboten, sagt er, doch niemand halte sich dran. Pro Jahr werden in Paris heute insgesamt zwei Millionen Kubikmeter Abwasser in die Seine geleitet – vor 30 Jahren waren es noch 20 Millionen Kubikmeter.

Zieldatum sind die Olympischen Spiele

Doch nun stehen im Jahr 2014 die Olympischen Spiele vor der Tür und es wäre keine gute Reklame für Paris, müssten etwa die Triathleten in dieser Brühe ihre Schwimmwettbewerbe absolvieren. Also macht die Stadt Druck, die Hausboote endlich ans öffentliche Abwassernetz anzuschließen. Das allerdings ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Geplant ist, am Ufer auf einer Länge von knapp zehn Kilometern unterirdische Sammelbehälter einzurichten, in die die Hausboote das Abwasser abpumpen können. Von dort sollen die Fäkalien dann in das öffentliche Abwassernetz gelangen können.

Doch schon im Ansatz türmen sich die Probleme. So ist zum Beispiel das Ufer der Seine bereits von unzähligen Leitungen und anderen unterirdischen Versorgungstrassen durchzogen, von denen die meisten noch nicht einmal verzeichnet sind. Zusätzlich müssen alle rund 100 betroffenen Hausboote mit einem eigenen, modernen Abwassersystem ausgestattet werden, das an die Leitungen an Land angeschlossen werden kann.

Nicht alle sind von der Idee begeistert

Christian Duguet von der Hausboot-Lobby hält die ganze Sache für ziemliche Verschwendung und hat viele Einwände parat. Auf der Höhe des Eiffelturms, rechnet er vor, liegen zehn Boote. Allein dort würden sich die Erschließungskosten auf zwei Millionen Euro belaufen. Außerdem müssten die Besitzer auf eigene Kosten sehr teure Pumpen in ihren Schiffen installieren, da der Quai höher liege als das Hausboot selbst. Zudem sei damit zu rechnen, so Christian Duguet, dass bei schweren Unwettern, wenn die Kanäle unter der Stadt regelmäßig überlaufen, das Abwasser in die Schiffe zurückschwappe, denn Rückschlagventile seien nie ganz dicht. Auch würden im Winter die Leitungen wahrscheinlich vereisen und sowieso würden sie hässlich aussehen und das schöne Bild verschandeln. Christian Duguet selbst schlägt eigene Lösungen vor, wie etwa Trockentoiletten mit Kompostieranlagen oder unabhängige Wiederaufbereitungsanlagen, die allerdings technisch alle reichlich kompliziert sind und erst noch getestet werden müssen.

Das heißt: vorerst bleibt alles, wie es ist. Die Hausbootbesitzer kippen weiter den Inhalt ihrer Toiletten ungeklärt in den Fluss, die Touristen genießen ihre Ausflüge auf der Seine und die Stadt hofft, dass niemand auf die Idee kommt, im heißen Sommer in dieser Brühe ein erfrischendes Bad zu nehmen. Das nämlich könnte sehr unangenehme gesundheitliche Folgen haben. ENDE-ENDE

Viele Züge der Bahn nach Frankreich fallen aus

Kurz vor Weihnachten hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zu einer Streikpause aufgerufen. Es gebe Französinnen und Franzosen, die sich an den Feiertagen wiedersehen wollten, dies müsse anerkannt werden, sagte Macron. Auch der Zugverkehr nach Deutschland leidet unter dem Streik.

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Emmanuel Macron ist das Ziel des Spotts viele Demonstranten

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Störungen im ganzen Land

Wegen der Streiks gegen die geplante Rentenreform ist der Bahnverkehr im ganzen Land erheblich gestört. Die von Macron gewünschte Streikpause zu Weihnachten zeichnet sich allerdings bisher nicht ab. Mehrere Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen, den Arbeitskampf fortzusetzen. In dem sozialen Konflikt sind die Fronten verhärtet. Gespräche der Regierung mit den Gewerkschaften waren auf Januar vertagt worden. Betroffen von dem Arbeitskampf ist auch die Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP. Auch am Sonntag mussten sich Bahnreisende wieder auf erhebliche Störungen einstellen. Der Zugverkehr nach Deutschland ist ebenfalls betroffen.

Die französische Bahn SNCF versucht mit einem Notfallplan, die größten Auswirkungen abzufedern. Sie hat allerdings rund 200.000 Kunden dazu aufgerufen, ihre Tickets für den 23. Und 24. Dezember umzutauschen. Das heißt, dass viele Franzosen über Weihnachten wahrscheinlich nicht zu ihren Familien fahren können.

Störungen auf bei der Deutschen Bahn

Wie die Deutsche Bahn mitteilt, werde es zu Ausfällen und Verspätungen kommen. „Im Zeitraum vom 23.12.2019 bis 5.1.2020 ist nur eine sehr begrenzte Anzahl von Zugfahrten zwischen Frankreich und Deutschland möglich“, ist auf der Internetseite der Deutschen Bahn zu lesen. Weiter heißt es, dass sich die Bahnkunden bis zu zwei Tage vor Abfahrt ihres Zuges informieren und gegebenenfalls umbuchen können. Betroffen sind demnach ICE- und TGV-Verbindungen zwischen Frankfurt und Paris beziehungsweise Marseille sowie zwischen Stuttgart und Paris.

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Mit der Rentenreform will die französische Mitte-Regierung die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und damit auch Sonderrechte abschaffen. Außerdem sollen die Franzosen dazu angehalten werden, länger zu arbeiten. Die Regierung hatte mit langen Übergangsfristen zwar Zugeständnisse gemacht – Gewerkschaften waren allerdings nicht zufrieden. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Franzosen gegen die Reform.

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Und hier noch eine Information für die Besucher, die in Paris unterwegs sind. Denn auch dort sind die Nahverkehrsbetriebe massiv von den Streiks betroffen. Seit zwei Wochen verkehren in der französischen Hauptstadt kaum noch U-Bahnen. Nur die Linien 1 und 14 sind fast ohne Probleme in Betrieb, da sie keine Fahrer haben, sondern autonom unterwegs sind und von einer Leitzentrale aus gesteuert werden.

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Eine explosive Mischung

In Frankreich wird seit zwei Wochen gestreikt. Der geplante Rentenreform ist nur ein Grund für die Wut der Franzosen. 

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Die Proteste gegen die Rentenreform nehmen kein Ende. Nun drohen die Gewerkschaften damit, auch an Weihnachten den Zugverkehr lahmzulegen.

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Franzosen gelten als geradezu streikfreudig

Frankreich wird seinem Ruf wieder einmal gerecht. Die Franzosen gelten als geradezu streikwütiges Volk, das seinen Zorn gegen die „die da oben“ schnell auf die Straße trägt. Auch jetzt wieder sind viele Bereiche des öffentlichen Lebens seit zwei Wochen lahmgelegt. Doch mit dem Widerstand gegen die Rentenreform ist die bisweilen gewalttätige Vehemenz der Proteste nur ungenügend erklärt. Es ist ein explosives Gemisch aus mehreren Faktoren, das die Menschen auf die Barrikaden treibt. So entlädt sich die Frustration der Lehrer, Feuerwehrleute oder des Krankenhauspersonals wegen der immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen, über die sie seit Jahren vergeblich klagen. An den Protesten beteiligt sind auch viele Anhänger der Gilets Jaunes, die mehr soziale Gerechtigkeit in Frankreich einfordern – und natürlich den Sturz des Präsidenten Emmanuel Macron.

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Die Renaissance der Gewerkschaften

Und dann sind da natürlich die Gewerkschaften, die froh scheinen, endlich wieder als Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmer öffentlich wahrgenommen zu werden. Während der Proteste der Gelbwesten waren sie völlig abgemeldet. Das hat allerdings zur Folge, dass sich die vielen, untereinander konkurrierenden Gewerkschaften nun in eine Art Überbieterwettkampf begeben haben – jede Organisation geht mit immer radikaleren Forderungen für ihre Klientel in die Verhandlungen. Und natürlich ist der Streit um die Rentenreform auch in den Augen mancher Parteien eine Art Glückfall. Präsident Macron hat mit seiner Politik vor allem das linke Spektrum marginalisiert. Sie sehen nun die Chance, jenem Mann zu schaden, den sie für ihren Niedergang verantwortlich machen.

Macron ist die Zielscheibe der Proteste

Deutlich wird: Emmanuel Macron ist der gemeinsame Gegner, auf den sich die Wut aller Streikenden konzentriert. Das überdeckt sämtliche inhaltlichen Unterschiede in der Protestfront. Diese verwirrende Kakophonie in den Demonstrationszügen macht deutlich, dass die Reform des Rentensystems nur eines von sehr vielen fundamentalen Problemen ist, die es in Frankreich in den nächsten Jahren zu lösen gilt.